Schlagfertigkeit, die über’s Ziel hinausschießt

Teuflisch schlagfertig oder höllisch dumm?

Kann man zu schlagfertig sein? Ganz klare Antwort: „Ja!“ 

Schlagfertigkeit, die übers Ziel hinausschießt, ist gefährlich und teuer. Schlagfertigkeit, die zu weit geht, verletzt den anderen tief und kann den Lebenszielen Ihres Gegners ein weiteres hinzufügen, schlimmstenfalls Ihre Vernichtung.

Wenn sie an Schlagfertigkeit denken, träumen viele von den Schenkelklopfern, dem wiehernden Lachen, der endgültigen Erniedrigung des Anderen. Das ist grundfalsch. Schlagfertigkeit muss richtig eingesetzt werden, sonst kehrt sie sich gegen uns. Schlagfertigkeit ist ein zweischneidiges Schwert. Dazu zwei Beispiele aus meinem (Er-)Leben.

Martin

Es ist Donnerstag, 18:12. Martins Antrag im Ausschuss für Soziales wurde gerade abgelehnt. Wütend und enttäuscht darüber sagt er etwas weinerlich: „Ich habe das Gefühl, ich soll hier heute zum Martyrer gemacht werden“. Die Ausschussvorsitzende und Fraktionskollegin zögert keine Sekunde mit Ihrer Antwort: „Das kann ich gut verstehen. Wenn ich Dich sehe, habe ich auch Kreuzigungsabsichten“.

Büllendes Gelächter unterbricht die Sitzung. Die Dezernentin bückt sich nach Ihrer Tasche, um ungesehen mitlachen zu können.

Eine wahre Geschichte, die die Karriere der Ausschutzvorsitzenden beendete. Denn Martin hatte nun nur noch ein Ziel: sie auszuschalten.

Von solcher Schlagfertigkeit sollten Sie nicht einmal träumen. Es geht schließlich nicht um kurzfristige Triumphe, sondern um langfristige und nachhaltige Landgewinne.

Apropos Land…

Landesverband

Lange hatte ich mich auf dieses Schlagfertigkeitsseminar gefreut. Der Landesvorsitzende einer großen und finanzstarken Organisation hat seine Teilnahme angekündigt. Ich hoffe darum auf lukrative Folgeaufträge.

Unsere Begrüßung verläuft nicht glücklich. Statt mich am Oberarm zu berühren, um auf sich aufmerksam zu machen, landet seine Hand an meiner Brust.

Nichts kann ich ihm recht machen. „Das geht vielleicht in Berlin – aber nicht hier.“ „Frau Galland, das kann ich so nicht stehen lassen.“ Es geht so über Stunden. Dann: „Frau Galland, Sie reden so viel über Teflon, weil Sie sich als Frau gut in ihrer Küche auskennen, richtig?.“

Meine Antwort „Das ist ihr Horizont.“

Ab diesem Punkt kann ich arbeiten. Die anderen TeilnehmerInnen fragen mich später, was ich mit dem Herrn gemacht hätte. So ruhig haben sie ihn nämlich noch niemals erlebt.

Er bucht mich tatsächlich noch einmal. Genau einmal. Und nennt mich die ganze Zeit „meine Sado-Maso-Trainerin.“

Man kann es besser machen. Lernen Sie wie, in meinem Seminar „Professionelle Schlagfertigkeit

Ruhe! – Redeeinstieg geglückt

So sichern Sie sich die volle Aufmerksamkeit zu Redebeginn

Es gibt einen einfachen Kniff für den gelungenen Redeeinstieg und den Beginn Ihrer Präsentation. Wenn das Publikum nicht ruhig ist und seine Aufmerksamkeit zu Redebeginn nicht auf Sie gerichtet ist, folgen Sie einfach diesen Anweisungen:.

