Sympathisch zu wirken lohnt sich

Sympathie ist gefährlich und nützlich

Sympathische Menschen werden allgemein für intelligent, gebildet, aufrichtig und vertrauenswürdig gehalten. Dies ist ein typischer Haloeffekt. Im engeren Sinn bedeutet jemanden sympathisch zu finden schließlich nur, ihn nett und freundlich zu finden, sich in seiner Gesellschaft wohl zu fühlen. Von solchen Mitmenschen nur das Beste anzunehmen zu wollen, führt zum Haloeffekt.

Ob dieser Effekt positiv oder negativ ist, liegt daran, wie er (aus-)genutzt wird. Wir können (und sollten) ihn nutzen, um erfolgreicher zu kommunizieren. Sympathischen Menschen möchte man gern glauben. Wie Sie durch Impression Management sympathischer wirken, erkläre ich detailliert in einem weiteren Blogbeitrag.

Leider wissen auch Heiratsschwindler, Hochstapler und Betrüger genau um die Wirkung der Sympathie. Wachsamkeit ist also angebracht. Wir sollten uns bei jedem Urteil über die Eigenschaften eines Menschen fragen, ob wir vielleicht gerade dem Haloeffekt aufsitzen.

Fun Fact: Oft kommt der beste Rat von Menschen, die unsympathisch wirken. Sie sind zu ehrlich. Schade eigentlich.

Vorteile sympathischen Auftretens

Welche Vorteile könntest Du aus sympathischen Auftreten ziehen?

Menschen, die sympathisch wirken, haben weniger Stress. Man streitet weniger mit ihnen. Ihnen werden Fehler leichter verziehen – einfach, weil man sie mag.

Wir lassen uns gern von sympathischen Menschen überzeugen. Ihnen vertrauen wir. Schon deshalb ist es wichtig sympathisch zu wirken. Das wissen Verkäufer und Vertreter sehr gut. Genau an diesem Beispiel wird auch klar, was passiert, wenn man es übertreibt. Das Auftreten wirkt schleimig und macht misstrauisch. Man wird nicht mehr ernstgenommen.

Sympathie kann Ihren beruflichen Aufstieg fördern. Wenn der Arbeitgeber oder der direkte Chef Sie mag, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Sie befördert werden. Das interessante Angebot wir eher Ihnen als Anderen gemacht. Menschen die im Bewerbungsgespräch sympathisch wirken, werden lieber eingestellt.

Wir fühlen uns wohl in der Nähe von Menschen, die uns sympathisch sind. Darum haben sympathische Menschen ein viel reicheres Privatleben. Man umgibt sich gern mit Ihnen.

Sympathische Menschen werden viel weniger oft verklagt. Das zeigen Studien zur Arzthaftung in den USA. Instinktiv wissen wir das eh: Wer hat noch nicht versucht einem Strafzettel oder ein Parkticket durch einen kleinen Flirt mit dem Kontrolleur zu entgehen?

Es lohnt sich genau zu wissen, wie wir wirken. Darum lade ich Sie gern zu meinem Brandingseminar ein. Dort erhalten Sie detailieirtes Feedback und Vorschläge für Veränderungen.

Sympathisch wirken, aber wie?

Sympathie ist eine der Grundlagen für Vertrauen. Auch weil Vertrauen die Grundvoraussetzung für Überzeugung ist, lohnt es sich also in Sympathie zu investieren.

Wie erzeugt man Sympathie?

Wie kommt eine sympathische Wirkung zustande? Es gibt dafür vier klare Kriterien:

  1. Ähnlichkeit
  2. Freundlichkeit
  3. Schönheit
  4. Virilität

Ähnlichkeit

Ähnlichkeit ist einer der Haupttreiber für Sympathie. Warum, ist leicht erklärt. Menschen weichen nämlich generell der Anstrengung aus und suchen nach Leichtigkeit

