Sachbuchtipps – Stimme und Sprechen

Die Macht der Stimme: Mehr Persönlichkeit durch Klang, Volumen und Dynamik""“ target=“_blank“ rel=“noreferrer noopener“ aria-label=“Amon, Ingrid: Die Macht der Stimme: (opens in a new tab)“>Amon, Ingrid: Die Macht der Stimme: Mehr Persönlichkeit durch Klang, Volumen und Dynamik, 8. Auflage, München, 2017.

„>Rossié, Michael: Sprechertraining: Texte präsentieren in Radio, Fernsehen und vor Publikum, 8. Auflage, Wiesbaden, 2017.

So überwinden Sie Ihre Redeangst

Wichtig ist, dass man etwas gegen Redeangst, gegen zu großes Lampenfieber tut. Was das Richtige für Sie ist, können Sie nur selbst herausfinden. Nicht jede und jeder kann sich mit jeder Methode anfreunden. Darum geht es auch gar nicht. Entwickeln Sie Ihre eigene Routine – Ihr eigenes Wohlfühlprogramm – um die Redeangst zu überwinden. Je öfter Sie diese Routine einüben, umso wirkungsvoller wird sie werden.

Ein gewisses – beherrschbares – Ausmaß an Lampenfieber zu behalten, ist grundsätzlich nicht falsch. Eine gespannte Aufmerksamkeit macht uns nur besser. So können wir sensibler auf unser Publikum reagieren.

Redeangst ist kein Schicksal! Oft ist es nur eine unglückliche Verkettung von Zufällen oder mangelnde Übung, die zur tiefen Angst vor dem öffentlichen Reden geführt hat. Nach dem Rhetorik-Bootcamp sollte das kein Problem mehr sein. Trotzdem ist es gut, ein Programm zu haben, dem Sie folgen können. Nicht jede Situation ist gleich belastend. Wenn Sie eine Routine haben, wird diese Sie auch in besonders schwierigen Situationen tragen.

Vorschläge für Ihre persönliche Routine

Bitte entwickeln Sie Ihre eigene, höchstpersönliche Routine. Wie auch im Seminar stelle ich die einzelnen Techniken in der Reihenfolge ihres zeitlichen Einsatzes vor.

Grundsätzliche Veränderungen anstoßen

Mit viel Übung, die lange vorher stattfinden muss, sehr wirksam: Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung aber auch Joga und Meditation. Wie bei jeder Entspannungstechnik ist es das Training, dass die Wirksamkeit bestimmt. Je regelmäßiger Sie üben, desto leichter ist es, in der „Krise“ auf die Effekte zuzugreifen. Redeangst überwindet man am besten, wenn man sie gar nicht erst so richtig aufkommen lässt.

Redeangst überwindet man am besten durchs Tun. Besuchen Sie einen Rhetorikkurs (wie mein Bootcamp). Sie können auch „einfach“ im Privatleben oder bei Toastmasters oder im Job mehr üben.

Vor dem Vortrag

Wenn es sein muss auch direkt vor dem Auftrittstag: Hypnose, PEP (Klopftechnik), Wingwave oder Logosynthese. Schalten Sie die Auslöser zu großer Redeangst einfach ab.

Zuhause: vorzeigbar machen, „Uniform“ anziehen. Ein geliebtes Teil darf gern dabei sein. Wählen Sie ein bequemes Outfit, das Ihre guten Seiten hervorhebt und dem Anlass angemessen ist. Ziehen Sie NICHTS Neues an! (Es könnte überraschend unbequem sein.) Die „Uniform“ oder „Rüstung“ wirkt mit der Zeit – wenn lange genug alles „gut“ gegangen ist – selbst beruhigend.

Auf dem Weg: Stresshormone bekommt man gut mit Bewegung in den Griff. Machen Sie noch einen Rundgang durch das Gebäude, um das Haus oder spurten Sie einfach ein paar Mal die Treppen rauf und runter. Adrenalin wird durch Bewegung „verbrannt“.

Vor Ort

Besuchen Sie die Bühne (den Auftrittsort). Nutzen Sie die Begehung um sich möglichst so einzurichten, dass Sie sich wohlfühlen. (Kontakt mit den Tontechnikern aufnehmen, eventuell Mikrophon testen, Pult verschieben.)

Noch einmal ganz für sich sein (Büro / Toilette) – für mindestens zwei Minuten eine Power Pose einnehmen und dabei Dauergrinsen über 2 Minuten. Zwerchfellatmung. Gähnen und Strecken. Klopfen. Streicheln Sie sich sanft über Gesicht, Kopf oder die Innenseiten der Arme. Brummen und Summen.

Am Platz: Entschleunigen. Genussvoll einen Apfel mit kleinen Bissen essen, ein Stückchen Schokolade im Mund schmelzen lassen oder sich vorstellen einen Lieblingsduft (Rosen oder Schweinebraten oder Seeluft) einzuatmen. Wasser in kleinen Schlucken trinken. Isolierte Übungen der Progressiven Muskelentspannung durchführen, Zwerchfellatmung, sich breit machen beim Sitzen.

Im Moment

Mit Ruhe nach vorn gehen.

Auf der Bühne, im letzten Moment – bevor es losgeht – Blickkontakt aufnehmen, ausatmen und loslassen und erst dann beginnen.

Wenn sie anfangen zu sprechen – aber nicht jedes Mal und nur bei sehr wichtigen Anlässen: Stehen Sie zu Ihrer Redeangst. Bekennen Sie, wie schwer es Ihnen fällt zu reden. Ihre Worte werden noch mehr Aufmerksamkeit finden. Das darf aber bitte nicht zur einer Dauerlösung werden. Denn damit würden Sie sich dann lächerlich machen.

Noch während des Redens helfen die „Cheerleader“ – die Nicker und Lächler – weiter. Sie sagen uns implizit „Sprich weiter. Ich höre gebannt zu.“ Auszuatmen ist ebenfalls niemals falsch.

Schicken Sie Ihre inneren Kritiker zurück an den Platz. Erst wenn die Rede durch ist, dürfen die inneren Stimmen sprechen. Wir wollen natürlich (noch) besser werden. Während der Rede aber haben wir keine Konzentration für so etwas.

Nach der Rede

Genießen Sie den Applaus und die Komplimente.

Versuchen Sie, das positive Feedback bewusst aufzunehmen. Sagen Sie sich zum Abschluss unbedingt auch selbst, was gut gelaufen ist. Halten Sie es vielleicht sogar schriftlich fest. Daraus schöpfen Sie beim nächsten Mal Zuversicht. (Was nicht gut war, haben Sie ganz automatisch im Blick.)

Wenn Sie perfekt für sich sorgen möchten und statt Redeangst zu spüren unaufhaltsam besser werden wollen, dann bitten Sie vorab um Feedback. Wie Sie das bestmögliche und hilfreichste Feedback erhalten, erkläre ich in einem weiteren Blogartikel.

Was, wenn nichts gegen Ihre Redeangst hilft

Manchmal klappt so gar keine Methode richtig. Etwa 12 % der Menschen haben große Schwierigkeiten, positive Veränderungen zu erreichen. Wenn Sie also bisher mit keiner Methode erfolgreich Ihre Redeangst überwinden konnten, könnte es dafür einen Grund geben. Dagegen solten Sie angehen. Es gibt unbewusste problemstabilisierende Muster – die erfolgsverhindernden Big Five. Diese werden hier gut erklärt: Dr. Michael Bohne im Gespräch mit Caroline Bender. Hat man seinen Erfolgsverhinderer erkannt, kann man ihn entschärfen und so die Redeangst überwinden.

Bücher und andere Hilfsmittel

Hier ein paar Bücher und andere Medien als Anregung für weitere Methoden um Redeangst zu überwinden.

