13 Tipps für Ihre Fragerunde

13 Tipps für Ihre Fragerunde

Die Fragerunde (Q & A) ist eine beliebte Methode, um Vorträge zu beenden. Unklarheiten können aus dem Weg geräumt werden und die Redner*in kann mit Expertenwissen beeindrucken. Fragerunden sind der Moment, im dem Vortragende Ihre Brillianz zeigen können. Mit Planung, Methoden und einem gewissen Fingerspitzengefühl kann man Fragerunden gut führen.

Leider ist nicht jede Fragerunde ein Erfolg. Sie bildet oft den Tiefpunkt einer Veranstaltung. Manchmal ist sie auch nur ein Flopp. Fragerunden können nämlich schnell aus dem Ruder laufen, wenn sie nicht richtig geführt werden. Es wird Kritik am Vortrag geäußert, themenfremde Fragen kommen auf oder die Zeit wird für Koreferate verbraucht. Damit Ihnen das nicht passiert, hier 13 Tipps. Außerdem gebe ich am Ende einige Hinweise, wie Sie die Fragerunde beleben können, wenn sich nicht genügend Fragesteller melden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Fragen?

Manchmal lässt man während einer Präsentation Zwischenfragen zu. Dies ist absolut sinnvoll bei komlexen und komplizierten Sachverhalten. Denn dabei müssen Sie sicherstellen, dass Sie verstanden werden. Wenn Sie Zwischenfragen zulassen, achten Sie bitte darauf, die Zeit nicht aus dem Auge zu verlieren.

Sie dürfen Zwischenfragen nur dann zulassen, wenn Sie das Thema absolut sicher beherrschen. Andernfalls könnten Sie aus dem Takt kommen.

Zwischenfragen zuzulassen, wirkt sehr souverän. Wenn das Ihr Hauptziel ist, lassen Sie Zwischenfragen unbedingt zu. Achten Sie aber darauf, dass sich keine Diskussionen entspinnt. Ihr Vortrag hat Vorrang.

Meist entscheidet man sich, Fragen erst gegen Ende einer Präsentation zu beantworten. Wie Sie vorgehen, sollten Sie Ihrem Publikum direkt zu Beginn mitteilen.

Die Fragerunde darf nicht der letzte Punkt Ihrer Präsentation sein. Denn das wäre ein Fehler. Damit würden Sie die Kontrolle über die Dramaturgie Ihres Auftritts verlieren. Sie können nämlich nicht bestimmen, welche Frage als letztes kommt. Wie wollen Sie dann sicherstellen, dass Ihre Antwort besser ist, als es ein vorbereiteter Redeschluss gewesen wäre?

Die Fragerunde ist der vorletzte Teil Ihrer Präsentation Tipp # 1

Darum: Betrachten Sie ab sofort die Fragerunde als Teil Ihrer Präsentation. Sie ist der vorletzte Teil. Sie ist das Vorprogramm für Ihren Schlussakkord.

Leiten Sie die Fragerunde einfach mit „Bevor ich zum Schluss komme…“ ein. So behalten Sie die Kontrolle. Das gibt Ihnen die Freiheit, Ihrem gelungen Vortrag später noch seinen guten Abschluss zu geben.

Fragerunde im Zweifel selbst moderieren Tipp # 2

Ein Moderator sorgt dafür, dass Sie sich ausschließlich auf Ihre Antworten konzentrieren können. Er zieht den Unwillen derer auf sich, deren Fragen zurückgestellt werden müssen. Er ist ein perfekter Sündenbock für alles, was schief geht.

Warum ich trotzdem empfehle, die Moderation der Fragerunde selbst zu übernehmen?

  • Es wirkt extrem selbstbewusst.
  • Ihre Fragerunde wird nicht durch Verständnisprobleme des Moderators behindert.
  • Selbst zu moderieren kann Zeit sparen.

In Fragerunden zu hoch strittigen Themen mit vielen Teilnehmern sollten Sie unbedingt auf einen Moderator zurückgreifen. Denn dann ist es immens wichtig neutral zu wirken. Jede Auswahl des nächsten Fragestellers, jedes Zurückstellen einer Frage könnte als parteiisch gewertet werden. Wenn der Moderator dies tut, fällt es nicht auf Sie zurück.

Fragerunde gründlich vorbereiten

Passen Sie Ihre Präsentation an Tipp # 3

Prüfen Sie Ihre Präsentation im Vorfeld genau. Dabei überlegen Sie, an welchen Stellen Fragen auftauchen könnten. Sollten dies Verständnisfragen sein, ändern Sie Ihre Präsentation.

Überlegen Sie auch, wo Sie gern in die Tiefe gehen würden. Sie können versuchen, dazu bewusst Nachfragen zu provozieren. („Wenn Sie dazu mehr wissen wollen…, Die Details könnten für xxx interessant sein…“)

Bereiten Sie Ihre Antworten vor Tipp # 4

Formulieren Sie schon vorab die passenden Antworten. Dann haben Sie es während der Fragerunde leichter. Sie können so ausgewählte Beispiele oder Geschichten in Ihren Antworten zitieren.

Fun Fact: Es ist nicht verboten, bei den Antworten in einer Fragerunde Folien zu benutzen.

Einwandvorwegnahme Tipp # 5

Oft verstecken sich Einwände hinter Fragen. Versuchen Sie solche Fragen durch Einwandvorwegnahme zu vermeiden. „Viele glauben…, doch…“ „Man könnte meinen…, doch…“

Thema des Vortrags klar begrenzen Tipp # 6

Bestimmte Antworten wollen oder können Sie zum gegebenen Zeitpunkt vielleicht gar nicht geben. Sie wollen Fragen dazu vermeiden? Dann überlegen Sie bitte, was an Ihrer Präsentation inhaltlich verändert werden kann. Fragen zu den Themen, zu denen Ihre Präsentation nichts sagt, können Sie konziliant ablehnen. Wenn Sie aber selbst das Thema anschneiden, wird das schwierig.

Überlegen Sie sich vorher ein paar gute Antworten, für die Fragen, auf die Sie nicht antworten werden.

Vorab Regeln bekanntgeben Tipp # 7

Bei größeren Versammlungen oder wenn es um strittige Themen geht, geben Sie bitte vor dem Einstieg in die Fragerunde Ihre Regeln bekannt. Kommunizieren Sie diese Regeln unbedingt sehr klar. Es wird Ihnen danach um so leichter fallen, Zeitlimits, Begenzung der Anzahl von Fragen, Reihenfolgen u.s.w. durchzusetzen.

Während der Fragerunde

Wie Sie in der Fragerunde mit Fragen und Fragestellern umgehen, entscheidet darüber, wie erfolgreich Ihre Präsentation ist. Achten Sie darauf, sehr aufmerksam zuzuhören. Sie zeigen dass, indem Sie während der Frage Blickkontakt halten. Lassen Sie die Fragesteller ausreden und machen sich falls nötig Notizen..

Jeder muss wissen, welche Frage Sie beantworten Tipp # 8

Stellen Sie unbedingt sicher, dass jeder im Raum weiß, welche Frage Sie gerade beantworten. Wiederholen Sie die Frage dazu mit Ihren eigenen Worten, bevor Sie sie beantworten. Dies ist eine der wichtigsten Antworttechniken. So stellen Sie sicher, dass Sie nicht die falsche Frage beantworten. Gerade unter Druck tendiert man dazu, Fragen zum eigenen Nachteil misszuverstehen.

Fragen umdeuten Tipp # 9

Hin und wieder werden langweilige Fragen gestellt oder Fragen, die schon beantwortet wurden. Bleiben Sie gelassen. Es ist natürlich etwas ärgerlich. Vielleicht hat der Fragesteller nicht richtig zugehört. Vielleicht war er auch überfordert. Zeigen Sie nicht, dass Sie sich ärgern. Deuten Sie die Frage statt dessen um.Dann können Sie sich freuen, dass sie den nun von Ihnen bestimmten Punkt nochmals vertiefen können.

Bleiben Sie freundlich Tipp # 10

Lassen Sie aggressive Fragesteller nicht die Fragerunde dominieren. Versuchen Sie Gemeinsamkeiten zu benennen. Erklären Sie, in welchen Punkten es Übereinstimmungen gibt. Versuchen Sie danach die kritischen Teile zu beantworten. Damit kehren Sie auf die sachliche Ebene zurück.

Erklären und entschuldigen Sie nichts Tipp # 11

Lassen Sie sich auch von negativen Fragen nicht in die Defensive drängen. Erklären und entschuldigen Sie nichts! Jede Erklärung und Entschuldigung öffnet nur den Weg zu neuen Fragen. Formulieren Sie die Frage um. Greifen Sie das implizierte Problem auf und beantworten Sie die Frage in Bezug darauf.

Beantworten Sie immer nur eine Frage auf einmal Tipp # 12

Manchmal stellen Zuhörer mehrere Fragen auf einmal. Versuchen Sie nicht, alle Fragen auf einmal zu beantworten. Das überfordert Sie und Ihre Zuhörer.

Greifen Sie die Frage heraus, die sich am leichtesten beantworten lässt. Wenn Sie diese Frage beantwortet haben, bitten Sie den Fragesteller um die nächste Frage. Wenn Sie sich gut daran erinnern, können Sie die nächste Frage auch selbst nennen. Das spart Zeit und vermindert das Risiko, dass der Fragesteller sehr weit ausholt. Sie könnten auch vorab die Regel ausgeben, dass jeder nur eine Frage pro Runde stellen darf.

Beantworten Sie jede Frage Tipp # 13

Bleiben Sie nie eine Antwort schuldig! Wenn Sie nicht Stellung nehmen, werden Sie Ihr Publikum irritieren. Man wird dahinter Schwäche oder Arroganz vermuten. Sie riskieren Ihre Reputation, wenn Sie Fragen einfach ignorieren.

Wie Sie jede Frage beantworten können lernen Sie im Seminar Antworttechniken „Die nächste Frage bitte!“ Sie werden danach gute Antworten auf schwierige und unangenehme Fragen finden.

