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Redevorbereitung Kniff

Fesselnde Einleitungen für Rede und Präsentation

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen. – Aristoteles
Wer die Zuhörer nicht in den ersten 10 Sekunden gewinnt, bekommt meist keine zweite Chance…

Gleich mit den ersten Sätzen der Redeeinleitung können Sie nicht nur die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer, sondern auch ihr Interesse und Vertrauen gewinnen.

Wenn Sie Ihre Rede wirklich interessant beginnen, dann verführen Sie Ihr Publikum. Sie zeigen ihm gleich von Anfang an Ihre besondere, Ihre einzigartige Sichtweise.

Früher durfte man beim Redeinstieg gaaaaanz langsam Anlauf nehmen. Dafür ist heute keine Zeit mehr. Wenn z.B. ein YouTube-Video nicht innerhalb von nur drei Sekunden gefällt, wird weitergeklickt. Kommen Sie daher unbedingt sofort zur Sache, fangen Sie ja nicht mit der Begrüßung an.

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.

Aristoteles

Gelungene Redeeinleitungen: Arschbombe, Auerbachsalto und Bauchklatscher

Erinnern Sie sich noch? Sommer im Freibad und die coolen Jungs springen vom drei Meter-Brett? Fette Arschbomben sind cool, aber am lautesten kreischen wir beim gestreckten Auerbachsalto und dem Bauchklatscher. Bei denen, die ganz anders sind als alle anderen. Besonders. Aufsehenerregend. Einzigartig.

Genauso könnte Ihre Redeeinleitung sein. Damit ist Ihnen die ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit Ihres Publikums sofort sicher. Gestatten Sie es Ihren Zuhörern nicht, abzuschweifen. Machen Sie neugierig, rütteln Sie auf, erschrecken Sie sie von mir aus. Was auch immer Sie tun: Seien Sie um Himmelswillen interessant! Langeweile und das Übliche sind bei Todesstrafe verboten.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, eine Rede zu beginnen. Hier sind 17 Anfänge für Ihre Rede.

1. Redeeinleitung: Stellen Sie sich vor

„Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Fahrrad einen steilen Berg hinauf. Es ist anstrengend, staubig und heiß. Der Asphalt schmilzt fast und sein stechender Geruch verursacht Ihnen Übelkeit. Sie verfluchen Ihr Vorhaben und dann fährt fröhlich pfeifend und beschwingt ein korpulenter Mann federleicht an Ihnen vorbei.“ Das Bildhafte, das Ansprechen aller fünf Sinne und das Erzählen im Präsenz ziehen Ihre Zuhörer unmittelbar in den Bann. Wenn die Geschichte passt, ist das eine großartige Einleitung.

2. Redeeinleitung: Spektakuläre Fakten nennen

„Im letzten Jahr haben 20% der neugegründeten Unternehmen einen Gewinn von über einer Million DM erzielt. Erfahren Sie jetzt, wie es zu einer so erstaunlich hohen Leistung kommen konnte. Und was Sie von diesen Gründern lernen können.“

3. Redeeinstieg: Aktuelles Ereignis

„Andrea Nahles Rücktritt vom Sonntag ist entweder ein Weckruf oder der Schwanengesang der SPD.“

4. Redeeinleitung: Zitat

„Mark Twain hat einmal gesagt: „Männer, die behaupten, sie seien die uneingeschränkten Herren im Haus, lügen auch bei anderen Gelegenheiten. Genauso verhält es sich mit Führungskräften, die heute noch so führen, wie man es vor 20 Jahren tat. In den nächsten zwanzig Minuten werden Sie jedoch erfahren, wie Sie in einem agilen Umfeld führen können, ohne die Kontrolle zu verlieren oder zu lügen.“

5. Redeeinleitung: Definition

„Emanzipation bedeutet die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Mann. Die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit. Emanzipation bedeutet aber nicht, dass ….“

6. Redeeinleitung: Eine Geschichte erzählen

Wenn es eine Geschichte gibt, die verdeutlicht, warum es sich lohnt Ihnen zuzuhören, her damit.