Klopftechnik

Bohne, Dr. Michael: Bitte klopfen! Anleitung zur emotionalen Selbsthilfe, überarbeitete und erweiterte Auflage, Heidelberg, 2018.

Mit der Klopftechnik kann man nicht nur seine Redeangst überwinden sondern auch andere Stressoren loslassen. Wer mehr über die Methode wissen möchte, dem empfehle ich dieses Video einer live Demonstration der Arbeit mit zwei Musikern. Im nächsten Video erklärt Dr. Bohne genau, was PEP und was die wirkungsverhindernden Big Five sind. Dr Bohne ist sehr sprunghaft und gern auch weitschweifig. Wer sich trotzdem darauf einlassen kann, wird durch dieses Video viel verstehen. Man kann aber auch einfach das Buch kaufen und „machen“. Wer es ganz genau wissen will, liest das folgende Buch:

Bohne, Dr. Michael: Klopfen mit PEP: Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie in Therapie und Coaching, 3. Auflage, Heidelberg, 2016.

Audio-Downloads

Die Techniker Krankenkasse bietet die verschiedensten Audio-Downloads zu den Themen Entspannung und Gelassenheit an. Dazu gehören insbesondere:

  • Drei verschiedene Downloads zur Atementspannung. Für viele Menschen ist Atementspannng ein ziemlich perfekter Weg zur Gelassenheit.
  • Vier verschiedene Downloads – mit und ohne Musik – zur progressiven Muskelentspannung nach Edmund Jacobson (Dauer zwischen 13 und 33 Minuten)

Alexa-Skills

Die Techniker Krankenkasse bietet ausserdem etwas an, das sie Smart-Relax mit Alexa nennen. Es funktioniert mit Alexa und dem Google Assistant. Das Programm bietet immer wieder verschiedene neue Meditationen, Achtsamkeitstrainings und Entspannungsübungen an. Ausserdem werden die unterschiedlichsten Entspannungsmethoden erklärt. Sobald Sie eine Entspannngstechnik in Ihre Routine aufnehmen, hilft Sie Redeangst zu überwinden. Suchen Sie solange, bis Sie Ihren Favoriten gefunden haben.

Autogenes Training

Keinesfalls vergessen werden darf das mächtige Werkzeug des Autogenen Trainings. Am besten lernt man es unter Anleitung. Viele Volkshochschulen bieten Kurse an. Vielleicht zahlt Ihre Krankenkasse auch einen Kurs.

Ein Buch über Autogenes Training zu lesen schadet nicht. Trotzdem sollte man sehr vorsichtig an dieses mächtige Instrument herangehen. Die direkten körperlichen Veränderungen können sehr beeindruckend sein. Hätte man mir nicht in der ersten Stunde geholfen, ich hätte das Autogene Training nie erlernt. Bei mir (kein Leichtgewicht) hatte sich im Liegen ein Gefühl der Beklemmung eingestellt. Mit einem Kissen unter den Schultern war alles gut. Ohne das hätte ich nicht weitergemacht und mein Unwohlsein mit den Übungen erklärt.

Lindemann, Dr. Hannes: Autogenes Training: Der bewährte Weg zur Entspannung, Müchen, 2004.

Wirkung

Teilnehmer*innen haben mir berichtei, dass sie die Schmerzen ihrer Gürtelrose mit Autogenem Training loslassen konnten. Wieder Andere heilten damit Ihre Auftrittsangst. Ein Beispiel durfte ich selbst erleben. Im größten Trubel wurde innerhalb von nur zehn Minuten aus einem unkonzentrierten, fahrigen, sich abgelenkt und gestresst fühlenden jungen Mann ein Musterbeispiel an positiver Gefasstheit und souveräner Ausstrahlung. Er hatte einfach genügend trainiert und konnte nun seine Bestform einfach abrufen. Nachahmenswert!

Das Autogene Training ist arbeitsintensiv. Denn es muss zuerst erlernt werden. Danach braucht es regelmäßige Übung.

Dafür kann man mit Autogenem Training aber viel mehr erreichen als nur seine Redeangst zu überwinden. Mit den Übungen der Mittelstufe arbeiten Sie an persönlichen Zielen. Die Oberstufe widmet sich der Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung.

10 Satz Methode hilft Redeangst zu überwinden

Was gegen Panikattacken wirkt, hilft auch dabei die eigene Redeangst zu überwinden: Bernhardt, Klaus: Panikattacken und andere Angststörungen loswerden: Wie die Hirnforschung hilft, Angst und Panik für immer zu besiegen, 11. Auflage, München, 2017.

Hpnose und Selbsthypnose

Seitdem ich mich unter Hypnose habe coachen lassen, bin ich Fan. (Für Vielredner ist es übrigens eine sehr effiziente Methode.) Hypnose hilft gut gegen Redeangst (und bei vielen anderen Problemen).

Ein paar wunderbare Beispiele, wie Hypnose in der Therapie wirken kann, bietet das Buch der deutschen Hypnotherapeutin Irina Schlicht: Was quält mich, und wenn ja, warum?: Faszinierende Geschichten aus der Hypnose-Therapie, München, 2011

Logosynthese

Logosynthese ist ebenfalls eine sehr wirkungsvolle Methode, die auch im Selbstcoaching gegen Redeangst eingesetzt werden kann. Mit ihr ereicht man schnell Veränderungen und baut Belastungen ab. Auch diese Methode empfehle ich aus eigener Erfahrung. Ich habe Seminare zum Thema besucht, benutze die Methode immer wieder für mich selbst und habe mich von einer ausgewiesenen Fachfrau für Logosynthese coachen lassen. Ein Behandlungsbeispiel in Bezug auf Höhenangst zeigt dieses Video. Über die Einordnung der Methode schreibt Ulrike Scheuermann sehr verständlich. Sie bietet zu Logosynthese auch verschiedene Seminare und Ausbildungen an.

Logosynthese beruht im wesentlichen auf drei Sätzen. Dies spricht man sich im Rahmen der Logosynthese immer wieder selbst vor oder der Partner*in nach:

  1. Ich nehme alle meine Energie, die in (XXX=worum es geht) gebunden ist, an den richtigen Ort in mir selbst zurück.
  2. Ich entferne alle Fremdenergie im Zusammenhang mit ( XXX=worum es geht) aus allen meinen Zellen, aus meinem Körper und aus meinem persönlichen Raum
    und schicke sie dorthin, wo sie hingehört.
  3. Ich nehme alle meine Energie, die in allen meinen Reaktionen auf ( XXX=worum es geht) gebunden ist, an den richtigen Ort in mir selbst zurück.

Lammers, Dr. Willem: Selbstcoaching mit Logosynthese: Blockaden auflösen, Krisen bewältigen, 4. Auflage, München, 2012.

Sympathisch zu wirken lohnt sich

Sympathie ist gefährlich und nützlich

Sympathische Menschen werden allgemein für intelligent, gebildet, aufrichtig und vertrauenswürdig gehalten. Dies ist ein typischer Haloeffekt. Im engeren Sinn bedeutet jemanden sympathisch zu finden schließlich nur, ihn nett und freundlich zu finden, sich in seiner Gesellschaft wohl zu fühlen. Von solchen Mitmenschen nur das Beste anzunehmen zu wollen, führt zum Haloeffekt.

Ob dieser Effekt positiv oder negativ ist, liegt daran, wie er (aus-)genutzt wird. Wir können (und sollten) ihn nutzen, um erfolgreicher zu kommunizieren. Sympathischen Menschen möchte man gern glauben. Wie Sie durch Impression Management sympathischer wirken, erkläre ich detailliert in einem weiteren Blogbeitrag.

