Wohin mit den Händen?

Wohin mit den Händen? Was soll ich mit meinen Händen machen? Diese Fragen werden mir in meinen Rhetorikkursen und Coachings immer wieder gestellt. Kurze Gegenfrage. Wissen Sie, was Ihre Hände jetzt tun? Nein. Warum wollen Sie es dann so genau wissen, wenn Sie auf der Bühne stehen?

Wie Sie Ihre Gestik zur Unterstützung Ihrer Rede einsetzen können, lesen Sie in einem weiteren Artikel. Dort finden Sie auch entsprechende Übungen.

Hier möchte ich mich nur mit dem Redebeginn beschäftigen. Der Redebeginn ist ein Moment höchster Anspannung und Unsicherheit. Wenn wir sprechen, setzt die Gestik automatisch sein. Was Sie also brauchen, ist eine Strategie für die Sekunden davor.

Was Sie nicht mit Ihren Händen machen sollten

Richten Sie weder Ihre Kleidung noch Ihre Haare. Kratzen Sie sich nicht. Diese Putzgesten sollten Sie immer unterdrücken. Sie werden als Zeichen von Unsicherheit intepretiert.

Verstecken Sie keinesfalls Ihre Hände. Weder in Hosentaschen noch hinter dem Rücken. Denn Glaubwürdigkeit entsteht durch Sichtbarkeit, nicht durch Verstecken.

Was Sie mit Ihren Händen machen sollten

Lassen Sie Ihre Hände ruhen, wenn Sie nicht sprechen. Lassen Sie sie einfach an Ihrer Seite „hängen“ solange Sie noch nicht dran sind. Legen Sie sie ggf. locker seitlich auf dem Pult ab, während Sie das Ende des Auftittsapplauses abwarten. All das kann man hundertfach bei den Auftritten von „Profis“ beobachen.

Die Hände sind noch nicht dran. Also müssen und dürfen wir auch nichts mit ihnen machen. Die Hände nicht einzusetzen, ist nicht leicht. Aber, es ist das einzig richtige. Alle anderen Strategien führen in die Irre.

Hände und Arme, die einfach nur entspannt und locker neben dem Körper hängen, signalisieren Entspannung und Ruhe. Sie geben den Anschein von Souveränität.

Das Richtige mit seinen Händen zu tun, ist nicht leicht

Nicht einmal Könner machen es immer richtig. In Video unten müssen Bill Clinton und All Gore auf der Bühne eine kurze Einführung abwarten. Betrachten Sie einfach 0:20 – 1:30. Die Hände der beiden sind wirklich fast überall. In den Taschen, im Gesicht, an der Hosennaht. Wenn Sie nicht ins Publikum winken, keine Glanzleistung der beiden. Bei 0:53 können Sie im direkten Vergleich sehen, wieviel souveräner die hängenden Hände Al Gores wirken als Bill Clintons gefaltete Schuljungenhände. Danach – mit einer Hand in der Tasche – wirkt Al Gore als hätte man ihm diese Hand amputiert.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ofGildqz6Hg&list=

Geben Sie sich etwas Zeit, bis Sie es aushalten „einfach“ nur ruhig zu stehen und nichts mit den Händen zu tun. Die Hände gelassen ruhig zu halten ist eine Kunst. Eine Kunst, die zu erlernen sich auszahlt.

Die Merkel-Raute

Angela Merkel wurde lange Jahre hindurch für Ihre Raute verlacht. Das änderte sich erst, als sie zur mächtigsten Frau der Welt aufstieg. Bitte merken Sie sich: Die Merkel-Raute und andere Formen des Ineinanderlegens der Hände helfen ihrer Ausstrahlung nicht. Denn Sie sind Krückentechniken, die langfristig ein Problem durch ein anderes ersetzen.

Nur weil Angela Merkel mächtig ist und sich die Menschen daran gewöhnt haben, wird die Raute nicht zu einer guten Strategie.

Für Angela Merkel hatte die Raute nur am Rand das Ziel, ihre Hände ruhig zu halten. Sie wollte Ihre Haltung stützen. Hat sich darüber zentriert. Sie können das leicht nachvollziehen, wenn Sie die (Original-) Raute selbst nachbilden.

Übung zur Merkel-Raute

Bitte stellen Sie sich aufrecht hin. Nehmen Sie die Hände bis knapp über dem Bauchnabel hoch. Legen Sie die Fingespitzen der Finger beider Hände absolut exakt aufeinander. Lassen Sie etwas Druck zu und spüren Sie in sich hinein. Wahrscheinlich werden Sie sich sicher und konzentriert fühlen. Sie werden aufrechter stehen. Leider werden Gesprächspartner Sie eher als unzugünglich wahrnehmen. So hat Frau Merkel Ihre Raute früher gebildet.

Nun verschieben Sie Ihre Finger bitte leicht. Die Fingerspitzen sollen nicht mehr präzise aufeinanderliegen. Spüren Sie bitte wieder in sich hinein. Ich glaube, Sie werden mir recht geben. Diese Form der Merkel-Raute macht nicht sicher, sondern trägt zur eigenen Unruhe bei.

Ich kenne keine angelernte Handhaltung (und es werden immer wieder viele empfohlen), die nicht die Gefahr beinhaltet, eine ungünstige Wirkung zu erzeugen. Darum, versuchen Sie es gar nicht. Gewöhnen Sie sich einfach daran, gerade und aufrecht mit locker hängenden Armen dazustehen.

Lampenfieber und Körperhaltung

(Rede-)Angst ist selten ein guter Ratgeber. Die meisten der aus Lampenfieber geborenen Gewohnheiten sind schädlich. Doch schon drei kleine Änderungen Ihrer Haltung helfen Redeangst abzubauen.

Mini-Tipp gegen Lampenfieber #1 – Cheerleader engagieren

Mit dieser Verhaltensänderung erhalten Sie stärkendes, positives Feedback während Sie reden.