  1. Stellen Sie sich sehr aufrecht in die Mitte der „Bühne“.
  2. Beschäftigen Sie sich mit nichts anderem – nur mit dem Warten darauf, dass endlich Ruhe einkehrt.
  3. Schweigen Sie.
  4. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  5. Warten Sie genüsslich ab.
  6. Schauen Sie in die Ecken, in denen noch Unruhe herrscht.
  7. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  8. Schweigen Sie.
  9. Warten Sie genüsslich ab.

Wenn Sie es aushalten, nichts ausser den beschriebenen Schritten zu tun, wird es von ganz allein ruhig. Mit einer gelungenen Einleitung können Sie im Anschluss die Aufmerksamkeit Ihres Publikums binden.

Dies ist keine Disziplinarmaßnahme. Wenn es ruhig genug geworden ist, fangen Sie an. Warten Sie nicht auf den allerletzten Kandidaten. (Es sei denn, Sie sind sicher, dass seine laute Stimme nicht zu überhören sein wird.)

Gelinggarantie

Vermeiden Sie den Eindruck, beschäftigt zu sein. Sie haben nichts anderes zu tun, als diese Anleitung Schritt für Schritt zu befolgen. Dann gibt es die Gelinggarantie.

Diesen Kniff habe ich vor vielen, vielen Jahren erstmalig vor mehr als 200 aufgeregten Oberstufenschülern getestet und für gut befunden. Er hat bisher IMMER funktioniert und lässt alle, die ihn anwenden, herrlich souverän wirken.

Im Rhetorik-Bootcamp üben wir diesen und andere Kniffe, damit Sie sich sicher fühlen und souverän wirken.

Bewusstes Lernen – das Topgun-Prinzip

Bewusstes Lernen verspricht: Mit entsprechendem Einsatz und guter Anleitung kann jeder alles lernen.

Aus Erfahrung bin ich zutiefst überzeugt davon, dass durch Bewusstes Lernen jeder und jede ein wirklich guter Redner werden kann.

Oft ist schon weitaus mehr Können vorhanden, als Sie sich vorstellen können. Sie sind kein Anfänger – auch wenn Sie es glauben. Sprechen sie nicht jeden Tag – und regemäßig – mehr zu anderen als zu sich selbst?

Wieder einmal höre ich „Ich habe halt kein Talent“ und möchte weinen. Wie so oft ist es der letzte Satz einer kleinen Ansprache, in der mir erklärt wird, „Ich kann einfach nicht reden. Ich bin zu doof dafür.“ Dabei ist die Mini-Rede rhetorisch gut durchdacht und strukturiert. Sie wird flüssig und mit Nachdruck vorgetragen. Mimik und Gestik sind passend und ausdrucksstark, die Gedanken sind klar formuliert und scheinbar schlüssig.

Ich denke während der gelungenen Rede nur an all die Möglichkeiten, die mein Gegenüber verpasst hat, weil er diesem dummen Aberglauben aufgesessen ist.

Wenn Sie besser wissen wollen, wie gut Sie aktuell reden – holen Sie sich Feedback.

Talent wird überschätzt

K. Anders Ericsson, der weltweit wichtigste Forscher zum Thema Exzellenz*, sagt: „Talent existiert nicht“.

Aber wieso sind manche so beneidenswert gut in dem was sie tun? Wieso gibt es auf jedem Gebiet Könner, Experten und Menschen, die ein maximal mittleres Leistungsplateau erreichen und dann nicht darüber hinaus kommen (können)? Ericssons Antwort ist erst einmal ganz einfach: „Meisterliche Leistungen entstehen durch Bewusstes Lernen“.

Ericsson selbst benutzt die Worte „Deliberate Practice“. Sie wurden mit „Bewusstes Lernen“ übersetzt. Eigentlich müsste es „Tun“ heissen, weil es tatsächlich mindestens so viel ums Tun geht wie ums Begreifen.

Ein ganz wesentlicher Teil des Bewussten Lernens besteht aus Lernen von den Besten. Dieser Teil der Methode ist nicht bahnbrechend neu. Bewusstes Lernen legt aber detailliert fest, wie und mit welchem Ziel dies geschieht.