Leider wissen auch Heiratsschwindler, Hochstapler und Betrüger genau um die Wirkung der Sympathie. Wachsamkeit ist also angebracht. Wir sollten uns bei jedem Urteil über die Eigenschaften eines Menschen fragen, ob wir vielleicht gerade dem Haloeffekt aufsitzen.

Fun Fact: Oft kommt der beste Rat von Menschen, die unsympathisch wirken. Sie sind zu ehrlich. Schade eigentlich.

Vorteile sympathischen Auftretens

Welche Vorteile könntest Du aus sympathischen Auftreten ziehen?

Menschen, die sympathisch wirken, haben weniger Stress. Man streitet weniger mit ihnen. Ihnen werden Fehler leichter verziehen – einfach, weil man sie mag.

Wir lassen uns gern von sympathischen Menschen überzeugen. Ihnen vertrauen wir. Schon deshalb ist es wichtig sympathisch zu wirken. Das wissen Verkäufer und Vertreter sehr gut. Genau an diesem Beispiel wird auch klar, was passiert, wenn man es übertreibt. Das Auftreten wirkt schleimig und macht misstrauisch. Man wird nicht mehr ernstgenommen.

Sympathie kann Ihren beruflichen Aufstieg fördern. Wenn der Arbeitgeber oder der direkte Chef Sie mag, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Sie befördert werden. Das interessante Angebot wir eher Ihnen als Anderen gemacht. Menschen die im Bewerbungsgespräch sympathisch wirken, werden lieber eingestellt.

Wir fühlen uns wohl in der Nähe von Menschen, die uns sympathisch sind. Darum haben sympathische Menschen ein viel reicheres Privatleben. Man umgibt sich gern mit Ihnen.

Sympathische Menschen werden viel weniger oft verklagt. Das zeigen Studien zur Arzthaftung in den USA. Instinktiv wissen wir das eh: Wer hat noch nicht versucht einem Strafzettel oder ein Parkticket durch einen kleinen Flirt mit dem Kontrolleur zu entgehen?

Es lohnt sich genau zu wissen, wie wir wirken. Darum lade ich Sie gern zu meinem Brandingseminar ein. Dort erhalten Sie detailieirtes Feedback und Vorschläge für Veränderungen.

Feedback geben – grundlegende Regeln

Um hilfreiches und wirksames Feedback geben zu können, sollte der Feedbackgeber vor allem drei Kriterien beachten.

Gutes Feedback erfolgt zeitnah

Warten Sie nicht ab. Geben Sie Feedback so früh wie möglich. Der Feedbackgeber und der Betroffene sollten sich noch genau an alles erinnern können. Nur dann wird das Feedback hilfreich sein.

Gute Feedbackgeber*innen sind genau

Werden Sie so konkret wie möglich. Der Empfänger des Feedbacks muss genau verstehen, worum es geht. Sprechen Sie darüber was Ihnen gefallen hat und was verbessert werden könnte. Wenn Feedbackgeber*innen genau angeben, worauf sie sich beziehen, wird es leichter das Feedback nachzuvollziehen.

Werden Sie persönlich, wenn Sie Feedback geben

Reden Sie nicht darüber wie „man“ etwas tut. Sprechen Sie statt dessen darüber, wie Sie persönlich das einzuschätzende Verhalten bewerten. Es geht um Ihr Urteil. Was hat Ihnen gefallen? Was hat Sie gestört?

Gutes Feedback enthält Verbesserungsvorschläge, wenn…

Oft genug wird gesagt, dass gute Feedbackgeber*innen auch immer Verbesserungsvorschläge machen sollten. Ich halte das für keine gute Idee. Um eine Sache zu beurteilen, muss man nicht vom Fach sein. Ob Sie etwas verstehen, ob es Ihnen schmeckt oder ob etwas in Ihren Augen gut aussieht, dafür sind Sie Expert*in. Was es aber braucht, um die Sache besser zu machen, wenn sie nicht gefällt, können Feedbackgeber oft gar nicht einschätzen.

Machen Sie darum nur konkrete Verbesserungsvorschläge, wenn Sie es wirklich besser wissen. Verbesserungsvorschläge von Expert*innen sind hilfreich. Wenn Sie die Wirkung Ihres Vorschlags nicht einschätzen können, dann machen Sie besser keinen Vorschlag.

Sagen Sie statt dessen, was Sie brauchen, um zu einem anderen, vorteilhafteren Urteil zu kommen.

Wenn Sie z.B. Probleme haben, einem Vortrag zu folgen, wünschen Sie sich nicht konkrete Veränderungen wie: kürzere Sätze, mehr Geschichten, weniger Details. Statt dessen fokussieren Sie sich auf Ihre eigenen Bedürfnisse. Die könnten sein: mehr Anregung, um bei der Sache bleiben zu können, Einfachheit, um wirklich zu verstehen, mehr Struktur, um das Gesagte nachvollziehen zu können…

Die WWW-Formel für gutes Feedback

Versuchen Sie doch einmal Ihr Feedback mit der folgenden WWW-Formel zu formulieren:

Das erste W steht für Wirkung. Wie hat es auf Sie gewirkt. („Ich wurde müde.“, „Ich war plätzlich ganz wach“, „Ich habe mich gelangweilt.“, „Ich wurde neugierig.“)

Das zweite W steht für Wahrnehmung. Hier reden Sie darüber, was die zuerst beschriebene Wirkung ausgelöst hat. Es geht eben nicht darum, alles aufzuzählen, was Sie beobachten konnten, sondern nur die Dinge zu erwähnen, die auf Sie gewirkt haben.*

Im dritten und letzten Schritt äussern Sie Ihre Wünsche wie oben beschrieben. Versuchen Sie dabei mehr darüber zu spechen, was Sie brauchen. Sprechen Sie – wenn Sie keine Expert*in sind – weniger darüber, wie das erreicht werden könnte.

Ihre Feedbackskills werden in allen meinen Seminaren trainiert – besonders aber in „Ich glaube an Dich!“ – Durch Feedback zur Fehlerkultur .*Mit der Abfolge Wirkung, Wahrnehmung und Wunsch weiche ich klar von der üblichen Abfolge (nach Manfred Gührs und Claus Novak), bei der die Wahrnehmung als erstes kommt, ab. Dafür habe ich vor allem zwei Gründe. Wenn wir Feedback geben, sollten wir erstens nicht über alles sprechen. Wie sollten statt dessen nur die Dinge erwähnen, die eine Wirkung hatten. Das ist leichter herauszuarbeiten, wenn man direkt mit der Wirkung anfängt. Zweitens sind Wirkung/Wirksamkeit das zentrale Kriterium für die Güte einer Leistung. Der Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung und der Wirkung dagegen kann, muss aber nicht bestehen.

Power Poses

Was sind Power Poses?

Power Poses sind machtvolle, expansive Haltungen und Gesten. Der Begriff wurde von der in Harvard lehrenden Wissenschaftlerin Amy Cuddy geprägt. Nimmt man für mindestens zwei Minute eine Power Pose ein, wird man sicherer und fühlt sich selbstbewusster.

Prinzipiell geht es bei Power Poses darum, sich groß zu machen, Raum einzunehmen, offen zu sein. In der sogenannten Wonder Woman Pose steht man z.B. breitbeinig und sehr aufrecht und stemmt die Hände in die Taille.

Auch die Füße auf den Schreibtisch (den eigenen!) zu legen und gleichzeitig die Hände hinter dem Kopf zu verschränken ist eine Power Pose. Sie könnten auch in einer Siegerpose die Arme über den Kopf hochreissen oder die Fäuste zum Himmel strecken.

Allen Power Poses gemein ist, dass sie viel Raum einnehmen und verletzliche Korperregionen deutlich zur Schau stellen. Die männlichen Power Poses nutzen gern noch die Hände um deutlich auf die Geschlechtsteile zu weisen.