  1. Ähnlichkeit verspricht weniger Anstrengung – es ist leichter bekannten als neuen Mustern zu folgen.
  2. Ähnlichkeit suggeriert besseres Verstehen, was ebenfalls wieder zu Leichtigkeit führt.
  3. Nicht zuletzt führt Ähnlichkeit – scheinbar – zu Vorhersehbarkeit, was uns wiederum Sicherheit suggeriert. Nicht auf der Hut sein zu müssen, ist viel weniger anstrengend als auf jedes und alles achten zu müssen
  4. Es fällt uns leicht, Menschen zu trauen, die uns ähnlich sind. Wenn ich vertraue, muss ich nicht auf der Hut sein. Auch deshalb halten wir den Umgang mit sympatischen Menschen für einfacher.
  5. Was genau können Sie also tun um (noch) sympathischer zu wirken? Ähnlichkeit ensteht durch Gemeinsamkeiten. Betonen Sie darum Gemeinsamkeiten. Sie haben dabei die folgenden Optionen:

Gemeinsamkeiten bezogen auf Herkunft und Biographie

Betonen Sie Gemeinsamkeiten zwischen sich und den anderen. Haben Sie vielleicht an derselben Universität studiert, Ihre Kinder zur selben Zeit bekommen, denselben Trainer? Haben ihre Eltern ähnlich gelebt?

Sie könnten solche Gemeinsamkeiten auch bewusst herstellen. So etwas ist oft zu beobachten, wenn geübte Redner eine Rede mehrfach halten. Sie benutzen LAP (Lokalisierung, Aktualisierung und Personalisierung), um eine Rede auf die Situation vor Ort anzupassen. Dabei zeigen sie, welchen persönlichen Bezug sie selbst oder ihnen nahestehende Personen zum Ort, dem Anlass oder den handelnden Personen haben.

Gemeinsamkeiten in der Kleidung

Für Ihre Kleidung gilt: Verbiegen Sie sich nicht – aber passen Sie sich an. Wer im Frack zu einem Fußballturnier geht, macht einen Fehler. Wer als Banker im Gespräch mit Obdachlosen im Jogginganzug rumlümmelt, auch. Passen Sie sich an, ohne sich zu verkleiden. Am besten lernen Sie die Dresscoderegeln und zeitgemäßes Styling.

Gemeinsamkeiten in der Sprache

Achten Sie darauf, Ihre Sprache der Ihres Publikums anzupassen, wenn Sie sympathisch wirken wollen. Es geht dabei nicht nur um das Sprachniveau, d.h. Ihr Vokabular oder die Verwendung von Fremdworten. Es geht genauso um Sprechtempo, Sprachfärbung und Lautstärke. Es ist z.B. sehr anstrengend, jemandem zuzuhören, der sehr viel schneller oder langsamer spricht als man selbst. Zu leises und zu lautes Sprechen machen auch nicht sympathisch. Machen Sie es Ihren Zuhörern leicht. Diese Leichtigkeit übersetzt sich direkt in Sympathie.

Darum ist ein selten genannter aber einfacher Kniff um sympathischer zu wirken der kurze bzw. leicht verständliche Satz.

Gemeinsamkeiten in der Haltung

Kirchgang, Twitternutzung, politische Einstellung. All das kann Ihre Sympathiewerte erhöhen. Schließlich möchte unser Publikum, dass wie seine Werte teilen. Meist werde Werte nur als Mittel der Differenzierung betrachtet. Ich halte es für noch viel wichtiger, diesbezügliche Gemeinsamkeiten herauszustellen. Früher wurden gemeinsame Werte als gegeben vorausgesetzt. Davon können wir heute nicht mehr ausgehen.

Gemeinsamkeiten im Lebensstil

Sie spielen Golf, tragen eine Rolex, fahren kein Auto. Reden Sie darüber, wenn es passt.

Nicht perfekt sein

Perfektion ist ein direkter Vorwurf an jeden, der nicht perfekt ist. Darum versuchen Sie bitte gar nicht erst perfekt zu sein. Wenn Sie vertrauenswürdiger erscheinen möchten, ist es sogar strategisch ratsam, einzelne Fehler und Schwächen von sich aus und grundlos zuzugeben.