Viele Redner versuchen den Blicken der Zuhörer auszuweichen. Probieren Sie statt dessen etwas neues: Suchen Sie nach den Cheerleadern im Publikum. Diese Menschen sehen der Redner*in direkt in die Augen und nicken und lächeln, während sie zuhören. Betrachten Sie in Zukunft nur diese, während Sie sprechen. Nehmen Sie Blickkontakt mit ihnen auf. Denn solche Zuhörer*innen signalisieren ganz deutlich: „Sprich weiter. Ich höre Dir zu.“

Ausdruckslose oder feindlich wirkende Gesichter meiden Sie bitte. Meiden Sie sie, solange Sie sich nicht wohlfühlen.

Fun Fact: Unsere interessiertesten Zuhörer*innen sehen oft am gemeinsten aus. Denn sie vergessen das höfliche Lächeln und starren uns ausdruckslos und konzentriert an. Der Blick in ein solches Gesicht lässt das Lampenfieber wachsen – bis man weiss, was dahinter steckt.

Mini-Tipp gegen Lampenfieber #2 – Hände befreien

Verschränken Sie Ihre Arme nicht. Halten Sie nicht eine Hand mit der anderen fest. Geben Sie Ihren Händen die Gelegenheit sich zu bewegen. Sprechen ist nämlich viel leichter, wenn die Hände sich frei gewegen können, d.h. quasi in Bereitschaft stehen. Nicht umsonst heisst es „um Worte ringen“. Jede – noch so kleine – Bewegung der Hände hilft beim Sprechen.

Sie können nicht glauben, dass es so leichter wird zu sprechen? Dann versuchen Sie einmal das Folgende: Setzen Sie sich auf Ihre Hände und erklären Sie einen komplexen oder komplizierten Sachverhalt. Sie werden sofort merken, dass Ihre Gedanken nicht mehr richtig fließen.

Legen Sie darum bitte ab sofort Ihre Hände im Sitzen immer locker ab. Einfach auf den Tisch oder die Armlehnen Ihres Stuhls oder die eigenen Oberschenkel. Im Stehen lassen Sie die Arme locker herunterhängen. So geben Sie Ihren Händen Raum. Danach kümmern sich nicht mehr um Arme und Hände. Diese werden ganz von selbst das Richtige tun.

Mini-Tipp gegen Lampenfieber #3 – Ochsenfroschstrategie

Versuchen Sie nicht, sich klein zu machen. Machen Sie sich statt dessen groß und breit. Wie ein Ochsenfrosch. Sitzen oder stehen Sie aufrecht, dem Gegenüber zugewandt. Achten Sie nicht nur in der betreffenden Situation auf Ihre Haltung, sondern auch in den Minuten und Momenten davor.

Wenn wir uns unsicher fühlen, neigen wir dazu, uns klein zu machen und z.B. unsere Arme zu verschränken. Damit zeigen wir nicht nur unsere Unsicherheit nach aussen und behindern den Redefluss (s.o.). Wir verstärken mit solch einer Haltung auch die eigene Unsicherheit. Im umgekehrten Fall gewinnen wir tatsächlich an Sicherheit hinzu. Unsere Haltung sollte darum sicher d.h. offen, groß und breit sein – eben wie ein Ochsenfrosch. Denn dann werden wir a) als selbstsicher wahrgenommen und werden uns b) nach einer gewissen Zeit auch so fühlen. Die Ochsenfroschstrategie speist sich aus den Erkenntnissen über Power Poses.

20 weitere Tipps und Methoden um Lampenfieber und Redangst zu bekämpfen finden Sie im Artikel „Redeangst überwinden „.

Sie möchten besser wirken und überzeugender auftreten? Dann lesen Sie weiter in Körpersprache. Im Rhetorik-Bootcamp arbeiten wir intensiv daran, dass Sie sich beim Reden in Ihrem Körper wohlfühlen und ihn zu Ihrem Vorteil einsetzen.

Ausdrucksstarke Gesten

Gesten und Sprache sind eins

Um gute Gestik, d. h. ausdrucksstarke Gesten zeigen zu können, müssen Sie etwas grundlegendes wissen: Gesten sind Bewegung gewordene Gedanken.

Gelungene Gestik zeigt, wer seine innerliche Beteiligung nach aussen dringen lässt. Wenn Sie von dem überzeugt sind, wovon Sie sprechen, dann kommt die Gestik (fast) ganz von allein. Gesten kommen aus dem Herzen. Je leidenschaftlicher Sie sprechen, desto leichter wird es sein, ausdruckstarke und große Gesten zu zeigen.

Gesten sind zielgerichtete Bewegungen einzelner Körperteile. Meist benutzen wir unsere Hände dafür. Wir nutzen sie, um Bedeutsames hervorzuheben, Gefühle zu zeigen oder Abstraktes nachvollziehbar zu machen. Wer Gesten „einfach“ einstudieren will, wird kaum oder nur kärglich kleine Erfolge erzielen. Bitte versuchen Sie es erst gar nicht.* Totzdem kann man lernen, ausdrucksstark zu gestikulieren.

Regel Nummer eins für ausdrucksstarke Gesten: Bilden Sie sich eine Meinung zu Ihrem Thema! Finden Sie Ihren Standpunkt!

Für Gesten muss man sich öffnen

Die (Ober-)Arme liegen immer eng am Körper an? Die Bewegungen gehen nicht über die Handgelenke hinaus? Ihre Gesten fühlen sich unnatürlich an, auch wenn Sie zu Ihrer Rede passen? Sie haben vielleicht zu gut gelernt, sich im Zaum zu halten. Das macht es für Gesten schwer, nach aussen zu drängen. Wenn Sie sich daran gewöhnen möchten, ausdrucksstärkere und größere, insgesamt selbstbewusstere Gesten zuzulassen, dann bietet sich die Opernsängerübung an. Im Rhetorik-Bootcamp machen wir sehr viele Gestikübungen, weil das viele andere Probleme mitlöst. Lampenfieber, Sprechtempo, Pausen, Haltung – fast alles verändert sich mit der Gestik.