Wann sollten Sie Power Poses einnehmen?

Weil Power Poses selbstsicher machen, ist es gut, sie kurz vor einem wichtigen Termin einzunehmen. Sie sollten die Pose mindestens zwei Minuten halten. Suchen sie sich deshalb einen geschützten Raum, in dem Sie unbeobachtet üben können. (Büro / Toilettenkabine) Übertreiben Sie es bewusst. Dabei dürfen Sie sich ruhig lächerlich vorkommen. Achten Sie darauf, sich im Anschluss nicht klein zu machen! Sonst verliert sich der Effekt der Power Pose schnell.

Amy Cuddys Ted Talk zu Power Poses

Würden Sie gern wissen, was das Konzept von „Fake it till you become it“ bewirken kann? Dann hören Sie mal hier rein:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Ks-_Mh1QhMc
Der zweiterfolgreichste TED-Talk aller Zeiten. Amy Cuddy „Your body language may shape who you are.“

Streit um die Wirksamkeit von Power Poses

Das Konzept der Power Poses (auf denen auch die Ochsenfroschstrategie beruht) ist sehr lange umstritten gewesen. Dieser Streit kann nun aber wohl beigelegt werden. Die Wirksamkeit einer expansiven machtvollen Haltung scheint bewiesen zu sein. Cuddy wollte ausserdem Veränderungen der Hormonstatus von Cortison und Testoteron nachweisen können. Dies ist nach dem aktuellem Stand der Wissenschaft nicht haltbar

Wie kam es zu dieser Entdeckung?

Any Cuddy wurde durch Ihr persönliches Schicksal zu dieser Forschung geführt. Sie erlitt in ihrer Jugend einen Unfall, der Ihr Gehirn sehr stark schädigte. So stark, dass man einen Studienabschluss für unmöglich hielt.

Aus der resultierenden Unsicherheit heraus hätte Amy Cuddy beinahe ihr Studium nicht beenden können. Sie lernte dann so zu tun als sei sei sicher. „Fake it till you make it.“ In der Folge beobachtete Sie Veränderungen an sich und wurde selbstsicherer. Als Professorin erlebte sie dann in ihren Seminaren, dass sich üblicherweise nur Studierende mit selbstbewussten Gebaren am Unterricht beteiligten. Unsicher wirkende Studierende hatten aber oft genauso viel oder mehr beizutragen. Lernten letztere sich selbstbewusster zu halten, beteiligten sie sich auch mehr. So entstand im Laufe der Zeit das Konzept: „Fake it till you become it“.

Redeangst und Körperhaltung

(Rede-)Angst ist selten ein guter Ratgeber. Die meisten der aus Redeangst geborenen Gewohnheiten sind schädlich. Doch schon drei kleine Änderungen Ihrer Haltung helfen Redeangst abzubauen.

Mini-Tipp gegen Redeangst #1 – Cheerleader engagieren

Viele Redner versuchen den Blicken auszuweichen. Versuchen Sie etwas neues: Schauen Sie sich um. Beobachten Sie Ihre Zuhörer*innen. Viele Menschen sehen Sprechern direkt in die Augen und nicken und lächeln, während sie zuhören. Das sind unsere Cheerleader. Betrachten Sie in Zukunft nur diese, während Sie sprechen. Denn solche Zuhörer*innen sagen ganz deutlich: „Sprich weiter. Ich höre Dir zu.“

Ausdruckslose oder feindlich wirkende Gesichter meiden Sie bitte. Meiden Sie sie, solange Sie sich nicht wohlfühlen.

Fun Fact: Besonders interessierte Zuhörer*innen sehen oft am gemeinsten aus. Denn sie vergessen vor lauter Interesse das höfliche Lächeln und starren uns ausdruckslos an. Der Blick in ein solches Gesicht lässt die Redeangst wachsen – bis man weiss, was es bedeuten kann.

Mini-Tipp gegen Redeangst #2 – Hände befreien

Verschränken Sie Ihre Arme nicht. Halten Sie nicht eine Hand mit der anderen fest. Geben Sie Ihren Händen Gelegenheit sich zu bewegen. Sprechen ist nämlich viel leichter, wenn die Hände sich frei gewegen können, d.h. quasi in Bereitschaft stehen. Nicht umsonst heisst es „um Worte ringen“. Jede – noch so kleine – Bewegung der Hände hilft beim Sprechen.

Sie können nicht glauben, dass es so leichter wird zu sprechen? Dann versuchen Sie einmal das Folgende: Setzen Sie sich auf Ihre Hände und erklären Sie einen komplexen oder komplizierten Sachverhalt. Sie werden sofort merken, dass Ihre Gedanken nicht mehr richtig fließen.

Legen Sie darum bitte ab sofort Ihre Hände im Sitzen immer locker ab. Einfach auf den Tisch oder die Armlehnen Ihres Stuhls oder die eigenen Oberschenkel. Im Stehen lassen Sie die Arme herunterhängen. So geben Sie Ihren Händen Raum. Danach kümmern sich nicht mehr um Arme und Hände. Diese werden ganz von selbst das Richtige tun.

Mini-Tipp gegen Redeangst #3 – Ochsenfroschstrategie

Versuchen Sie nicht, sich klein zu machen. Machen Sie sich statt dessen groß und breit. Wie ein Ochsenfrosch. Sitzen oder stehen Sie aufrecht, dem Gegenüber zugewandt. Achten Sie nicht nur in der betreffenden Situation auf Ihre Haltung, sondern auch in den Minuten und Momenten davor.

Wenn wir uns unsicher fühlen, neigen wir dazu, uns klein zu machen und z.B. unsere Arme zu verschränken. Damit zeigen wir nicht nur unsere Unsicherheit nach aussen und behindern den Redefluss (s.o.). Wir verstärken mit solch einer Haltung auch die eigene Unsicherheit. Im umgekehrten Fall gewinnen wir tatsächlich an Sicherheit hinzu. Unsere Haltung sollte darum sicher d.h. offen, groß und breit sein – eben wie ein Ochsenfrosch. Denn dann werden wir a) als selbstsicher wahrgenommen und werden uns b) nach einer gewissen Zeit auch so fühlen. Die Ochsenfroschstrategie speist sich aus den Erkenntnissen über Power Poses.

Sie möchten besser wirken und überzeugender auftreten? Dann lesen Sie weiter in Körpersprache. Im Rhetorik-Bootcamp arbeiten wir intensiv daran, dass Sie sich beim Reden in Ihrem Körper wohlfühlen und ihn zu Ihrem Vorteil einsetzen.

Frauenfeindliche Witze kontern

Es fängt mit netten Witzen an und plötzlich überbieten sich die Anwesenden im Erzählen frauenfeindlicher Witze. Einer schlimmer als der andere. Was harmlos genug anfängt mündet oft genug irgendwann in Beleidigungen. Lachen Sie nicht mit. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Frauenfeindliche Witze gehen zu weit. Wo Sie die Grenze setzen, ist Ihnen überlassen. Sie dürfen und sollten sensibel sein, denn frauenfeindliche Witze dienen immer einem Zweck. Typischerweise der Abwertung und Ausgrenzung, oft genug auch der Beleidigung oder gar der sexuellen Belästigung. Lassen Sie sich das nicht gefallen.

Typischerweise bauen sich diese Situationen langsam auf.  Oft müssen sich die Opfer vorwerfen lassen, mitgemacht zu haben. Es muss nicht dazu kommen. Wenn Sie die Eskalation früh genug stoppen, kann der Abend wieder nett werden oder bleiben.

Immer, wenn die Witze gehässiger werden, immer, wenn es nur gegen eine Gruppe geht, sollten Sie kontern. Je früher Sie es tun, als desto natürlicher wird man es empfinden, als desto weniger störend wird es wirken. Üben Sie also gern auch, wenn es nicht gegen Frauen sondern gegen Ausländer*, Blondinen oder Behinderte geht.

