Ruhe! – so glückt der Redeeinstieg

Redeeinstieg mit voller Aufmerksamkeit

Sie brauchen zum Redeeinstieg unbedingt die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Es gibt keine zweite Chance dafür. Darum dürfen Sie nicht versuchen gegen den Lärm des Publikums anzusprechen. Selbst mit Mikrophon wird Ihre Einleitung sonst nicht ausreichend gewürdigt. Warten Sie darauf, dass Ruhe einkehrt. Entschleunigen Sie. Dann glückt der Redeeinstieg.

Heute müssen sich Redner*innen von Beginn an gegen die ständige Konkurrenz der Smartphones durchsetzen. Emails, die Twitter-Timeline und Newsfeeds lauern immer im Hintergrund. Nicht zu vergessen die Schönheiten von Instagramm.

Um in dieser Flut von Ablenkungen nicht unterzugehen, muss man heute viel anders machen als früher. Dies gilt in ganz besonderem Maß für den Redeeinstieg.

Der einfach Kniff für den gelungenen Beginn Ihrer Präsentation: Sprechen Sie erst, wenn das Publikum ruhig geworden ist. Geben Sie dem Publikum Zeit, Sie wahrzunehmen. Aufmerksam zu werden. Zuzuhören. Bauen Sie Spannung auf.

So machen Sie den Redeeinstieg richtig

Bis das Publikum wirklich ruhig ist, folgen Sie einfach diesen Anweisungen:.

  1. Stellen Sie sich sehr aufrecht in die Mitte der „Bühne“.
  2. Beschäftigen Sie sich mit nichts anderem – nur mit dem Warten darauf, dass endlich Ruhe einkehrt.
  3. Schweigen Sie.
  4. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  5. Warten Sie genüsslich ab.
  6. Schauen Sie in die Ecken, in denen noch Unruhe herrscht.
  7. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  8. Schweigen Sie.
  9. Warten Sie genüsslich ab.

Es wird von ganz allein ruhig werden. Damit bekommt Ihr Redeeinstieg die nötige Aufmerksamkeit. Man wird Ihren ersten Worten gespannt lauschen. Mit einer gelungenen Einleitung können Sie danach die Aufmerksamkeit Ihres Publikums binden.

Achtung: Dies ist keine Disziplinarmaßnahme. Wenn es ruhig genug geworden ist, beginnen Sie mit Ihrer Präsentation. Warten Sie nicht auf den allerletzten Zuhörer.

Gelinggarantie

Vermeiden Sie den Eindruck, beschäftigt zu sein. Warten Sie einfach (vielleicht sogar etwas arrogant) ab, bis sich der „Plebs“ beruhigt hat. Das ist die Gelinggarantie für einen wirkungsvollen Redeeinstieg. Sie wollen es besonders gut machen? Dann warten Sie – nachdem Ruhe eingekehrt ist – noch eine Millisekunde ab, bevor sie sprechen. Lassen Sie das Publikum warten. Das kehrt die Dynamik um.

Viele Redner lassen sich vom Publikum treiben. Das mindert deren Präsenz. Je souveräner Sie mit Ihrer Zeit umgehen, desto präsenter werden Sie wirken. Seien Sie gegenwärtig (präsent) und eilen Sie nicht voraus.

Wie kam ich dazu, diese Form des Redeeinstiegs zu entwickeln?

Vor vielen, vielen Jahren stehe ich das erste Mal vor mehr als 120 aufgeregten, lauten Oberstufenschülern. Ein schwieriges Publikum. Ich habe kein Mikrophon. Was ich sagen muss, ist wichtig für das Gelingen der Veranstaltung. Denn werde ich nicht gehört, wird es das totale Chaos entstehen. Weil ich weiß, dass ich diese vielen Menschen niemals werde übertönen können, warte ich darum (scheinbar) ruhig ab. Und es wirkt wie nichts anders zuvor. Die Schüler sind tatsächlich alle ruhig, als ich beginne zu sprechen. Die letzten werden von ihren Nachbarn per Ellenbogencheck zum Zuhören aufgefordert. Die Veranstaltung kann wie erhofft ablaufen.

Damals blieb mir nichts anderes übrig. Die Methode hat seitdem IMMER funktioniert und lässt alle, die sie anwenden, herrlich souverän wirken.