So können Sie die Fragerunde beleben

In der Fragerunde werden oft viel weniger Fragen gestellt als erhofft. Sie können einiges dafür tun, damit die Fragerunde kein Flopp wird. Wenn Sie die Fragerunde beleben wollen, müssen Sie Fragen, Einwände und Bedenken herausgekitzeln.

Als erstes brauchen Sie eine einladende Formulierung für die Eröffnung der Diskussion. z.B. „Ich bin gespannt zu erfahren…“ statt „Gibt es (etwa) noch Fragen?“

Die nächste Schwelle: Geben Sie Ihre Publikum unbedingt Zeit zum Nachdenken. Halten Sie bewusst einen Moment inne. Ihr Publikum reagiert viel langsamer als Sie es erwarten. Es muss sich sammeln, eine Frage formulieren und den nötigen Mut finden. Bleiben Sie dabei charmant und freundlich. Machen Sie keinen Druck.

Einfacher wird es übrigens, wenn Sie vorab, d.h. zu Beginn des Vortrags darum bitten Fragen zu sammeln. Eine gute Fragerunde beginnt deshalb eigentlich mit dem Beginn Ihres Vortrags.

Eisbrecher

Damit das Eis gebrochen wird, braucht es einen, der den Anfang macht. Bitten Sie einfach vorab Vertraute darum Fragen zu stellen. Diese Vertrauten können die Fragerunde eröffnen oder später die Diskussion beleben.

Wenn die erste Frage gestellt wurde, ist es für die Nachfolgenden leichter.

Stellvertretung

Auch Sie selbst können Fragen stellen und damit die Fragerunde beleben. Sie agieren dann als Stellvertreter des Publikums. Diese Methode ist ebenfalls gut geeignet, um das Eis zu brechen.

Denken Sie sich vorab ein paar sinnvolle Fragen aus Diese leiten Sie später etwa wie folgt ein:

  • „Ich wurde eben in der Pause gefragt…“
  • „Oft werde ich gefragt…“
  • „Mit Kolleg*innen diskutiere ich immer wieder…“

Hinterhand

Sie wollen richtig etwas in der Hinterhand haben? Dann blenden Sie ganz bewusst einzelne Aspekte des Themas im Vortrag aus. Diese Aspekte können Sie sie in der Fragerunde zu einem beliebigen Zeitpunkt intensiv diskutieren.

Publikum aktivieren

Fragerunden beleben können Sie am einfachsten indem Sie das Publikum aktivieren. Dazu gibt es verschiedene Methoden. Hier ein paar Beispiele.

  1. Lassen Sie das Publikum in kleinen ad-hoc Gruppen diskutieren. Sie können im Anschluss die dabei auftretenden Fragen beantworten.
  2. Fordern Sie die Teilnehmer auf, sich in Kleingruppen gute, relevante Fragen zu überlegen. Anschließend bitten Sie um die Fragen.
  3. Drehen Sie den Spieß einfach um. Befragen Sie das Publikum.
    • Diese Methode ist eher bei kleineren Gruppen sinnvoll.
    • Verständigung sollte ohne Mikrofon möglich sein. Andernfalls müssen ein Mikrofon und jemand, der damit zu den Zuhörern geht, bereit stehen.
    • Bitten Sie die Zuhörer nicht nur um Fragen, sondern auch um Reaktionen auf das Gehörte. Fragen Sie sie nach ihrer Meinung.
    • Bitte wenden Sie diese Methoden nicht bei extrem strittigen Themen an. Sie wollen eine Fragerunde beleben. Sie wollen KEINE hitzige Diskussion anzetteln!

Was nun? Das Redepult ist zu groß

Manches Redepult ist einfach viel zu groß. In Universitäten findet man oft geradezu riesige Katheder. Man könnte ein Schulkind darin verstecken. Viele Frauen und manche Männer sind sogar zu klein, um hinter normalgroßen Redepulten gut zu wirken. Dann stellt sich die Frage: „Was nun?“ Für diese Fälle gebe ich immer zwei Empfehlungen.

1. Benutzen Sie das Redepult einfach nicht.

Manchmal ist es möglich, sich einfach nicht hinter das Rednerpult zu stellen. Es gar nicht zu benutzen. Das empfehle ich grundsätzlich jedem und immer. Vielleicht gibt man Ihnen statt dessen ein Standmikrophon oder ein Headset. Sie könnten sich auch neben das Pult stellen, wenn man Ihnen kein Extramikrophon zubilligt. Dann biegen Sie das Mikrphon einfach zu sich hin.

Der Vorteil dieser Lösung: Sich nicht hinter das Redepult zu stellen, sieht extrem mutig aus. Außerdem können Sie mehr von sich zeigen, sich bewegen und von der Mitte der Bühne aus sprechen.* Als Redner*in wirken Sie so nahbarer und moderner.

Sie können dann allerdings weder Notizen noch Teleprompter verwenden. Sie müssten auf Stichwortkarten ausweichen, wenn Sie die Rede nicht frei halten können.

Die Erfahrungen der Klient*innen, die diesem Vorschlag gefolgt sind, waren durchweg sehr positiv.

2. Sorgen Sie für einen Tritt hinter dem Rednerpult

Die zweite Lösung: Sorgen Sie für einen Tritt hinter dem Redepult. Bei diesem Videoclip scheint der Tritt sogar zum Redepult zu gehören. Etwa bei 40 Sekunden können Sie das Höckerchen sehen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=f4keFcDfzZQ&list=UUMkYd9teJEBlCOwDan6qPpg&index=28
Bill Clinton bei der Wall Street Project Conference, 1997

Auch diesen Tipp haben Klient*innen schon sehr erfolgreich umgesetzt. Manche sind sogar mit dem eigenen Tritt in der Hand nach vorn gegangen.** Es gab prominente Politiker*innen, die immer eine Holzkiste im Kofferraum des Dienstwagens liegen hatten. Nur für den Fall….

Achten Sie darauf, dass Sie den Tritt sicher benutzen können. Er darf nicht so hoch wie eine normale Treppenstufe sein. Er muss eine größere Tiefe haben als normale Tritte und Stufen. Sie sollten elegant hinauf- und rückwärts hinuntersteigen können. Darum muss die Auftrittsfläche umso tiefer werden, je niedriger er ist. Ist der Tritt höher, kann er etwas weniger tief sein. Oben müssen Sie sicher stehen können. Der Tritt darf nicht kippeln oder verrutschen. Üben Sie die Benutzung. Dann steht einem gelungenen Auftritt nichts im Weg.

Bitte entscheiden Sie selbst, welche Lösung Sie bevorzugen. Nur, finden Sie eine! Denn, je weniger man von Ihnen sehen kann, um so schwerer wird es für Sie werden, Ihre Zuhörer zu überzeugen. Wir Menschen sind Augentiere. Darum müssen Redner*innen immer gut zu sehen sein. Darum dürfen Sie nicht hinter Redepulten verschwinden.

Gern unterstütze ich Sie bei der Vorbereitung einer miteißenden Präsentation

Weiterführende Artikel

* Rednerpulte stehen meist am linken Rand der Bühne. Das ist für keinen Redner der richtige Platz. Interessanterweise standen die Rednerpulte dort schon immer, auch als es noch keine Präsentationen gab. Eigentlich gehören wir in die Mitte der Bühne. Präsentationen sollten übrigens immer rechts von uns, zu unseren beiden Seiten oder über uns gezeigt werden. Niemals links von uns.
Seitenangaben werden immer aus der Sicht des Publikums gemacht.
** Für eine Kandidatur zur Europawahl mit einem blauen Höckerchen mit gelben Sternen…

Was tun, wenn Sie keine Antwort wissen?

Keine Antwort zu wissen, ist der Albtraum für viele. Die Antwort nicht zu kennen, lässt befüchten, für dumm oder unwissend gehalten zu werden. Viele fühlen sich an die Schule und die Demütigungen von damals erinnert. Das macht Fragerunden sehr schwierig. Hier die gute Nachricht: Ab und zu keine Antwort zu wissen, ist überhaupt kein Drama. Zuzugeben, dass wir keine Antwort haben, ist manchmal genau das Richtige.

So lernte ich, dass keine Antwort eine gute Antwort sein kann

Als junge Abgeordnete der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus habe ich von Beginn an viele Besuchergruppen betreut. Sie machen keinen Hehl aus ihrer Abscheu über den damaligen Spendenskandal. Sie nehmen keine Rücksicht darauf, dass ich ganz neu bin. Die Bauordnung in Bayern nicht detailliert kenne. Am Spendenskandal der CDU keinen Anteil habe.

Ich sitze vorn, meist als einzige Frau in der Runde, fast immer in der Mitte. An meiner Seite erfahrene Kollegen/Konkurrenten aus den anderen Fraktionen. An den restlichen Tischen im hellen Sitzungssaal bis zu 50 Besucher. Sie haben alle ein gratis 0,33l -Getränk vor sich und 45 Minuten Zeit, uns alles zu fragen, was sie möchten. Ich kann gar nicht alle Fragen beantworten können. Niemand könnte das. Keine direkte Antwort zu haben, kommt nicht selten sondern häufig vor.

Eine meiner wertvollsten Erfahrungen: Zu sagen, dass ich keine Antwort habe, aber die Antwort gern nachliefere. Damit mache ich richtig Punkte. Bin beinahe versucht, es zu sagen, auch wenn ich antworten könnte. Es wirkt mutig, ehrlich und verantwortungsvoll. Das zu lernen ist ein echtes Geschenk.

Heute vermisse ich die Besuchergruppen sehr. Sie haben mir so viel beigebracht und mir so viel Einblicke geschenkt. Vielen Dank nachträglich!

Was tun, wenn man nichts sagen kann?

Mit den richtigen Antworttechniken ist es kein Problem, keine Antwort zu haben. Viele geben zu früh auf. Stellen Sie darum erst einmal sicher, dass Sie die Frage richtig verstanden haben. Unter Stress verstehen wir Fragen oft schlimmstmöglich. Oft können und wollen die Fragesteller gar nicht so hinterhältig fragen, wie wir glauben.