Wann sollte ich auf frauenfeindliche Witze reagieren?

Es ist gut sensibel zu sein. Lassen Sie erst gar keine Eskalation zu. Im Zweifel reagieren Sie darum lieber früher als später. Lassen Sie sich nicht ausgelachen. Mit den unten beschriebenen Techniken wird vielen gar nicht auffallen, was Sie getan haben. Es ist wichtig, dass Sie frühzeitig eingreifen, bevor der Abend abdriftet.

Strategien, mit denen Sie frauenfeindlche Witze kontern können

Selbst einen guten Witz erzählen

Sie könnten selbst einen guten Witz erzählen, der eine andere Zielrichtung hat. Passiert das früh genug, nimmt der Abend oft gar keine so unangenehme Richtung. Hat es aber jemand darauf angelegt, Sie aus der Gruppe zu vertreiben, wird er das nicht zulassen. Er wird darum seinerseits wieder die alte Richtung anstreben. Dann müssen Sie eine „Entscheidung“ der restlichen Gruppenmitglieder vorantreiben. Das geht gut mit Strategie zwei:

Einen männerunfreundlichen Witz erzählen

Um die Eskalation hin zu frauenfeindlichen Witzen zu verhindern, habe ich für mich die Lösung des männerunfreundichen Witzes gefunden. Leider patze ich beim Erzählen von Witzen regelmäßig. Darum ist die Strategie eins für mich nicht gut geeignet. Aber mindestens einen speziellen, nicht männerfreundlichen Witz als Konter habe ich immer drauf.

Der Witz muss nicht gut und auch nicht neu sein. Sie müssen ihn nicht einmal gut erzählen. Er soll nur sagen, „Stop. Das geht mir jetzt zu weit. Ich halte dagegen.“ Lassen Sie Ihr Publikum das Gefühl des schlechten Witzes auf seine Kosten erleben. Es nimmt dem Prozess den Schwung. Die Kette reißt ab. Mehr ist nicht nötig. Die Eskalation ist gestoppt.

Nach dem männerunfreundlichen Witz wird es deutlich schwieriger wieder zu den frauenfeindlichen Witzen zurückzukehren.

Männerunfreundliche Witze:

  • Die Missfits texteten: „Wozu hat der liebe Gott die Männer erfunden? Antwort: Als Prüfung für die Frauen, damit sie gute Eigenschaften wie Geduld und Mitleid lernen.“
  • „Was sagte Gott, nachdem er den Mann erschaffen hatte? „Das kann ich auch noch besser.“
  • Als Entgegenung auf Bondinenwitze: „Was macht ne Blondine morgens mit Ihrem Arsch? Sie schmiert ihm ein Brot und schickt ihn zur Arbeit.“
  • Mein liebster Anti-Witz (inzwischen aber alt und manchen sicher zu hart): „Was sind tausend tote Mönner auf dem Meeresgrund? Ein guter Anfang.“ (Ich habe ihn sicher schon 50 Mal erzählt und es hat immer geholfen.)

Mänerfeindliche Witze

Zu weit gehen mir die folgenden Witze. Ich empfinde Sie als mönnerfeindlich.

  • „Warum werden an den Münchener Universitäten jetzt alle Versuche zur Verhaltensbiologie mit Männern statt mit Ratten durchgeführt? Es gibt einfach ein paar Dinge, die Ratten nicht tun würden.“ Das kann man (frau) erst erzählen, wenn sie sowieso gehen möchte.
  • „Warum haben Männer ein Gen mehr als Schweine? Damit sich das Schwänzchen nicht ringelt.“ Sicher hübsch für den Mädelsabend, aber sonst etwas zu hart.

Männer lachen nicht gern über sich selbst

Die meisten Männer können weniger gut über sich selbst lachen als Frauen im umgekehrten Fall. Darum bitte nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Seien Sie gnädig. Lächeln Sie beim Erzählen des männerunfreundlichen Witzes. Die Andeutung reicht. Wenn Sie mir nicht glauben, denken Sie einfach über das Folgende nach: Google findet für „männerfeindliche Witze“ 11.900 Treffer, für „frauenfeindliche Witze“ aber fast dreimal so viele nämlich 32.000 Treffer

Einer neueren Untersuchung zufolge werden sexistische d.h. frauenfeindliche und homophobe Witze vor allem von Männern gemacht, die sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen.

Fun Fact: In einer Studie fanden Studenten mehrheitlich die Witze von Frauen lustiger, schrieben sie aber eher Männern zu.

Macht Lachen schön?

Ein gutes, aber leider sehr altes Buch zum Thema ist Helga Koffhoffs: „Das Gelächter der Geschlechter. Humor und Macht in Gesprächen von Männern und Frauen.“ Generell zum Thema Humor: „Macht Lachen schön? 223 Fragen (und Antworten) zum Thema Humor, Witz und Lachen“ von Harald Alexander Korp und Michael Titze.

Wenn Sie in jeder Situation schlagfertiger werden wollen, kommen Sie gern in mein Schlagfertigkeitsseminar.

Die frauenfeindlichen Witze zum Thema machen

Die dritte Strategie: Es kann sehr lohnend sein, diskriminierende und aggressive Witze zum Thema zu machen.

In der „lustigen“ Runde werden Sie das Problem kaum ansprechen können. Die Dynamik des Zusammenseins steht dem entgegen. Es spricht aber alles dafür, am nächsten Tag das Gespräch zu suchen. Suchen Sie sich Verbündete – egal ob Chef oder Kollegen – um den Prozess beim nächsten Mal stoppen zu können

Bitte benennen Sie dabei konkret was Sie sich wünschen und was besonders abstoßend war. Versuchen Sie aufzuzeigen, wie unwohl sich andere Gruppenmitglieder wegen der frauenfeindlichen Witze gefühlt haben.

Warum werden so häufig Witze erzählt, die andere herabsetzen?

Agressive und diskriminierende Witze sind oft nur eine abgewandelte Form des Raufens. Man testet seine Kräfte und meint es nicht unbedingt „böse“. Wenn in diesem Zusammenhang auch frauenfeindliche Witze erzählt werden, eskaliert die Situation gern. Vielleicht auch, weil man(n) darauf wartet, das frau sich wehrt und mitspielt.

Herabsetzende Witze können aber auch eine wichtige Funktion in der Gruppe erfüllen. Das gemeinsame Lachen über andere kann nämlich gruppenstabilisieren wirken. Mit ihm kann man sich versichern auf derselben Seite zu stehen, dasselbe zu wollen. Ab- und Ausgrenzung von anderen sind zwei der einfachsten Methoden, um den Gruppenzusammenhalt zu stärken.

Innerhalb von hirarchisch aufgebauten Gruppen gibt es zudem das Bedürfnis sich von Rangniederen abzugrenzen oder die Rangordnung zu testen. Lachen wird hier als Währung für Anerkennung verstanden. Es ist der geschuldete Tribut. Deshalb wird der Witz im Zweifel von den Mächtigeren erzählt. Man lacht den Unterlegenen aus. Wenn über den Witz gelacht wird, ist der Zweck erfüllt.

Das Erzählen von aggressiven und diskriminierenden Witzen hat immer ein Ziel. Er istTest, Machtdemonstration oder Methode der Ausgrenzung. Oft genug wird dabei jemand ausgelacht. Darum ist es für die „Anderen“ so problematisch, bei herabsetzenden diskriminierenden Witzen mitzulachen. Denn es ist gegbenenfalls ein Akt der Unterwerfung. Man sollte sich darum gut überlegen, ob man dabei mitspielen möchte.

Warum werden so oft frauenfeindliche Witze erzählt?