Ziel ist nicht die einfache Nachahmung der Besten. Ziel des Bewussten Lernens ist statt dessen die Verinnerlichung von sogenannten Mental Representations.

Mental Representations

Bewusstes Lernen soll dazu führen, dass der Übende eine genaue Vorstellung davon hat, wie „es richtig geht“. Er soll sich zukünftig mit Übungen und Methoden diesen Idealvorstellungen Schritt für Schritt annähern. Das gilt nicht nur für das Ganze, sondern genauso für einzelne Details

„Mental representations“ sind Einstellungen, Verhaltensmuster, und Zielvorstellungen, die man Experten abschaut und verinnerlicht. Sie können auch neu entwickelt werden. Lernwillige und ExpertInnen richten danach ihre Übungen und ihr tägliches Tun aus.

Nutzen von Mental Representations

Der Nutzen ist ganz einfach erklärt: Je besser Mental  Representations verinnerlicht werden, desto gezielter kann man das eigene Handeln darauf ausrichten und eine Abweichung vom Ideal korrigieren. Man fährt beinahe auf Autopilot. Je besser die Mental Representations sind, desto eher kann auch in neuen Situationen adäquat reagiert werden. Neue Situationen zerlegen sich quasi automatisch in Sequenzen, von denen dann ein großer Teil mit den vorhandenen Mental Representations bewältigt werden kann. Je mehr und je detailliertere Mental Representations zur Verfügung stehen, desto schneller und passender werden die Reaktionen ausfallen.

Michael Phelps

Bestes Beispiel für diese Form des Vorgehen ist die intensive Vorbereitung des US-amerikanischen Schwimmers Michael Phelps. Bei seinem Weltrekord und Olympiasieg 2008 über die 200 Meter Schmetterling musste er die letzten 100 Meter blind schwimmen, weil sich seine Schwimmbrille mit Wasser füllte. Alle Schwimmer fürchten diese Situation. Doch die wenigsten gehen das Problem an. Phelps dagegen hatte Methoden für den Umgang mit solchen Situationen entwickelt und derart verinnerlich, dass er den Rekord trotzdem noch schwimmen konnte.

https://www.youtube.com/watch?v=Htw780vHH0oPhelps‘ Psycholgy of Speed.

Phelps, bereitete sich durch Schwimmen mit einer geschwärzten Schwimmbrille, Zählen seiner Schwimmzüge und Imagination der Situation vor. Er war damit exzellent gerüstet. Die sechste von acht Goldemdallien bei dieser Olympiade erreichte er so nicht ganz mit der geplanten Zeit. Aber selbst Franziska van Almsick, die das Rennen kommentierte, machte keinen Unterschied in seinem Schwimmstil aus.

Wie wird Bewusstes Lernen angewendet?

Bewusstes Lernen ist extrem strukturiert, anstrengend und permanent auf Verbesserung der Leistungsfähigkeit ausgerichtet.**

Die beste Version von uns selbst

Bewusstes Lernen schult Methoden und spezifische (Teil-)fertigkeiten, legt exakt fest, was genau zu welchem Zweck geübt wird. Stetes Nachjustieren passt die Übungen an den Fortschritt an.  So entsteht ein koninuierlicher Prozess. Was nicht zu einer Leistungsverbesserung führt, wird aufgegeben und durch Neues ersetzt. Veränderung wird nur erreicht, wenn spezifische Reize gesetzt und regelmäßig Feedback zum Fortschritt eingeholt wird.

Was Sie mit Bewusstem Lernen erreichen

Alterozentriert durch LAP

Bitte stellen Sie immer (wieder) das Publikum in den Mittelpunkt Ihrer Präsentation. Hörbar. Mit einer erkennbar alterozentrierten* Rede vertiefen wir die Sympathie des Publikums für uns, verstärken die Verbindung des Publikums zu uns und vervielfachen dessen Bereitschaft, sich von uns überzeugen zu lassen.  Zuhörern muss auffallen, dass ein Vortrag für sie ganz persönlich gehalten wird. 

Die drei Zauberformeln heissen: Lokalisierung, Aktualisierung und Personalisierung.