Im ersten Schritt wiederholen Sie darum bitte die Frage mit eigenen Worten. Paraphrasieren Sie die Frage. Erst wenn klar ist, dass Sie die Frage richtig gehört haben, gehen Sie einen Schritt weiter.

Bitten Sie im Anschluss um zusätzliche Details oder eine Einordnung der Frage. Versuchen Sie erst danach die Frage zu beantworten.

Manchmal können Sie auch Angebote machen: „Finden wir es gemeinsam heraus“ oder auch „Vielleicht können wir es gemeinsam herausfinden?“

Wenn es sich schlussendlich doch um eine Frage handelt, die Sie wirklich nicht beantworten können, dann geben Sie das zu. Bieten Sie an, die Antwort nachzuliefern. Am nächsten Tag per Mai. Mailadresse einzusammeln nicht vergessen! Gehen Sie souverän mit der Situation um.

Das eigene Nachdenken öffentlich machen

Wenn Sie es sich zutrauen und es angemessen ist, können Sie versuchen, Ihre Antwort aus Prinzipien oder Beispielen abzuleiten. Das ist für Zuhörer sehr spannend.

Als Mitglied der CDU hatte ich es in meinen Runden immer recht leicht. Prinzip unseres Handelns ist die Subsidiarität. Daraus lassen sich viele Entscheidungen ableiten. Ich konnte also meine Zuhörer durch den Prozess führen, indem ich fragte, was subsidiär wäre.

Und wenn Sie nichts abschließendes sagen können?

Manchmal gibt es gar keine Antwort. Denn die Frage ist zu neu. Die Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Oder Sie dürfen nicht darüber sprechen. Lassen Sie sich dann nicht verführen. Wenn etwas noch nicht spruchreif ist, muss man vor allem vor der Presse vorsichtig sein, wie man sich äußert.

Überlegen Sie sich im Zweifel vorher, was Sie auf Fragen sagen werden, die noch nicht spruchreif sind.

Mein schlimmster Albtraum

Ich werde meine firmeninterne Abschlussprüfung bei Siemens niemals vergessen. Sie entschied über das Einstellungsgehalt. Es geht um bis zu 600 Mark mehr oder weniger jeden Monat. Mehr als 20% meines gesamten Gehalts. Richtig viel Geld.

Ich wache morgens auf und muss froh sein, meinen Namen buchstabieren zu können. „Siemens“ ist schon zu schwer für mich. Ich weiß nichts mehr. Wirklich gar nichts mehr. Ein totaler Blackout.

Die Prüfung

Zum Glück wusste ich schon damals viel über Rhetorik. Darum gebe ich die ganze Prüfung hindurch meine selbstbewusste Haltung den fünf hochrangigen Prüfern gegenüber nicht auf. Meine Arme liegen raumgreifend auf den beiden Armlehnen meines isoliert im Raum stehenden Stuhls, meine Füße stehen fest und sicher nebeneinander auf dem Boden. Ich sitze aufrecht und halte Blickkontakt.

Gleich die erste Frage schockiert mich: „Was steht auf Seite 12 unten?“. Ich weiß es nicht. Habe keine Antwort. Gar keine. Es föllt mir extem schwer, weiter Selbstsicherheit zu heucheln, aber das ist meine einzige Chance. Immer wieder wird mir diese eine Frage gestellt. Ich weiß die Antwort nicht und muss das noch mehrfach zugeben. Ich komme einfach nicht drauf. Wir plaudern derweil sehr nett über andere Dinge. Irgendwann reicht es einem Prüfer. „Nun sagen Sie es ihr doch“ bittet er seinen Kollegen.

Das Ergebnis

Abends erfahre ich, dass ich in dieser Prüfung eine eins mit Stern bekommen habe. So kann es auch gehen. Darum: Niemals aufgeben und mit den Dingen punkten, die man kann. Auch wenn es im ersten Moment nur das aufrechte, gespielt selbstbewusste Sitzen ist. Denn wäre ich in Panik verfallen, hätte ich niemals die wunderbaren Fragen bekommen, mit denen ich meine Qualitäten zeigen konnte.

Falls Sie neugierig geworden sind: Ich habe eine kaufmännische Ausbildung bei Siemens gemacht und auf Seite 12, der letzten Seite, stand der Gewinn. Das hätte ich tatsächlich wissen sollen und auch durch etwas Nachdenken herausfinden können…. Ein bisschen peinlich war meine Wissenslücke also tatsächlich. Heute erzähle ich mir die Geschichte gern selbst, wenn ich wieder einmal durchs Feuer gehe.

Gern trainiere ich Sie für zukünftige Fragerunden. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um richtig, richtig Eindruck zu machen. Rufen Sie mich einfach an, schreiben Sie mir oder buchen Sie das Seminar „Q & A: Die nächste Frage BITTE!

Fünf Strategien gegen das Lampenfieber

Stress durch bösen Blick

Viele der aus Lampenfieber geborenen Gewohnheiten sind schädlich. Schädlich, weil Sie uns inkompetent und unglaubwürdig erscheinen lassen. Darum ist (Rede-)Angst selten ein guter Ratgeber. Doch schon fünf kleine Veränderungen helfen, das Lampenfieber abzukühlen. Auf das richtige Maß abzukühlen. Und damit gleichzeitig kompetent und glaubwürdig zu wirken.

Unser Körper ist der Spiegel unserer Seele. Verhalten wir uns, als ob wir unsicher wären, werden wir uns auch unsicher fühlen. Verhalten wir uns, als ob wir sicher wären, werden wir uns auf Dauer auch sicher fühlen. Wie Sie dies konkret unterstützen können, lesen Sie hier.

Strategie #1 – Lockerungsübungen gegen Lampenfieber

Lockern Sie – um das Lampenfieber zu lindern – Ihren Körper. Zappeln Sie, schütteln Sie ihre Glieder aus und hüpfen Sie. Ein lockerer Korper lässt das Lampenfieber los. Achten Sie beim Lockern besonders auf Ihren Unterkiefer und Ihre Schultern.

Strategie #2 – Box-Breathing

Atmen Sie Ihr Lampenfieber doch einfach weg. Bei Navy Seals im Einsatz funktioniert es. Dann wird es auch uns helfen. Das sogenannte Box-Breathing teilt Ihre Atmung in vier Phasen. Ausatmen, innehalten, einatmen, innehalten, wiederholen. Bei jeder der vier Phasen zählen Sie langsam bis vier. Jede einzelne Phase sollte vier Sekunden dauern. Versuchen Sie tief in den Bauchraum zu atmen. Sie werden danach merklich ruhiger sein.* Lassen Sie sich mindestens zwei gern auch fünf Minuten Zeit dafür. Je öfter Sie die Übung wiederholen, um so besser wird sie im Ernstfall funktionieren. Diese Übung können Sie gut parallel mit Tipp Nummer 3 machen. Umarmen Sie die Welt und atmen Sie.

Strategie #3 – Ochsenfroschstrategie

Machen Sie sich groß und breit, um das Lampenfieber zu löschen. Wie ein Ochsenfrosch. Sitzen oder stehen Sie aufrecht, dem Gegenüber zugewandt. Achten Sie nicht nur in der angstauslösenden Situation auf Ihre Haltung. Sondern auch in den Minuten und Momenten davor. Lassen Sie dem Lampenfieber keinen Raum. Machen Sie sich breit, damit das Lampenfieber erstickt wird.

Wenn wir uns unsicher fühlen, neigen wir dazu, uns klein zu machen und z.B. unsere Arme zu verschränken. Damit zeigen wir nicht nur unsere Unsicherheit nach außen und behindern den Redefluss (s.o.). Wir verstärken mit solch einer Haltung auch die eigene Unsicherheit. Im umgekehrten Fall gewinnen wir tatsächlich an Sicherheit hinzu. Unsere Haltung sollte darum sicher d.h. offen, groß und breit sein – eben wie ein Ochsenfrosch. Denn dann werden wir a) als selbstsicher wahrgenommen und werden uns b) nach einer gewissen Zeit auch so fühlen.

Die Ochsenfroschstrategie speist sich aus den Erkenntnissen über Power Poses.

Strategie #4 – Hände befreien, Lampenfieber lösen

Fun Fact: Die interessiertesten Zuhörer*innen sehen oft am gemeinsten aus. Denn sie vergessen höflich zu lächeln. Sie hören gebannt zu. Darum starren Sie uns ausdruckslos und konzentriert an. Der Blick in ein solches Gesicht lässt das Lampenfieber wachsen – bis man weiß, das oft wirklich tiefes Interesse dahinter steckt.

Lassen Sie diese Zuhörer einfach links liegen, solange Sie sich unsicher fühlen. Ihre Cheerleader sind derweil für Sie da.

Geben Sie Ihren Händen die Gelegenheit sich zu bewegen. Verschränken Sie Ihre Arme nicht. Verstecken Sie sie nicht hinter Ihrem Rücken. Halten Sie nicht eine Hand mit der anderen fest. Sprechen ist nämlich viel leichter, wenn sich die Hände frei bewegen können. Nicht umsonst heißt es „um Worte ringen“. Jede – noch so kleine – Bewegung der Hände hilft beim Sprechen.

Sie können nicht glauben, dass es so leichter wird zu sprechen? Dann versuchen Sie einmal das Folgende: Setzen Sie sich auf Ihre Hände und erklären Sie einen komplexen oder komplizierten Sachverhalt. Sie werden sofort merken, dass Ihre Gedanken nicht mehr richtig fließen.

Legen Sie darum bitte ab sofort Ihre Hände im Sitzen immer locker ab. Einfach auf den Tisch oder die Armlehnen Ihres Stuhls oder die eigenen Oberschenkel. Im Stehen lassen Sie die Arme locker herunterhängen. So geben Sie Ihren Händen Raum. Danach kümmern sich nicht mehr um Arme und Hände. Diese können so ganz von selbst das Richtige tun.

