Reden verbessern mit Feedback – Sechs Tipps

Gute Redner*innen sind süchtig nach Feedback. Damit ist nicht der Applaus gemeint. Gute Redner*innen arbeiten stetig an ihren Reden. Sie wollen wissen, wie Ihre Rede angekommen ist.  Sie haben gelernt, dass sehr gutes Feedback sogar ganz neue Ideen reifen lässt. 

Für hilfreiches Feedback können Sie einen Coach wie mich buchen. Doch auch Feedback von Kolleg*innen bringt Sie weiter. Wie Sie wertvolles Feedback von Kolleg*innen bekommen, beschreibe ich hier.

Sechs Tipps für lohnendes Feedback

1. Fragen Sie die Richtigen

Gutes Feedback ist ehrlich. Sie brauchen darum jemanden, der mutig ist. Der Ihnen die Wahrheit sagt. Der klar formuliert.

Gutes Feedback ist empathisch. Wählen Sie keinen Henker aus. Sie haben Kolleg*inen, mit denen Sie sich intensiv austauschen? Das könnten die Richtigen sein.

Wählen Sie unbedingt jemanden aus, dessen Urteil Sie schätzen.

Wenn Sie besonders gutes Feedback möchten, dann lassen Sie Ihren Feedbackgeber*in diese Hinweise lesen.

2. Fragen Sie rechtzeitig nach Feedback

Bitten Sie unbedingt schon VOR der Präsentation um Hilfe. Denn sonst könnte es peinlich werden. Feedbackgeber, die sich kaum an Ihre Rede erinnern, helfen niemandem.

Wenn Sie vorab nach Feedback fragen, stellen Sie sicher,  dass die Wunschpartner*innen auch tatsächlich anwesend sind.

Ihre frühzeitige Bitte sorgt dafür, dass Ihre Partner*innen besonders aufmerksam sind. Ausserden können sie sich Notizen machen. Dadurch ist das spätere Feedback viel präziser.

3. Geben Sie an, worauf geachtet werden soll

Machen Sie es Ihren Feedbackgeber*innen leicht. Lassen Sie sie darum genau wissen, worauf es Ihnen ankommt. Je genauere Vorgaben Sie machen, desto besser wird das Feedback werden. Wozu möchten Sie Hinweise haben? Geht es Ihnen um Verständlichkeit, Stimme oder Humor? Wollen Sie wissen, ob Sie endlich Ihre Füllworte in den Griff bekommen? Vielleicht ist wichtig zu wissen, ob Sie endlich die richtige Geschwindigkeit treffen.

Geben Sie maximal drei Dinge an, auf die Ihre Helfer achten sollen.

4. Feedback sofort einholen

Direkt nach dem Termin ist Feedback am wertvollsten. Denn dann sind sämtliche Eindrücke noch frisch und ungefiltert. Nur dann können Sie mit Antworten auf detaillierte Nachfragen rechnen.

Auch eine umfassende Analyse braucht nicht mehr als zehn Minuten. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort dafür. So werden Sie nicht unterbrochen.

Versuchen Sie in jedem Fall, die Rückmeldung Ihrer Partner*in am selben Tag zu erhalten. Es gilt: je früher je besser.

5. Feedback annehmen und aufschreiben

Hören Sie einfach zu. Denn Ihre Partner schildern nicht nur ihre Eindrücke. Sie laden Sie in ihre Welt ein.

Diskutieren Sie nichts. Erklären Sie nichts. Reden Sie sich nicht raus. Feedback ist ein Geschenk. Weisen Sie das Geschenk nicht zurück. Sonst wird man Ihnen nämlich bald kein Feedback mehr geben. Nutzen Sie doch lieber die Chance viel über sich und Ihre Partner zu lernen.

Schreiben Sie auf, was man Ihnen sagt. So können Sie nichts vergessen.

Sie können später entscheiden, welchen Teil der Analyse Sie annehmen möchten.

6. Geben Sie sich selbst Feedback

Nach jeder Rede sollten Sie sich auch selbst den Spiegel vorhalten. Stellen Sie sich dazu drei Fragen, um besser zu werden:

  1. Was hat funktioniert?
  2. Was hat mir gefallen?
  3. Was möchte ich verändern?

Übung allein macht keinen Meister.  Sie müssen herausfinden, was gelungen ist und woran Sie weiter feilen können.

