Reden verbessern mit Feedback – Sechs Tipps

Gute Redner sind süchtig nach Feedback. Damit ist nicht der Applaus gemeint. Gute Redner wollen wissen, wie Ihre Rede angekommen ist.  Sie wissen, dass sehr gutes Feedback sogar ganz neue Ideen reifen lässt. 

Sie können einen Coach wie mich buchen, um gutes Feedback zu bekommen. Auch hilfreiches Feedback von KollegInnen bringt Sie weiter. Wie Sie das bekommen, beschreibe ich hier.

Sechs Tipps für lohnendes Feedback

1. Fragen Sie die Richtigen

Gutes Feedback ist ehrlich. Sie brauchen darum jemanden, der mutig ist. Der Ihnen die Wahrheit sagt. Der klar formuliert. Gutes Feedback ist empathisch. Wählen Sie keinen Henker aus. Sie haben Kollegen, mit denen Sie sich intensiv austauschen? Das könnten die Richtigen sein.

Wählen Sie jemanden aus, dessen Urteil Sie schätzen.

2. Fragen Sie rechtzeitig nach Feedback

Bitten Sie unbedingt schon VOR der Präsentation um Hilfe. Sonst könnte es peinlich werden. Feedbackgeber, die sich kaum an ihre Rede erinnern, helfen niemandem.

Fragen Sie vorab nach Feedback. So stellen Sie sicher,  dass die Wunschpartner auch tatsächlich anwesend sind.

Ihre frühzeitige Bitte sorgt dafür, dass Ihre Partner besonders aufmerksam sind. Ausserden können sie sich Notizen machen. So ist das spätere Feedback viel präziser.

3. Geben Sie an, worauf Ihre Partner achten sollen

Machen Sie es Ihren Feedbackgebern leicht. Lassen Sie sie wissen, worauf es Ihnen ankommt. Je genauere Vorgaben Sie machen, desto besser wird das Feedback werden. Wozu möchten Sie Hinweise haben? Geht es Ihnen um Verständlichkeit, Stimme oder Humor? Wollen Sie wissen, ob Sie endlich Ihre Füllworte in den Griff bekommen? Vielleicht ist wichtig zu wissen, ob Sie endlich die richtige Geschwindigkeit treffen.

Am besten geben Sie drei Dinge an, auf die Ihre Helfer achten sollen.

4. Feedback sofort einholen

Direkt nach dem Termin ist Feedback am wertvollsten. Denn sämtliche Eindrücke sind noch frisch und ungefiltert. Nur dann können Sie mit Antworten auf detaillierte Nachfragen rechnen.

Auch eine umfassende Analyse braucht nicht mehr als zehn Minuten. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort dafür. Dort werden Sie nicht unterbrochen.

Falls es im direkten Anschluss an die Veranstaltung nicht möglich ist, versuchen Sie in jedem Fall, die Rückmeldung Ihrer Partner am selben Tag zu erhalten. Es gilt: je früher je besser.

5. Feedback annehmen und aufschreiben

Hören Sie einfach zu. Denn Ihre Partner schildern nicht nur ihre Eindrücke. Sie laden Sie in ihre Welt ein.

Diskutieren Sie nichts. Erklären Sie nichts. Reden Sie sich nicht raus. Feedback ist ein Geschenk. Weisen Sie das Geschenk nicht zurück. Sonst wird man Ihnen bald kein Feedback mehr geben. Nutzen Sie doch lieber die Chance viel über sich und Ihre Partner zu lernen.

Schreiben Sie auf, was man Ihnen sagt. So können Sie nichts vergessen.

Sie können später entscheiden, welchen Teil der Analyse Sie annehmen möchten.

6. Geben Sie sich selbst Feedback

Nach jeder Rede sollten Sie sich auch selbst den Spiegel vorhalten. Stellen Sie sich dazu drei Fragen, um besser zu werden:

  1. Was hat funktioniert?
  2. Was hat mir gefallen?
  3. Was möchte ich verändern?

Übung allein macht keinen Meister.  Sie müssen herausfinden, was gelungen ist und woran Sie weiter feilen können.

Gern geben ich Ihnen im Rahmen eines Einzelcoachings Feedback für Ihre Rede. Nehmen Sie die Rede dazu einfach auf.

Was Sie TUN und LASSEN sollten

Was Sie bitte tun

  1. Holen Sie unbedingt nach jeder Präsentation, jedem Wortbeitrag, jeder Rede Feedback ein. Je eher das zu einer Gewohnheit wird, desto schneller und größer werden Ihre Fortschritte.
    Wenn Sie mutig sind, können Sie sogar Gesprächspartner – wenn alles besprochen ist – um eine Einschätzung bitten
  2. Erkennen Sie, wie ungemein wertvoll Feedback ist. Denn wenn Sie dieselbe Rede hundertmal halten, werden Sie ohne Feedback immer und immer wieder dieselben Fehler machen.
    Es lohnt sich, zu wissen, wie Ihr Humor, Ihr Persönlichkeit und Ihre Inhalte auf die anderen wirken.
  3. Nutzen Sie die Feedbackrunden, um Ihre Beziehung zu den Feedbackgebern zu vertiefen. Beides, das Geben und Nehmen von Feedback, kann uns verletzlich machen. Verletzlichkeit zu zeigen führt zu festeren Beziehungen und Vertrauen.

Was Sie bitte sein lassen

  1. Bitten Sie niemanden um eine Einschätzung, der selbst aktiv ist. Denn sonst könnten Ihre Partner abgelenkt sein. Für fundiertes Feedback braucht es die volle Aufmerksamkeit. Bitten Sie darum nur Partner um Hilfe, die nicht selbst reden oder moderieren.
  2. Fragen Sie nicht zu viele Menschen auf einmal nach ihrer Meinung. Zu viele unterschiedliche Hinweise verwirren. Fragen Sie deshalb lieber nur ein oder zwei  Menschen, deren Urteil Sie schätzen.
  3. Fühlen Sie sich nicht verpflichtet alles umzusetzen. Hören Sie zu. Nehmen Sie die Hinweise auf. Entscheiden Sie danach, was Sie umsetzen möchten. Wählen Sie genau aus.
    Solange Ihnen nicht alle dasselbe sagen, dürfen Sie gern vom Feedback abweichen. Denn nichts verpflichtet Sie zu tun, was man Ihnen sagt.