Spiegeln

Ganz unwillkürlich imitieren wir Menschen, die uns sympathisch sind. Diesen Prozess dürfen Sie natürlich auch bewusst nutzen. Spiegeln Sie Ihr Gegenüber. (im gleichen Rhythmus atmen, gleiche Haltung, Kleidung, Sprachmuster usw.) Ihr Gegenüber weiß dann nicht, ob er selbst Sie unbewusst imitiert hat oder ob Sie aktiv etwas getan haben, um diesen (falschen) Eindruck zu erzeugen. Da unser Gehirn für das Denken der zweiten Option zu faul ist, geht es davon aus, dass Sie sympathisch sind. Damit die Wirkung nicht ins Gegenteil umschlägt, kommt es auf das richtige Maß an.

Freundlichkeit

Freundliche Menschen wirken sehr sympathisch.

LMAA war früher eine schwere Beleidigung. Ab sofort steht es bitte für „Lächle mehr als Andere!“. Was Sie sonst noch alles tun können, damit man Ihre Freundlichkeit sieht:

  • freundliches Lächeln, auch wenn es keinen Anlass gibt
  • Hilfsbereitschaft – ohne sich zum Fußabtreter zu machen
  • Nähe suchen – z.B. nach der Arbeit mit Kollegen ausgehen, um Hilfe bitten
  • „Bitte“ und „Danke“ sagen
  • gelungene Komplimente machen – denn dagegen sind Deutsche fast wehrlos. Und wie ich mal in einem Seminar sagte: „Solange man nicht lügt, ist alles erlaubt. Sie müssen Ihre Komplimente im Übrigen nicht beim Notar beeiden lassen“.
  • beim Namen nennen – Ein Zeichen von Respekt (ich habe Dich wahrgenommen) und ein ganz einfaches Kompliment ist es, das Gegenüber mit dem Namen anzusprechen. Doch bitte übertreiben Sie es nicht. Mancher Vertrieb wurde so gedrillt, dass man sich wünschte, man hätte keinen Namen.
  • grüßen – grüßen Sie „alles, was sich bewegt“.

Freundliches Verhalten tut jedem gut. Versuchen Sie – besonders in schwierigen Situationen und an schlechten Tagen – Ihren Partner*innen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Es wird Ihnen vielfach zurückgezahlt werden. Schließlich gilt:  „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“.

Ganz subtil

Sorgen Sie dafür, dass Ihre Besucher*innen, Partner*innen und Gäste sich wohlfühlen. Waschen Sie sich einem Termin die Hände mit warmem Wasser. So haben Sie bei der Begüßung einen warmen Händedruck.

Lassen Sie Ihre Besucher*innen möglichst nicht hart sitzen. Geben Sie ihnen immer ein warmes Getränk. Am liebsten in den stoffummantelten Bechern und Tassen der Kahla AG*. Weichheit macht sanft und weniger wachsam.

Fun Fact

Wenn Sie statt der Becher echte Porzellantassen mit zierlichen Henkeln nutzen, werden Ihre Äusserungen und die Ihrer Partner*innen automatisch präziser werden. Form follows function.

Sie wollen noch mehr ganz praktische Tipps und Kniffe lernen? Dann kommen Sie auch ins Rhetorik-Bootcamp, in die Rhetorik-Masterclass, oder zu Schwierige Gespräche erfolgreich führen.

Offene Körpersprache

Wir machen uns innerhalb von Millisekunden ein Bild von unserem Gegenüber. Meist noch bevor das erste Wort gefallen ist. Darum ist Ihre Körpersprache so wichtig.

Wenden Sie sich Ihrem Partner*in zu, zeigen Sie eine möglichst offene Körperhaltung, gern auch oft die Handinnenflächen. Wenn Sie sich nicht im Konflikt befinden, kann der Nase-Nabel-Kontakt hilfreich sein.

Hände, Augen und Augenbrauen müssen immer sichtbar sein. Nur so kann Ihr Gegenüber alle wichtigen Signale wahrnehmen. Dies ist sehr wichtig, denn wer etwas versteckt, dem kann man nicht trauen.