Opernsängerübung

Stellen Sie sich gedanklich auf die größte Ihnen bekannte Bühne. Sie feiern einen triumphalen Erfolg. Breiten Sie die Arme weit aus und bedanken Sie sich überschwenglich – aber stumm! – für die stehenden Ovationen, die Sie erhalten haben. Umarmen Sie Ihr Publikum. Sie dürfen auch gerne stumm eine leidenschaftliche Dankesrede halten und Sie Ihre Arme und Hände dazu fliegen lassen.

Damit es Ihnen leichter fällt, können Sie sich virtuell auf eine Bühne stellen. Dafür bieten sich z.B. das Deutsche Schauspielhaus Hamburg und für Fortgeschrittene die Bühne der Wiener Staatsoper an. (Oberhalb bis zur Hauptbühne duchklicken, unten innerhalb des Bildes navigieren.) Ihre Gesten müssen so deutlich sein, dass Sie auch von der Galerie und aus der kaiserlichen Mittelloge zu sehen sind.

Achten Sie bitte besonders darauf, die Oberarme und Ellenbogen extra weit vom Körper zu entfernen. Strahlen Sie, werfen Sie Kusshänden ins Publikum, geben Sie Ihrer überschwänglichen Freude Ausdruck. Je mehr Sie die Freude über den Erfolg spüren, desto leichter werden Ihnen die großen Gesten fallen. Bitte beobachten Sie sich nicht dabei im Spiegel. Der würde nur stören.

Wieso gestikulieren wir?

Die Forschung geht heute davon aus, dass wir zuerst mit dem Körper kommuniziert haben. Zeitgleich mit der Entwicklung des aufrechten Gangs führten körperliche Veränderungen dazu, dass wir auch variantenreiche Laute erzeugen konnten. Als wir dann noch lernten, Werkzeuge zu benutzen, wurde die Gestensprache sogar gefährlich. (Mit einer Axt in der Hand…) An diesem Punkt waren wir quasi gezwungen, unsere Stimme zu nutzen.

Wir denken mit unseren Händen. Handbewegungen und andere Gesten werden vom Gehirn schneller angestoßen als Sprache. Darum gehen Gesten den Worten voraus. Weil das so ist können wir nur schwer ohne Gestik sprechen und weil das so ist, kann man Gestik kaum planen.*

Gestik-Test

Versuchen Sie etwas kompliziertes zu erklären und gleichzeitig die Hände bewusst vollkommen still zu halten. Legen Sie die Hände flach auf den Tisch oder setzen Sie sich drauf.

Es wird nicht funktionieren.

Gute Gesten machen glaubwürdig

Weil unsere Gestik so tief in uns wurzelt, ist sie eins der wichtigsten Signale unserer Körpersprache. Unser Publikum überprüft laufend, ob unsere Geten das Gesagte unterstreichen oder dagegen sprechen. Gestik macht Sie als Person erkennbar. Ausdrucksstarke Gesten verifizieren was Sie sagen und machen deshalb glaubwürdig. Gestik zeigt, dass wir persönlich involviert sind.

Tipp

Verstecken Sie niemals jemals, wirklich nie, niemals Ihre Hände! Zeigen Sie Ihre Hände immer. Hände gehören weder in Hosen-, noch in Jackentaschen, nicht hinter den Rücken oder hinter das Pult und schon gar nicht unter den Tisch. Das liegt doch auf der Hand, oder? (Das ist im übrigen im europäischen Raum eine der klarsten Benimmregeln.)

Was für Gesten gibt es?

Ihre Gestik wurde Ihnen teilweise angeboren, teilweise wird sie vererbt. Es gibt familien- und kulturtypische Gesten. Achten Sie einmal darauf.

Man unterscheidet sprachbegleitende und sprachersetzende Gesten.

Sprachersetzende Gesten

Die sprachersetzende Gestik oder symbolische / emblematische  Gestik kann man relativ leicht erlernen und ganz bewusst einsetzen. Dazu gehören z.b. Kopfschütteln, Schulternzucken oder Nicken sowie das Stoppsignal der aufgestellten Handfläche am Ende des ausgestreckten Arms, das ok-Zeichen oder auch der erhobene Daumen. Aber ACHTUNG! Diese Gestik ist kulturell kodiert. Je nach Kulturkreis haben sie eine andere, vielleicht ungünstige, häufig auch sexuelle abwertende Konnotation. „ok“ ist in vielen Gebieten der Welt ganz und gar nicht ok.

Siemens erlebte vor vielen Jahren ein sehr teures Missverständnis mit der sprachersetzenden Geste des Kopfnickens. Sie gingen in einer Verhandlung mit dem Preis immer und immer weiter runter, je intensiver Ihre indischen Partner den Kopf schüttelten. Hätten die Vertreter von Siemens gewusst, dass eine Form des Kopfchüttelns in Indien Zeichen des Respekts ist und eine andere sehr wohl „Zustimmung“ bedeutet, dann wäre es besser für sie ausgegangen. Die indischen Vertragspartner waren nicht etwa entrüstet über imer noch zu hohe Preise, sondern konnte ihr Glück über die immer besser werdenden Angebote nicht fassen. In Bulgarien, Nord-Griechenland und Sri-Lanka könnte übrigens dassselbe passieren.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/Uj56IPJOqWE
Das Nicken, dass Siemens so viel Geld kostete.

Sprachbegleitende Gesten

Es gibt vier verschiedene Formen der sprachbegleitenden Gestik: deiktische, ikonische, metaphorische Gesten und die so genannten „Beats.“** Die Unterscheidung ist nicht immer leicht und nicht immer ist eine Geste nur eins. Ich stelle sie trotzem vor, weil der Prozess des Erlernes neuer entsprechender Gesten ein jeweils unterschiedlicher ist. Manchmal erfüllen Gesten die Kriterien mehrer Kategorien. Es lohnt sich trotzdem mehr darüber zu wissen, weil man ein paar bewusst verändern und verbessern kann.