Mit detailliertem Feedback machen Sie als AnfängerIn schnelle Fortschritte im Rhetorik-Bootcamp. Wenn Sie mit Ihren Reden faszinieren und begeistern wollen, lade ich Sie in die Rhetorik-Masterclass ein. „Schwierige Gespräche erfolgreich führen“ ist das passende Angebot für die Gespächsführung. Sehr klares und spezifisches Feedback mit Vorschlägen zur Verbesserung ist immer ein Hauptpunkt in jedem meiner Seminare.

Falls Sie wissen möchten, wie Sie als Person wirkgen, empfehle ich mein Personal Branding Seminar.

*Hier finden Sie die Ideen, die kreative Priester hatten, um Feedback für Ihre Predigten bekommen.

"DANKE an Friederike. Als Eleve der GSA* habe ich von Friederike Feedback erhalten, dass mir a) nachvollziehbar war b) differenziert bis in die letzte Federfaser statt befindlicher Bewertungen nachvollziehbare Beschreibungen bot und c) GANZ WESENTLICH Vorschläge und Ideen für Verbesserungen geliefert hat. In einer Form, die einem selbst die Verantwortung lässt (bei wem denn sonst) und doch eines ist: GESCHENK DER GEDANKEN."

Die Begrüßungsrede

Begrüßungsreden werden oft unterschätzt. Vor allem darin, wie quälend eine schlechte Begrüßungsrede sein kann. Wie oft haben Sie z.B. schon einmal folgendes gehört? „Guten Tag meine Damen und Herren. Schön, dass sie so zahlreich erschienen sind. Bevor wir gleich zum Thema kommen, möchte ich unsere Gäste begrüßen.“  Es folgend zwei Minuten Namensliste.
L  a  n  g  w  e  i  l  i  g

Viele Zuhörer schalten bei solchen Worten zu Recht sofort ab. Warum um Himmels willen sollte man sich solch lieblose Dummheiten anhören? Fast niemand kann zahlreich zu einer Veranstaltung kommen.* Wer weder weiss wo er ist, noch warum er dort ist, braucht wahrscheinlich dringend Hilfe.

Eine Begrüßungsrede kann aber auch eine bedeutsame Geste sein. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung für Ihre Gäste. Dann wird die Begrüßungsrede zum Aushängeschild Ihrer Veranstaltung. Ob Lehrlingsversammlung, Ausstellungseröffnung oder Kundenveranstaltung auch mit einer Begrüßungsrede kann man sein Publikum begeistern.

So gelingt die moderne Begrüßungsrede

Moderne Begrüßungsreden sind individuell und persönlich. Dann beeindrucken sie nachhaltig: inhaltlich und menschlich. Versuchen Sie es einmal so:

  1. Einstieg in die an Punkt drei weiterzuführende Geschichte / Ankedote / Rahmenerzählung
  2. Anrede („Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte X (=Hauptperson des Tages)
  3. Vorstellung der eigenen Person (kurz!)
  4. Weiterführung des unter eins begonnenen mit Einbettung der Begrüßung der anwesenden Honoratioren („Ehren“gäste). Dabei bilden Sie wo immer passend Gruppen, um Zeit bei der Vorstellung und beim Applaus zu sparen.
  5. Einstimmung auf die Veranstaltung
  6. Ausstieg / Anmoderation des nächsten Redners

Zu Beginn einer Veranstaltung ist das Publikum extrem aufmerkam. Diese kostbaren Momente sollte man nicht ungenutzt verstreichen lassen. Das Verlesen von Namenslisten zeugt von Lieblosigkeit und führt zu Langeweile. Das hier beschriebene abweichende Vorgehen überrascht und unterhält und bietet so die besten Chancen, Sie als guten Redner*in bekannt zu machen.

Wie lange dauert eine Begrüßungsrede?

Eine Begrüßungsrede sollte nicht länger als fünf Minuten dauern. Versuchen Sie gern kürzer zu bleiben, aber hetzen Sie sich nicht. Es braucht Zeit, die Dinge richtig zu machen.

Warum hält man eine Begrüßungsrede?

Die Begrüßungsrede ist eine Möglichkeit Ihren Gästen Wertschätzung entgegen zu bringen. Ausserdem können Sie so die Wertigkeit Ihrer Veranstaltung betonen. Autorität speisst sich unter anderem aus der Nähe zu wichtigen Personen. Zeigen Sie, was Sie zu bieten haben.

Wann sollten Sie die Teilnehmer*innen und Gäste begrüßen?

Die Begrüßungsrede gehört an den Anfang der Veranstaltung. Sie ist immer die erste Rede des Tages. Wenn Sie zu einer fixen Uhrzeit eingeladen haben, ist nicht mehr als 15 Minuten später oder wenn alle Ihren Platz gefunden haben, der richtige Zeitpunkt gekommen. Wenn Sie in Ihrer Einladung davon gesprochen haben, dass Sie sich „ab X Uhr“ auf Ihre Göste freuen, warten Sie etwas länger. Oft lässt sich dann die Begrüßungsrede mit der Eröffnung des Buffets verbinden.

Wie beginnt man eine Begrüßungsrede?

Wie jede andere Rede auch beginnt eine Begrüßungsrede mit einer gelungenen Einleitung. Beginnen Sie nicht gleich mit der Nennung einzelner Gästenamen. Der Redeeinstieg ist auch bei der Begrüßungsrede wichtig. Erst, wenn der Einstieg geglückt ist, ist der richtige Zeitpunkt für die Begrüßung. Machen Sie uns erst den Mund wässrig und handeln Sie dann die Pflichtpunkte ab.

Wen sollten Sie begrüßen?