Die Erklärung ist ganz einfach. Der kleinste gemeinsame Nenner von Gruppen ist häufig genug die Abwesenheit oder Machtlosigkeit von Frauen. Frauenfeindliche Witze können damit ohne Risiko sowohl für Abgrenzung als auch für die Machtversicherung genutzt werden.

Mit jedem neuen frauenfeindlichen Witz werden Frauen erneut marginalisiert. Ich bin darum ganz klar dafür, frauenfeindliche Witze nicht zu tolerieren. Auf Dauer kommt das Lachen über frauenfeinliche Witze zu teuer.

* „Wenn es immer gegen Ausländer geht, ist das hier der schönste Konterwitz: „Wie viele Deutsche braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln? Einen. Die Deutschen sind effektiv und haben keinen Humor.“

Was kann Branding leisten?

Aufgabe des Personal Branding ist es, Ihre wertvollsten Seiten ins rechte Licht zu rücken. Auch ein Diamant braucht eine meisterliche Fassung, um seine ganze Brillianz zu zeigen. Ein gelungenes Branding gibt Ihnen diese Fassung und Ihren ganz individuellen, vielleicht auch aufsehenerregenden Schliff.

Sie entscheiden, welche Ihrer Facetten Sie betonen möchten. Gemeinsam erarbeiten wir, wie Sie das erreichen können.

Wie können Sie das Branding vorbereiten?

Bevor Sie sich branden „lassen“, entscheiden Sie bitte genau, wofür sie sich branden lassen möchten. Legen Sie noch nicht fest, wie Sie wirken möchten. Überlegen Sie statt dessen genau, wobei Ihnen das Branding helfen soll. Wofür möchten Sie bekannt sein? Wie soll man Sie nennen? Welches Ziel wollen Sie erreichen?

Definieren Sie drei Eigenschaften, die Sie dabei gern verkörpern würden. Jede Rolle kann sehr unterschiedlich geprägt werden. Ihre „Lieblings“- Eigenschaften machen Sie unverwechselbar. Auch wenn Sie „dasselbe“ anbieten wie „alle anderen“.

Vorurteile neu bewerten

Wie oft haben Sie schon gedacht: „Ich will nicht in eine Schublade gesteckt werden“? Lassen Sie es bitte sein. Sie wollen in eine Schublade gesteckt werden! Nur die Richtige muss es sein. Vorurteile und Verhaltensmuster sind das Material, mit dem Branding arbeitet.

Wenn Sie Ihren Besuch meines Branding Seminars oder Einzelcoachings so vorbereiten, werden Sie viel mehr davon haben. Je genauer ich das Ziel kenne, auf das Sie hinarbeiten möchten, desto zielführender können meine Hinweise sein.

Wie wird das Personal Branding konkret umgesetzt?

Wenn Sie z.B. sympathischer wirken möchten, dann gibt es dazu ganz verschiedene Wege:

  • Ähnlichkeitkeit
  • Freundlichkeit
  • Schönheit
  • Virilität

Warum hat sich Christoph Lindner ein Beispiel an Jürgen Klopp genommen und sich Haare transplantieren lassen? Auch, weil Virilität auf Sympathie einzahlt

Nun werden Sie vielleicht sagen, „Natürlich will ich sympathisch wirken! Das ist doch selbstverständlich.“ Falsch. Ein Brand wird komponiert. Sympathie und Kompetenz können sich z.B. gegenseitig in ihrer Wirkung behindern. Ein gutes Branding berücksichtigt diese Zusammenhänge. Ausserdem wäre Sympathie als Hauptmerkmal in den meisten Tätigkeitsfeldern zu austauschbar. Für einen guten Personal Brand braucht es mehr. Darum ist Ihre genaue Zieldefinition so wichtig.

Kennzeichen eines gelungenen Personal Brandings

Ein gutes Personal Branding stülpt Ihnen nichts über. Sie sind schließlich kein Schmiedeeisen, das man mit Hitze und vielen präzisen Schlägen in jede beliebige Form bekommt. Sie sind lebendig und müssen sie selbst bleiben.

Innerhalb Ihres Personal Brands müssen Sie wachsen können. Ein Personal Brand muss zukunftsfähig sein.

Ein gutes Personal Branding macht zukünftige Enscheidungen leichter. Sie können jede Ihrer Entscheidungen daran messen, ob sie den Brand unterstützen oder zum Branding passen. Das macht manches einfacher.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrer Reise zum und mit Ihrem Personal Brand. Ein gelungener Personal Brand ist wie ein Leuchtturm. Wenn das Fundament solide ist, kann man hoch darauf bauen und in der Folge das Licht weit strahlen. Solch ein Leuchtturm übersteht auch manchen Sturm. Das wünsche ich Ihnen für Ihre Zukunft

Sympathisch wirken, aber wie?

Sympathie ist eine der Grundlagen für Vertrauen. Auch weil Vertrauen die Grundvoraussetzung für Überzeugung ist, lohnt es sich also in Sympathie zu investieren.

Wie erzeugt man Sympathie?

Wie kommt eine sympathische Wirkung zustande? Es gibt dafür vier klare Kriterien:

  1. Ähnlichkeit
  2. Freundlichkeit
  3. Schönheit
  4. Virilität

Ähnlichkeit

Ähnlichkeit ist einer der Haupttreiber für Sympathie. Warum, ist leicht erklärt. Menschen weichen nämlich generell der Anstrengung aus und suchen nach Leichtigkeit

  1. Ähnlichkeit verspricht weniger Anstrengung – es ist leichter bekannten als neuen Mustern zu folgen.
  2. Ähnlichkeit suggeriert besseres Verstehen, was ebenfalls wieder zu Leichtigkeit führt.
  3. Nicht zuletzt führt Ähnlichkeit – scheinbar – zu Vorhersehbarkeit, was uns wiederum Sicherheit suggeriert. Nicht auf der Hut sein zu müssen, ist viel weniger anstrengend als auf jedes und alles achten zu müssen
  4. Es fällt uns leicht, Menschen zu trauen, die uns ähnlich sind. Wenn ich vertraue, muss ich nicht auf der Hut sein. Auch deshalb halten wir den Umgang mit sympatischen Menschen für einfacher.
  5. Was genau können Sie also tun um (noch) sympathischer zu wirken? Ähnlichkeit ensteht durch Gemeinsamkeiten. Betonen Sie darum Gemeinsamkeiten. Sie haben dabei die folgenden Optionen:

Gemeinsamkeiten bezogen auf Herkunft und Biographie

Betonen Sie Gemeinsamkeiten zwischen sich und den anderen. Haben Sie vielleicht an derselben Universität studiert, Ihre Kinder zur selben Zeit bekommen, denselben Trainer? Haben ihre Eltern ähnlich gelebt?

Sie könnten solche Gemeinsamkeiten auch bewusst herstellen. So etwas ist oft zu beobachten, wenn geübte Redner eine Rede mehrfach halten. Sie benutzen LAP (Lokalisierung, Aktualisierung und Personalisierung), um eine Rede auf die Situation vor Ort anzupassen. Dabei zeigen sie, welchen persönlichen Bezug sie selbst oder ihnen nahestehende Personen zum Ort, dem Anlass oder den handelnden Personen haben.

Gemeinsamkeiten in der Kleidung

Für Ihre Kleidung gilt: Verbiegen Sie sich nicht – aber passen Sie sich an. Wer im Frack zu einem Fußballturnier geht, macht einen Fehler. Wer als Banker im Gespräch mit Obdachlosen im Jogginganzug rumlümmelt, auch. Passen Sie sich an, ohne sich zu verkleiden. Am besten lernen Sie die Dresscoderegeln und zeitgemäßes Styling.