Lokalisierung

Unter Lokalisierung versteht man das Herstellen eines regionalen Bezugs. Erwähnen Sie den Ort, an dem Sie sprechen.  „In diesem Saal…“, „In hunderten Räumen, die genauso aussehen wie dieser hier, jede Woche…“. Sagen Sie nicht „in Bogenhausen“, sondern „nur 3 km von hier, in Bogenhausen“. Oder sagen Sie „In Bogenhausen, einer Stadt, die genauso groß ist wie unsere Stadt…“. Es geht dabei nicht um Nähe, sondern um den Bezug zum Ort der Rede.

Unter Lokalisierung fällt übrigens auch, dass Sie die richtigen Metaphern nutzen. Am Meer sprechen Sie vielleicht über Schiffe, die in den Hafen einlaufen. In den Bergen würden Sie über Wanderer sprechen, die die schützende Hütte erreichen. Machen Sie es den Gehirnen Ihrer Zuhörer leicht, bei Ihnen zu bleiben.

„Wir in Deutschland…“ ist keine Lokalisierung sondern ein Appell an das Gemeinschaftsgefühl, die Gruppenzugehörigkeit vielleicht auch eine Versuch das Prinzip der sozialen Bewährtheit zu nutzen.

Aktualisierung

Die Aktualisierung stellt einen Bezug zum Zeitpunkt der Rede her. „Jetzt, um zwölf Uhr wird in Brüssel entschieden…“, „Erst gestern…“, „Heute beim Frühstück…“, „Wenn morgen..“ „In der Türkei passiert gerade das Gleiche…“. Sie machen ausserdem klar, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind. So wird aus einer Standardrede eine aktuelle. Ausserdem können Sie so leicht den Zusammenhang zwischen Ihrer Präsentation und einem anderen, für Ihr Ziel günstigen Ereignis herstellen.

Personalisierung

Werden Sie persönlich! Bei der Personalisierung geht es darum, die Zuhörer bei der Begrüßung und gern auch mitten in der Präsentation direkt anzusprechen. Dabei nennen Sie entweder einzelne, beliebte und bekannte Gruppenmitglieder oder Gruppierungen oder die Gruppe als Ganzes: „Sie selbst, Frau…“, „Ihr, als Gewerkschaftsführer und Gewerkschaftsführerinnen…“, „Echte Aficionados wie Sie…“.

Auch geschlossene Fragen wie: „Wer von Ihnen…?“ sind eine Form der Personalisierung.

Wenn Sie keine eigenen Erlebnisse erzählen, erzählen Sie die Geschichten Ihrer Zuhörer. Solange Sie sich nicht zur Anonymität verpflichtet fühlen, sagen Sie wer die Geschichte erlebt hat und zeigen Sie wo diese Person im Publikum sitzt.

Nicht jede Begrüßung ist gleich eine Personalisierung. Lieblos vorgetragene Namen und Gruppenbezeichnungen reichen nicht aus! Werden Sie statt dessen kreativ! Ihre IT hat sicher nichts dagegen, „Heimliche Herrscher über die Arbeitplätze“ genannt zu werden.

Dieser kleine kleine Kniff hebt Ihre Präsentation von allen anderen ab.

Standardpräsentationen aufpeppen

Nutzen Sie diese drei Methoden um Ihre Reden und Präsentationen aufzupeppen. Wahlkampfreden z.B. wären anders gar nicht zu bewältigen.

Achten Sie einmal darauf. Im Job sind diese Techniken noch viel zu wenig bekannt. Darum sollten Sie sie auch bei Präsentationen nutzen, die nur einmal gehalten werden. Salz gehört schließlich auch an jedes Gericht inklusive Margaritas.

Im Rhetorik-Bootcamp üben wir diese und andere Techniken.

*Alterozentriert: Das Gegenüber in den Mittelpunkt stellen

Adressatenorientierung

Adressatenorientierung ist doch selbstverständlich – glaubt man. Aber haben Sie schon daran gedacht, dass eine Präsentation um 10 Uhr eventuell ganz anders sein muss als eine um 20 Uhr? (…wenn alle gerade gegessen haben?)