.Jede Veranstaltung und Feier kennt Teilnehmer*innen, Gäste, Beteiligte und Ehrengäste.

  • Teilnehmer werden ganz allgemein mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder einer Entsprechung begrüßt.
  • Gäste können ebenso begrüßt werden, wenn es sich nicht um wichtige Personen oder offizielle Abgesandte handelt. Diese – wie auch besonders weit angereiste Gäste – werden wie Ehrengäste behandelt.
  • Redner und andere Personen, die einen Beitrag bei der Veranstaltung leisten, werden mit der Anmoderation Ihres Beitrages begrüßt. Sie müssen nicht zusätzlich schon bei der Begrüßung angesprochen werden.
  • Ehrengäste sollten mit Namen und gegebenenfalls Funktion begrüßt werden. Wenn Sie der Nennung des Namens eine kleine Vorstellung oder ein persönliches Wort hinzufügen, ist es für den Gast und die anderen Zuhörer*innen viel lohnender. Sorgen Sie dafür, dass die Begrüßung nicht langweilig wird. Nutzen Sie die Begrüßung aktiv, um sich selbst und Ihr Anliegen ins richtige Licht zu rücken.

Der Ehrengast

Der Ehrengast ist ein Ehrengast, weil seine Anwesenheit eine Ehre für Sie ist bzw. er mit der Veranstaltung geehrt werden soll. Für ihn ist es eine (vielleicht sogar lästige) Pflicht. Machen Sie ihm oder Ihr die Sache mit einer ausgefeilten Begrüßung angenehm. Ehrengäste wären keine Ehrengäste, wenn sie es nicht verdient hätten oder es sich noch verdienen könnten. Begrüßen Sie typischerweise lieber einen Gast mehr als einen weniger.

Für machen Ehrengast lohnt sich sein Kommen nur, wenn er begrüßt wird. Ausserdem bringt ein Ehrengast Glanz in Ihre Veranstaltung. Nicht zuletzt könnte es sich in der Zukunft auszahlen, sich den Ehrengast gewogen zu machen.

Beispiele für gelungene Begrüßungen

„Ich begrüße ausserdem die Inhaberin von Spiele-Maier, Frau Maier, die uns mit Ihrer großzügigen Spende den Ausflug nach Potsdam ermöglicht hat.“ – Wird so nicht die nächste Spende gleich viel wahrscheinlicher? „Herzlich willkommen heiße ich Direktor Maier: Er hat bereits vor fünf Jahren vohergesagt, was heute endlich zum Abschluß kommt.“ – Wetten, dass er sich an diese Begrüßung gern erinnern wird?

Meine Geschichte

Als Abgeordnete war ich natürlich oft bei Terminen im Wahlkreis. Oft genug wurde dann ich nicht offiziell begrüßt. Deshalb wusste kaum jemand, dass ich da war. Würden Sie Ihre Abgeordnete auf der Straße erkennen? Nicht begrüßt zu werden, war eine sehr frustrierende Erfahrung für mich. Nicht, weil ich so besonders eitel bin, sondern weil es mir meinen Job so schwer gemacht hat.

Mit Mitte Dreissig ging ich nicht nicht zum Altenkaffee, um mich zu amüsieren. Ich ging ausschließlich dorthin, damit mich meine WählerInnen treffen konnten. Und damit meine Parteikollegen mich sahen. Wenn ich dann nicht begrüßt wurde, dann hatte sich der Termin eher nicht gelohnt. Also: Wichtige Gäste, Menschen, von denen man etwas erwartet, Menschen, die kommen, um Ihnen einen Gefallen zu tun, müssen begrüßt werden.

In welcher Reihenfolge werden die Gäste begrüßt?

Bitte begrüßen Sie den ranghöchsten Gast als ersten. Alle anderen folgen entsprechend geordnet. Nur: Wer ist der/die Ranghöchste?

Das Bundesministerium des Inneren stellt keine Rangordnung mehr zur Verfügung. Die offizielle Begründung lautet, dass Ranglisten von Anlass zu Anlass variiert werden müssen. Das war immer schon so. Es scheint, dass man den Diskussionen um die Einstufungen entgehen möchte. Was sicher auch nicht ganz falsch ist.

Ich bin mir trotzdem sicher, dass es verschiedene Ranglisten gibt, weil man nicht jede Entscheidung immer wieder neu treffen wollen wird. Man möchte aber vielleicht nicht erklären müssen, ob und wann der Chef von Amnesty International vor dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages geführt wird.

Sie müssen also Ihre eigene Rangliste erstellen. Eine Aufgabe, die durchaus Kopfschmerzen bereiten kann. Wenn Sie wissen möchten, ob Sie es richtig gemacht haben, fragen Sie sich immer, ob ein Gast beleidigt sein könnte. Legen Sie Ihre Rangliste abschließend einigen Vertrauten, die schon länger dabei sind vor. So kommt man meist zu guten Ergebnissen.

Wie man eine Rangliste aufstellt

Ranglisten ergeben sich aus der Rangordnung zwischen den Anwesenden. Hier die grundlegenden Regeln, die dabei helfen können Ranglisten aufzustellen:

  1. Schutzbedürfnis
  2. Hirarchie – darum kommt der Chef vor dem Untergebenen.
  3. Verfassungsgemäßer Rang
  4. Direkt gewählt oder „nur“ ein Amtsinhaber. (Wenn alle Macht vom Volk ausgeht, dann müssen dessen Repräsentanten vorn stehen.)

Das Schutzbedürfnis kann man anhand der folgenden Kriterien einschätzen.

  1. alt vor jung
  2. Fremde und Neuankömmlinge vor Einheimischen und Etablierten
  3. Damen vor Herren (Dieser Grundsatz tritt heute mehr und mehr zurück. Im Job geht die Hirarchie immer vor!)

Begleiter*innen teilen den Rang Ihrer Männer, werden aber an zweiter Stelle nach ihnen begrüßt. „Frau Dr. Maier und Gatte“.

