Teuflisch schlagfertig

Wir haben sie alle schon gehört: Höllisch gute Antworten, die teuflisch schlagfertig sind.

Prinzipiell halte ich nichts davon, „So richtig“ schlagfertig sein zu wollen. Zu oft gibt es danach kein Zurück mehr. Denn der Andere wird zu tief verletzt. Solch eine Replik kann Sie sehr teuer zu stehen kommen. Wer zu gut zuschlägt, kann sich Feinde fürs Leben machen oder – wie ich einmal – das Äquivalent zu einem Jahreseinkommen verlieren.

Es gibt aber ein paar Konter, die einfach richtig gut sind. Bewundernswerte Konter. Konter, die vielleicht gewagt sind, aber nicht über das Ziel hinausschießen. Diese sammle ich hier.

Jügen Klopp

Eine hübsche Anekdote zu Jügen Klopp:
Jürgen Klopp spielte wie so oft gegen seinen Vater Tennis. Und verlor: 6:0, 6:0. Daraufhin beschwerte sich Jürgen Klopp lautstark: „Meinst Du, mir macht das Spaß so?“ „Meinst Du, mir macht das Spaß?“ entgegnete sein Vater. Jürgen Klopp erzählt diese Anekdote gern selbst, um zu erklären, woher er seinen Siegeswillen habe.

Josef Wirmer

Josef Wirmer war Teil des deutschen Widerstands, dessen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte. Nach einer Verhandlung vor dem sogenannten Volksgerichtshof wurde Josef Wirmer in Plötzensee grausam hingerichtet.

In seiner Verhandlung schreit der Präsident des Gerichtshofs, Freisler, ihn an, dass er „bald zur Hölle fahren werde.“ Darauf antwortet Wimmer: „Es wird mir ein Vergnügen sein, wenn Sie bald nachkommen, Herr Präsident!

Wenn Sie lernen wollen, so richtig schlagfertig zu sein, sind Sie hier richtig.

Die Referentenvorstellung

Sie stellen sich doch hoffentlich nicht selbst vor?

Es ist eine Unsitte und leider sehr verbreitet. „Die Referentin stellt sich selbst vor.“ Witzige Zeigenossen fügen noch hinzu: „Keiner kennt sie so gut, wie sie sich selbst.“ Die Referentenvorstellung ängstigt viele Veranstalter und Moderatoren. (speziell, wenn es sich um Rhetoriktrainer*innen handelt.)

Bitte stellen Sie Ihre Referenten immer vor. Kaum jemand ist mutig genug zu sagen: „Ich bin der weltgrößte Experte zu diesem Thema“. Selbst wenn es stimmt. Es würde auch kaum etwas nutzen. Spricht aber jemand anders derart gut über uns, besteht zumindest die Möglichkeit, dass es geglaubt wird.

Lassen Sie sich selbst bitte immer vorstellen. Auch wenn das eigentlich von der VeranstalterIn nicht geplant war. Sprechen Sie darüber. Der Veranstalter profitiert davon, dass sein Publikum weiß, was für eine Koryphäe verpflichtet wurde.

Kämpfen Sie darum, vorgestellt zu werden, auch wenn es sonst nicht üblich ist.

Wer schreibt die Referentenvorstellung?

Natürlich überlassen Sie nichts dem Zufall und schreiben die Referentenvorstellung komplett in ganzen Sätzen selbst. Übermitteln Sie den „Entwurf“ frühzeitig und stimmen Sie sich dann direkt mit der Moderatorin oder dem Moderator, d.h. dem, der Sie vorstellt, ab.

Sprechen Sie unbedingt selbst mit dem Moderator. Bringen Sie ihn dazu, sich genau an Ihr Konzept zu halten. Sonst kann es furchtbar schief gehen. Nichts wäre schlimmer als: „Ich soll sagen, dass XXX Experte für Y ist. Ich weiß ja nicht.“. Auch das habe ich schon erlebt.

Moderatoren sind berufsbedingt oft eitel. Schließlich werden sie auch wegen Ihres Äußeren gebucht. Achten Sie also unbedingt darauf, die Eitelkeit des Moderators zu benutzen, statt sie zu verletzen.

Wenn Sie entsprechend Ihren Fähigkeiten und Erfahrungen vorgestellt werden, wird es viel leichter sein, mit dem Publikum zu arbeiten. Nicht alle sind wegen der RednerIn gekommen und nicht alle können sich noch erinnern, was genau Sie befähigt zu referieren. Aber alle werden genauer zuhören, wenn Sie glauben, etwas einmalig gutes zu erleben.