Strategie #5 – Cheerleader engagieren

Viele Redner versuchen, den Blicken der Zuhörer auszuweichen. Das ist aus mancherlei Gründen falsch. Probieren Sie statt dessen etwas neues aus. Suchen Sie ganz bewusst nach den Cheerleadern im Publikum. Diese Menschen sehen der Redner*in direkt in die Augen. So sagen Sie „Ich höre Dir zu“. Dabei nicken und lächeln sie oft.

Mit dieser Verhaltensänderung erhalten Sie – während Sie reden – stärkendes, positives Feedback. Auf diese Art können Sie sich jederzeit aus der Umklammerung des Lampenfiebers lösen.

Einen lächelnden Zuhörer anzusehen ist um sooo vieles leichter.

Sehen Sie in Zukunft nur diese Cheerleader an. Nehmen Sie frühzeitig Blickkontakt mit ihnen auf. Gerade dann, wenn Sie sich schlecht fühlen. Denn solche Zuhörer*innen signalisieren ganz deutlich: „Sprich weiter. Ich möchte mehr wissen.“

Bitte meiden Sie ausdruckslose oder feindlich wirkende Gesichter. Meiden Sie sie, solange Sie sich nicht wohlfühlen. In ausdruckslose Gesichter sprechen zu müssen, ist nicht ohne Grund einer der vier Teile des Trierer Sozial Stress Tests. Desinteressiert wirkende Zuhörer befeuern das Lampenfieber. Wenn Sie es löschen wollen, halten Sie sich an Ihre Cheerleader.

Wenn Sie mehr brauchen: 15 weitere Tipps und Methoden, um das Lampenfieber zu bekämpfen, finden Sie im Artikel „Redeangst überwinden„.

Sie möchten besser wirken und überzeugender auftreten? Dann lesen Sie weiter in Körpersprache und Wirkung. Im Rhetorik-Bootcamp arbeiten wir intensiv daran, dass Sie sich beim Reden in Ihrem Körper wohlfühlen. Ihn zu Ihrem Vorteil einsetzen. Wenn Sie wissen wollen, was ein Rethorik-Boocamp bewirken kann, lesen bitte das Folgende.

* Ich stelle mir dazu gern eine Uhr vor. Ab ein Uhr atme ich aus. Von vier bis sieben halte ich den Atmen an. Von sieben bis zehn atme ich ein und von zehn bis eins halte ich den Atem an. Sie können das Atmen auch mit Ihren Armen begleiten. Was immer Ihnen hilft, während dieser Übung ruhig und tief zu atmen, ist richtig.

Frauenfeindliche Witze kontern

Es fängt mit netten Witzen an und plötzlich überbieten sich die Anwesenden im Erzählen frauenfeindlicher Witze. Einer schlimmer als der andere. Was harmlos genug anfängt mündet oft genug irgendwann in Beleidigungen. Lachen Sie nicht mit. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Frauenfeindliche Witze gehen zu weit. Wo Sie die Grenze setzen, ist Ihnen überlassen. Sie dürfen und sollten sensibel sein, denn frauenfeindliche Witze dienen immer einem Zweck. Typischerweise der Abwertung und Ausgrenzung, oft genug auch der Beleidigung oder gar der sexuellen Belästigung. Lassen Sie sich das nicht gefallen.

Immer, wenn die Witze gehässiger werden, immer, wenn es nur noch gegen eine Gruppe geht, sollten Sie kontern. Je früher Sie es tun, als desto natürlicher wird man es empfinden. Desto weniger störend wird es wirken. Üben Sie also gern auch, wenn es nicht gegen Frauen sondern gegen Schwule, Ausländer*, Blondinen oder Behinderte geht.

Wann sollte ich auf frauenfeindliche Witze reagieren?

Es ist wichtig, dass Sie frühzeitig eingreifen. Bevor der Abend abdriftet. Typischerweise bauen sich diese Situationen langsam auf. Es ist deshalb gut sensibel zu reagieren. Lassen Sie erst gar keine Eskalation zu. Im Zweifel greifen Sie darum lieber früher als später ein.

Oft wird den Opfern vorgeworfen, mitgemacht zu haben. Dazu muss es nicht kommen. Wenn Sie die Eskalation früh genug stoppen, kann der Abend wieder nett werden oder bleiben. Mit den beschriebenen Techniken wird vielen gar nicht auffallen, was Sie getan haben.

Strategien, mit denen Sie frauenfeindliche Witze kontern können

Selbst einen guten Witz erzählen

Sie könnten selbst einen guten Witz erzählen, der eine andere Zielrichtung hat. Passiert das früh genug, nimmt der Abend oft gar keine so unangenehme Richtung.

Hat es aber jemand darauf angelegt, Sie aus der Gruppe zu vertreiben, wird er das nicht zulassen. Er wird darum seinerseits wieder die alte Richtung anstreben. Dann müssen Sie eine „Entscheidung“ der restlichen Gruppenmitglieder vorantreiben. Das geht gut mit Strategie zwei:

Einen männerunfreundlichen Witz erzählen

Um die Eskalation hin zu frauenfeindlichen Witzen zu verhindern, bietet sich der männerunfreundiche Witz an. Mindestens einen speziellen, nicht männerfreundlichen Witz als Konter habe ich deshalb immer drauf. Wenn ich einen neuen höre, dann mache ich ihn zum Standardwitz, bis der nächste kommt.

Dieser Witz muss prizipiell nicht gut und auch nicht neu sein. Sie müssen ihn nicht einmal gut erzählen. Er soll nur sagen, „Stop. Das geht mir jetzt zu weit. Ich halte dagegen.“

Lassen Sie Ihr Publikum das Gefühl des schlechten Witzes auf seine Kosten erleben. So machen Sie klar, dass Sie es nicht zulassen werden, dass man sich auf Ihre Kosten vergnügt. Mit Ihrem Witz nehmen Sie dem Prozess den Schwung. Die Kette reißt ab. Mehr ist nicht nötig. Die Eskalation ist gestoppt.

Nach dem männerunfreundlichen Witz wird es deutlich schwieriger wieder zu den frauenfeindlichen Witzen zurückzukehren. In 80 Prozent der Fälle hat sich das Thema damit erledigt.

Männerunfreundliche Witze:

  • Die Missfits texteten: „Wozu hat der liebe Gott die Männer erfunden? Antwort: Als Prüfung für die Frauen, damit sie gute Eigenschaften wie Geduld und Mitleid lernen.“
  • „Was sagte Gott, nachdem er den Mann erschaffen hatte? „Das kann ich auch noch besser.“
  • Als Entgegenung auf Bondinenwitze: „Was macht ne Blondine morgens mit Ihrem Arsch? Sie schmiert ihm ein Brot und schickt ihn zur Arbeit.“
  • Mein liebster Anti-Witz (inzwischen aber alt und manchen sicher zu hart): „Was sind vierzig tote Mönner auf dem Meeresgrund? Ein guter Anfang.“ (Ich habe ihn sicher schon fünfzig Mal erzählt und es hat immer geholfen.)

Mänerfeindliche Witze

Zu weit gehen mir die folgenden Witze. Ich empfinde Sie als mönnerfeindlich.

  • „Warum werden an den Münchener Universitäten jetzt alle Versuche zur Verhaltensbiologie mit Männern statt mit Ratten durchgeführt? Es gibt einfach ein paar Dinge, die Ratten nicht tun würden.“ Das kann man (frau) erst erzählen, wenn sie sowieso gehen möchte.
  • „Warum haben Männer ein Gen mehr als Schweine? Damit sich das Schwänzchen nicht ringelt.“ Sicher hübsch für den Mädelsabend, aber sonst deutlich zu hart.

Männer lachen nicht gern über sich selbst

Die meisten Männer können weniger gut über sich selbst lachen als Frauen im umgekehrten Fall. Darum bitte nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Seien Sie gnädig. Lächeln Sie beim Erzählen des männerunfreundlichen Witzes. Die Andeutung reicht. Wenn Sie mir nicht glauben, denken Sie einfach über das Folgende nach: Google findet für „männerfeindliche Witze“ 11.900 Treffer, für „frauenfeindliche Witze“ aber fast dreimal so viele nämlich 32.000 Treffer

Einer neueren Untersuchung zufolge werden sexistische d.h. frauenfeindliche und homophobe Witze vor allem von Männern gemacht, die sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen.

Fun Fact: In einer Studie fanden Studenten mehrheitlich die Witze von Frauen lustiger, schrieben sie aber eher Männern zu.

Macht Lachen schön?

Ein gutes, aber leider sehr altes Buch zum Thema ist Helga Koffhoffs: „Das Gelächter der Geschlechter. Humor und Macht in Gesprächen von Männern und Frauen.“ Generell zum Thema Humor: „Macht Lachen schön? 223 Fragen (und Antworten) zum Thema Humor, Witz und Lachen“ von Harald Alexander Korp und Michael Titze.

Wenn Sie in jeder Situation schlagfertiger werden wollen, kommen Sie gern in mein Schlagfertigkeitsseminar.

Die frauenfeindlichen Witze zum Thema machen

Die dritte Strategie: Es kann sehr lohnend sein, diskriminierende und aggressive Witze zum Thema zu machen.

In der „lustigen“ Runde werden Sie das Problem kaum ansprechen können. Die Dynamik des Zusammenseins steht dem entgegen. Es spricht aber alles dafür, am nächsten Tag das Gespräch zu suchen. Suchen Sie sich Verbündete – egal ob Chef oder Kollegen – um den Prozess beim nächsten Mal stoppen zu können

Bitte benennen Sie dabei konkret was Sie sich wünschen und was besonders abstoßend war. Versuchen Sie aufzuzeigen, wie unwohl Sie und andere Gruppenmitglieder sich wegen der frauenfeindlichen Witze gefühlt haben.

Warum werden so häufig Witze erzählt, die andere herabsetzen?

Agressive und diskriminierende Witze sind oft nur eine abgewandelte Form des Raufens. Man testet seine Kräfte und meint es nicht unbedingt „böse“. Wenn in diesem Zusammenhang auch frauenfeindliche Witze erzählt werden, eskaliert die Situation gern. Vielleicht auch, weil man(n) darauf wartet, dass frau sich wehrt und mitspielt.