Bei ansonsten gleichem Rang entscheidet das Amtsalter. Kann das nicht genutzt werden, wählen Sie „einfach“ aus. ob das Alphabet oder das Geschlecht (dann bitte Frauen (=Damen) vor Männern), vielleicht aber auch die weiteste Anreise entscheiden soll. Wichtig ist, dass Sie eine einmal getroffene Entscheidung grundsätzlich, d.h. für die gesamte Rangliste beibehalten.

Von Anlass zu Anlass unterschiedlich

Tatsächlich musste die Rangordnung immer schon von Anlass zu Anlass angepasst werden. Je nachdem ist mal der Eine und mal die Andere „schutzbedürftiger“, wichtiger, „wertvoller“.

Wenn Sie sich gar nicht entscheiden können, ob der Kardinal vor oder nach der Oberbürgermeisterin genannt werden muss, dann können Sie sich ja trotzdem einmal an das Protokoll des Bundesministeriums des Inneren oder des Bundestagspräsidenten wenden. Wahrscheinlich hilft man Ihnen bei so ungewöhnlichen Fragen gern.

Zeit sparen

Wenn Sie extrem viele Gäste begrüßen müssen, bilden Sie bitte Gruppen. „Ich freue mich, dass so viele Abgesandte unserer Partnergemeinden mit uns feiern: IHK Vorsitzender A aus Berlin, Stadtkämmerin X aus Wesel und Bibliotheksleiterin Z aus Xanten.“

Achten Sie darauf, inerhalb jede Gruppe die immer gleiche Reihenfolge (im obigen Beispiel alphabetisch nach Ortsnamen) zu nutzen, dann machen Sie sich mit diesem Vorgehen niemandem zum Feind und alle sind froh, dass es schneller geht.

Wer hält die Begrüßungsrede?

Die Begrüßungsrede hält immer der Gastgeber. Diese Pflicht können Sie nicht delegieren. Aber lassen Sie können sich dabei helfen lassen.

Wie kann man Ihnen zuarbeiten?

Direkt nach dem Verschicken der Einladungen

  • (Lassen) Bringen Sie die Personen auf der Liste in eine Rangordnung.
  • Markieren Sie auf der entstandenen Rangliste die zu begrüßenden Personen.
  • Lassen Sie Rangordnung und Begrüßungsbedarf überprüfen.
  • Markieren Sie alle Personen, die begrüßt werden sollen und zu denen Sie mehr Informationen brauchen. Lassen Sie sich die Leerstellen auffüllen.

Am Tag der Veranstaltung

Platzieren Sie am Tag der Veranstaltung an allen Eingängen Kontrollpunkte, an denen abgehakt wird, wer gekommen ist. Es ist recht peinlich, jemanden zu begrüßen, der nicht da ist. Noch peinlicher ist es, wenn jemand wirklich wichtiges überraschend kommt und dann nicht begrüßt wird.

Die Kontrollpunkte werden darum am besten immer mit zwei Personen besetzt. Mindestens eine dieser Personen sollte mit dem Kreis der Eingeladenen vertraut sein. An den Kontrollpunkten werden alle Ankommenden im Namen des Veranstalters begrüßt.

Bevor es los geht erhält der Gastgeber den aktuellen Stand und kann so seine Rede gegebenenfalls anpassen.

Wann ist eine Begrüßungsrede nicht angemessen?

Bitte planen Sie keine Begrüßungsrede für Trauerfeiern, Beerdigungen oder Gedenkfeiern ein. Zu einem traurigen Anlass kann man niemanden voller Schwung willkommen heissen.

Falls Sie es für angemessen halten, können Sie eventuell anwesende Ehrengäste in der Hauptrede ansprechen. Auch das gibt Ihnen die Möglicheit sich für das Kommen und die gezeigte Anteilnahme zu bedanken.

Vielleicht wollen Sie z.B. auch die Trauernden trösten. Dann dürfen Sie sie dazu natürlich direkt ansprechen.

Und wenn Sie einen Fehler gemacht haben?

Falls vergessen wurde, einen wichtigen Gast zu begrüßen, holen Sie es einfach nach. Dazu findet sich immer  eine Gelegenheit. Sagen Sie nicht, dass Sie den Gast vergessen haben. Warten Sie nicht bis zum Abschluss der Veranstaltung.

Ist jemand über seine Einstufung auf der Rangliste verärgert, tut eine Entschuldigung nicht weh und kostet nichts. Wem die Rangordnung so wichtig ist, dass er sich selbst beschwert, der hat eine Entschuldigung verdient. In jedem Fall. (Auch wenn wir selbst denken, dass die Beschwerde unberechtigt ist. In diesen Dingen hat jeder seine eigene Wahrheit.)

*Die einzigen, die zahlreich erscheinen können, sind Schwangere und Menschen mit multiplen oder gespaltenen Persönlichkeiten …

Der Vergleich

Kaum etwas ist so mächtig wie ein gut gewählter Vergleich. Vergleiche arbeiten direkt im Kopf der Zuhörer und brennen Bilder ins Hirn. Bitte nutzen Sie darum Vergleiche nur, wenn Sie wollen, dass Ihr Gegenüber die Dinge so sieht, wie Sie. Wichtig ist, den „Angriffspunkt“ genau zu treffen. Welchen Aspekt wollen Sie definieren? Was sollen die Zuhörer darüber denken? Welche weiteren Einschätzungen wollen Sie transportieren.

Hier ein Beispiel für gegenteilige Eindrücke je nach gewähltem Vergleich.

  • Gabriel den Haushalt steuern zu lassen, ist so erfolgversprechend wie sein T-Bone-Steak von einem Berner Sennhund bewachen zu lassen.
  • Gabriel den Haushalt steuern zu lassen, ist so erfolgversprechend wie sein T-Bone-Steak von einer Hyäne bewachen zu lassen.

Was ist ein Vergleich?