7. Redeeinleitung: Persönliches Erlebnis

„Als ich das erste Mal 30 Kilogram Körpergewicht verloren habe, hätte ich niemals gedacht…“

8. Redeeinleitung: Unbekannte Zahlen

„Jeder Dritte sucht seine Liebe im Internet…“

9. Redeeinleitung: Neues vorstellen

„Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, verehrtes Publikum, was die weißen Fahrräder bedeuten, die in Berlin an so vielen Kreuzungen stehen. An allen diesen Kreuzungen sind Radfahrer*innen tödlich verunglückt. In diesem Jahr waren es schon 9. Der Abbiegeassistent für schwere Lkw könnte pro Jahr 28 Radfahrern in Deutschland das Leben retten und in etwa 100 Fällen schwerste Verletzungen verhindern. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam überlegen, wie wir die Einführung des Abbiegeassistenten beschleunigen können.“

10. Redeeinleitung: Provokante These

„Nach Schätzung des deutschen Nachrichtendienstes ist etwa jeder zehnte Bundesbürger selbstmordgefährdet. Demnach sitzen auch hier unter uns mindestens 5 Selbstmordkandidaten.“

11. Redeeinleitung: Eine Frage stellen

Fragen Sie konkrete Details ab und formulieren Sie nicht zu allgemein. So erhalten Sie mehr Antworten. „Wer hat XXX?“ ist deutlich besser als „Hat irgendjemand XXX?“. Genauso erhält „Wann haben Sie das letzte Mail XXX?“ mehr Antworten als „Haben Sie schon jemals XXX?“

Tipp: Wenn Sie eine Frage stellen, dann muss die darauf folgende Pause lang genug für die (mindestens gedankliche) Beantwortung sein. Achten Sie in jedem Fall darauf, körpersprachlich zum Ausdruck zu bringen, dass Sie wirklich auf Antworten hoffen. Wenn Sie sich eine Beantwortung per Handzeichen wünschen, vergessen Sie nicht, mit der Frage selbst auch die Hand zu heben.

12. Redeeinleitung: Problem aufwerfen

„Wenn Sie mit Ihrem Bankberater über Ihre Anlagen sprechen, können sie dann hundertprozentig ausschließen, dass seine Empfehlungen weniger von den Vorgaben seiner Vorgesetzten und seinen Provisionsregeln abhängen als vom Erfolg Ihres Depots? Nein – können Sie nicht. Wenn Sie aber nicht ausschließen können, dass seine Beratung mehr ihm als Ihnen dient, was können Sie dann tun, um den Erfolg Ihres Depots zu sichern?“

13. Redeeinleitung: Humor oder lustige Geschichte

„Ein betrunkener Mann sucht unter einer Laterne seinen Schlüssel. Da tritt ein vorbeikommender Passant hinzu und fragt den Mann: „Was suchen Sie?“ „Meinen Schlüssel“, antwortet der Betrunkene. Nachdem beide einige Zeit ohne Erfolg suchen, fragt der Passant: „Sind Sie denn sicher, dass Sie Ihren Schlüssel hier verloren haben?“ – „Nein, da hinten, aber dort ist es zu dunkel.“ [Pause]
Vielleicht suchen wir aktuell auch an den falschen Stellen nach die Einsparungsmöglichkeiten.“

Der Redeeinstieg mit Humor ist schwierig, aber großartig, wenn er gelingt.

14. Redeeinleitung: Kompliment

„Großartig. Einfach großartig. Ihr seid großartig! Danke, dass Ihr heute hier seid, um endlich dafür zu sorgen….“ Gut gemacht ist das ein hammerstarker Einstieg. Er erfordert Mut – aber dieser Mut wird belohnt, wenn Sie es ernstmeinen. Eine ganz klassische Einleitung, die captatio benevolentiae, aber sehr modern gefasst.

15. Redeeinleitung: Song(texte)

Zitieren oder singen Sie den Anfang eines bekannten Songs. Zweiteres braucht mehr Mut, macht Sie aber unvergesslich.

16. Redeeinleitung: Anknüpfen an den Moment

Bereiten Sie immer eine Redeeinleitung (anhand der dargestellten Methoden) vor. Wenn es sich aber ergibt, dann improvisieren Sie: „Birgit hat gerade zurecht gesagt, XXX. Ich finde, wir sollten noch einen Schritt weitergehen.“ oder so: „So abrupt, wie eben die Gläser zerschellt sind, so abrupt enden manche Geschäftsbeziehungen. Heute möchte ich Ihnen zeigen, was Sie dafür tun können Ihre Kunden zu behalten“

17. Redeeinleitung: Demonstration

Wenn Sie etwas vorführen können, einen Trick, ein Experiment, dann tun Sie das unbedingt. Es wird viel zu selten gemacht. Meine liebste Einleitung: Das Verbrennen/Zerreissen eines Geldscheins. Da stockt (fast) jedem der Atem. Kaum jemals ist die Aufmerksamkeit so groß wie in diesem Moment.