Auch in Meetings und auch bei Wortbeiträgen sollten Sie niemals sprechen, bevor Sie nicht ausreichende Aufmerksamkeit erhalten. Die Stille, die durch Ihr Abwarten entsteht, ist lauter als alles andere, das Sie tun könnten.

Im Rhetorik-Bootcamp üben wir diesen und andere Kniffe, damit Sie sich sicher fühlen und souverän wirken.

Bewusstes Lernen – das Topgun-Prinzip

Bewusstes Lernen verspricht: Mit entsprechendem Einsatz und guter Anleitung kann jeder alles lernen. Durch Bewusstes Lernen kann jeder und jede ein wirklich guter Redner werden.

Oft ist schon weitaus mehr Können vorhanden, als Sie sich vorstellen können. Sie sind kein Anfänger – auch wenn Sie es glauben. Sprechen sie nicht jeden Tag – und regemäßig – mehr zu anderen als zu sich selbst?

Wieder einmal höre ich „Ich habe halt kein Talent“ und möchte weinen. Wie so oft ist es der letzte Satz einer kleinen Ansprache, in der mir erklärt wird, „Ich kann einfach nicht reden. Ich bin zu doof dafür.“ Dabei ist die Mini-Rede rhetorisch gut durchdacht und strukturiert. Sie wird flüssig und mit Nachdruck vorgetragen. Mimik und Gestik sind passend und ausdrucksstark, die Gedanken sind klar formuliert und scheinbar schlüssig.

Ich denke während der gelungenen Rede nur an all die Möglichkeiten, die mein Gegenüber verpasst hat, weil er diesem dummen Aberglauben aufgesessen ist.

Wenn Sie besser wissen wollen, wie gut Sie aktuell reden – holen Sie sich Feedback.

Talent wird überschätzt

K. Anders Ericsson, der weltweit wichtigste Forscher zum Thema Exzellenz*, sagt sogar: „Talent existiert nicht“. Ob man das glaubt oder nicht, ist egal. Schon ein einzelnes Rhetorik-Seminar kann viel bewirken.

Wieso sind manche so beneidenswert gut in dem was sie tun? Wieso gibt es auf jedem Gebiet Könner, Experten und Menschen, die ein maximal mittleres Leistungsplateau erreichen und dann nicht darüber hinaus kommen (können)? Ericssons Antwort ist erst einmal ganz einfach: „Meisterliche Leistungen entstehen durch Bewusstes Lernen“.

Ericsson selbst benutzt die Worte „Deliberate Practice“. Sie wurden mit „Bewusstes Lernen“ übersetzt. Eigentlich müsste es „Tun“ heissen, weil es tatsächlich mindestens so viel ums Tun geht wie ums Begreifen.

Ein ganz wesentlicher Teil des Bewussten Lernens besteht aus Lernen von den Besten. Dieser Teil der Methode ist nicht bahnbrechend neu. Bewusstes Lernen legt aber detailliert fest, wie und mit welchem Ziel dies geschieht.

Ziel ist nicht die einfache Nachahmung der Besten. Ziel des Bewussten Lernens ist statt dessen die Verinnerlichung von sogenannten Mental Representations.

Mental Representations

Bewusstes Lernen soll dazu führen, dass der Übende eine genaue Vorstellung davon hat, wie „es richtig geht“. Er soll sich zukünftig mit Übungen und Methoden diesen Idealvorstellungen Schritt für Schritt annähern. Das gilt nicht nur für das Ganze, sondern genauso für einzelne Details

„Mental representations“ sind Einstellungen, Verhaltensmuster, und Zielvorstellungen, die man Experten abschaut und verinnerlicht. Sie können auch neu entwickelt werden. Lernwillige und Expert*innen richten danach ihre Übungen und ihr tägliches Tun aus.

Nutzen von Mental Representations

Der Nutzen ist ganz einfach erklärt: Je besser Mental  Representations verinnerlicht werden, desto gezielter kann man das eigene Handeln darauf ausrichten und eine Abweichung vom Ideal korrigieren. Man fährt beinahe auf Autopilot. Je besser die Mental Representations sind, desto eher kann auch in neuen Situationen adäquat reagiert werden. Neue Situationen zerlegen sich quasi automatisch in Sequenzen, von denen dann ein großer Teil mit den vorhandenen Mental Representations bewältigt werden kann. Je mehr und je detailliertere Mental Representations zur Verfügung stehen, desto schneller und passender werden die Reaktionen ausfallen.