Der Vergleich setzt Dinge in Beziehung zueinander. Die Dimension bezüglich derer die Gleichheit oder Ungleichheit der zu vergleichenden Objekte gemessen wird, ist das „Tertium comperationis“. Es ist damit die Maßeinheit der Ähnlichkeit der beiden verglichenen Objekte. (In den folgenden Beispielen sind das Größe, Gewicht und XXX.)

  • A ist so groß wie B.
  • B ist 5 kg schwerer als C.
  • C hat genauso eine XXX wie A.

Wobei hilft ein Vergleich?

Man nutzt Vergleiche, damit das zuerst genannte Objekt in Bezug auf eine bestimmte Dimension besser eingeschätzt werden kann. Dies geschieht entweder in Bezug auf die Änlichkeit der beiden oder den Kontrast zwischen den beiden Objekten. Die verglichene Eigenschaft wird eindringlich veranschaulicht.  Bsp.: Haare (erstes Objekt) so schwarz (verglichene Eigenschaft) wie Ebenholz (Veranschaulichung).

Vor jeder Entscheidung steht die Beurteilung der Optionen. In der Mehrzahl der Fälle stellt das Publikum dazu ganz automatisch und oft unbewusst Vergleiche an. Wenn Sie Ihren Zuhörern den Vergleich und damit das Vergleichsobjekt selbst an die Hand geben, haben Sie großen Einfluss darauf, wie das Urteil ausfällt.

Durch die Wahl des Objekts der Veranschaulichung können Sie Humor, Bildung und Sachkunde beweisen. Darum sein Sie bitte kreativ und innovativ. Dann wird aus dem oft langweiligen Vergleich eine richtig tolle Sache.

Sie können aber auch implizit sehr viel aussagen. (s.o. Berner Sennhund gegen Hyäne.) Die Flüchtlingslawine ist eben nicht nur riesig, wir sind ihr ausserdem hilflos ausgeliefert.

Meine Lieblingsvergleiche

  • Das ist so sinnvoll wie eine Landkarte im Maßstab 1:1.
  • Er bewegt sich so schnell wie eine gelähmte Schnecke.

Verfälschende Vergleiche

Um zu manipulieren, muss man lediglich das Objekt, mit dem verglichen wird, geschickt auswählen. Hier ein weiteres Beispiel:
Sie hatte Lippen so rot wie Erdbeeren. – Ihre Lippen waren so rot wie Schweineblut.
Die weiteren Eigenschaften des verdeutlichenden Objekts übertragen sich auch dann, wenn sie nichts zum eigentlichen Vergleich beitragen.

Verunglückte Vergleiche

Bestimmte Vergleiche sind tabu. In Deutschland sind das z.B. alle Vergleiche, die irgendeinen Aspekt der nationalsozialistischen Herrschaft zur Verdeutlichung von Leistung nutzen. Der Blitzkrieg mag in Japan bewundert werden, hier nicht.

Ähnliche Stilmittel

Metapher, Synkedoche, Meonymie, Parallelismus und Gleichnis

Links oder Rechts!?

„Heben Sie jetzt bitte die rechte Hand…“ und dann hebt das Publikum die Linke. So kann es gehen. Der Redner macht es nämlich falsch – mit seiner eigenen rechten Hand  -vor.

Da kann man sich dann schon mal wundern. Rechts? Links?







Links? l i n k s ?

Alles, wozu Ihr Publikum eine Seitenangabe braucht, müssen Sie spiegelverkehrt ansagen. Das kann sehr anstrengend werden. Nutzen Sie doch einfach folgenden Kniff:

Bitte vertauschen Sie Ihr eigenes „Rechts“ und „Links“ bevor Sie auf die Bühne gehen. Stellen Sie sich dazu ein tätowiertes „L“ und „R“ auf Ihren Handrücken vor.

Wenn Sie das ein paar Mal geübt haben – es geht auch in privaten Gesprächen – wird Ihnen das Umschalten leicht fallen. Ich bin auf diese Art einige Wochen lang sehr sicher durch den englischen Linksverkehr gekommen. Nur linksherum durch den Kreisverkehr zu fahren blieb aufregend. Ich musste aber in Deutschland auch noch nie einen Kreisverkehr mehrfach umrunden…

Sie wenden doch jetzt nicht etwa ein: „Aber das passt doch nicht, wenn ich über meine Folien spreche!“? Dann würde ich Ihre Äusserung ignorieren. Ich würde zu Ihren Gunsten hoffen, dass Sie Ihrem Publikum niemals den Rücken zuwenden. Ausserdem würde ich hoffen, dass Ihre Folien immer so eindeutig sind, dass sie solcher Erklärungen nicht bedürfen.

Wenn Sie einmal etwas nicht mit dem „Bühnen-Links“ / 
„Bühnen-Rechts“ ansagen müssen, dann machen Sie etwas falsch!

Spiegelverkehrt denken zu müssen ist leider sehr anstrengend. Darum nochmals: Benennen Sie Ihre Hände einfach um, wenn Sie auf die Bühne treten. Die Tatoos dürfen auch leuchten, wenn Sie das möchten.

Fun Fact

Was wir abseits der Bühne – aus inhaltlichen Gründen – für rechts oder links halten, folgt bestimmten Konventionen. Warum ein deutscher und ein französischer Gleiswärter denselben toten Hund gleichzeitig rechts und links der Bahn entdecken können, lesen Sie hier. (Artikel folgt.)

Metapher

Was ist eine Metapher?

Metaphern setzen zwei Objekte symbolisch miteinander gleich. Eigentlich sind die Dinge die zueinander in Beziehung gesetzt werden, nicht wirklich ähnlich. Metaphern erklären etwas Unbekanntes oder weisen auf bestimmte Merkmale, Verhaltensweisen oder Ähnlichkeiten hin.

Kalte Füße, schwarze Schafe, Feuerwerk der Gedanken – im Zweifel ist bei diesen Beispielen nicht das tatsächliche Phänomen gemeint. Sie stehen statt dessen für etwas anderes, z.B. einen Sachverhalt/ abstraktes Konzept / Szenario.