Herabsetzende Witze können aber auch eine wichtige Funktion in der Gruppe erfüllen. Das gemeinsame Lachen über andere kann nämlich gruppenstabilisieren wirken. Mit ihm kann man sich versichern auf derselben Seite zu stehen, dasselbe zu wollen. Ab- und Ausgrenzung von anderen sind zwei der einfachsten Methoden, um den Gruppenzusammenhalt zu stärken.

Innerhalb von hirarchisch aufgebauten Gruppen gibt es zudem das Bedürfnis sich von Rangniederen abzugrenzen oder die Rangordnung zu testen. Lachen wird hier als Währung für Anerkennung verstanden. Es ist der geschuldete Tribut. Deshalb wird der Witz im Zweifel von den Mächtigeren erzählt. Man lacht den Unterlegenen aus. Wenn über den Witz gelacht wird, ist der Zweck erfüllt.

Das Erzählen von aggressiven und diskriminierenden Witzen hat immer ein Ziel. Er istTest, Machtdemonstration oder Methode der Ausgrenzung. Oft genug wird dabei jemand ausgelacht. Darum ist es für die „Anderen“ so problematisch, bei herabsetzenden diskriminierenden Witzen mitzulachen. Denn es ist gegbenenfalls ein Akt der Unterwerfung. Man sollte sich darum gut überlegen, ob man dabei mitspielen möchte.

Warum werden so oft frauenfeindliche Witze erzählt?

Die Erklärung ist ganz einfach. Der kleinste gemeinsame Nenner von Gruppen ist häufig genug die Abwesenheit oder Machtlosigkeit von Frauen. Frauenfeindliche Witze können damit ohne Risiko sowohl zur Abgrenzung als auch zur Machtversicherung genutzt werden. Mit jedem frauenfeindlichen Witz werden Frauen so marginalisiert.

Frauenfeindliche Witze stellen Frauen als Objekte und sexuelle Gewalt als lustig dar. Sie spielen die Belastung durch sexuelle Gewalt herunter. So tragen zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Frauen bei. In Studien konnte belegt werden, dass frauenfeindliche Witze Misogynie fördern.

Humor verändert die Grenzen des sozial Akzeptablen. Das kann gut sein. Leider fördert er aber auch die Toleranz gegenüber unangebrachten oder falschen Verhaltensweisen. Jeder frauenfeindliche Witz macht also die Diskriminierung und Herabwürdigung von Frauen normaler. Ich bin darum ganz klar dafür, frauenfeindliche Witze nicht zu tolerieren. Auf Dauer kommt uns das Lachen über frauenfeinliche Witze zu teuer.

Sie haben noch Fragen, Anmerkungen oder Kritik? Bitte schreiben Sie einen Kommentar.

Sie möchten lernen humorvoll reden? Sie möchten mit Humor führen? Sie möchten peinliche Momente mit Humor überbrücken? Dann kommen Sie in mein Humor Seminar.

* Falls Sie einen ausländerfeindlichen Witz kontern wollen, ist das hier meine beste Antwort: „Wie viele Deutsche braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln? Einen. Die Deutschen sind effektiv und haben keinen Humor.“

Warum ich gerne Kniffe verrate, aber keine Tricks

Ich werde oft  nach Tricks gefragt. Beim Kartenspiel und in der Zauberei sind Tricks gut geübte Sequenzen, mit denen das Gegenüber überlistet wird. Solche Tricks sind das Resultat von Erfindungsgeist und harter Arbeit. Sie funktionieren nur mit viel Übung.

Wenn man mich nach Tricks fragt, dann sollen das Abkürzungen sein. Erleichterungen. Methoden die wie ein Pfuschzettel wirken.

Ich möchte Sie aber dauerhaft fit machen. Sie sollen jederzeit auf jeder Bühne und vor jedem Publikum bestehen können. Nicht nur in einer einmaligen Prüfung, nach dem man das Gelernte getrost vergessen darf.

Tricks als Krückentechniken

Es geht deshalb niemals um „Tricks“ in meinen Kommunikationsseminaren. Solche „Krückentechniken“ versagen immer dann, wenn es ernst wird. Sie versagen auch, wenn etwas ein klein wenig anders läuft als geplant. Außerdem ist das Laufen mit einer Krücke nur selten elegant. Krückentechniken behindern Sie in Ihrem Wachstum. Sie lassen Sie auf Dauer nicht gut aussehen. Höchstleistungen sind so nicht möglich.

Tricks, die einem helfen sollen, wenn man das eigentlich erforderliche nicht tun mag, nenne ich Krückentechniken. Leider behindern Krückentechniken mehr als sie helfen.

Wir pfuschen nicht in meinen Seminaren. Sie beherrschen im Anschluss Methoden und Kniffe, die tatsächlich funktionieren, die wirken, die Sie sicher machen. Diese Methoden können auf  jede Situation – auch auf die ungeübte – übertragen werden. Schlussendlich trägt so gerüstet jeder „Auftritt“ zu Ihrem Erfolg bei! Hier einige Beispiele für Kniffe:

Sie brauchen eine Lösung für ein spezielles rhetorisches Problem? Sie finden hier im Blog und auch sonst keine Lösung? Dann melden Sie sich einfach bei mir zum Rhetorikchoaching. Auch stundenweise bin ich gern für Sie da. Eigentlich ist Rhetorik ganz leicht.

PS: Ich träume schon ewig davon irgendwann einmal einen Begriff oder eine Redewendung zu erfinden. Bislang ohne Erfolg. Selbst „Krückentechnik“ gibt es schon.

So gelingt die Einleitung Ihrer Rede

Moderne Rhetorik muss präzise, anschaulich und aufregend sein. Alles Langweilige wird nämlich von einer geballten Lawine aus Informationen und Unterhaltung verschlungen. Dies gilt in ganz besonderem Maß für die Einleitung. Die Einleitung Ihrer Rede gelingt nicht, wenn Sie ganz langsam Anlauf nehmen. Dafür ist keine Zeit.

Einleitungen müssen sehr schnell zum Punkt kommen

Noch niemals konnten sich Menschen so leicht ablenken wie heute. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt können wir auf sehr hochwertige Unterhaltung und Information zugreifen. Wir sind sehr ungeduldig geworden. Wenn ein YouTube-Video nicht innerhalb von nur fünf Sekunden gefällt, wird weitergeklickt. Mit den Newsfeeds von Twitter, Instagram und Facebook haben wir noch weniger Geduld.

Darum ist die Einleitung der kritischste Punkt der Rede. Die Einleitung gelingt, wenn wir unsere Zuhörer in den ersten Sekunden gewinnen. Es gibt keine meist keine zweite Chance. Wir müssen gleich mit den ersten Sätzen nicht nur die Aufmerksamkeit unserer Zuhörer, sondern auch ihr Wohlwollen zu gewinnen.

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.

Aristoteles

Gelungene Redeeinleitungen: Bauchklatscher, Arschbombe und Auerbachsalto

Erinnern Sie sich noch? Sommer im Freibad und die coolen Jungs springen vom drei Meter-Brett? Eine fette Arschbombe ist cool, aber Kreischen, Aufmerksamkeit und Nachfragen bekommen der gestreckte Auerbachsalto und der Bauchklatscher. Eben die Dinge, die ganz anders sind als alle anderen.

Genau so soll Ihre Einleitung sein. Sie wollen schließlich die ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit Ihres Publikums. Gestatten Sie es Ihren Zuhörern nicht, abzuschweifen. Machen Sie neugierig, rütteln Sie auf, erschrecken Sie sie von mir aus. Was auch immer Sie tun: Seien Sie um Himmelswillen interessant! Langeweile und das Übliche sind bei Todesstrafe verboten.

Aufgaben der Einleitung

Die Einleitung hat zwei wichtige Funktionen: Sie stellt den Kontakt zwischen Redner*in und den Zuhörern her und sie zeigt die Zielrichtung der Rede an. Eine gelungene Einleitung ist wie ein Wegweiser, ein nicht zu übersehender Hinweis: klar verständlich, eindeutig. Der Redeeinstieg sagt, worum es im Folgenden gehen wird. Er setzt den Rahmen, der es Ihren Zuhörern leichter machen wird, Ihre Rede zu verstehen. Er lädt die Zuhörer ein, Ihnen zu folgen.

Nehmen Sie nicht zu viel vorweg. Wer das Ergebnis vorweg nimmt und keinen weiteren Nutzen ankündigt, tötes jedes Interesse.

Die Einleitung hat also die folgenden Aufgaben

  • Das Thema vorstellen
  • Interesse wecken
  • die genaue Formulierung des Präsentationszieles
  • ggf Gäste oder besondere Teilnehmer begrüßen

1001 Nacht Möglichkeiten für gelungene Redeeinstiege

Natürlich können Sie immer mit derselben Form der Einleitung beginnen. Dann sind Sie sicher langweilig. Lassen Sie so etwas gar nicht zu. Es gibt schließlich 1001 Möglichkeiten für gelungene Einleitungen. Hier kommen die ersten elf:

Aktuelles Ereignis der letzten Tage

„Andrea Nahles Rücktritt vom Sonntag ist entweder ein Weckruf oder der Schwanengesang der SPD.“

Spektakuläre Fakten nennen

„Im letzten Jahr haben 20% der neugegründeten Unternehmen einen Gewinn von über einer Million DM erzielt. Erfahren Sie jetzt, wie es zu einer so erstaunlich hohen Leistung kommen konnte. Und was Sie von diesen Gründern lernen können.“

Zitat

„Mark Twain hat einmal gesagt: „Männer, die behaupten, sie seien die uneingeschränkten Herren im Haus, lügen auch bei anderen Gelegenheiten.“ Genauso verhält es sich mit Führungskräften, die heute noch so führen, wie man es vor 20 Jahren tat. In den nächsten zwanzig Minuten werden Sie jedoch erfahren, wie Sie in einem agilen Umfeld führen können, ohne die Kontrolle zu verlieren oder zu lügen.“

Definition

„Emanzipation bedeutet die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Mann. Die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit. Emanzipation bedeutet aber nicht, dass ….“

Eine Geschichte erzählen

Wenn es eine Geschichte gibt, die verdeutlicht, warum es sich lohnt Ihnen zuzuhören, her damit.