Deiktische Gesten

Deiktische Gesten sind die Zeigegesten: Das will ich haben. Dahin müssen wir gehen. Sie müssen aufpassen. Kleinkinder zeigen diese Art der Gesten bereits ab dem 10. Lebensmonat. Typischerweise werden sie mit dem Zeigefinger ausgeführt.

Zeigefingertipp

Versuchen Sie den ausgestreckten „pädagogischen Zeigefinger“ (Samy Molchow) durch die offene, ausgestreckte Hand zu ersetzten. Sie wirkt um so vieles einladender und großzügiger.

Sie könnte den Zeigefinger auch leicht krümmen wie es z.B. Obama oft tut. Dies zu erlernen kostet Mühe, ist den Einsatz aber wert.

Deiktische Gesten mit dem Zeigefinger sind unvorteilhaft eng mit Zwang und Schule verbunden. Wenn Sie von „müssen“ sprechen und dabei den ausgestreckten Zeigefinger und womöglich noch mit steifem Handgelenk und ausgestreckten Arm benutzen, dürfen Sie sich darum über Widerstand nicht wundern. Wenn Sie statt aber von „wir“ sprechen, könnte der Aufmerksamkeit heischende Zeigefinger ok sein.

Ikonische Gesten

Die Silhouette einer Frau wird mit kurvigen Bewegungen in die Luft gezeichnet: eine ikonische Geste. Ikonische Gesten stellen Gegenstände, Ereignisse, räumlichen Bezüge dar, auf die sprachlich bezug genommen wird.

Typisch sind die Gesten: Hand aufs Herz, Hand vor den Mund, das alles gehört mir,

Metaphorische Gesten

Metaphorische Gesten sind – genauso wie ikonische Gesten – abbildend. Nur beziehen Sie sich abstrakte Konzepte, so z.B. die geöffneten Hande bei Redebeginn.

Ikonische und metaphorische Gesten einstudieren

Ikonische und metaphorische Gesten sind wie die sprachersetzenden Gesten bildhafte Gesten. Je intensiver Sie sich mit Ihren Texten auseinandersetzen, desto eher wird sich die passende Gestik einstellen. Führen Sie sich selbst vor Augen, was die Zuhörer sehen sollen. Nehmen Sie sich andere zum Vorbild, üben Sie die Gesten beim Üben der Rede mit ein und vergessen Sie auf der Bühne alles darüber! Wenn Gesten nämlich nicht natürlich, sondern zu spät kommen, zerstören sie unsere Glaubwürdigkeit. Wenn Sie genügend üben und der Text es zulässt, werden die ausdrucksstarken Gesten kommen.

Beats

Sie haben es selbst schon gesehen. Jemand ringt und Worte und bewegt dabei lebhaft seine Hände.

Beats sind rythmisierende Gesten. Sie sind quasi der Taktstock des Sprechens. Sie dienen der Betonung des Gesagten. Es wird z.B. immer wieder mit der Faust auf das Pult oder mit der Handkante nach unten geschlagen. Beats dienen zur Akzentuierung wichtiger Redeanteile. Auch das trotzige Stampfen mit dem Fuß kann ein Beat sein.

Beats kann man recht leicht einstudieren. Üben Sie sie einfach bereits mit der Rede. Wichtige, entscheidende Passagen mit Beats zu unterlegen, ist eine gute Idee. Beats geben Ihren Worten eine hohe Wichtigkeit. Um ausdrucksstarke zu sein, müssen Ihre Beats nicht besonders groß werden. Hier gilt eher die Devise: klein aber fein. Es geht weniger um die Amplitude als um den Rythmus der Bewegung.

Wie entstehen ausdrucksstarke Gesten?

Ausdrucksstarke Gesten müssen eine Mindestgröße haben (sichtbar sein). Sie finden typischerweise oberhalb des Bauchnabels statt und sie kommen immer vor den Worten. Kommen Gesten nach den Worten, dann wird das als Zeichen für Unglaubwürdigkeit gesehen.

Halten Sie sich gerade. Ausdrucksstarke Gesten wirken nicht, wenn Ihre Haltung nicht stimmt.

Es ist immer günstiger die Handflächen als die Handrücken zu zeigen. Handflächen sind ein verletzlicher Körperteil. Sie zu zeigen zeugt von Stärke, Vertrauen und Selbstsicherheit.

Ausdrucksstarke Gesten müssen keinesfalls immer groß sein. Sie variieren in Größe, Präzision, Richtung und Intensität. Mal sind die Handgelenke gebeugt und mal gestreckt. Mal zeigen wir schnellere und mal langsamere Bewegungen. Ausdrucksstarke Gesten passen sich dem Inhalt und der Intention des Gesagten an. Je genauer die Passung und je präziser die Abstimmung um so stärker wirken unsere Gesten für uns.

Genauso, wie wir mit unserer Stimme spielen, können Sie auch lernen mit Ihrer Gestik spielen. Die Größe Ihrer Gesten verändert sich – wenn Sie durchlässig genug sind – z.B. analog dazu, wie laut Sie in den entsprechenden Situationen sprechen. Wenn Sie leise, langsam und bedächtig sprechen, werden die Gesten nicht groß sein und auch keine schnellen Bewegungen beinhalten.

Ausdrucksstarke Gesten entstehen am leichtesten, wenn Sie zu 100 Prozent hinter dem stehen, was Sie sagen. Sorgen Sie also dafür, dass das so ist. Sprechen Sie vorher mit anderen über das, was beim Vortrag Thema sein wird. Legen Sie sich schon vorher fest. Fangen Sie vielleicht schon an, das zu tun, worüber Sie nachher sprechen. Wenn Sie mit Ihrer Botschaft eins sind, dann haben Sie alle Chancen sehr überzeugend zu sein.

Übung

Lesen Sie das Gedicht „John Maynard“ laut und mit starker Betonung. Versuchen Sie den Inhalt zu spüren und Ihre Hände „fliegen“ zu lassen. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie zu einem großen Publikum sprechen und immer wieder andere Personen direkt ansprechen.

Pro-Tipp: Wie beginnen?