Gemeinsamkeiten in der Sprache

Achten Sie darauf, Ihre Sprache der Ihres Publikums anzupassen, wenn Sie sympathisch wirken wollen. Es geht dabei nicht nur um das Sprachniveau, d.h. Ihr Vokabular oder die Verwendung von Fremdworten. Es geht genauso um Sprechtempo, Sprachfärbung und Lautstärke. Es ist z.B. sehr anstrengend, jemandem zuzuhören, der sehr viel schneller oder langsamer spricht als man selbst. Zu leises und zu lautes Sprechen machen auch nicht sympathisch. Machen Sie es Ihren Zuhörern leicht. Diese Leichtigkeit übersetzt sich direkt in Sympathie.

Darum ist ein selten genannter aber einfacher Kniff um sympathischer zu wirken der kurze bzw. leicht verständliche Satz.

Gemeinsamkeiten in der Haltung

Kirchgang, Twitternutzung, politische Einstellung. All das kann Ihre Sympathiewerte erhöhen. Schließlich möchte unser Publikum, dass wie seine Werte teilen. Meist werde Werte nur als Mittel der Differenzierung betrachtet. Ich halte es für noch viel wichtiger, diesbezügliche Gemeinsamkeiten herauszustellen. Früher wurden gemeinsame Werte als gegeben vorausgesetzt. Davon können wir heute nicht mehr ausgehen.

Gemeinsamkeiten im Lebensstil

Sie spielen Golf, tragen eine Rolex, fahren kein Auto. Reden Sie darüber, wenn es passt.

Nicht perfekt sein

Perfektion ist ein direkter Vorwurf an jeden, der nicht perfekt ist. Darum versuchen Sie bitte gar nicht erst perfekt zu sein. Wenn Sie vertrauenswürdiger erscheinen möchten, ist es sogar strategisch ratsam, einzelne Fehler und Schwächen von sich aus und grundlos zuzugeben.

Spiegeln

Ganz unwillkürlich imitieren wir Menschen, die uns sympathisch sind. Diesen Prozess dürfen Sie natürlich auch bewusst nutzen. Spiegeln Sie Ihr Gegenüber. (im gleichen Rhythmus atmen, gleiche Haltung, Kleidung, Sprachmuster usw.) Ihr Gegenüber weiß dann nicht, ob er selbst Sie unbewusst imitiert hat oder ob Sie aktiv etwas getan haben, um diesen (falschen) Eindruck zu erzeugen. Da unser Gehirn für das Denken der zweiten Option zu faul ist, geht es davon aus, dass Sie sympathisch sind. Damit die Wirkung nicht ins Gegenteil umschlägt, kommt es auf das richtige Maß an.

Freundlichkeit

Freundliche Menschen wirken sehr sympathisch.

LMAA war früher eine schwere Beleidigung. Ab sofort steht es bitte für „Lächle mehr als Andere!“. Was Sie sonst noch alles tun können, damit man Ihre Freundlichkeit sieht:

  • freundliches Lächeln, auch wenn es keinen Anlass gibt
  • Hilfsbereitschaft – ohne sich zum Fußabtreter zu machen
  • Nähe suchen – z.B. nach der Arbeit mit Kollegen ausgehen, um Hilfe bitten
  • „Bitte“ und „Danke“ sagen
  • gelungene Komplimente machen – denn dagegen sind Deutsche fast wehrlos. Und wie ich mal in einem Seminar sagte: „Solange man nicht lügt, ist alles erlaubt. Sie müssen Ihre Komplimente im Übrigen nicht beim Notar beeiden lassen“.
  • beim Namen nennen – Ein Zeichen von Respekt (ich habe Dich wahrgenommen) und ein ganz einfaches Kompliment ist es, das Gegenüber mit dem Namen anzusprechen. Doch bitte übertreiben Sie es nicht. Mancher Vertrieb wurde so gedrillt, dass man sich wünschte, man hätte keinen Namen.
  • grüßen – grüßen Sie „alles, was sich bewegt“.

Freundliches Verhalten tut jedem gut. Versuchen Sie – besonders in schwierigen Situationen und an schlechten Tagen – Ihren Partner*innen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Es wird Ihnen vielfach zurückgezahlt werden. Schließlich gilt:  „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“.

Ganz subtil

Sorgen Sie dafür, dass Ihre Besucher*innen, Partner*innen und Gäste sich wohlfühlen. Waschen Sie sich einem Termin die Hände mit warmem Wasser. So haben Sie bei der Begüßung einen warmen Händedruck.

Lassen Sie Ihre Besucher*innen möglichst nicht hart sitzen. Geben Sie ihnen immer ein warmes Getränk. Am liebsten in den stoffummantelten Bechern und Tassen der Kahla AG*. Weichheit macht sanft und weniger wachsam.

Fun Fact

Wenn Sie statt der Becher echte Porzellantassen mit zierlichen Henkeln nutzen, werden Ihre Äusserungen und die Ihrer Partner*innen automatisch präziser werden. Form follows function.

Sie wollen noch mehr ganz praktische Tipps und Kniffe lernen? Dann kommen Sie auch ins Rhetorik-Bootcamp, in die Rhetorik-Masterclass, oder zu Schwierige Gespräche erfolgreich führen.

Offene Körpersprache

Wir machen uns innerhalb von Millisekunden ein Bild von unserem Gegenüber. Meist noch bevor das erste Wort gefallen ist. Darum ist Ihre Körpersprache so wichtig.

Wenden Sie sich Ihrem Partner*in zu, zeigen Sie eine möglichst offene Körperhaltung, gern auch oft die Handinnenflächen. Wenn Sie sich nicht im Konflikt befinden, kann der Nase-Nabel-Kontakt hilfreich sein.

Hände, Augen und Augenbrauen müssen immer sichtbar sein. Nur so kann Ihr Gegenüber alle wichtigen Signale wahrnehmen. Dies ist sehr wichtig, denn wer etwas versteckt, dem kann man nicht trauen.

Wenn Sie zuhören, ist Blickkontakt (in unserem Kulturkreis) Pflicht! Sie könnten ausserdem nicken und lächeln. Am Telefon ersetzt ein mmh oder ach so und ja diese Signale

Berührungen

Kleine Berührungen stehen für Vertrautheit und Freundschaft. Berühren Sie kurz den Oberarm (seitlich), Ellenbogen oder Unterarm Ihrer Gesprächspartner*in. Die Sympathie zwischen Ihnen beiden wird unmittelbar steigen. Kellner erhalten für so ein Manöver etwa 60% mehr Trinkgeld**. Wenn Sie sich im Umgang mit Berührungen unsicher fühlen oder wenn es sich um eine Partner*in des anderen Geschlechts handelt, gehen Sie lieber nach dem Motto „weniger ist mehr“ vor.

Machen Sie sich miteinander vertraut

Nur wenn ein Gespräch die Regionen des belanglosen Smalltalks verlässt, kann Sympathie wachsen. Das Teilen kleiner Geheimnisse, festigt die Beziehung ebenso wie das Zeigen (kleiner) Schwächen. Gemeinsames Lachen oder gemeinsame Erlebnisse – beides stärkt die Beziehung zwischen zwei Menschen. Zu Ihren Schwächen zu stehen, lässt das Vertrauen Ihrer Gesprächspartner*in wachsen.

Vielleicht finden Sie auch einen gemeinsamen „Gegner“. Nichts lässt so schnell ein „Wir-Gefühl“ und damit eine hohe Sympathie entstehen. Aber übertreiben Sie es nicht – über andere herzuziehen, macht unsympathisch

Bitten Sie um einen kleinen Gefallen!