Persönliches Erlebnis

Als ich das erste Mal 30 Kilogram verloren habe, hätte ich niemals gedacht…

Unbekannte Zahlen

Jeder Dritte sucht seine Liebe im Internet.

Neues vorstellen

„Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, verehrtes Publikum, was die weißen Fahrräder bedeuten, die in Berlin an so vielen Kreuzungen stehen. An allen diesen Kreuzungen sind Radfahrer*innen tödlich verunglückt. In diesem Jahr waren es schon 9. Der Abbiegeassistent für schwere Lkw könnte pro Jahr 28 Radfahrern in Deutschland das Leben retten und in etwa 100 Fällen schwerste Verletzungen verhindern. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam überlegen, wie wir die Einführung des Abbiegeassistenten beschleunigen können.“

Provokante These

„Nach statistischen Schätzungen des deutschen Nachrichtendienstes ist etwa jeder zehnte Bundesbürger selbstmordgefährdet. Demnach sitzen auch hier unter uns mindestens 20 Selbstmordkandidaten.“

Rhetorische Frage

Tipp: Wenn Sie eine rhetorische Frage stellen, dann sollten Sie die Pause danach nicht zu lange machen und die Frage selbst beantworten, sonst bekommen Sie vielleicht eine schlagfertige Antwort aus dem Publikum, mit der Sie nicht gerechnet haben.

Frage stellen oder Problem aufwerfen

„Wenn Sie in den Bergen mit einem Auto unterwegs sind, können Sie dann hundertprozentig ausschließen, dass Ihnen ein anderes Auto entgegenkommt, mit Ihnen zusammenprallt und Sie den Abhang hinabstürzen? Nein – können Sie nicht, aber trotzdem fahren Sie ganz ruhig und vertrauen darauf, dass es nicht passiert. Wenn Sie eine Partnerschaft eingehen, können Sie dann hundertprozentig ausschließen, dass Ihr Partner Sie eines Tages einmal betrügt? Nein – können Sie nicht, und das führt dazu, dass Sie Ihrem Partner nicht vertrauen können, Zweifel und Ängste entwickeln und dadurch schließlich die Partnerschaft selbst zerstören.“

Humor oder lustige Geschichte

„Meine Damen und Herren, lassen Sie mich mit einer kurzen Geschichte beginnen: Ein betrunkener Mann sucht unter einer Laterne seinen Schlüssel. Da tritt ein vorbeikommender Passant hinzu und fragt den Mann: Was suchen Sie? Meinen Schlüssel, antwortet der Betrunkene. Daraufhin suchen beiden nach dem Schlüssel. Sie können ihn aber nicht finden. Da fragt der Passant: „Sind Sie denn sicher, dass Sie Ihren Schlüssel hier verloren haben? – Nein, da hinten, aber dort ist es zu dunkel.“ [Pause]
Vielleicht suchen wir aktuell auch an den falschen Stellen nach Einsparungsmöglichkeiten.“

Wann schreibt man die Einleitung?

Einleitungen dürfen in jedem Fall erst festgelegt und formuliert werden, wenn der Rest der Rede fertig ist. Der Redeeinstieg wird als letztes geplant. Sie schießen doch Ihre Pfeile auch nicht ab, bevor Sie Ihr Ziel im Visier haben. Je genauer man zielt, desto besser trifft man.

Wenn ich Reden überarbeite, bemerke ich die Verletzung dieses Gesetzes immer. Denn wenn die Einleitung geschrieben wird, bevor die ganze Rede steht, dann passt es nicht. Die Übereinstimmung zwischen beiden ist nicht groß genug.

Zuhörer wollen geführt werden. Wenn Sie feststellen dürfen, dass dies geschieht, sind sie begeistert. Sie vertrauen sich uns ganz an. Führt man sie dagegen in die Irre, schalten sie ab oder werden ungemütlich.

Heben Sie sich das tolle Zitat, das Sie unbedingt nutzen wollten, doch einfach für einen anderen Anlass auf – oder benutzen sie es im Hauptteil oder im Schluss. Wenn es da nicht hinpasst, dann wäre es auch in der Einleitung falsch gewesen.

Was gar nicht geht

  • Die Standardfloskeleinleitung: „Guten Tag meine Damen und Herren. Herzlich willkommen in der Y-Halle. Ich begrüße Sie zu unserem Fortbildungstag und zur Präsentation mit dem Thema …“
  • Auflegen einer Motivationsfolie
  • Umangreiche Selbstdarstellung ohne Nutzen für die Zuhörer*innen.
  • Im Folgenden werde ich. (NEIN – tun Sie es einfach!)

Weitere Tipps

Zum Auftritt

Ihre Rede beginnt in dem Moment, in dem man Sie als die Redner*in erkennt. Schon dann beginnt Ihr Publikum sich ein Urteil zu bilden. Der Weg zur Bühne oder das Einstellen des Beamers wird bereits beobachtet. Bitte zupfen Sie nicht an Ihrer Kleidung, Ihren Haaren oder im Gesicht herum.

Auswendig lernen

Oftmals ist es sehr sinnvoll, die ersten Sätze einer Präsentation auswendig zu lernen und wörtlich auf dem Stichwortmanuskript zu notieren. Letzteres gilt auch für den Schluss.

Weiterführende Artikel

Links oder Rechts!?

„Heben Sie jetzt bitte die rechte Hand…“ und dann hebt das Publikum die Linke. So kann es gehen. Der Redner macht es nämlich falsch – mit seiner eigenen rechten Hand – vor.

Da kann man sich dann schon mal wundern. Rechts? Links?

Alles, wozu Ihr Publikum eine Seitenangabe braucht, müssen Sie spiegelverkehrt ansagen. Das kann sehr anstrengend werden. Nutzen Sie doch einfach folgenden Kniff:

Bitte vertauschen Sie Ihr eigenes „Rechts“ und „Links“ bevor Sie auf die Bühne gehen. Stellen Sie sich dazu ein tätowiertes „L“ und „R“ auf Ihren Handrücken vor.

Wenn Sie das ein paar Mal geübt haben – es geht auch in privaten Gesprächen – wird Ihnen das Umschalten leicht fallen. Ich bin auf diese Art einige Wochen lang sehr sicher durch den englischen Linksverkehr gekommen. Nur linksherum durch den Kreisverkehr zu fahren blieb aufregend. Ich musste aber in Deutschland auch noch nie einen Kreisverkehr mehrfach umrunden…

Sie wenden doch jetzt nicht etwa ein: „Aber das passt doch nicht, wenn ich über meine Folien spreche!“? Dann würde ich Ihre Äußerung ignorieren. Ich würde zu Ihren Gunsten hoffen, dass Sie Ihrem Publikum niemals den Rücken zuwenden. Außerdem würde ich hoffen, dass Ihre Folien immer so eindeutig sind, dass sie solcher Erklärungen nicht bedürfen.

Wenn Sie einmal etwas nicht mit dem „Bühnen-Links“ / 
„Bühnen-Rechts“ ansagen müssen, dann machen Sie etwas falsch!

Spiegelverkehrt zu denken ist leider sehr anstrengend. Darum nochmals: Benennen Sie Ihre Hände einfach um, wenn Sie auf die Bühne treten. Die Tatoos dürfen auch leuchten, wenn Sie das möchten.

Fun Fact

Was wir abseits der Bühne – aus inhaltlichen Gründen – für links oder rechts halten, folgt bestimmten Konventionen. Tatsächlich folgt aus diesen Regeln, dass ein deutscher und ein französischer Gleiswärter denselben toten Hund gleichzeitig rechts und links der Bahn entdecken können. (Artikel folgt.)

Körpersprache und Wirkung

Körpersprache bildet unsere innersten Gedanken und Haltungen ab. Deshalb ist hat sie so eine große Wirkung. Deshalb ist es so schwer, sie zu steuern. Besser funktioniert es indirekt. Der einfachste Weg zu ausdrucksstarker Körpersprache: Sprechen Sie nur, wenn Sie vom Inhalt der Rede überzeugt sind.

Wir kommunizieren immer mit dem ganzen Körper. Es gibt keine Kommunikation ohne Körpersprache. Bei Langeweile z.B. zeigen wir keine großen Gesten. Im schlimmsten Fall sehen wir aus wie ein leerer Sack Mehl und bohren in der Nase. Wie es Paul Watzlawick schon sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Körpersprache ist in weiten Teilen universal gültig. Selbst von Geburt an blinde Sportler reissen beim Jubeln die Arme hoch. Glückliche Kinder hüpfen weltweit auf und ab.

Kongruente Körpersprache

Vor allem Ihre Körpersprache entscheidet darüber, ob man Ihnen glaubt und folgt. Denn das Publikum prüft ständig, ob Sie die Wahrheit sagen. Es tut das, indem der Inhalt der Rede damit „Wie es gesagt wurde“ verglichen wird. Ist beides nicht deckungsgleich (kongruent), dann wird die Botschaft verworfen. Deshalb ist es so wichtig, natürlich, echt und ungekünstelt zu wirken.

Aufregung als Problem

Sind wir sehr aufgeregt, durchdringt die Aufregung alles. Sie zeigt sich in Mimik Gestik, Haltung und Bewegung. Folglich stimmen Körpersprache und die Botschaft unserer Rede nicht überein. Versuchen Sie nicht, die Aufregung zu verdrängen. Sonst entstehen Übersprungshandlungen. Die Abweichung zwischen Inhalt und Körpersprache wird noch größer.

Übersprungshandlungen sind z.B. Kleidung bzw. Haare zu richten, sich zu kratzen, das Klicken mit dem Kugelschreiber, das Reiben der Nase. Das schlimmste, was ich je gesehen habe, war ein Redner, der auf dem Weg zum Pult noch seinen Slip richtete.