Überlegen Sie sich bei der Vorbereitung sehr genau, in welcher Stimmung und mit welcher Intention Sie Ihre ersten Worte sprechen wollen. Dann üben Sie, die Hände vor dem ersten Wort und im Ausdruck dieser Stimmung hochzunehmen. Erst eine Millisekunde später beginnen Sie zu sprechen. Ihre erste Geste wird sich (irgenwann) automatisch formen. Die richtige Reihenfolge beim Üben ist: Blickkontakt aufnehmen, Beginn der Handbewegung, erste Worte. Bis dahin lassen Sie die Arme locker hängen oder auf Pult oder Tisch liegen.

Bitte trainieren Sie sich keine bewusste Handhaltung an, mit der Sie die Hände fixieren. Denn solche Gewohnheiten tendieren dazu, sich selbständig zu machen. Die Merkelraute ist auch heute noch kein Zeichen von rednerischer Qualität und Selbstbewusstsein.

Tipp: Putzgesten vermeiden

Wenn wir nervös sind, zeigen viele von uns sogenannte Putzgesten. Wir zupfen an unserer Kleidung. Wir streichen uns die Haare aus dem Gesicht, kratzen uns (un-)auffällig. In einem meiner allerersten Seminare habe ich sogar gesehen, wie sich jemand auf dem Weg nach vorne eine störende Unterhose richtete. Diese Übersprungshandlungen zeigen deutlich, dass wir nervös sind oder und nicht wohlfühlen. Im Zweifel ist es nicht gut, diese Gefühle offenbar werden zu lassen.

Bitte halten Sie sich diesbezüglich an die alte Benimmregel: Die Hände gehören nicht ins Gesicht oder die Haare und man zupft nicht an seiner Kleidung herum. Sorgen Sie vorher dafür, das alles sitzt und lernen Sie diesen Reflex zu unterdrücken.

Was ist auf der Bühne anders?

Ihre Gesten sollten auf der Bühne größer sein als im Gespräch. Sie richten sich nicht an eine einzelne Person sondern an viele. Je größer Ihr Publikum und je weiter entfernt es sitzt, desto ausladender muss auch Ihre Gestik werden. (Ausnahme: Sie werden parallel gefilmt und das Publikum nimmt Sie vor allem über die Leinwände wahr.)

Tipp

Ihre Gesten werden automatisch größer, wenn Sie sich nicht an die erste sondern an die letzte Reihe wenden.

Bitte lassen Sie Ihre Gesten am Endpunkt etwas „stehen“. Nehmen Sie die Hände nicht gleich herunter. Lassen Sie sie schon gar nicht einfach kraftlos fallen und noch baumeln und auspendeln. Energie bestimmt ganz maßgeblich mit darüber, wie gern uns das Publikum zuhört und ob es uns glaubt. Idealerweise geht quasi eine Geste in die andere über.

Wenn Sie über Details oder etwas sehr privates sprechen oder präzise sind, werden Ihre Gesten automatisch kleiner (exakter) werden. Stören Sie sich nicht daran, es ist richtig so. Wenn Sie stattdessen leidenschaftlich zu umfassender Erneuerung aufrufen, werden Ihre Gesten automatisch größer werden. Sie müsses es nur wirklich ernst meinen.

Um eine bessere Verbindung zu Publikum zu erhalten, könnten Sie versuchen eher Ihre Handinnen- statt -außenflächen zu zeigen.

Exakt-Alle-Übung

1. Breiten Sie die Arme in Schulterhöhe weit aus und sagen Sie voller Überzeugung: „Wir müssen genauer agieren…“. 2. Nehmen Sie die Arme herunter, heben Sie eine Hand etwas hoch und bilden Sie dabei mit dem Zeigefingernagel auf dem obersten Fingerglied des Daumens einen Kreis und sagen genauso sicher: „Die ganze Welt ist begeistert“. 3. Tauschen Sie die Sätze.

Merken Sie sich, wie es sich anfühlt, ausdrucksstarke Gesten zu verwenden. Man kann und sollte sich daran gewöhnen.

Sie wollen lebendig und glaubwürdig wirken? Dann nutzen Sie mehr Gesten. Sie wollen überzeugende Gestik nutzen? Dann kommen Sie ins Rhetorik Bootcamp.

* Wenn es doch sein muss, üben Sie 200 Mal. Dann könnte es sein, dass die Geste natürlich wirkt.
** David McNeill „Why We Gesture: The Surprising Role of Hand Gestures in Communication.

Körpersprache und Wirkung

Körpersprache bildet unsere innersten Gedanken und Haltungen ab. Deshalb ist es so schwer, sie zu steuern. Besser funktioniert es indirekt. Der einfachste Weg zu ausdrucksstarker Körpersprache: Sprechen Sie nur, wenn Sie vom Inhalt der Rede überzeugt sind.

Wir kommunizieren immer mit dem ganzen Körper. Jeder und immer. Bei Langeweile z.B. zeigen wir keine großen Gesten. Im schlimmsten Fall sehen wir aus wie ein leerer Sack Mehl und bohren in der Nase. Wie es Paul Watzlawick schon sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Körpersprache ist in weiten Teilen universal gültig. Selbst von Geburt an blinde Sportler reissen beim Jubeln die Arme hoch. Glückliche Kinder hüpfen weltweit auf und ab.

Kongruente Körpersprache

Vor allem Ihre Körpersprache entscheidet darüber, ob man Ihnen glaubt und folgt. Denn das Publikum prüft ständig, ob Sie die Wahrheit sagen. Es tut das, indem der Inhalt der Rede damit „Wie es gesagt wurde“ verglichen wird. Ist beides nicht deckungsgleich (kongruent), dann wird die Botschaft verworfen. Deshalb ist es so wichtig, natürlich, echt und ungekünstelt zu wirken.