Michael Phelps

Bestes Beispiel für diese Form des Vorgehen ist der US-amerikanischen Schwimmers Michael Phelps. Bei seinem Weltrekord und Olympiasieg 2008 über die 200 Meter Schmetterling musste er die letzten 100 Meter blind schwimmen, weil sich seine Schwimmbrille mit Wasser füllte. Alle Schwimmer fürchten diese Situation. Doch die wenigsten gehen das Problem an. Phelps dagegen hatte Methoden für den Umgang mit solchen Situationen entwickelt und derart verinnerlich, dass er den Rekord trotzdem noch schwimmen konnte.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Htw780vHH0o

Phelps, bereitete sich durch Schwimmen mit einer geschwärzten Schwimmbrille, Zählen seiner Schwimmzüge und Imagination der Situation vor. Er war damit exzellent gerüstet. Die sechste von acht Goldemdallien bei dieser Olympiade erreichte er so nicht ganz mit der geplanten Zeit. Aber selbst Franziska van Almsick, die das Rennen kommentierte, machte keinen Unterschied in seinem Schwimmstil aus.

Wie wird Bewusstes Lernen angewendet?

Bewusstes Lernen ist extrem strukturiert, anstrengend und permanent auf Verbesserung der Leistungsfähigkeit ausgerichtet.** Die Zusammenarbeit mit mir ist fordernd. Mein Feedback zeichnet sich durch Klarheit und Ehrlichkeit aus. Es gibt immer noch einen Tipp, mit dem Sie noch besser wirken können. In dieser Kombination machen Sie die schnellsten Fortschritte. Das ist das Topgun-Prinzip

Die beste Version von uns selbst

Bewusstes Lernen schult Methoden und spezifische (Teil-)fertigkeiten, legt exakt fest, was genau zu welchem Zweck geübt wird. Stetes Nachjustieren passt die Übungen an den Fortschritt an. So entsteht ein koninuierlicher Prozess. Was nicht zu einer Leistungsverbesserung führt, wird aufgegeben und durch Neues ersetzt. Veränderung wird nur erreicht, wenn spezifische Reize gesetzt und regelmäßig Feedback zum Fortschritt eingeholt wird.

Ich bin fest davon überzeugt und habe es auch schon oft miterlebt, dass wirklich jeder gut zu reden lernen kann. Möglich ist es Dank des Prinzips des bewussten Lernens. Der Aufwand hängt ausschließlich von Ihrem Einsatz ab. Ein der besten Redner, die ich je begleiten durfte, war ein extremer Stotterer. Viele waren nur unsicher und die meisten wussten vorher nicht, was Sie tun sollten. Aber dafür bin ich da.

Adressatenorientiert durch LAP-DANCE

Wirklich adressatenorientiert zu präsentieren macht sympathisch. Es verstärkt die Verbindung des Publikums zu uns. Und es vervielfältigt dessen Bereitschaft, sich von uns überzeugen zu lassen.

Bitte stellen Sie darum immer (wieder) das Publikum in den Mittelpunkt Ihrer Präsentation. Hörbar. Adressatenorientiert zu sprechen heißt nicht nur, die richtigen Argumente wirkungsvoll zu präsentieren. Zuhörern muss auffallen, dass ein Vortrag für sie ganz persönlich gehalten wird. Darum sollte jeder Vortrag erkennbar individualisiert werden.

Eine simple aber nicht vorherplanbare Methode ist es, in der Präsentation auf Dinge einzugehen, die kurz zuvor passiert sind. Weisen Sie auf etwas hin, dass das Publikum und Sie gemeinsam erlebt haben. Sie können z.B. auf die Vorreden Bezug nehmen.

Standardreden zu einer adressatenorientierten Rede zu machen kann aber vorbereitet werden. Kommen Sie Ihrem Publikum aufreizend nahe mit einem LAP-DANCE.

Die Zauberformel LAP-DANCE übersetzt sich in: Lokalisierung, Aktualisierung und Personalisierung.

