Wortschatz erweitern und redegewandt werden

Seinen Wortschatz zu erweitern, ist der beste Weg, um redegewandt und ausdrucksstark zu werden.

Warum finden wir so oft nicht das richtige Wort? Wir verstehen alle viel mehr Worte als wir selbst benutzen. Diese Worte bilden den passiven Wortschatz. Um wortgewandt, redegewandt und ausdrucksstark zu sein, muss der aktive Wortschatz gestärkt werden. Es geht nicht darum, einfach nur Ihren Wortschatz zu erweitern. Sie müssen Ihren Ihren aktiven Wortschatz erweitern.*

Test Ihres aktiven Wortschatzes

Testen wir doch einmal Ihren aktiven Wortschatz: Sie haben 5 Minuten, um so viele Synonyme wie möglich für entweder „gut“ ( positive Leistungsbeschreibung) oder „gehen“ (Fortbewegung zu Fuß) zu finden.

Mit einem guten Wortschatz sollten Ihnen schnell jeweils mehr als 15 Synonyme einfallen. Falls Sie sehen möchten, was Ihnen vielleicht entgangen ist, finden Sie hier die entsprechenden Listen: Synonyme für „gut“ (> 60 Alternativen), Syonyme „gehen“ (>50 Alternativen).**

Wie können Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern?

Lesen allein reicht nicht

Um Ihren (aktiven) Wortschatz zu erweitern, ist es wichtig, Worte nicht nur zu lesen oder zu hören. Nicht nur passiv aufzunehmen. Statt dessen muss man sie sich wirklich aneignen. Es kann dabei ausreichen, sie sich selbst laut vorzulesen. Ich empfehle dazu die FAZ oder die Süddeutsche Zeitung, da beide einen sehr großen Wortschatz verwenden. Ausserdem decken Sie einen breiten Wissensbereich bis hin in die Naturwissenschaften ab.

Wer sich neu in ein Feld einarbeitet (Studenten, Jobeinsteiger) sollte unbedingt entsprechende Fachartikel und -zeitschriften laut lesen. Wenn Sie beschreibener werden möchten, dann lesen Sie Belletristik, Kurzgeschichten, Krimis. Wechseln Sie hin und wieder das Genre. Dann erweitert sich Ihr Wortschatz quasi automatisch.

Übersetzen Sie

Die Königsdisziplin, um neue Worte kennenzulernen und damit Ihren aktiven Wortschatz zu erweitern, ist das Übersetzen. Genau den Ton und die Intention des Autors zu treffen ist eine Kunst. Nehmen Sie sich einen wortmächtigen fremdsprachlichen Text und versuchen Sie diesen zu übersetzen. Dazu müssen Sie Wörterbücher wälzen. Sie werden sich intensiv mit den gefundenen Begriffen auseinandersetzen müssen.

Spielen Sie

Lösen Sie Kreuzworträtsel, spielen Sie Scrabble oder Tabu. Jede Beschäftigung, die mit Worten zu tun hat, erweitert Ihren aktiven Wortschatz.

Dichten Sie

Egal, ob Sie ein Haiku, das Sonnett oder die Freiform wählen. Dichten aktiviert Ihr Sprachgefühl wie kaum etwas anderes und Sie werden dabei oft genug nach treffenden Worten pirschen. Dichtung ist präzise und emotional. Vielleicht entdecken Sie ein neues Hobby.

Was Sie ausserdem noch tun können, um Ihren aktiven Wortschatz zu erweitern

Wenn Sie es ernst meinen und Ihren Wortschatz gezielt erweitern möchten, bieten sich noch weitere Methoden an.

Synonyme finden

Treten Sie mit sich selbst in Wettbewerb und versuchen Sie möglichst viele Synonyme (bedeutungsgleiche Worte) zu finden. Wer Feedback gibt, der sollte mehr kennen als „schlecht“ und „sehr gut“. Machen Sie sich eine Liste mit möglichen Alternativen. Sie können sich dabei online oder von Wörtebüchern helfen lassen.