Aufregung als Problem

Sind wir sehr aufgeregt, durchdringt die Aufregung alles. Sie zeigt sich in Mimik Gestik, Haltung und Bewegung. Folglich stimmen Körpersprache und die Botschaft unserer Rede nicht überein. Versuchen Sie nicht, die Aufregung zu verdrängen. Sonst entstehen Übersprungshandlungen. Die Abweichung zwischen Inhalt und Körpersprache wird noch größer.

Übersprungshandlungen sind z.B. Kleidung bzw. Haare zu richten, sich zu kratzen, das Klicken mit dem Kugelschreiber, das Reiben der Nase. Das schlimmste, was ich je gesehen habe, war ein Redner, der auf dem Weg zum Pult noch seinen Slip richtete.

Es ist folglich sehr wichtig, die eigene Aufregung in den Griff zu bekommen. Wenn Sie sich wohlfühlen, wird Ihre Körpersprache zum Beweis Ihrer Redlichkeit.

Eine erregende Einstellung finden

Gute Körpersprache ist ausdrucksstark. Sie verstärkt Ihre Botschaft. Wenn Ihre Körpersprache wirken soll, brauchen Sie vor allem drei Dinge.

Sie brauchen:
1. gespannte Aufmerksamkeit (der Tiger vor dem Sprung)
2. eine klare Struktur und
3. eine Botschaft, die Sie mit Leidenschaft vertreten.

Auch Zahlen können sehr wohl Leidenschaft wecken. Es muss nicht immer die Begeisterung über die Werte an sich sein. Zahlen oder deren Ursprung müssen nur gut analysiert werden. Die Ergebnisse dieser Analyse sprechen immer eine klare Botschaft. Diese Botschaft können Sie dann voller Überzeugung vortragen.

Wenn Sie andere begeistern wollen, dann seien Sie einfach selbst begeistert. Sie wünschen sich größere Gesten? Sie möchten ausdrucksvoller sein? Ihre Körpersprache soll stärker wirken? Dann finden Sie bitte eine erregende Einstellung zur eigenen Botschaft. Der Rest kommt dann fast von allein.

Sich eine Ansicht zu eigen machen

Wenn Ihnen ein Thema eigentlich nicht liegt, müssen Sie daran arbeiten Sie müssen es zu Ihrem Thema machen. Sonst können Sie nicht überzeugend dazu sprechen.

Als Politikerin kenne ich diese Situation gut. Seltenst ist die Meinung der Partei identisch mit meiner. Also fragte ich mich, wo ich zustimme und worauf ich stolz bin. Es hilft auch, mich zu fragen, warum es zu dieser Entscheidung genommen ist. Vielleicht ist der kleine Schritt das maximal Erreichbare.

Mit aussreichend Arbeit kann man sich sehr viele Ansichten zu eigen machen. Es geht nicht darum zu lügen, sondern darum, tiefes Verständnis für die zu vertretende Position zu entwickeln. Wenn ich mit nichts übereinstimme, dann sollte ich die Rede nicht halten.***

Eindrucksvolle Körpersprache

Was lässt Sie glaubwürdig und eindrucksvoll wirken? Sprechen Sie über eigene Erlebnisse. Bringen Sie Beispiele. Werden Sie emotional. Viele denken dabei sofort an Schauspiel. Sie liegen damit nicht ganz falsch.

Method Acting

Redner können viel von Schauspielern lernen.

Schauspieler erwecken Worte zum Leben. Wir sollen in Filme eintauchen. Glauben, dass die Geschichte vor unseren Augen spielt. Wir sollen die Kunst vergessen. Das Spiel soll real wirken.*

Viele Schauspieler bauen auf das Stanislawski-System oder Method Acting. Sie nutzen persönliche Erlebnisse. Der Abruf dieser Erlebnisse gewährt Zugang zu den damit verbundenen Gefühlen. Die Gefühle werden gespeichert. Später können sie auf der Bühne benutzt werden, um die Rolle besser zu „spielen“.

Über Liebe sprechen ist leichter, wenn wir uns noch gut daran erinnern wie es war. An diesen Tagen am Meer. Mit ihm. Mit ihr.
Über Liebe zu sprechen ist leichter, wenn wir uns noch gut daran erinnern wie es war. An diesem Tag. Am Meer. Mit ihm. Mit ihr.

Die Methoden sind sehr wirksam. Das beweist eine lange Liste sehr erfolgreicher Schauspieler, die sich ihnen verschrieben haben: James Dean, Paul Newman, Al Pacino, Jane Fonda, Jack Nicholson. Daniel Day-Lewis gewann damit schon drei Mal den Oscar für die beste männliche Hauptrolle.

Wollen Sie Ihre Körpersprache direkt beeinflussen? Ohne Umweg über das Method Acting? Dann üben Sie bitte hundertfach. Danach sind die Bewegungen abrufbar. (Wenn Sie nicht von etwas überrascht werden.)

Blickkontakt

Sie wollen sympathisch wirken? Sie möchten glaubwürdig sein? Sie wollen zeigen, dass Sie kompetent sind? Dann ist der Blickkontakt Ihr Hebel. Ihr Blickkontakt soll ruhig, stet und direkt sein. Schauen Sie dazu entweder in das rechte oder das linke Auge. Nicht auf die Stirn oder auf die hintere Wand. Je intensiver Ihr Blickkontakt ist, um so mehr Autorität, Souveränität und Kompetenz schreibt man Ihnen zu.

Blickkontakt ist ein Autoritätssignal. „Ich sehe, was du tust.“ Demütig gesenkte Blicke haben statt dessen keine Autorität.

Aber warum macht Sie der Blickkontakt sympathisch?
Es ist recht einfach. Das Publikum möchte gesehen werden. Es will den Kontakt mit uns: intim und unmittelbar. Denn das unterscheidet Live von der Konserve. Kein Aspekt der Körpersprache, ausser der Nennung eines Namens, sagt klarer „Du bist gemeint!“. Diese Zuwendung macht sympathisch.

Tipp: Sie wollen den Eindruck „Ich rede nur für Dich“ verstärken? Dann Personalisieren Sie Ihren Vortrag doch.