Adressatenorientierung durch Lokalisierung

Unter Lokalisierung versteht man das Herstellen eines regionalen Bezugs. Erwähnen Sie den Ort, an dem Sie sprechen.  „In diesem Saal…“, „In hunderten Räumen, die genauso aussehen wie dieser hier, jede Woche…“. Sagen Sie nicht „in Bogenhausen“, sondern „nur 3 km von hier, in Bogenhausen“. Oder sagen Sie „Herzlich willkommen in Bayreuth. Wer Bayreuth denkt, denkt Wagner. So wie Wagner die Musik revolutionierte, so wird KI …“. Es geht dabei nicht um Nähe, sondern um den Bezug zum Ort, an dem Sie sich befinden.

Unter Lokalisierung fällt übrigens auch, dass Sie die richtigen Metaphern nutzen. Am Meer sprechen Sie vielleicht über Schiffe, die in den Hafen einlaufen. In den Bergen würden Sie über Wanderer sprechen, die die schützende Hütte erreichen. Machen Sie es den Gehirnen Ihrer Zuhörer leicht, bei Ihnen zu bleiben. Adressatenorientierung betrifft jeden Punkt Ihrer Rede. Ich habe deshalb eine Checkliste zur Adressatenorientierung geschrieben.

„Wir in Deutschland…“ ist keine Lokalisierung sondern ein Appell an das Gemeinschaftsgefühl, die Gruppenzugehörigkeit vielleicht auch eine Versuch das Prinzip der sozialen Bewährtheit zu nutzen. Um durch Lokalisierung adressatenorientiert zu sprechen, müssen Sie näher ran.

Aktualisierung

Auch die Aktualisierung stellt einen Bezug zwischen Ihrem Thema und dem Publikum her. Die Aktualisierung bezieht den Zeitpunkt der Rede auf ein anderes, zum Redethema passendes Ereignis. „Jetzt, um zwölf Uhr wird in Brüssel entschieden…“ „Erst gestern…“ „Heute beim Frühstück…“ „Wenn morgen…“ „In der Türkei passiert gerade das Gleiche…“ So sagen Sie: „wir sitzen alle in einem Boot“. „Dieses Thema ist jetzt aktuell.“ Sie machen so außerdem klar, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind. So wird aus einer Standardrede eine aktuelle, adressatenorientierte. Zusätzlich können Sie so leicht den Zusammenhang zwischen Ihrer Präsentation und einem anderen, für Ihr Ziel günstigen Ereignis herstellen

Personalisierung

Werden Sie persönlich! Bei der adressatenorientierten Personalisierung geht es darum, die Zuhörer bei der Begrüßung und gern auch mitten in der Präsentation direkt anzusprechen. Dabei nennen Sie entweder einzelne, beliebte und bekannte Gruppenmitglieder oder Gruppierungen oder die Gruppe als Ganzes: „Sie selbst, Frau…“, „Ihr, als Gewerkschaftsführer und Gewerkschaftsführerinnen…“, „Echte Aficionados wie Sie…“.

Wenn Sie keine eigenen Erlebnisse erzählen, erzählen Sie die Geschichten Ihrer Zuhörer. Solange Sie sich nicht zur Anonymität verpflichtet fühlen, sagen Sie wer die Geschichte erlebt hat und zeigen Sie wo diese Person im Publikum sitzt.

Nicht jede Begrüßung ist gleich eine Personalisierung. Lieblos vorgetragene Namen und Gruppenbezeichnungen reichen nicht aus! Werden Sie statt dessen kreativ! Ihre IT hat sicher nichts dagegen, „Heimliche Herrscher über die Arbeitplätze“ genannt zu werden.

Dieser kleine kleine Kniff hebt Ihre Präsentation von allen anderen ab.

Standardpräsentationen adressatenorientiert aufpeppen

Nutzen Sie diese drei Methoden um Ihre Reden und Präsentationen aufzupeppen. Wahlkampfreden z.B. wären anders gar nicht zu bewältigen.

In der Geschäftswelt sind diese Techniken noch viel zu wenig bekannt. Sie sollten sie ruhig auch bei Präsentationen nutzen, die nur einmal gehalten werden. Denn Salz gehört schließlich auch an jedes Gericht inklusive Margaritas.

