Was tun, wenn Sie keine Antwort wissen?

Keine Antwort zu wissen, ist der Albtraum für viele. Die Antwort nicht zu kennen, lässt sie befüchten, für dumm oder unwissend gehalten zu werden. Viele fühlen sich an die Schule und die Demütigungen von damals erinnert. Das macht Fragerunden sehr schwierig. Hier die gute Nachricht: Ab und zu keine Antwort zu wissen, ist überhaupt kein Drama. Zuzugeben, dass wir keine Antwort haben, ist manchmal genau das Richtige.

So lernte ich, dass keine Antwort eine gute Antwort sein kann

Als junge Abgeordnete der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus habe ich von Beginn an viele Besuchergruppen betreut. Sie machen keinen Hehl aus ihrer Abscheu über den damaligen Spendenskandal. Sie nehmen keine Rücksicht darauf, dass ich ganz neu bin. Die Bauordnung in Bayern nicht detailliert kenne. Am Spendenskandal der CDU keinen Anteil habe.

Ich sitze vorn, meist als einzige Frau in der Runde, fast immer in der Mitte. An meiner Seite erfahrene Kollegen/Konkurrenten aus den anderen Fraktionen. An den restlichen Tischen im hellen Sitzungssaal bis zu 50 Besucher. Sie haben alle ein gratis 0,33l -Getränk vor sich und 45 Minuten Zeit, uns alles zu fragen, was sie möchten. Ich kann gar nicht alle Fragen beantworten können. Niemand könnte das. Keine direkte Antwort zu haben, kommt nicht selten sondern häufig vor.

Eine meiner wertvollsten Erfahrungen: Zu sagen, dass ich keine Antwort habe, aber die Antwort gern nachliefere. Damit mache ich richtig Punkte. Bin beinahe versucht, es zu sagen, auch wenn ich antworten könnte. Es wirkt mutig, ehrlich und verantwortungsvoll. Das zu lernen ist ein echtes Geschenk.

Heute vermisse ich die Besuchergruppen sehr. Sie haben mir so viel beigebracht und mir so viel Einblicke geschenkt. Vielen Dank nachträglich!

Was tun, wenn man nichts sagen kann?

Mit den richtigen Antworttechniken ist es kein Problem, keine Antwort zu haben. Viele geben zu früh auf. Stellen Sie darum erst einmal sicher, dass Sie die Frage richtig verstanden haben. Unter Stress verstehen wir Fragen oft schlimmstmöglich. Oft können und wollen die Fragesteller gar nicht so hinterhältig fragen, wie wir glauben.

Im ersten Schritt wiederholen Sie darum bitte die Frage mit eigenen Worten. Paraphrasieren Sie die Frage. Erst wenn klar ist, dass Sie die Frage richtig gehört haben, gehen Sie einen Schritt weiter.

Bitten Sie im Anschluss um zusätzliche Details oder eine Einordnung der Frage. Versuchen Sie erst danach die Frage zu beantworten.

Manchmal können Sie auch Angebote machen: „Finden wir es gemeinsam heraus“ oder auch „Vielleicht können wir es gemeinsam herausfinden?“

Wenn es sich schlussendlich doch um eine Frage handelt, die Sie wirklich nicht beantworten können, dann geben Sie das zu. Bieten Sie an, die Antwort nachzuliefern. Am nächsten Tag per Mai. Mailadresse einzusammeln nicht vergessen! Gehen Sie souverän mit der Situation um.

Das eigene Nachdenken öffentlich machen

Wenn Sie es sich zutrauen und es angemessen ist, können Sie versuchen, Ihre Antwort aus Prinzipien oder Beispielen abzuleiten. Das ist für Zuhörer sehr spannend.

Als Mitglied der CDU hatte ich es in meinen Runden immer recht leicht. Prinzip unseres Handelns ist die Subsidiarität. Daraus lassen sich viele Entscheidungen ableiten. Ich konnte also meine Zuhörer durch den Prozess führen, indem ich fragte, was subsidiär wäre.

Und wenn Sie nichts abschließendes sagen können?

Manchmal gibt es gar keine Antwort. Denn die Frage ist zu neu. Die Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Oder Sie dürfen nicht darüber sprechen. Lassen Sie sich dann nicht verführen. Wenn etwas noch nicht spruchreif ist, muss man vor allem vor der Presse vorsichtig sein, wie man sich äußert.

Überlegen Sie sich im Zweifel vorher, was Sie auf Fragen sagen werden, die noch nicht spruchreif sind.

Mein schlimmster Albtraum

Ich werde meine firmeninterne Abschlussprüfung bei Siemens niemals vergessen. Sie entschied über das Einstellungsgehalt. Es geht um bis zu 600 Mark mehr oder weniger jeden Monat. Mehr als 20% meines gesamten Gehalts. Richtig viel Geld.

Ich wache morgens auf und muss froh sein, meinen Namen buchstabieren zu können. „Siemens“ ist schon zu schwer für mich. Ich weiß nichts mehr. Wirklich gar nichts mehr. Ein totaler Blackout.

Die Prüfung

Zum Glück wusste ich schon damals viel über Rhetorik. Darum gebe ich die ganze Prüfung hindurch meine selbstbewusste Haltung den fünf hochrangigen Prüfern gegenüber nicht auf. Meine Arme liegen raumgreifend auf den beiden Armlehnen meines isoliert im Raum stehenden Stuhls, meine Füße stehen fest und sicher nebeneinander auf dem Boden. Ich sitze aufrecht und halte Blickkontakt.

Gleich die erste Frage schockiert mich: „Was steht auf Seite 12 unten?“. Ich weiß es nicht. Habe keine Antwort. Gar keine. Es föllt mir extem schwer, weiter Selbstsicherheit zu heucheln, aber das ist meine einzige Chance. Immer wieder wird mir diese eine Frage gestellt. Ich weiß die Antwort nicht und muss das noch mehrfach zugeben. Ich komme einfach nicht drauf. Wir plaudern derweil sehr nett über andere Dinge. Irgendwann reicht es einem Prüfer. „Nun sagen Sie es ihr doch“ bittet er seinen Kollegen.

Das Ergebnis

Abends erfahre ich, dass ich in dieser Prüfung eine eins mit Stern bekommen habe. So kann es auch gehen. Darum: Niemals aufgeben und mit den Dingen punkten, die man kann. Auch wenn es im ersten Moment nur das aufrechte, gespielt selbstbewusste Sitzen ist. Denn wäre ich in Panik verfallen, hätte ich niemals die wunderbaren Fragen bekommen, mit denen ich meine Qualitäten zeigen konnte.

Falls Sie neugierig geworden sind: Ich habe eine kaufmännische Ausbildung bei Siemens gemacht und auf Seite 12, der letzten Seite, stand der Gewinn. Das hätte ich tatsächlich wissen sollen und auch durch etwas Nachdenken herausfinden können…. Ein bisschen peinlich war meine Wissenslücke also tatsächlich. Heute erzähle ich mir die Geschichte gern selbst, wenn ich wieder einmal durchs Feuer gehe.

Gern trainiere ich Sie für zukünftige Fragerunden. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um richtig, richtig Eindruck zu machen. Rufen Sie mich einfach an, schreiben Sie mir oder buchen Sie das Seminar „Q & A: Die nächste Frage BITTE!

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