„Du bist ein Sonnenschein“. Natürlich produziert die hier gemeinte Person weder Wärme noch Licht im pysikalischen Sinn. Trotzdem wissen wir alle, was gemeint ist.

Beispiele für Metaphern

  1. Zuhause ist Zirkus, seit meine Mutter auf Kur ist.
  2. Sie ist eine Augenweide.
  3. Sein Lebensabend.

Wann sind Metaphern nützlich?

Metaphern sind besonders gut geeignet, um komplizierte und komplexe Sachverhalte anschaulich zu machen. Metaphern tragen zur Verständlickeit bei, weil sie Bilder nutzen, die die Zuhörer aus Ihrem Alltag kennen. Durch den Verweis auf Bekanntes wird der Zuhörer verführt, sich auf den Sachverhalt an sich einzulassen.

Besonders interessant wird es, wenn Metaphern zu Geschichten wachsen:

Dachmetapher

Wenn Sie z.b. die letzten Jahre im Leben eines Menschen als seinen Lebensabend beschreiben und dann in Ihren Ausführungen konkret darauf eingehen, was einen Abend ausmacht, dann wird der Lebensabend zur Dachmetapher für den gesamten Text. So etwas macht Reden sehr interessant, wenn die Dachmetapher gut gewählt wird.

Ob die Entwicklungsabteilung allerdings glücklich damit werden würde, wenn Sie den Kindergarten als Dachmetapher wählen (weil dort auch mit Lego gearbeitet wird), sei dahingestellt. Bevor Sie selbstverliebt mit einer Dachmetapher arbeiten, fragen Sie sich bitte, ob es einen Vorteil birgt. Betrachten Sie die Angelegenheit unbedingt auch vom Ende her.

Wer dem Startup sagt, dass es gerade laufen lernt, kommt damit durch. Wer die Dachmetapher „Leben“ benutzt, müsste folgerichtig auch den Tod betrachten.

Metaphern sind gefährlich

Metaphern sind sehr mächtige Stilmitte. Sie bieten Systematisierung fürs Unvorstellbare und machen Sachverhalte (scheinbar) greifbar, über die wir bis dahin keine Vorstellung hatten.

Metaphern sprechen durch ihre Bildhaftigkeit unser Unbewusstes an und sind darum besonders überzeugend.

„Geschickt“ gewählte Metaphern können verzerren und unzulässig vereinfachen. Kein rethorisches Stilmittel ist unschuldig. So ist die Flüchtlingskrise schon bedrohlich, als Flüchtlingslawine wird sie zur unbeherrschabaren Naturgewalt.

Die Metapher ist darum ein bevorzugetes Instrument des Framing.

Ähnliche Stilmittel

Parallelismus, Gleichnis, Synkedoche, Meonymie, und Vergleich

Wenn es schief geht

Protektionismus heißt, sich in einer dunklen Kammer einzuschließen… dann bleiben zwar Wind und Regen draußen, aber auch Licht und Luft.

Xi Jinping, Chinesischer Präsident seit 2013  (Weltwirtschaftsforum in Davos 2018)

Dazu schreibt der Spiegel: „Die Metapher der „dunklen Kammer“, die bislang meistzitierte aus Xis Davos-Rede, ist auch eine der fragwürdigsten: Man sollte anderen keine Ratschläge erteilen, sich nicht „einzuschließen“, wenn man wie Xis Internetzensoren selbst 1,3 Milliarden Menschen hinter einer „Großen Brandmauer“ einsperrt und Hunderte von Websites blockt. Die Chinesen, zumal die jungen und kreativen, die das Internet bevölkern, erkennen diesen Widerspruch genau.“

Wäre XI Jinping Präsident eines demokratischen Staates, dann würde ihm auch die Umweltbewegung seines Landes die Metapher wahrscheinlich ewig vorhalten. Schließlich wird es in China oft gar nicht hell vor lauter Staub und Ruß.

Wolfgang Schäuble vergriff sich 2015 in einer Rede, in der er sich am Rande zum massiven Anstieg der Flüchtlingszuwanderung äusserte. Er hatte gesagt: „Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt“ und wurde prompt überall gefragt, wer die denn „losgetreten habe“.

Ruhe! – Redeeinstieg geglückt

So sichern Sie sich die volle Aufmerksamkeit zu Redebeginn

Es gibt einen einfachen Kniff für den gelungenen Redeeinstieg und den Beginn Ihrer Präsentation. Wenn das Publikum nicht ruhig ist und seine Aufmerksamkeit zu Redebeginn nicht auf Sie gerichtet ist, folgen Sie einfach diesen Anweisungen:.

  1. Stellen Sie sich sehr aufrecht in die Mitte der „Bühne“.
  2. Beschäftigen Sie sich mit nichts anderem – nur mit dem Warten darauf, dass endlich Ruhe einkehrt.
  3. Schweigen Sie.
  4. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  5. Warten Sie genüsslich ab.
  6. Schauen Sie in die Ecken, in denen noch Unruhe herrscht.
  7. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  8. Schweigen Sie.
  9. Warten Sie genüsslich ab.

Wenn Sie es aushalten, nichts ausser den beschriebenen Schritten zu tun, wird es von ganz allein ruhig. Mit einer gelungenen Einleitung können Sie im Anschluss die Aufmerksamkeit Ihres Publikums binden.

Dies ist keine Disziplinarmaßnahme. Wenn es ruhig genug geworden ist, fangen Sie an. Warten Sie nicht auf den allerletzten Kandidaten. (Es sei denn, Sie sind sicher, dass seine laute Stimme nicht zu überhören sein wird.)

Gelinggarantie

Vermeiden Sie den Eindruck, beschäftigt zu sein. Sie haben nichts anderes zu tun, als diese Anleitung Schritt für Schritt zu befolgen. Dann gibt es die Gelinggarantie.

Diesen Kniff habe ich vor vielen, vielen Jahren erstmalig vor mehr als 200 aufgeregten Oberstufenschülern getestet und für gut befunden. Er hat bisher IMMER funktioniert und lässt alle, die ihn anwenden, herrlich souverän wirken.