Es ist folglich sehr wichtig, die eigene Aufregung in den Griff zu bekommen. Wenn Sie sich wohlfühlen, wird Ihre Körpersprache zum Beweis Ihrer Redlichkeit.

Eine erregende Einstellung finden

Gute Körpersprache ist ausdrucksstark. Sie verstärkt Ihre Botschaft. Wenn Ihre Körpersprache wirken soll, brauchen Sie vor allem drei Dinge.

Sie brauchen:
1. entspannte Aufmerksamkeit (der Tiger vor dem Sprung)
2. eine klare Struktur und
3. eine Botschaft, die Sie mit Leidenschaft vertreten.

Auch Zahlen können sehr wohl Leidenschaft wecken. Es muss nicht immer die Begeisterung über die Werte an sich sein. Zahlen oder deren Ursprung müssen nur gut analysiert werden. Die Ergebnisse dieser Analyse sprechen immer eine klare Botschaft. Diese Botschaft können Sie dann voller Überzeugung vortragen.

Wenn Sie andere begeistern wollen, dann seien Sie einfach selbst begeistert. Sie wünschen sich größere Gesten? Sie möchten ausdrucksvoller sein? Ihre Körpersprache soll stärker wirken? Dann finden Sie bitte eine erregende Einstellung zur eigenen Botschaft. Der Rest kommt dann fast von allein.

Sich eine Ansicht zu eigen machen

Wenn Ihnen ein Thema eigentlich nicht liegt, müssen Sie daran arbeiten Sie müssen es zu Ihrem Thema machen. Sonst können Sie nicht überzeugend dazu sprechen.

Als Politikerin kenne ich diese Situation gut. Seltenst ist die Meinung der Partei identisch mit meiner. Also fragte ich mich, wo ich zustimme und worauf ich stolz bin. Es hilft auch, mich zu fragen, warum es zu dieser Entscheidung genommen ist. Vielleicht ist der kleine Schritt das maximal Erreichbare.

Mit aussreichend Arbeit kann man sich sehr viele Ansichten zu eigen machen. Es geht nicht darum zu lügen, sondern darum, tiefes Verständnis für die zu vertretende Position zu entwickeln. Wenn ich mit nichts übereinstimme, dann sollte ich die Rede nicht halten.***

Eindrucksvolle Körpersprache

Was lässt Sie glaubwürdig und eindrucksvoll wirken? Sprechen Sie über eigene Erlebnisse. Bringen Sie Beispiele. Werden Sie emotional. Viele denken dabei sofort an Schauspiel. Sie liegen damit nicht ganz falsch.

Method Acting

Redner können viel von Schauspielern lernen.

Schauspieler erwecken Worte zum Leben. Wir sollen in Filme eintauchen. Glauben, dass die Geschichte vor unseren Augen spielt. Wir sollen die Kunst vergessen. Das Spiel soll real wirken.*

Viele Schauspieler bauen auf das Stanislawski-System oder Method Acting. Sie nutzen persönliche Erlebnisse. Der Abruf dieser Erlebnisse gewährt Zugang zu den damit verbundenen Gefühlen. Die Gefühle werden gespeichert. Später können sie auf der Bühne benutzt werden, um die Rolle besser zu „spielen“.

Über Liebe sprechen ist leichter, wenn wir uns noch gut daran erinnern wie es war. An diesen Tagen am Meer. Mit ihm. Mit ihr.
Über Liebe zu sprechen ist leichter, wenn wir uns noch gut daran erinnern wie es war. An diesem Tag. Am Meer. Mit ihm. Mit ihr.

Die Methoden sind sehr wirksam. Das beweist eine lange Liste sehr erfolgreicher Schauspieler, die sich ihnen verschrieben haben: James Dean, Paul Newman, Al Pacino, Jane Fonda, Jack Nicholson. Daniel Day-Lewis gewann damit schon drei Mal den Oscar für die beste männliche Hauptrolle.

Wollen Sie Ihre Körpersprache direkt beeinflussen? Ohne Umweg über das Method Acting? Dann üben Sie bitte hundertfach. Danach sind die Bewegungen abrufbar. (Wenn Sie nicht von etwas überrascht werden.)

Blickkontakt

Sie wollen sympathisch wirken? Sie möchten glaubwürdig sein? Sie wollen zeigen, dass Sie kompetent sind? Dann ist der Blickkontakt Ihr Hebel. Ihr Blickkontakt soll ruhig, stet und direkt sein. Schauen Sie dazu entweder in das rechte oder das linke Auge. Nicht auf die Stirn oder auf die hintere Wand. Je intensiver Ihr Blickkontakt ist, um so mehr Autorität, Souveränität und Kompetenz schreibt man Ihnen zu.

Blickkontakt ist ein Autoritätssignal. „Ich sehe, was du tust.“ Demütig gesenkte Blicke haben statt dessen keine Autorität.

Aber warum macht Sie der Blickkontakt sympathisch?
Es ist recht einfach. Das Publikum möchte gesehen werden. Es will den Kontakt mit uns: intim und unmittelbar. Denn das unterscheidet Live von der Konserve. Kein Aspekt der Körpersprache, außer der Nennung eines Namens, sagt klarer „Du bist gemeint!“. Diese Zuwendung macht sympathisch.

Tipp: Sie wollen den Eindruck „Ich rede nur für Dich“ verstärken? Mit einem LAP-Dance personalisieren Sie Ihren Vortrag ganz leicht.

Im Gespräch halten nur die Zuhörer stets Blickkontakt. Der Sprecher muss das nicht. Denn es ist schwer Blickkontakt zu halten, während man spricht. Beim Denken z.B. schauen wir meist weg. Auch aus diesen Gründen würde ständiger Blickkontakt im Gespräch als „Anstarren“ gewertet.

Doch auch wenn Sie vor großen Gruppen reden, möchte jeder Zuhörer angeschaut werden. Darum gelten für Redner zwei Gesetze:

  1. Nie mehr reden ohne Blickkontakt.
  2. Jeden Blickkontakt so lange halten, bis Sie eine Rückmeldung bekommen.

Blickkontakt-Kniff: Cheerleader

Damit es leichter klappt, hier noch ein Kniff. Sprechen Sie, wenn Sie sich nicht wirklich gut fühlen nur zu Ihren Cheerleadern. Cheerleader sind die Zuhörer, die Ihnen zu verstehen geben, dass sie „ganz Ohr“ sind. Sie tun das durch Lächeln, intensiven Blickkontakt und ggf. Nicken. Die beschriebenen Signale sagen Ihnen deutlich: „Sprich weiter. Ich will mehr hören. Du machst das gut“ – Cheerleader halt.

Kniff: Blickkontakt für Fortgeschrittene

Sprechen Sie genau eine Phrase, einen kurzen Abschnitt zu jedem Zuhörer, mit dem Sie Blickkontakt halten. Wenn Sie durch sind, nicken Sie kurz. Warten Sie die Reaktion ab und gehen erst dann zum nächsten Zuhörer über. Dadurch wird Ihr Blickkontakt zu einem virtuellen Handschlag.

Dieser Kniff hilft Ihnen auch dabei, mehr und gute Pausen zu machen.

Wie man sich ausdrucksstarke Gesten aneignet, habe ich in einem Extraartikel beschrieben.

Haltung

Stehen und sitzen Sie aufrecht! Lassen Sie Ihr Brustbein strahlen!

Sich aufzurichten zahlt sich aus. Jeder einzelne Zentimeter Körpergröße ist bares Geld wert. Für Männer 0,65% Brutto monatlich.

Es ist darum nicht verwunderlich, dass bedeutende Könige schon sehr früh (Kyros II. – bereits in der Antike) „Groß“ genannt wurden. Auch eine unterdurchschnittliche Körpergröße (Alexander – um 1,50m, Katharina II. – keine 1,52m, Friedrich II. – 1,62m) war kein Hinderungsgrund. Einzig Karl der Große war mit – auf heute umgerechneten – 1,95m tatsächlich weit überdurchschnittlich groß.

Wir betrachten beeindruckende und hervorragende Leistungen nicht nur sprachlich als GROßartig.

Blasen Sie sich unbedingt „zu voller Ochsenfroschgröße“ auf, wenn Sie auf der Bühne sind. Versuchen sie nicht, sich zu verstecken. Zeigen Sie sich. Ich bin ja der Ansicht, dass mir mein Gewicht auf der Bühne hilft. (Helmut Kohl, 1,93m konnte Menschen erschrecken, einfach indem er einatmete.) Trotzdem empfehle ich Ihnen eine Gewichtszunahme nicht als Strategie. Weniger schlanke Menschen werden gern für dumm, faul und undiszipliniert gehalten.

Halten Sie sich lieber einfach besonders aufrecht. Gestikulieren Sie weit ausladend und expansiv. Das lässt Sie größer wirken. Besonders groß wirken Sie mit Gesten, bei denen die Hände bis auf die Höhe der Schultern kommen.

Freude und Triumph sind Gefühle, die sich nach oben orientieren. Sie richten uns auf. Deshalb wirken Gesten die nach oben führen auch so gut. Hängende Schultern machen unglücklich.

Marionetten-Übung

Sie wollen lernen sich gerade zu halten? Bitte stellen Sie sich vor, dass oben auf Ihrem Kopf ein Faden befestigt ist. An diesem Faden werden Sie marionettengleich nach oben gezogen, bis sich ganz aufrecht stehen. Bitte ziehen Sie die Schultern nicht gleichzeitig zu den Ohren hoch. Die Schultern bleiben unten.

Engels-Übung

Sie kennen Abbildungen des Erzengels Gabriel? Nein? Vielleicht ja doch. Er ist der mit den riesigen Flügeln. Flügeln, für die mindestens fünfzehn Gänse Ihr Leben lassen mussten.

Bitte stellen Sie sich vor, solche Flügel auf dem Rücken zu tragen. Gehen Sie danach durch ein Einkaufszentrum oder zur Kantine. Das Gewicht der Flügel zieht Ihre Schultern nach hinten. Sie müssen sich bewusst gerade halten und etwas langsamer gehen, um trotz des Luftwiderstands vorwärts zu kommen. Beim Gehen hören Sie ein leises „Wusch, Wusch, Wusch“.