Zeigen Sie, dass Sie verstehen, nach welchen Spielregeln Ihre Zuhörergruppe* arbeitet und was sie braucht. Finden Sie Metaphern und Vergleiche, die wirken. Emotionale Trigger funktionieren nur, wenn sie sich wie Messer ins Zentrum des Erlebens bohren.

Entdecken Sie Haltungen und Einstellungen Ihres Publikums. Meine Checkliste Adressatenorientierung hilft dabei. 

Adressatenorientierung unterwirft

jeden Aspekt der Präsentation einer Prüfung. Jede Gruppe hat ihre eigenen (Denk-) Gewohnheiten, Eigenheiten und Einstellungen. Für eine wirklich adressatenorientierte Präsentation muss der Fokus sehr weit gewählt werden, damit Ihnen nichts entgeht. Wenn z.B. das Datum Ihrer Präsentation für Ihre Zuhörer ein besonderes ist, sollten Sie das wisen. Hier noch ein paar Beispiele für Klippen beim Thema Adressatenorientierung.

  • Deutschland ist weltberühmt für seine Autos. Trotzem ist Neuwagengeruch bei Menschen unter 40 kein emotionaler Trigger mehr. (Fun Fact: „Zwischengas“ werden die meisten von Ihnen googeln müssen.)
  • Derselbe Sachverhalt bekommt beim Vorstand vielleicht nur drei, in der Fachabteilungsrunde aber 15 oder sogar 45 Minuten. Der Vorstand möchte nur eine Botschaft hören, die Fachabteilung muss grundlegend informiert werden.
  • Fußballmetaphern sind besonders in Deutschland für (fast) jeden verständlich und werden hochgeschätzt. Das kann in einem Schachclub trotzdem ganz anders sein.
  • Wenn jemand Campingurlaub macht, dann hat er beim Thema Service ganz andere Assoziationen als ein Besucher der Robinson Clubs.

Ihr Publikum hat eine Archillesferse. Aber wo?

Ihre Präsentation kommt an, wenn Sie Ihr Pulikum an seinen empfindlichen Stellen treffen. Hagen konnte Siegfried nur töten, weil er wusste, wo das Lindenblatt die Benetzung mit Drachenblut verhindert hatte.

Nehmen Sie Ihr Publikum mit all seinen Eigenschaften richtig unter die Lupe. Richten Sie das Brennglas auf die besonderen Punkte.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass z.B. jede Alterskohorte durch ganz bestimmte Probleme geprägt wird? Die Babyboomer hatten immer damit zu kämpfen, dass es zu viele von ihnen gab. Die Generation Einzelkind lernt so etwas jetzt erst kennen, denn sie findet für ihre Kinder keine Kindergartenplätze. Entdecken Sie solche Lindenblätter in den Lebensumständen Ihres Publikums.

*Für Reden, die ein Publikum zweiten Grades erreichen, kann (zusätzlich) etwas ganz anderes gelten.

Publikum zweiten Grades?

 

Früher erkannte man sein Publikum daran, dass es vor einem saß. Heute ist das anders. Es gibt ein Publikum zweiten Grades  und – wenn es richtig gut oder richtig schlecht läuft – dritten Grades.

Mit Twitter, Livestreams, Videoaufzeichnungen, Facebook, Instagram etc. ist es heute viel leichter als früher, auch die Daheimgebliebenen zu erreichen. Vorbereitete Hashtags z.b. für Twitter und Instagram und gut sichtbare Hinweise darauf können Ihre Inhalte weiter tragen als es Ihre Stimme vermag.

Achten Sie darauf, leicht zitierbare und einprägsame Botschaften, sogenannte Soundbites, zu kreieren.

In Zeiten von Twitter und Facebook ist es damit aber auch viel wichtiger geworden, nur Witze und Worte zu benutzen, die auch ausserhalb des Kontextes keinesfalls rassistisch oder sexistisch oder sonst abstoßend wirken könnten.* Trotz dieser Anforderung noch einprägsam und erinnerungswürdig zu formulieren, ist eine hohe Kunst.