Im Gespräch halten nur die Zuhörer stets Blickkontakt. Der Sprecher muss das nicht. Denn es ist  schwer Blickkontakt zu halten, während man spricht. Beim Denken z.B. schauen wir meist weg. Aus diesen Gründen würde ständiger Blickkontakt im Gespräch als „Anstarren“ gewertet.

Doch auch wenn Sie vor großen Gruppen reden, möchte jeder Zuhörer angeschaut werden. Darum gelten für Redner zwei Gesetze:

  1. Nie mehr reden ohne Blickkontakt.
  2. Jeden Blickkontakt so lange halten, bis Sie eine Rückmeldung bekommen.

Blickkontakt-Kniff: Cheerleader

Damit es leichter klappt, hier noch ein Kniff. Sprechen Sie, wenn Sie sich nicht wirklich gut fühlen nur zu Ihren Cheerleadern. Cheerleader sind die Zuhörer, die Ihnen zu verstehen geben, dass sie „ganz Ohr“ sind. Sie tun das durch Lächeln, intensiven Blickkontakt und ggf. Nicken. Die beschriebenen Signale sagen Ihnen deutlich: „Sprich weiter. Ich will mehr hören. Du machst das gut“ – Cheerleader halt.

Kniff: Blickkontakt für Fortgeschrittene

Sprechen Sie genau eine Phrase, einen kurzen Abschnitt zu jedem Zuhörer, mit dem Sie Blickkontakt halten. Wenn Sie durch sind, nicken Sie kurz. Warten Sie die Reaktion ab und gehen erst dann zum nächsten Zuhörer über. Dadurch wird Ihr Blickkontakt zu einem virtuellen Handschlag.

Dieser Kniff hilft Ihnen auch dabei, mehr und gute Pausen zu machen.

Einen Artikel zu ausdrucksstarker Gestik finden Sie hier.

Haltung

Stehen und sitzen Sie aufrecht! Lassen Sie Ihr Brustbein strahlen!

Sich aufzurichten zahlt sich aus. Jeder einzelne Zentimeter Körpergröße ist bares Geld wert. Für Männer 0,65% Brutto monatlich.

Es ist darum nicht verwunderlich, dass bedeutende Könige schon sehr früh (Kyros II. – bereits in der Antike) „Groß“ genannt wurden. Auch eine unterdurchschnittliche Körpergröße (Alexander – um 1,50m, Katharina II. – keine 1,52m, Friedrich II. – 1,62m) war kein Hinderungsgrund. Einzig Karl der Große war mit – auf heute umgerechneten – 1,95m tatsächlich weit überdurchschnittlich groß.

Wir betrachten beeindruckende und hervorragende Leistungen nicht nur sprachlich als GROßartig.

Blasen Sie sich unbedingt „zu voller Ochsenfroschgröße“ auf, wenn Sie auf der Bühne sind. Versuchen sie nicht, sich zu verstecken. Zeigen Sie sich. Ich bin ja der Ansicht, dass mir mein Gewicht auf der Bühne hilft. (Helmut Kohl, 1,93m konnte Menschen erschrecken, einfach indem er einatmete.) Trotzdem empfehle ich Ihnen eine Gewichtszunahme nicht als Strategie. Weniger schlanke Menschen werden gern für dumm, faul und undiszipliniert gehalten.

Halten Sie sich lieber einfach besonders aufrecht. Gestikulieren Sie weit ausladend und expansiv. Das lässt Sie größer wirken. Besonders groß wirken Sie mit Gesten, bei denen die Hände bis auf die Höhe der Schultern kommen.

Freude und Triumph sind Gefühle, die sich nach oben orientieren. Sie richten uns auf. Deshalb wirken Gesten die nach oben führen auch so gut. Hängende Schultern machen unglücklich.

Marionetten-Übung

Sie wollen lernen sich gerade zu halten? Bitte stellen Sie sich vor, dass oben auf Ihrem Kopf ein Faden befestigt ist. An diesem Faden werden Sie marionettengleich nach oben gezogen, bis sich ganz aufrecht stehen. Bitte ziehen Sie die Schultern nicht gleichzeitig zu den Ohren hoch. Die Schultern bleiben unten.

Engels-Übung

Sie kennen Abbildungen des Erzengels Gabriel? Nein? Vielleicht ja doch. Er ist der mit den riesigen Flügeln. Flügeln, für die mindestens fünfzehn Gänse Ihr Leben lassen mussten.

Bitte stellen Sie sich vor, solche Flügel auf dem Rücken zu tragen. Gehen Sie danach durch ein Einkaufszentrum oder zur Kantine. Das Gewicht der Flügel zieht Ihre Schultern nach hinten. Sie müssen sich bewusst gerade halten und etwas langsamer gehen, um trotz des Luftwiderstands vorwärts zu kommen. Beim Gehen hören Sie ein leises „Wusch, Wusch, Wusch“.

Sie dürfen gern dabei lächeln und den Entgegenkommenden in die Augen schauen. Auch wenn man Ihnen sonst keinen Platz macht. Auch wenn Sie sonst oft ausweichen müssen. Während dieser Übung ist das anders, wenn Sie alles richtig machen.

Nougatkrokant-Übung

Sie sehen einen Türrahmen. Das ist ab sofort Ihr Signal. Denn oben im Türrahmen hängt etwas, das Sie unbedingt mit Ihrem Mund schnappen sollten. Ganz so wie Sie es am liebsten haben, handelt es sich dabei um ein Sück Nougatkrokant, ein Mettbrötchen mit Zwiebeln, ein Stück dunkle Schokolade. Von mir aus gern ein Bissen saftige, aromatische Melone. Schnappen Sie zu. Es wird Sie innerlich wie äußerlich aufrichten.

Nase-Nabel-Kontakt

Sie wollen Ihren Blickkontakt nun noch weiter intensivieren? Dann machen Sie ihn zum Nase-Nabel-Kontakt.