Sie dürfen gern dabei lächeln und den Entgegenkommenden in die Augen schauen. Auch wenn man Ihnen sonst keinen Platz macht. Auch wenn Sie sonst oft ausweichen müssen. Während dieser Übung ist das anders, wenn Sie alles richtig machen.

Nougatkrokant-Übung

Sie sehen einen Türrahmen. Das ist ab sofort Ihr Signal. Denn oben im Türrahmen hängt etwas, das Sie unbedingt mit Ihrem Mund schnappen sollten. Ganz so wie Sie es am liebsten haben, handelt es sich dabei um ein Sück Nougatkrokant, ein Mettbrötchen mit Zwiebeln, ein Stück dunkle Schokolade. Von mir aus gern ein Bissen saftige, aromatische Melone. Schnappen Sie zu. Es wird Sie innerlich wie äußerlich aufrichten.

Nase-Nabel-Kontakt

Sie wollen Ihren Blickkontakt nun noch weiter intensivieren? Dann machen Sie ihn zum Nase-Nabel-Kontakt.

Die volle Zuwendung zum Publikum wird durch den N-N-Kontakt perfekt beschrieben. Wenden Sie dazu Ihre Nase der Nase eines Zuhörers zu. Richten Sie auch Ihren Nabel auf seinen hin aus. Die Verbindungslinien von Nase zu Nase und von Nabel zu Nabel verlaufen nun parallel. Ihre Hüfte steht senkrecht dazu. Zeigen Sie möglichst vielen diese intensive Form der Hinwendung. Der N-N-Kontakt ist absolut das Gegenteil des über-die-kalte-Schulter-blickens.

Gerade, wenn Sie nicht so groß sein sollten, ist der N-N-Kontakt wichtig für Sie.

Kniff

Setzen Sie den N-N-Kontakt bewusst ein. Immer. Bei allen Gesprächen und Auftritten. Ergänzen Sie Ihren Blickkontakt mit dem N-N-Kontakt. Es wird Ihnen schnell in Fleisch und Blut übergehen.

Intensiver Kontakt ist einer der stärksten Treiber für Ihre Ausstrahlung. Verzichten Sie deshalb niemals wieder darauf. In keiner Situation außer dem Konfliktgespräch.

Achten Sie darauf, wer in einer Gruppe den meisten N-N-Kontakt bekommt. Er oder sie ist der Führer der Gruppe. Wenn Sie eine Entscheidung erreichen wollen, müssen Sie ihn überzeugen.

Stand

Bitte wenden Sie sich Ihrem Publikum immer frontal zu. Ihr Brustbein zeigt in die Mitte des Publikums. Sie sollen gut zu sehen sein. Wenden Sie sich nicht ab. Stehen Sie nicht im Halbprofil. Es sei denn, es gibt einen guten Grund dafür.

Sie sollten nicht nur sehr aufrecht, sondern auch sicher stehen. Idealtypisch beschreibt man das so:

  1. Gewicht auf beiden Füßen
  2. Gewicht tendenziell mehr auf den Ballen als auf den Fersen
  3. Füße etwa hüftbreit auseinander
  4. einen Fuß zwei Finger breit vor dem anderen.

Männer dürfen etwas breiter stehen, aber dafür nicht viel schmaler werden. Frauen dagegen dürfen nicht viel breiter stehen. Verhalten sie sich anders, könnte es sein, dass das Publikum mehr über Ihre Geschlechtsidentität nachdenkt als über Ihr Thema.

Wimbledon-Übung

Wimbledon ist berühmt für seine Rasenplätze. Jedes Jahr beim großen Tennisturnier leidet der Rasen, weil er das intensive Spiel nicht gut verträgt.

Um zu spüren, wie sich ein richtig guter Stand anfühlt, machen Sie bitte die Wimbledon-Übung. Testen Sie ein Stück Rasen: Stehen Sie gerade und aufrecht. Unter Ihren Füßen liegt der Test-Rasen für Wimbledon. Trampeln Sie, treten Sie den Rasen mit aller Kraft. Lassen Sie auf einem etwa Din A3 großen Flecken (Zeichenblock) möglichst keinen Grashalm stehen. Benutzen Sie dabei erst den einen und dann auch den anderen Fuß. Verausgaben Sie sich.

Nun treten Sie locker einen Schritt zurück und verharren. Stehen Sie aufrecht. Spüren Sie Ihre Füße. Nehmen Sie die Verbindung zum Boden wahr. Wenn Sie intensiv genug „Getestet“ haben, wird Ihr Stand nun fast perfekt sein. Diesen Stand sollten Sie ab heute immer einnehmen, wenn Sie beginnen zu sprechen. Über den Sinn von Routinen schreibe ich hier. (folgt)

Haselnuss-Kniff

Ausstrahlung besteht aus Kontakt und Haltung. Nichts verbessert Ihre Präsenz mehr als eine gute Körperspannung. Daran können Sie ganz leicht und ganz bewusst arbeiten. Stellen Sie sich einfach vor, eine Haselnuss zwischen den Pobacken festzuhalten.

Sie kennen eine ähnliche Anweisung schon vom Sport. „Becken nach vorn. Bauch fest.“ Den zweiten Teil der Anweisung ignorieren Sie bitte. Ihre Bauchdecke soll nicht angespannt sein. Sie brauchen sie, um mit dem Zwerchfell zu atmen und für die Stimmresonanz.

Bewegung

Stand und Bewegung sind eng verknüpft. Mischen Sie beides trotzem nicht. Wenn Sie stehen, stehen Sie ruhig. Einen Standpunkt mus man vertreten. Wenn Sie sich bewegen, tun Sie es absichtsvoll.

Es gibt noch einen ganz anderen Aspekt. Wir sind Nachfahren von Jägern. Darum suchen wir den Horizont fortwährend nach Beute und Raubtieren ab. Wer das nicht tat, verschwand aus dem Genpool.Darum es uns zur zweiten Natur geworden. Und darum hält uns Bewegung auf der Bühne wach. Bewegungslosigkeit wirkt dagegen beruhigend und einschläfernd.

Bewegung ist gut. Zuschauer belohnen Energie und Abwechslung.

Wie bringt man beide Aspekte zusammen? Bewegung ist immer dann gut, wenn sie das Gesagte unterstreicht. Sie bringen ein neues Argument, dann wechseln Sie dazu den Platz. Sie sagen: „Es muss so bleiben“, dann bewegen Sie sich bitte nicht. Schwanken, Tänzeln oder Wippen am Platz ist nicht gut.

Ein Zuviel an Bewegung ist schlecht. Denn es lenkt ab.

Außerdem verlieren Sie so an Status. Warum das so ist, fragen Sie? Wichtige Menschen bewegen sich nur wenig. Statt dessen bewegen sich die anderen Gruppenmitglieder um das alpha-Tier herum oder darauf zu oder davon weg.

* Ja, Brecht sieht das anders.
*** Wenn Sie so gar keinen Weg finden können, sprechen Sie mich an. Es dauert meist nicht lang, Sie zu einem guten Botschafter zu machen. Ein Wechsel der Perspektive und die Wahl des richtigen Rahmens helfen erfahrungsgemäß sehr.

Es stört Sie doch nicht, wenn ich weiter ruhig bleibe?!

Schlagfertig mit Standardantworten

Gerade, wenn man gestresst ist und den Anderen einfach nur stoppen möchte, sind Standardsätze und Standardantworten die scharfen Säbel der Schlagfertigkeit. Mit Standardsätzen sind Sie schlagfertig ohne sich anzustrengen. Mit Standardsätzen weisen Sie den Anderen in die Schranken, ohne viel darüber nachdenken zu müssen. Bleiben Sie dabei einfach ruhig und gelassen. So können Sie die Situation deeskalieren, ohne inhaltlich nachzugeben oder das Gesicht zu verlieren.

Ängstlich zu sinnen und zu denken, was man hätte tun können, ist das Übelste, was man tun kann.

Georg Christoph Lichtenberg

Lassen Sie sich nicht ablenken. Machen Sie Ihrem Gegenüber klar, dass er Abstand halten soll, dass sein Verhalten nicht ok ist. Sparen Sie Ihre Energie und bleiben Sie beim Thema. Nutzen Sie Standardsätze.

Beispielsätze

  1. Es stört Sie hoffentlich nicht, wenn ich weiter ruhig bleibe.
  2. Es macht ihnen doch sicher nichts aus, wenn ich weiter sachlich bleibe.
  3. Sie sollten nicht von sich auf andere schließen.
  4. Sie gestatten sicher, dass ich weiter höflich bleibe.
  5. Ich bin bereit, trotz allem weiter konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten. Können sie sich das auch vorstellen?
  6. Für Sie ist es sicher in Ordnung, wenn ich mich weiter (konstruktiv) um eine Lösung bemühe?

Nehmen Sie sich einen der Beispielsätze und lernen Sie ihn auswendig. Versuchen Sie ihn eine Woche lang immer wieder anzuwenden. Dazu müssen Sie ihn nicht einmal laut aussprechen. Denken reicht. Danach steht er Ihnen auch im Ernstfall – schlagfertig – zur Verfügung.

Standardsätze sind nicht immer die allerbeste Lösung, aber immer ein guter Anfang. Schlagfertige Menschen suchen nicht nach 150-prozentig passenden Antworten . Es geht oft darum, überhaupt eine Antwort zu haben, die zu Ihnen passt. (Jemand mit meiner Größe und Ausstrahlung darf z.B. nicht „Das ist Ihr Horizont sagen„. Mit 1,52m ginge es vielleicht schon.) Darum erarbeiten wir im Seminar individuelle Standardantworten. Je besser Sie sich damit fühlen, desto eher werden Sie sie benutzen.

Buchen Sie mein Schlagfertigkeitstraining, um noch schlagfertiger zu werden und sich dabei wohl zu fühlen.