Sie wollen Sympathien festigen? Dann bitten Sie die betreffende Person einfach um einen (kleinen) Gefallen. Das in sie gesetzte Vertrauen und der Glaube an seine Fähigkeiten schmeichelt Ihrem Partner*in. Viel besser: Wenn wir einem Menschen einen Gefallen erbringen, schließt das Gehirn ganz „logisch“: Ich muss ihn/sie mögen, sonst würde ich ihm/ihr keinen Gefallen tun. Also bekommen Sie nicht nur Ihren Wunsch erfüllt sondern auch mehr Sympathie. Aber Vorsicht. Sie müssen im Gegenzug auch gefällig sein.

Schönheit

Tatsächlich gehört zur Schönheit vieles:

  • gute Körperpflege
  • gesunde Zähne, Haut und Haare
  • Ihre guten Seiten betonende Kleidung. Versuchen Sie einmal Ihre Haar- und / oder Augenfarbe in Ihrer Kleidung zu wiederholen. Das wirkt wahre Wunder.
  • gepflegte Kleidung und Schuhe
  • schmeichelnde Accessoires
  • ein schöner Arbeitsplatz
  • alles um Sie herum sollte wertig sein. Die Wertigkeit Ihres Umfelds erhöht Ihren Wert. Gute Stoffe z.B. wirken einfach besser und sind schöner. Wertig ist nicht gleich teuer.

Virilität

Das Wort Virilität kommt aus dem Lateinischen von vir – der Mann. Virilität im engeren Sinn bedeutet heute Zeugungsfähigkeit. Somit geht es bei diesem Aspekt um Jugendlichkeit, Gesundheit, Fitness. Darum springen manche Redner so gern auf die Bühne. Fürs Erste würde es reichen, Haltung zu zeigen: Schultern zurück und das Brustbein strahlen lassen. Selbst auszuschlafen kann Sie sympathischer machen, denn es verhindert Augenringe.

Wann ist zu viel Sympathie schädlich?

Die meisten Teilnehmer*innen meines Branding Seminars: Wie wirke ich auf andere?, wollen gern (noch) sympathischer wirken. Manchmal lohnt es sich aber, ganz bewusst nicht (noch) sympathischer wirken zu wollen. Denn Sympathie und Kompetenz schließen sich manchmal gegenseitig aus. Zu sympathisch zu wirken kann das Maß an Kompetenz und Führungsstärke, das man Ihnen zuschreibt, mindern. Dies gilt ganz besonders für Frauen.

Wird zu offensichtlich um Sympathie gebuhlt, wird das als Anbiederung verstanden.

*nach den neuesten Regeln muss ich diesen Link als Werbung kennzeichnen, auch wenn ich keinen Vertrag mit Kahla habe und nichts daran verdiene.

** Richard Wisemann: Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern.

Personal Branding

„Wie werde ich bekannt? Was kann ich tun, um erinnerungswürdiger zu sein? Wie falle ich positiv auf? Was muss ich tun, damit dass Journalisten auf mich aufmerksam werden? Wie komme ich in die Medien?“ Diese Fragen stelle ich mir als neugwählte Abgeordnete und finde eine erste Antwort für mich. Ich will die Frau sein, die man zu einem bestimmten Thema immer fragt. Ich will eine Marke werden. Ich nenne das damals aber noch nicht so.

Die Macht der Vorurteile führt mir mein Wahlkampf für das Abgeordnetenhaus im heissen Sommer 1999 klar vor Augen. Jung, weiblich und gut angezogen zu sein, sichert mir immer einen extrem freundlichen Empfang beim Haustürwahlkampf. Dafür reicht es sogar 2001. Meine Helfer meinen, an meinen Türen könnte man glauben, dass wir die Wahl gewinnen. Am Wahltag schneidet die CDU 17% schlechter ab als 1999.

1999, nach meiner Wahl, fand ich niemanden, der mir meine Fragen beantwortet hätte. Man schien sich eher zu wundern, dass ich diese Fragen stellte. Ich wollte nichts über klassische PR lernen. Ich wollte wissen, wie ich mich präsentieren sollte, um bekannt zu werden. Ich wollte analysieren, welche Rolle „noch frei“ war. Ich wollte wissen welcher Typus vielleicht gesucht wurde. Doch damals hat niemand meine Fragen verstanden. Das wäre heute ganz anders. 1997 wurde das Konzept des Personal Brandings in einer Amerikanischen Zeitschrift von Tom Peters erstmals vorgestellt. Bis seine Idee nach Deutschland vordrang, war es für mich als Politikerin zu spät. 2001 war mein Wahlkreis einfach nicht zu gewinnen.

Geschichte des Brandings

Früher, bevor das Konzept bekannt war, entstanden Personal Brands eher zufällig. Eine Person fiehl auf. Sie passte (damit) zusätzlich in ein Schema und trat danach konsistent immer wieder ähnlich auf. Die Marke ergab sich im Laufe der Zeit ganz von allein, quasi zufällig aus der Wiederholung bestimmter Signale. Damals waren Marken ein Nebenprodukt des Wirkens der Personen.

Oft wird und wurde die Markenbildung von einem optischen Signal begleitet, das zum Markenzeichen wird. Darum waren die Beatles lang als Pilzköpfe bekannt. Udo Lindenberg kennen die allermeisten nur mit Hut.

Die Raute, die Angela Merkel zu Beginn Ihrer Karriere sicher nicht aus Gründen des Personal Brandings zeigte, ist inzwischen fast ikonisch zu nennen. Sie steht für Angela Merkel wie der Stern für Mercedes.

Franz-Josef Strauss wurde (vielleicht auch wegen seiner auffälligen Figur) zu einer starken Personenmarke. Ganz im Gegensatz zu Helmut Kohl, der körperlich und von seinen Erfolgen her sicherlich genauso beeindruckend, aber lange Zeit eine viel schwächere Marke war. Wahrscheinlich, weil er viel weniger polarisierte. Aufzufallen, d.h. in der Öffentlichkeit zu stehen, ist Grundbedingung, damit ein Personal Brand entstehen kann.

John McEnroe wurde bekannter als erfolgreichere Tennisspieler, weil er auf dem Platz immer wieder Unruhe stiftete. Er war aber auch wegen seiner Haare einer der auffälligeren Spieler.

Wer in der Öffentlichkeit sehr penerant immer dasselbe tut und dabei auffällt (vom Mainstream abweicht!), hat gute Chancen zu einer Marke zu werden.

Heute wird dieser Prozess bewusst angestoßen. Es wird versucht, die Marke zu komponieren. Die Markenbildung soll direkt beeinflusst werden, um den Prozess zu beschleunigen. Es wird versucht, bestimmte, wertvolle Eigenschaften zu betonen oder zuzuschreiben. Das passiert bei der zufallsgesteuerten Markenbildung eher nicht. Im Zeitalter von Social Media und Influencer Marketing ist aber schon die Bekanntheit an sich ein Wert.

Was können Sie tun, um eine starke Marke zu werden

Um eine Marke zu werden, soll man sich aber nicht verbiegen. Denn das hält man nicht lange genug durch. Impression Management muss konsistent durchgehalten werden. Man soll lieber die Eigenschaften, die sowieso schon da sind, klarer zutage treten lassen. Sie werden komplettiert und abgerundet, um ein schlüssiges eindringliches Bild entstehen zu lassen. Wer moderne Politik macht, sollte auch modern aussehen. Wer Jugendlichkeit ausstrahlen will, lässt sich als Mann auch schon mal die Geheimratsecken mit Haar auffüllen. Je kongruenter die Signale, die eine Person mit Ihrem Aussehen, Auftreten und Handeln aussendet, sind, desto wirksamer ist das Personal Branding.

Personal Branding – die Bildung einer Personenmarke und Impression Management sind heute eingeführte Fachbegriffe.

Ich habe seit 1999 sehr viel über Personal Branding gelernt. Seit 2003 gebe ich regelmäßig Branding-Seminare für die Konrad-Adenauer-Stiftung.