Die volle Zuwendung zum Publikum wird durch den N-N-Kontakt perfekt beschrieben. Wenden Sie dazu Ihre Nase der Nase eines Zuhörers zu. Richten Sie auch Ihren Nabel auf seinen hin aus. Die Verbindungslinien von Nase zu Nase und von Nabel zu Nabel verlaufen nun parallel. Ihre Hüfte steht senkrecht dazu. Zeigen Sie möglichst vielen diese intensive Form der Hinwendung. Der N-N-Kontakt ist absolut das Gegenteil des über-die-kalte-Schulter-blickens.

Gerade, wenn Sie nicht so groß sein sollten, ist der N-N-Kontakt wichtig für Sie.

Kniff

Setzen Sie den N-N-Kontakt bewusst ein. Immer. Bei allen Gesprächen und Auftritten. Ergänzen Sie Ihren Blickkontakt mit dem N-N-Kontakt. Es wird Ihnen schnell in Fleisch und Blut übergehen.

Intensiver Kontakt ist einer der stärksten Treiber für Ihre Ausstrahlung. Verzichten Sie deshalb niemals wieder darauf. In keiner Situation außer dem Konfliktgespräch.

Achten Sie darauf, wer in einer Gruppe den meisten N-N-Kontakt bekommt. Er oder sie ist der Führer der Gruppe. Wenn Sie eine Entscheidung erreichen wollen, müssen Sie ihn überzeugen.

Stand

Bitte wenden Sie sich Ihrem Publikum immer frontal zu. Ihr Brustbein zeigt in die Mitte des Publikums. Sie sollen gut zu sehen sein. Wenden Sie sich nicht ab. Stehen Sie nicht im Halbprofil. Es sei denn, es gibt einen guten Grund dafür.

Sie sollten nicht nur sehr aufrecht, sondern auch sicher stehen. Idealtypisch beschreibt man das so:

  1. Gewicht auf beiden Füßen
  2. Gewicht tendenziell mehr auf den Ballen als auf den Fersen
  3. Füße etwa hüftbreit auseinander
  4. einen Fuß zwei Finger breit vor dem anderen.

Männer dürfen etwas breiter stehen, aber dafür nicht viel schmaler werden. Frauen dagegen dürfen nicht viel breiter stehen. Verhalten sie sich anders, könnte es sein, dass das Publikum mehr über Ihre Geschlechtsidentität nachdenkt als über Ihr Thema.

Wimbledon-Übung

Wimbledon ist berühmt für seine Rasenplätze. Jedes Jahr beim großen Tennisturnier leidet der Rasen, weil er das intensive Spiel nicht gut verträgt.

Um zu spüren, wie sich ein richtig guter Stand anfühlt, machen Sie bitte die Wimbledon-Übung. Testen Sie ein Stück Rasen: Stehen Sie gerade und aufrecht. Unter Ihren Füßen liegt der Test-Rasen für Wimbledon. Trampeln Sie, treten Sie den Rasen mit aller Kraft. Lassen Sie auf einem etwa Din A3 großen Flecken (Zeichenblock) möglichst keinen Grashalm stehen. Benutzen Sie dabei erst den einen und dann auch den anderen Fuß. Verausgaben Sie sich.

Nun treten Sie locker einen Schritt zurück und verharren. Stehen Sie aufrecht. Spüren Sie Ihre Füße. Nehmen Sie die Verbindung zum Boden wahr. Wenn Sie intensiv genug „Getestet“ haben, wird Ihr Stand nun fast perfekt sein. Diesen Stand sollten Sie ab heute immer einnehmen, wenn Sie beginnen zu sprechen. Über den Sinn von Routinen schreibe ich hier. (folgt)

Haselnuss-Kniff

Ausstrahlung besteht aus Kontakt und Haltung. Nichts verbessert Ihre Präsenz mehr als eine gute Körperspannung. Daran können Sie ganz leicht und ganz bewusst arbeiten. Stellen Sie sich einfach vor, eine Haselnuss zwischen den Pobacken festzuhalten.

Sie kennen eine ähnliche Anweisung schon vom Sport. „Becken nach vorn. Bauch fest.“ Den zweiten Teil der Anweisung ignorieren Sie bitte. Ihre Bauchdecke soll nicht angespannt sein. Sie brauchen sie, um mit dem Zwerchfell zu atmen und für die Stimmresonanz.

Bewegung

Stand und Bewegung sind eng verknüpft. Mischen Sie beides trotzem nicht. Wenn Sie stehen, stehen Sie ruhig. Einen Standpunkt mus man vertreten. Wenn Sie sich bewegen, tun Sie es absichtsvoll.

Es gibt noch einen ganz anderen Aspekt. Wir sind Nachfahren von Jägern. Darum suchen wir den Horizont fortwährend nach Beute und Raubtieren ab. Wer das nicht tat, verschwand aus dem Genpool.Darum es uns zur zweiten Natur geworden. Und darum hält uns Bewegung auf der Bühne wach. Bewegungslosigkeit wirkt dagegen beruhigend und einschläfernd.

Bewegung ist gut. Zuschauer belohnen Energie und Abwechslung.

Wie bringt man beide Aspekte zusammen? Bewegung ist immer dann gut, wenn sie das Gesagte unterstreicht. Sie bringen ein neues Argument, dann wechseln Sie dazu den Platz. Sie sagen: „Es muss so bleiben“, dann bewegen Sie sich bitte nicht. Schwanken, Tänzeln oder Wippen am Platz ist nicht gut.

Ein Zuviel an Bewegung ist schlecht. Denn es lenkt ab.

Außerdem verlieren Sie so an Status. Warum das so ist, fragen Sie? Wichtige Menschen bewegen sich nur wenig. Statt dessen bewegen sich die anderen Gruppenmitglieder um das alpha-Tier herum oder darauf zu oder davon weg.


* Ja, Brecht sieht das anders.
*** Wenn Sie so gar keinen Weg finden können, sprechen Sie mich an. Es dauert meist nicht lang, Sie zu einem guten Botschafter zu machen. Ein Wechsel der Perspektive und die Wahl des richtigen Rahmens helfen erfahrungsgemäß sehr.