Im der Rhetorik-Masterclass vermittle ich noch weitere solcher arbeitserleichternden und wirksamen Techniken.

*Alterozentriert: Das Gegenüber in den Mittelpunkt stellen

Adressatenorientierung

Adressatenorientierung fesselt das Publikum

Unter Adressatenorientierung verstehen die meisten lediglich die Fragen: „Wer sind meine Adressaten?“ „An wen richtet sich meine Rede*?“ Schon die nächsten, wichtigen Fragen werden oft nicht mehr gestellt.

  • Was interessiert meine Zuhörer*innen?
  • Was weiß mein Publikum schon?
  • Welche Informationen muss ich ihm geben, damit es mein Anliegen versteht?
  • Welche Sprache gefällt meinen Zuhörern. Welche Sprache verstehen meine Zuhörer*innen?

Wirklich adressatenorientiertes Reden aber geht viel weiter. Haben Sie schon daran gedacht, dass eine Präsentation um 10 Uhr eventuell ganz anders sein muss als eine um 20 Uhr? (…wenn alle gerade gegessen haben?)

Eine adressatenorientierte Rede berücksichtigt was das Publikum mag, wie das Publikum tickt und wonach das Publikum sich sehnt. Nur wirklich adressatenorientierte Reden erreichen ihr Ziel. Je genauer Sie Ihr Publikum ergründen, desto besser wird das Gesagte ankommen. Denn dann finden Sie z.B. Metaphern und Vergleiche, die wirken. Emotionale Trigger funktionieren nur, wenn sie sich wie Messer ins Zentrum des Erlebens bohren.

Adressatenorientierung unterwirft

Adressatenorientierung unterwirft jeden Aspekt der Präsentation einer Prüfung. Jede Gruppe hat ihre eigenen (Denk-) Gewohnheiten, Eigenheiten und Einstellungen. Für eine wirklich adressatenorientierte Präsentation sollte der Fokus sehr weit gewählt werden. Nur so entgeht Ihnen nichts. Wenn z.B. das Datum Ihrer Präsentation für Ihre Zuhörer ein besonderes ist, sollten Sie das wissen. Hier noch ein paar Beispiele für Klippen bei der Adressatenorientierung:

  • Wer Campingurlaub macht, hat beim Thema Service ganz andere Assoziationen als ein Besucher der Robinson Clubs.
  • Deutschland ist weltberühmt für seine Autos. Trotzdem ist Neuwagengeruch bei Deutschen unter 40 kein emotionaler Trigger mehr. (Fun Fact: Viele Kinder wissen nicht mehr, was ein „Telefonhörer“ ist.)
  • Derselbe Sachverhalt bekommt beim Vorstand vielleicht nur drei, in der Fachabteilungsrunde aber 15 oder sogar 45 Minuten. Der Vorstand möchte nur die Essenz präsentiert bekommen, die Fachabteilung muss grundlegend informiert werden.
  • Fußballmetaphern sind in Deutschland für (fast) jeden verständlich. Sie werden hochgeschätzt. Das kann in einem Schachclub aber trotzdem ganz anders sein.

Ihr Publikum hat eine Archillesferse. Aber wo?

Ihre Präsentation kommt an, wenn Sie Ihr Pulikum an seinen empfindlichen Stellen treffen. Hagen konnte Siegfried nur töten, weil er wusste, wo das Lindenblatt die Benetzung mit Drachenblut verhindert hatte.

Nehmen Sie Ihr Publikum mit all seinen Eigenschaften richtig unter die Lupe. Richten Sie ein Brennglas auf seine Eigenheiten. Wenn Sie den richtigen Hebelpunkt finden, sind wirkliche Veränderungen erreichbar.

Ist Ihnen z.B. bewusst, dass jede Alterskohorte durch ganz bestimmte Probleme geprägt wird? Die Babyboomer hatten immer damit zu kämpfen, dass es zu viele von ihnen gab. Die Generation Einzelkind lernt so etwas jetzt erst kennen. Denn sie findet für ihre Kinder keine Kindergartenplätze. Entdecken Sie solche Lindenblätter in den Lebensumständen Ihres Publikums. Es wird diese Adressatenorientierung als selbstverständlich empfinden, sie vielleicht gar nicht bemerken. Ihr Dank ist seine Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen.