Wenn Sie zuhören, ist Blickkontakt (in unserem Kulturkreis) Pflicht! Sie könnten ausserdem nicken und lächeln. Am Telefon ersetzt ein mmh oder ach so und ja diese Signale

Berührungen

Kleine Berührungen stehen für Vertrautheit und Freundschaft. Berühren Sie kurz den Oberarm (seitlich), Ellenbogen oder Unterarm Ihrer Gesprächspartner*in. Die Sympathie zwischen Ihnen beiden wird unmittelbar steigen. Kellner erhalten für so ein Manöver etwa 60% mehr Trinkgeld**. Wenn Sie sich im Umgang mit Berührungen unsicher fühlen oder wenn es sich um eine Partner*in des anderen Geschlechts handelt, gehen Sie lieber nach dem Motto „weniger ist mehr“ vor.

Machen Sie sich miteinander vertraut

Nur wenn ein Gespräch die Regionen des belanglosen Smalltalks verlässt, kann Sympathie wachsen. Das Teilen kleiner Geheimnisse, festigt die Beziehung ebenso wie das Zeigen (kleiner) Schwächen. Gemeinsames Lachen oder gemeinsame Erlebnisse – beides stärkt die Beziehung zwischen zwei Menschen. Zu Ihren Schwächen zu stehen, lässt das Vertrauen Ihrer Gesprächspartner*in wachsen.

Vielleicht finden Sie auch einen gemeinsamen „Gegner“. Nichts lässt so schnell ein „Wir-Gefühl“ und damit eine hohe Sympathie entstehen. Aber übertreiben Sie es nicht – über andere herzuziehen, macht unsympathisch

Bitten Sie um einen kleinen Gefallen!

Sie wollen Sympathien festigen? Dann bitten Sie die betreffende Person einfach um einen (kleinen) Gefallen. Das in sie gesetzte Vertrauen und der Glaube an seine Fähigkeiten schmeichelt Ihrem Partner*in. Viel besser: Wenn wir einem Menschen einen Gefallen erbringen, schließt das Gehirn ganz „logisch“: Ich muss ihn/sie mögen, sonst würde ich ihm/ihr keinen Gefallen tun. Also bekommen Sie nicht nur Ihren Wunsch erfüllt sondern auch mehr Sympathie. Aber Vorsicht. Sie müssen im Gegenzug auch gefällig sein.

Schönheit

Tatsächlich gehört zur Schönheit vieles:

  • gute Körperpflege
  • gesunde Zähne, Haut und Haare
  • Ihre guten Seiten betonende Kleidung. Versuchen Sie einmal Ihre Haar- und / oder Augenfarbe in Ihrer Kleidung zu wiederholen. Das wirkt wahre Wunder.
  • gepflegte Kleidung und Schuhe
  • schmeichelnde Accessoires
  • ein schöner Arbeitsplatz
  • alles um Sie herum sollte wertig sein. Die Wertigkeit Ihres Umfelds erhöht Ihren Wert. Gute Stoffe z.B. wirken einfach besser und sind schöner. Wertig ist nicht gleich teuer.

Virilität

Das Wort Virilität kommt aus dem Lateinischen von vir – der Mann. Virilität im engeren Sinn bedeutet heute Zeugungsfähigkeit. Somit geht es bei diesem Aspekt um Jugendlichkeit, Gesundheit, Fitness. Darum springen manche Redner so gern auf die Bühne. Fürs Erste würde es reichen, Haltung zu zeigen: Schultern zurück und das Brustbein strahlen lassen. Selbst auszuschlafen kann Sie sympathischer machen, denn es verhindert Augenringe.

Wann ist zu viel Sympathie schädlich?

Die meisten Teilnehmer*innen meines Branding Seminars: Wie wirke ich auf andere?, wollen gern (noch) sympathischer wirken. Manchmal lohnt es sich aber, ganz bewusst nicht (noch) sympathischer wirken zu wollen. Denn Sympathie und Kompetenz schließen sich manchmal gegenseitig aus. Zu sympathisch zu wirken kann das Maß an Kompetenz und Führungsstärke, das man Ihnen zuschreibt, mindern. Dies gilt ganz besonders für Frauen.

Wird zu offensichtlich um Sympathie gebuhlt, wird das als Anbiederung verstanden.

*nach den neuesten Regeln muss ich diesen Link als Werbung kennzeichnen, auch wenn ich keinen Vertrag mit Kahla habe und nichts daran verdiene.

** Richard Wisemann: Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern.