Sechs gute Gründe, warum Sie ohne Rednerpult reden sollten

Rednerpulte meide ich sie, wo immer ich kann. Meinen Klienten empfehle ich, ebenfalls darauf zu verzichten. Sie wirken ohne Rednerpult besser und dafür gibt es mindestens sechs Gründe.

Die Ahnen unserer Rednerpulte sind die Kanzeln. Von dort wurde früher Gottes Wort verkündigt. Hinter einem Pult und sozusagen ex cathedra zu sprechen, gab Rednern früher eine besondere Autorität. Das gilt heute nicht mehr. Im Gegenteil.

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Links oder Rechts!?

„Heben Sie jetzt bitte die rechte Hand…“ und dann hebt das Publikum die Linke. So kann es gehen. Der Redner macht es nämlich falsch – mit seiner eigenen rechten Hand – vor.

Da kann man sich dann schon mal wundern. Rechts? Links?

Alles, wozu Ihr Publikum eine Seitenangabe braucht, müssen Sie spiegelverkehrt ansagen. Das kann sehr anstrengend werden. Nutzen Sie doch einfach folgenden Kniff:

Bitte vertauschen Sie Ihr eigenes „Rechts“ und „Links“ bevor Sie auf die Bühne gehen. Stellen Sie sich dazu ein tätowiertes „L“ und „R“ auf Ihren Handrücken vor.

Wenn Sie das ein paar Mal geübt haben – es geht auch in privaten Gesprächen – wird Ihnen das Umschalten leicht fallen. Ich bin auf diese Art einige Wochen lang sehr sicher durch den englischen Linksverkehr gekommen. Nur linksherum durch den Kreisverkehr zu fahren blieb aufregend. Ich musste aber in Deutschland auch noch nie einen Kreisverkehr mehrfach umrunden…

Sie wenden doch jetzt nicht etwa ein: „Aber das passt doch nicht, wenn ich über meine Folien spreche!“? Dann würde ich Ihre Äußerung ignorieren. Ich würde zu Ihren Gunsten hoffen, dass Sie Ihrem Publikum niemals den Rücken zuwenden. Außerdem würde ich hoffen, dass Ihre Folien immer so eindeutig sind, dass sie solcher Erklärungen nicht bedürfen.

Wenn Sie einmal etwas nicht mit dem „Bühnen-Links“ / 
„Bühnen-Rechts“ ansagen müssen, dann machen Sie etwas falsch!

Spiegelverkehrt zu denken ist leider sehr anstrengend. Darum nochmals: Benennen Sie Ihre Hände einfach um, wenn Sie auf die Bühne treten. Die Tatoos dürfen auch leuchten, wenn Sie das möchten.

Fun Fact

Was wir abseits der Bühne – aus inhaltlichen Gründen – für links oder rechts halten, folgt bestimmten Konventionen. Tatsächlich folgt aus diesen Regeln, dass ein deutscher und ein französischer Gleiswärter denselben toten Hund gleichzeitig rechts und links der Bahn entdecken können. (Artikel folgt.)

Ruhe! – so glückt der Redeeinstieg

Redeeinstieg mit voller Aufmerksamkeit

Sie brauchen zum Redeeinstieg unbedingt die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Es gibt keine zweite Chance dafür. Darum dürfen Sie nicht versuchen gegen den Lärm des Publikums anzusprechen. Selbst mit Mikrophon wird Ihre Einleitung sonst nicht ausreichend gewürdigt. Warten Sie darauf, dass Ruhe einkehrt. Entschleunigen Sie. Dann glückt der Redeeinstieg.

Heute müssen sich Redner*innen von Beginn an gegen die ständige Konkurrenz der Smartphones durchsetzen. Emails, die Twitter-Timeline und Newsfeeds lauern immer im Hintergrund. Nicht zu vergessen die Schönheiten von Instagramm.

Um in dieser Flut von Ablenkungen nicht unterzugehen, muss man heute viel anders machen als früher. Dies gilt in ganz besonderem Maß für den Redeeinstieg.

Der einfach Kniff für den gelungenen Beginn Ihrer Präsentation: Sprechen Sie erst, wenn das Publikum ruhig geworden ist. Geben Sie dem Publikum Zeit, Sie wahrzunehmen. Aufmerksam zu werden. Zuzuhören. Bauen Sie Spannung auf.

So machen Sie den Redeeinstieg richtig

Bis das Publikum wirklich ruhig ist, folgen Sie einfach diesen Anweisungen:.

  1. Stellen Sie sich sehr aufrecht in die Mitte der „Bühne“.
  2. Beschäftigen Sie sich mit nichts anderem – nur mit dem Warten darauf, dass endlich Ruhe einkehrt.
  3. Schweigen Sie.
  4. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  5. Warten Sie genüsslich ab.
  6. Schauen Sie in die Ecken, in denen noch Unruhe herrscht.
  7. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  8. Schweigen Sie.
  9. Warten Sie genüsslich ab.

Es wird von ganz allein ruhig werden. Damit bekommt Ihr Redeeinstieg die nötige Aufmerksamkeit. Man wird Ihren ersten Worten gespannt lauschen. Mit einer gelungenen Einleitung können Sie danach die Aufmerksamkeit Ihres Publikums binden.

Achtung: Dies ist keine Disziplinarmaßnahme. Wenn es ruhig genug geworden ist, beginnen Sie mit Ihrer Präsentation. Warten Sie nicht auf den allerletzten Zuhörer.

Gelinggarantie

Vermeiden Sie den Eindruck, beschäftigt zu sein. Warten Sie einfach (vielleicht sogar etwas arrogant) ab, bis sich der „Plebs“ beruhigt hat. Das ist die Gelinggarantie für einen wirkungsvollen Redeeinstieg. Sie wollen es besonders gut machen? Dann warten Sie – nachdem Ruhe eingekehrt ist – noch eine Millisekunde ab, bevor sie sprechen. Lassen Sie das Publikum warten. Das kehrt die Dynamik um.

Viele Redner lassen sich vom Publikum treiben. Das mindert deren Präsenz. Je souveräner Sie mit Ihrer Zeit umgehen, desto präsenter werden Sie wirken. Seien Sie gegenwärtig (präsent) und eilen Sie nicht voraus.

Wie kam ich dazu, diese Form des Redeeinstiegs zu entwickeln?

Vor vielen, vielen Jahren stehe ich das erste Mal vor mehr als 120 aufgeregten, lauten Oberstufenschülern. Ein schwieriges Publikum. Ich habe kein Mikrophon. Was ich sagen muss, ist wichtig für das Gelingen der Veranstaltung. Denn werde ich nicht gehört, wird es das totale Chaos entstehen. Weil ich weiß, dass ich diese vielen Menschen niemals werde übertönen können, warte ich darum (scheinbar) ruhig ab. Und es wirkt wie nichts anders zuvor. Die Schüler sind tatsächlich alle ruhig, als ich beginne zu sprechen. Die letzten werden von ihren Nachbarn per Ellenbogencheck zum Zuhören aufgefordert. Die Veranstaltung kann wie erhofft ablaufen.

Damals blieb mir nichts anderes übrig. Die Methode hat seitdem IMMER funktioniert und lässt alle, die sie anwenden, herrlich souverän wirken.

Auch in Meetings und auch bei Wortbeiträgen sollten Sie niemals sprechen, bevor Sie nicht ausreichende Aufmerksamkeit erhalten. Die Stille, die durch Ihr Abwarten entsteht, ist lauter als alles andere, das Sie tun könnten.

Im Rhetorik-Bootcamp üben wir diesen und andere Kniffe, damit Sie sich sicher fühlen und souverän wirken.