Entdecken Sie Haltungen und Einstellungen Ihres Publikums. mithilfe der Checkliste Adressatenorientierung

Selbst Standardreden können adressatenorientiert gehalten werden. Recht schnell geht das mit einem LAP-DANCE mit Lokalisierung, Aktualisierung, Personalisierung.

*Das Gesagte gilt ebenso für Texte und Gespräche. Je genauer Sie Ihre Leser, Gesprächspartner und Zuhöre kennen, desto leicher wird es Ihnen fallen, Sie zu überzeugen.
Für Reden, die ein Publikum zweiten Grades erreichen, kann (zusätzlich) etwas ganz anderes gelten.

Soundbites vergrößern Ihr Publikum

Die Welt wird mit Soundbites erreicht

Soundbites tragen Ihre Reden weiter als jedes Mikrophon. Früher erkannte man sein Publikum daran, dass es vor einem saß. Heute ist das anders. Es gibt ein Publikum zweiten Grades  und – wenn es richtig gut oder richtig schlecht läuft – dritten Grades.

Mit Twitter, Livestreams, Videoaufzeichnungen, Facebook, Instagram etc. ist es heute viel leichter als früher. Wir können auch die Daheimgebliebenen erreichen. Unser Publikum vervielfachen. Die Welt draußen kann genauso intensiv Anteil nehmen, wie Ihr Publikum vor Ort. Sie sollten darum Ihre Rede nicht nur für die Anwesenden halten.

Die Lösung: Soundbites

Ihre Botschaft soll richtig verstanden und außerdem noch weitergetragen werden? Dann sorgen Sie dafür, dass das möglich ist.

Achten Sie darauf, leicht zitierbare und einprägsame Botschaften, sogenannte Soundbites, zu kreieren.

Worauf Sie bei Soundbites achten müssen

In Zeiten von Twitter und Facebook ist es viel wichtiger geworden, auf seine Worte zu achten. Benutzen Sie nur Witze und Worte, die auch außerhalb des Kontextes keinesfalls rassistisch oder sexistisch oder sonst abstoßend wirken könnten.* Trotz dieser Anforderung noch einprägsam und erinnerungswürdig zu formulieren, ist eine hohe Kunst. Darum sollten Sie Ihre Soundbites vorab festlegen.

Früher war es nicht grundsätzlich anders

In abgeschwächter Form kennt man das Phänomen schon immer. Allein die Anwesenheit von Journalisten garantierte noch keinen Bericht in der Presse. Die Botschaften mussten klar, präzise und einprägsam sein. Sie mussten Neuigkeitswert haben. Nur dann kamen sie in die Auswahl für eine Veröffentlichung. Genauso sollte ein Soundbite sein.

Der Soundbite als Test

Die Forumlierung der Soundbites ist auch ein Test. Sind Sie in der Lage Ihre Botschaften präzise und unmissverständlich zu formulieren? Können Sie die Dinge knapp zusammenfassen? Gibt es einen Call-back, der die gesamte Rede über funktioniert?

Für jede gute Rede gilt, dass Ihre Botschaft kurz sein muss. So kurz, dass Sie sich auch auf ein T-shirt drucken lässt. (und ich meine nicht Vorder- und Rückseite in 12-punkt) Wenn Sie also keine Soundbites finden, dann ist Ihre Rede noch nicht fertig.

Was Sie für Social Media neben den Soundbites noch vorbereiten sollten

Bereiten Sie Hashtags z.b. für Twitter und Instagram vor. Diese können Ihre Inhalte weiter tragen als es Ihre Stimme vermag. Weisen Sie optisch gut sichtbar auf diese Hashtags hin. Immer wieder.

*Einzig die Aschermittwochs- und die Büttenrede sind davon teilweise ausgenommen. Sie leben in weiten Teilen davon bestimmte Gruppen lächerlich zu machen.

Teuflisch schlagfertig

Wir haben sie alle schon gehört: Höllisch gute Antworten, die teuflisch schlagfertig sind.