Demonstrationsobjekte wirken übrigens online immernoch eindrucksvoller. Wichtig ist, dass Sie das Objekt ausreichend lang zeigen, so dass es auch jeder wahrnehmen kann.

Aufgaben der Redeinleitung

Die Einleitung hat vor allem zwei wichtige Funktionen: Sie gibt dem Publikum Gelegenheit, sich an die Redner*in zu gewöhnen, und das Kommende einzuordnen. Eine gelungene Einleitung ist wie ein Wegweiser, ein nicht zu übersehendes Hinweisschild: klar verständlich, eindeutig, aufsehenerregend. Der Redeeinstieg setzt den Rahmen. Damit wird es für Ihre Zuhörer:innen leichter, Ihre Rede zu verstehen.

Nehmen Sie nicht zu viel vorweg. Wer das Ergebnis vorweg nimmt und keinen weiteren Nutzen ankündigt, tötes jedes Interesse.*

Der Redeeinstieg hat die folgenden Aufgaben

  • mit der Redner*in vertraut zu machen
  • das Thema vorzustellen
  • Interesse zu wecken
  • die Festlegung des Ziels der Rede

Wann legt man den Redeeinstieg fest?

Redeeinstiege dürfen in jedem Fall erst formuliert werden, wenn der Rest der Rede fertig ist. Die Einleitung sollte letztes festgelegt werden. Sie würden doch auch niemals einen Pfeil abschießen, bevor Sie Ihr Ziel ganz genau im Visier haben. Je genauer man zielt, desto besser trifft man.

Wenn ich Reden überarbeite, bemerke ich die Verletzung dieses Gesetzes immer. Denn wenn die Einleitung geschrieben wird, bevor die ganze Rede steht, dann passt es nicht. Die Übereinstimmung zwischen Redeziel und Redeeinleitung ist nicht groß genug, der Übergang nicht zwingend.

Zuhörer wollen geführt werden. Wenn Sie z.B. durch eine gelungene Einleitung feststellen dürfen, dass dies geschieht, sind sie begeistert. Sie vertrauen sich uns dann ganz an. Führt man sie dagegen in die Irre oder zu locker, schalten sie ab oder werden ungemütlich.

Heben Sie sich darum das tolle Zitat, das Sie unbedingt nutzen wollten, doch einfach für einen anderen Anlass auf – oder benutzen sie es im Hauptteil oder im Schluss. Wenn es da nicht hinpasst, dann wäre es auch in der Einleitung falsch gewesen.

Redeeinstiege aus Unfähigkeitstan – was gar nicht geht

  • Die Standardfloskeleinleitung: „Guten Tag meine Damen und Herren. Herzlich willkommen in der Y-Halle. Schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Ich begrüße Sie zu unserem Fortbildungstag und zur Präsentation mit dem Thema …“ Etwas zu sagen, was allgemein bekannt ist, langweilt ungemein.
  • Auflegen einer „Motivations“folie – Wer so etwas benutzt, weiss nichts über Motivation.
  • Umfangreiche Selbstdarstellung ohne Nutzen für die Zuhörer*innen. Lassen Sie sich vorstellen, wenn es erforderlich ist.
  • „Im Folgenden werde ich…“ (NEIN! – tun Sie es einfach!)

Weitere Tipps

Zum Auftritt

Ihre Rede beginnt in dem Moment, in dem man Sie als die Redner*in erkennt. Schon dann beginnt Ihr Publikum sich ein Urteil zu bilden. Der Weg zur Bühne oder das Einstellen des Beamers wird bereits beobachtet. Bitte zupfen Sie nicht an Ihrer Kleidung, Ihren Haaren oder im Gesicht herum.

Auswendig lernen

Um sich sicherer zu fühlen, könnten Sie die ersten Sätze der Einleitung Ihrer Rede oder Präsentation auswendig lernen. Das gilt übrigens auch für den Schluss.

Weiterführende Artikel

*Das gilt nicht für Reden vor Entscheidern und beim Pitch. Diese werden anders aufgebaut. Hier muss man noch schneller zum Punkt kommen.

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