In abgeschwächter Form kennt man das Phänomen schon länger. Sind Journalisten anwesend lohnt sich das für Sie nur, wenn Sie klare, präzise und einprägsame Botschaften formuliern, die noch dazu Neuigkeitswert haben.

Ihre Botschaft soll richtig verstanden und ausserdem noch weitergetragen werden? Dann sorgen Sie dafür, dass das möglich ist.

*Einzig die Aschermittwochs- und die Büttenrede sind davon teilweise ausgenommen. Sie leben in weiten Teilen davon bestimmte Gruppen lächerlich zu machen.

Teuflisch schlagfertig

Wir haben sie alle schon gehört: Höllisch gute Antworten, die teuflisch schlagfertig sind.

Prinzipiell halte ich nichts davon, „So richtig“ schlagfertig sein zu wollen. Zu oft wird der Andere dabei tief verletzt. Das kann Sie sehr teuer zu stehen kommen. Wer zu gut zuschlägt, kann sich Feinde fürs Leben machen.

Es gibt eben ein paar Konter, die einfach richtig gut sind. Konter, die vielleicht gewagt sind, aber nicht über das Ziel hinausschießen. Diese werde ich hier zukünftig sammeln.

Wenn Sie lernen wollen, so richig schlagfertig zu sein, sind Sie hier richtig.

Die Referentenvorstellung

Sie stellen sich doch hoffentlich nicht selbst vor?

Es ist eine Unsitte und leider sehr verbreitet. „Die Referentin stellt sich selbst vor.“ Witzige Zeigenossen fügen noch hinzu: „Keiner kennt sie so gut, wie sie sich selbst.“ Die Referentenvorstellung ängstigt viele Veranstalter und Moderatoren. (speziell, wenn es sich um Rhetoriktrainerinnen handelt.)

Bitte stellen Sie Ihre Referenten immer vor. Kaum jemand ist mutig genug zu sagen: „Ich bin der weltgrößte Experte zu diesem Thema“. Es würde auch kaum etwas nutzen. Spricht aber jemand anders derart gut über uns, besteht zumindest die Möglichkeit, dass es geglaubt wird.

Lassen Sie sich selbst bitte immer vorstellen. Auch wenn das eigentlich von der VeranstalterIn nicht geplant war. Sprechen Sie darüber. Der Veranstalter profitiert davon, dass sein Publikum weiss, was für eine Koryphäe verpflichtet wurde.

Kämpfen Sie darum, vorgestellt zu werden, auch wenn es sonst nicht üblich ist.

Natürlich überlassen Sie nichts dem Zufall und schreiben die Referentenvorstellung komplett in ganzen Sätzen selbst. Übermitteln Sie den „Entwurf“ frühzeitig und stimmen Sie sich dann direkt mit der Moderatorin oder dem Moderator, d.h. dem, der Sie vorstellt, ab.

Sprechen Sie unbedingt selbst mit dem Moderator. Bringen Sie ihn dazu, sich genau an Ihr Konzept zu halten. Sonst kann es furchtbar schief gehen. Nichts wäre schlimmer als: „Ich soll sagen, dass XXX Experte für Y ist. Ich weiss ja nicht.“. Auch das habe ich schon erlebt.

Moderatoren sind berufsbedingt oft eitel. Schließlich werden sie auch wegen Ihres Äußeren gebucht. Achten Sie also unbedingt darauf, die Eitelkeit des Moderators zu benutzen, statt sie zu verletzen.

Wenn Sie entsprechend Ihren Fähigkeiten und Erfahrungen vorgestellt werden, wird es viel leichter sein, mit dem Publikum zu arbeiten. Nicht alle sind wegen der RednerIn gekommen und nicht alle können sich noch erinnern, was genau Sie befähigt zu referieren. Aber alle werden genauer zuhören, wenn Sie glauben, etwas einmalig gutes zu erleben.

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