Wenn Sie dabei auf Worte stoßen, die Ihnen gefallen, dann lernen Sie diese wie Vokabeln. Am besten nehmen Sie sich vor, sie an einem Tag dreimal zu benutzen.

Sie können auch das Alphabet oder ein bliebiges langes Wort als Grundlage nehmen und versuchen zu jedem Buchstaben ein Wort zu finden.

Gegenteile suchen

Versuchen Sie das exakte Gegenteil zu Worten zu finden. Seien Sie sehr kritisch dabei. Es muss genau passen. Nicht nur irgendwie.

Spielen wir es am Beispiel von „genau“ durch. Das Gegenteil könnten ungenau, vage, diffus, ungefähr, fast, teilweise sein. Welches trifft es ganz genau und warum die anderen nicht? Oder trifft jeweils eins eine ganz bestimmte Situation?

Konnotationen erkennen

Geizig und sparsam, großzügig und verschwenderisch sind jeweils zwei vorurteilsbeladene Seiten einer Medaille. Was wäre der neutrale Begriff? Finden Sie solche Synonyme mit gegensätzlichen Konnotationen und ergänzen Sie sie mit dem neutralen Wort. Oft gibt es keins. Dann arbeiten Sie mit einer Beschreibung. Oben könnten das z.B. wenig und viel ausgeben sein.

Worte ordnen, in eine Reihenfolge bringen

Ein Beispiel: Ordnen Sie herausragend, überragend und hervorragend ihrer Bedeutung nach. Was ist das Ordnungskriterium?

Bringen Sie Ihre Synonyme zu „gehen“ in eine Reihenfolge. Was ist schneller? Was ist zielgerichteter?: Promenieren oder stolzieren?

Sie könnten sich auch einfach Dinge fragen wie, was ist schneller als „rasend schnell“ und was ist langsamer als „betulich“? Besonders für die Ausdrücke, die wir oft benutzen, wäre es gut, diese Übung zu machen. Was ist noch kleiner als klein und was ist nicht ganz so klein wie klein? Was ist besser als gut und was ist zwar noch gut aber nicht ganz so gut?

Definitionen bilden

Wenn Sie sich an Definitionen versuchen, geht es darum, abstrakt genau zu erklären, was die Wortbedeutung ausmacht. „Ein Kreisverkehr ist ein Instrument der Verkehrsregelung. Statt einer Kreuzung wird eine kreisförmige Einbahnstraße angelegt, in die beinahe beliebig viele Straßen münden können.“

Varieren von Sprachniveau und Abstraktheit

Um Ihren Wortschatz zu vergrößern, können Sie etwas nacherzählen. Dabei sollten Sie dann bewusst das Sprachniveau variieren oder die Abstraktheit erhöhen bzw. verringern. Sprechen Sie z.B. einmal so, wie Sie es in einer Universitätsvorlesung tun würden und dann so wie Sie es beim feuchtfröhlichen Umtrunk täten.

Fassen Sie einen komplexen Text zusammen.

Wortherkunft

Ich schmökere gern in etymologischen Wörterbüchern. Denn diese erklären die Herkunft von Ausdrücken. Oft ist das so interessant, dass ich mir Wort und Geschichte merke.

* Während der durchschnittliche aktive Wortschatz nur nur 12.000 bis 16.000 Worte umfasst, verstehen wir im Schnitt viermal so viele Worte. Je nach Zählweise hat die deutsche Sprache bis zu 500.000 Ausdrücke. Shakespeare benutzte etwa 29.000 Worte, Luther 23.000 und Goethe 60.000 Worte. Es ist also – für die meisten von uns – noch ausreichend Luft nach oben.
** Ich freue mich, wenn Sie mir weitere Synonyme in die Kommentare schreiben.


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