Im Rhetorik-Bootcamp üben wir diesen und andere Kniffe, damit Sie sich sicher fühlen und souverän wirken.

Alterozentriert durch LAP

Bitte stellen Sie immer (wieder) das Publikum in den Mittelpunkt Ihrer Präsentation. Hörbar. Mit einer erkennbar alterozentrierten* Rede vertiefen wir die Sympathie des Publikums für uns, verstärken die Verbindung des Publikums zu uns und vervielfachen dessen Bereitschaft, sich von uns überzeugen zu lassen.  Zuhörern muss auffallen, dass ein Vortrag für sie ganz persönlich gehalten wird. 

Die drei Zauberformeln heissen: Lokalisierung, Aktualisierung und Personalisierung.

Lokalisierung

Unter Lokalisierung versteht man das Herstellen eines regionalen Bezugs. Erwähnen Sie den Ort, an dem Sie sprechen.  „In diesem Saal…“, „In hunderten Räumen, die genauso aussehen wie dieser hier, jede Woche…“. Sagen Sie nicht „in Bogenhausen“, sondern „nur 3 km von hier, in Bogenhausen“. Oder sagen Sie „In Bogenhausen, einer Stadt, die genauso groß ist wie unsere Stadt…“. Es geht dabei nicht um Nähe, sondern um den Bezug zum Ort der Rede.

Unter Lokalisierung fällt übrigens auch, dass Sie die richtigen Metaphern nutzen. Am Meer sprechen Sie vielleicht über Schiffe, die in den Hafen einlaufen. In den Bergen würden Sie über Wanderer sprechen, die die schützende Hütte erreichen. Machen Sie es den Gehirnen Ihrer Zuhörer leicht, bei Ihnen zu bleiben.

„Wir in Deutschland…“ ist keine Lokalisierung sondern ein Appell an das Gemeinschaftsgefühl, die Gruppenzugehörigkeit vielleicht auch eine Versuch das Prinzip der sozialen Bewährtheit zu nutzen.

Aktualisierung

Die Aktualisierung stellt einen Bezug zum Zeitpunkt der Rede her. „Jetzt, um zwölf Uhr wird in Brüssel entschieden…“, „Erst gestern…“, „Heute beim Frühstück…“, „Wenn morgen..“ „In der Türkei passiert gerade das Gleiche…“. Sie machen ausserdem klar, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind. So wird aus einer Standardrede eine aktuelle. Ausserdem können Sie so leicht den Zusammenhang zwischen Ihrer Präsentation und einem anderen, für Ihr Ziel günstigen Ereignis herstellen.

Personalisierung

Werden Sie persönlich! Bei der Personalisierung geht es darum, die Zuhörer bei der Begrüßung und gern auch mitten in der Präsentation direkt anzusprechen. Dabei nennen Sie entweder einzelne, beliebte und bekannte Gruppenmitglieder oder Gruppierungen oder die Gruppe als Ganzes: „Sie selbst, Frau…“, „Ihr, als Gewerkschaftsführer und Gewerkschaftsführerinnen…“, „Echte Aficionados wie Sie…“.

Auch geschlossene Fragen wie: „Wer von Ihnen…?“ sind eine Form der Personalisierung.

Wenn Sie keine eigenen Erlebnisse erzählen, erzählen Sie die Geschichten Ihrer Zuhörer. Solange Sie sich nicht zur Anonymität verpflichtet fühlen, sagen Sie wer die Geschichte erlebt hat und zeigen Sie wo diese Person im Publikum sitzt.

Nicht jede Begrüßung ist gleich eine Personalisierung. Lieblos vorgetragene Namen und Gruppenbezeichnungen reichen nicht aus! Werden Sie statt dessen kreativ! Ihre IT hat sicher nichts dagegen, „Heimliche Herrscher über die Arbeitplätze“ genannt zu werden.

Dieser kleine kleine Kniff hebt Ihre Präsentation von allen anderen ab.

Standardpräsentationen aufpeppen

Nutzen Sie diese drei Methoden um Ihre Reden und Präsentationen aufzupeppen. Wahlkampfreden z.B. wären anders gar nicht zu bewältigen.

Achten Sie einmal darauf. Im Job sind diese Techniken noch viel zu wenig bekannt. Darum sollten Sie sie auch bei Präsentationen nutzen, die nur einmal gehalten werden. Salz gehört schließlich auch an jedes Gericht inklusive Margaritas.

Im Rhetorik-Bootcamp üben wir diese und andere Techniken.

*Alterozentriert: Das Gegenüber in den Mittelpunkt stellen

Adressatenorientierung

Adressatenorientierung ist doch selbstverständlich – glaubt man. Aber haben Sie schon daran gedacht, dass eine Präsentation um 10 Uhr eventuell ganz anders sein muss als eine um 20 Uhr? (…wenn alle gerade gegessen haben?)

Zeigen Sie, dass Sie verstehen, nach welchen Spielregeln Ihre Zuhörergruppe* arbeitet und was sie braucht. Finden Sie Metaphern und Vergleiche, die wirken. Emotionale Trigger funktionieren nur, wenn sie sich wie Messer ins Zentrum des Erlebens bohren.

Entdecken Sie Haltungen und Einstellungen Ihres Publikums. Meine Checkliste Adressatenorientierung hilft dabei. 

Adressatenorientierung unterwirft

jeden Aspekt der Präsentation einer Prüfung. Jede Gruppe hat ihre eigenen (Denk-) Gewohnheiten, Eigenheiten und Einstellungen. Für eine wirklich adressatenorientierte Präsentation muss der Fokus sehr weit gewählt werden, damit Ihnen nichts entgeht. Wenn z.B. das Datum Ihrer Präsentation für Ihre Zuhörer ein besonderes ist, sollten Sie das wisen. Hier noch ein paar Beispiele für Klippen beim Thema Adressatenorientierung.

  • Deutschland ist weltberühmt für seine Autos. Trotzem ist Neuwagengeruch bei Menschen unter 40 kein emotionaler Trigger mehr. (Fun Fact: „Zwischengas“ werden die meisten von Ihnen googeln müssen.)
  • Derselbe Sachverhalt bekommt beim Vorstand vielleicht nur drei, in der Fachabteilungsrunde aber 15 oder sogar 45 Minuten. Der Vorstand möchte nur eine Botschaft hören, die Fachabteilung muss grundlegend informiert werden.
  • Fußballmetaphern sind besonders in Deutschland für (fast) jeden verständlich und werden hochgeschätzt. Das kann in einem Schachclub trotzdem ganz anders sein.
  • Wenn jemand Campingurlaub macht, dann hat er beim Thema Service ganz andere Assoziationen als ein Besucher der Robinson Clubs.

Ihr Publikum hat eine Archillesferse. Aber wo?

Ihre Präsentation kommt an, wenn Sie Ihr Pulikum an seinen empfindlichen Stellen treffen. Hagen konnte Siegfried nur töten, weil er wusste, wo das Lindenblatt die Benetzung mit Drachenblut verhindert hatte.

Nehmen Sie Ihr Publikum mit all seinen Eigenschaften richtig unter die Lupe. Richten Sie das Brennglas auf die besonderen Punkte.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass z.B. jede Alterskohorte durch ganz bestimmte Probleme geprägt wird? Die Babyboomer hatten immer damit zu kämpfen, dass es zu viele von ihnen gab. Die Generation Einzelkind lernt so etwas jetzt erst kennen, denn sie findet für ihre Kinder keine Kindergartenplätze. Entdecken Sie solche Lindenblätter in den Lebensumständen Ihres Publikums.

*Für Reden, die ein Publikum zweiten Grades erreichen, kann (zusätzlich) etwas ganz anderes gelten.

Publikum zweiten Grades?

 

Früher erkannte man sein Publikum daran, dass es vor einem saß. Heute ist das anders. Es gibt ein Publikum zweiten Grades  und – wenn es richtig gut oder richtig schlecht läuft – dritten Grades.

Mit Twitter, Livestreams, Videoaufzeichnungen, Facebook, Instagram etc. ist es heute viel leichter als früher, auch die Daheimgebliebenen zu erreichen. Vorbereitete Hashtags z.b. für Twitter und Instagram und gut sichtbare Hinweise darauf können Ihre Inhalte weiter tragen als es Ihre Stimme vermag.

Achten Sie darauf, leicht zitierbare und einprägsame Botschaften, sogenannte Soundbites, zu kreieren.

In Zeiten von Twitter und Facebook ist es damit aber auch viel wichtiger geworden, nur Witze und Worte zu benutzen, die auch ausserhalb des Kontextes keinesfalls rassistisch oder sexistisch oder sonst abstoßend wirken könnten.* Trotz dieser Anforderung noch einprägsam und erinnerungswürdig zu formulieren, ist eine hohe Kunst.

In abgeschwächter Form kennt man das Phänomen schon länger. Sind Journalisten anwesend lohnt sich das für Sie nur, wenn Sie klare, präzise und einprägsame Botschaften formuliern, die noch dazu Neuigkeitswert haben.

Ihre Botschaft soll richtig verstanden und ausserdem noch weitergetragen werden? Dann sorgen Sie dafür, dass das möglich ist.

*Einzig die Aschermittwochs- und die Büttenrede sind davon teilweise ausgenommen. Sie leben in weiten Teilen davon bestimmte Gruppen lächerlich zu machen.

Die Referentenvorstellung

Sie stellen sich doch hoffentlich nicht selbst vor?

Es ist eine Unsitte und leider sehr verbreitet. „Die Referentin stellt sich selbst vor.“ Witzige Zeigenossen fügen noch hinzu: „Keiner kennt sie so gut, wie sie sich selbst.“ Die Referentenvorstellung ängstigt viele Veranstalter und Moderatoren. (speziell, wenn es sich um Rhetoriktrainerinnen handelt.)

Bitte stellen Sie Ihre Referenten immer vor. Kaum jemand ist mutig genug zu sagen: „Ich bin der weltgrößte Experte zu diesem Thema“. Es würde auch kaum etwas nutzen. Spricht aber jemand anders derart gut über uns, besteht zumindest die Möglichkeit, dass es geglaubt wird.

Lassen Sie sich selbst bitte immer vorstellen. Auch wenn das eigentlich von der VeranstalterIn nicht geplant war. Sprechen Sie darüber. Der Veranstalter profitiert davon, dass sein Publikum weiss, was für eine Koryphäe verpflichtet wurde.

Kämpfen Sie darum, vorgestellt zu werden, auch wenn es sonst nicht üblich ist.

Natürlich überlassen Sie nichts dem Zufall und schreiben die Referentenvorstellung komplett in ganzen Sätzen selbst. Übermitteln Sie den „Entwurf“ frühzeitig und stimmen Sie sich dann direkt mit der Moderatorin oder dem Moderator, d.h. dem, der Sie vorstellt, ab.

Sprechen Sie unbedingt selbst mit dem Moderator. Bringen Sie ihn dazu, sich genau an Ihr Konzept zu halten. Sonst kann es furchtbar schief gehen. Nichts wäre schlimmer als: „Ich soll sagen, dass XXX Experte für Y ist. Ich weiss ja nicht.“. Auch das habe ich schon erlebt.

Moderatoren sind berufsbedingt oft eitel. Schließlich werden sie auch wegen Ihres Äußeren gebucht. Achten Sie also unbedingt darauf, die Eitelkeit des Moderators zu benutzen, statt sie zu verletzen.

Wenn Sie entsprechend Ihren Fähigkeiten und Erfahrungen vorgestellt werden, wird es viel leichter sein, mit dem Publikum zu arbeiten. Nicht alle sind wegen der RednerIn gekommen und nicht alle können sich noch erinnern, was genau Sie befähigt zu referieren. Aber alle werden genauer zuhören, wenn Sie glauben, etwas einmalig gutes zu erleben.

.