Prinzipiell halte ich nichts davon, „So richtig“ schlagfertig sein zu wollen. Zu oft gibt es danach kein Zurück mehr. Denn der Andere wird zu tief verletzt. Solch eine Replik kann Sie sehr teuer zu stehen kommen. Wer zu gut zuschlägt, kann sich Feinde fürs Leben machen oder – wie ich einmal – das Äquivalent zu einem Jahreseinkommen verlieren.

Es gibt aber ein paar Konter, die einfach richtig gut sind. Bewundernswerte Konter. Konter, die vielleicht gewagt sind, aber nicht über das Ziel hinausschießen. Diese sammle ich hier.

Jügen Klopp

Eine hübsche Anekdote zu Jügen Klopp:
Jürgen Klopp spielte wie so oft gegen seinen Vater Tennis. Und verlor: 6:0, 6:0. Daraufhin beschwerte sich Jürgen Klopp lautstark: „Meinst Du, mir macht das Spaß so?“ „Meinst Du, mir macht das Spaß?“ entgegnete sein Vater. Jürgen Klopp erzählt diese Anekdote gern selbst, um zu erklären, woher er seinen Siegeswillen habe.

Josef Wirmer

Josef Wirmer war Teil des deutschen Widerstands, dessen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte. Nach einer Verhandlung vor dem sogenannten Volksgerichtshof wurde Josef Wirmer in Plötzensee grausam hingerichtet.

In seiner Verhandlung schreit der Präsident des Gerichtshofs, Freisler, ihn an, dass er „bald zur Hölle fahren werde.“ Darauf antwortet Wimmer: „Es wird mir ein Vergnügen sein, wenn Sie bald nachkommen, Herr Präsident!

Wenn Sie lernen wollen, so richtig schlagfertig zu sein, sind Sie hier richtig.

Die Referentenvorstellung

Sie stellen sich doch hoffentlich nicht selbst vor?

Es ist eine Unsitte und leider sehr verbreitet. „Die Referentin stellt sich selbst vor.“ Witzige Zeigenossen fügen noch hinzu: „Keiner kennt sie so gut, wie sie sich selbst.“ Die Referentenvorstellung ängstigt viele Veranstalter und Moderatoren. (speziell, wenn es sich um Rhetoriktrainer*innen handelt.)

Bitte stellen Sie Ihre Referenten immer vor. Kaum jemand ist mutig genug zu sagen: „Ich bin der weltgrößte Experte zu diesem Thema“. Selbst wenn es stimmt. Es würde auch kaum etwas nutzen. Spricht aber jemand anders derart gut über uns, besteht zumindest die Möglichkeit, dass es geglaubt wird.

Lassen Sie sich selbst bitte immer vorstellen. Auch wenn das eigentlich von der VeranstalterIn nicht geplant war. Sprechen Sie darüber. Der Veranstalter profitiert davon, dass sein Publikum weiß, was für eine Koryphäe verpflichtet wurde.

Kämpfen Sie darum, vorgestellt zu werden, auch wenn es sonst nicht üblich ist.

Wer schreibt die Referentenvorstellung?

Natürlich überlassen Sie nichts dem Zufall und schreiben die Referentenvorstellung komplett in ganzen Sätzen selbst. Übermitteln Sie den „Entwurf“ frühzeitig und stimmen Sie sich dann direkt mit der Moderatorin oder dem Moderator, d.h. dem, der Sie vorstellt, ab.

Sprechen Sie unbedingt selbst mit dem Moderator. Bringen Sie ihn dazu, sich genau an Ihr Konzept zu halten. Sonst kann es furchtbar schief gehen. Nichts wäre schlimmer als: „Ich soll sagen, dass XXX Experte für Y ist. Ich weiß ja nicht.“. Auch das habe ich schon erlebt.

Moderatoren sind berufsbedingt oft eitel. Schließlich werden sie auch wegen Ihres Äußeren gebucht. Achten Sie also unbedingt darauf, die Eitelkeit des Moderators zu benutzen, statt sie zu verletzen.

Wenn Sie entsprechend Ihren Fähigkeiten und Erfahrungen vorgestellt werden, wird es viel leichter sein, mit dem Publikum zu arbeiten. Nicht alle sind wegen der RednerIn gekommen und nicht alle können sich noch erinnern, was genau Sie befähigt zu referieren. Aber alle werden genauer zuhören, wenn Sie glauben, etwas einmalig gutes zu erleben.