Gern geben ich Ihnen im Rahmen eines Einzelcoachings Feedback für Ihre Rede. Nehmen Sie Ihre Präsentation dazu z.B. einfach mit dem Handy auf.

Was Sie TUN und LASSEN sollten

Was Sie bitte tun

  1. Holen Sie unbedingt nach jeder Präsentation, jedem Wortbeitrag, jeder Rede Feedback ein. Denn je eher das zu einer Gewohnheit wird, desto schneller und größer werden Ihre Fortschritte.
    Wenn Sie mutig sind, können Sie sogar Gesprächspartner – wenn alles besprochen ist – um eine Einschätzung bitten.
  2. Erkennen Sie, wie ungemein wertvoll Feedback ist. Denn wenn Sie dieselbe Rede hundertmal halten, werden Sie ohne Feedback immer und immer wieder dieselben Fehler machen.
    Es lohnt sich, zu wissen, wie Ihr Humor, Ihre Persönlichkeit und Ihre Inhalte auf die anderen wirken.
  3. Nutzen Sie die Feedbackrunden, um Ihre Beziehung zu den Feedbackgebern zu vertiefen. Beides, das Geben und Nehmen von Feedback, macht verletzlich. Verletzlichkeit zu zeigen führt zu festeren Beziehungen und Vertrauen.

Was Sie bitte sein lassen

  1. Bitten Sie niemanden um eine Einschätzung, der selbst aktiv ist. Denn sonst könnten Ihre Partner abgelenkt sein. Für fundiertes Feedback braucht es die volle Aufmerksamkeit. Bitten Sie deshalb nur Partner um Hilfe, die nicht selbst reden oder moderieren.
  2. Fragen Sie nicht zu viele Menschen auf einmal nach ihrer Meinung. Zu viele unterschiedliche Hinweise verwirren nur. Fragen Sie darum lieber nur ein oder zwei  Menschen, deren Urteil Sie schätzen.
  3. Fühlen Sie sich nicht verpflichtet alles umzusetzen. Hören Sie zu. Nehmen Sie die Hinweise auf. Entscheiden Sie danach, was Sie umsetzen möchten. Wählen Sie genau aus.
    Selbst wenn Ihnen alle dasselbe sagen sollten, dürfen Sie gern vom Feedback abweichen. Denn nichts verpflichtet Sie zu tun, was man Ihnen sagt.

Sehr klares und spezifisches Feedback mit Vorschlägen zur Verbesserung ist immer ein Hauptpunkt in jedem meiner Seminare. Mit detailliertem Feedback machen Sie als Anfänger*in schnelle Fortschritte im Rhetorik-Bootcamp. Wenn Sie mit Ihren Reden faszinieren und begeistern wollen, lade ich Sie in die Rhetorik-Masterclass ein. „Schwierige Gespräche erfolgreich führen“ ist das passende Angebot für die Gespächsführung.

Falls Sie wissen möchten, wie Sie als Person wirken, empfehle ich mein Personal Branding Seminar.

*Hier finden Sie die Ideen, die kreative Priester hatten, um Feedback für Ihre Predigten bekommen.

"DANKE an Friederike. Als Eleve der GSA* habe ich von Friederike Feedback erhalten, dass mir a) nachvollziehbar war b) differenziert bis in die letzte Federfaser statt befindlicher Bewertungen nachvollziehbare Beschreibungen bot und c) GANZ WESENTLICH Vorschläge und Ideen für Verbesserungen geliefert hat. In einer Form, die einem selbst die Verantwortung lässt (bei wem denn sonst) und doch eines ist: GESCHENK DER GEDANKEN."

Warum ich gerne Kniffe verrate, aber keine Tricks

Ich werde oft  nach Tricks gefragt. Beim Kartenspiel und in der Zauberei sind Tricks gut geübte Sequenzen, mit denen das Gegenüber überlistet wird. Solche Tricks sind das Resultat von Erfindungsgeist und harter Arbeit. Sie funktionieren nur mit viel Übung.

Wenn man mich nach Tricks fragt, dann sollen das Abkürzungen sein. Erleichterungen. Methoden die wie ein Pfuschzettel wirken.

Ich möchte Sie aber dauerhaft fit machen. Sie sollen jederzeit auf jeder Bühne und vor jedem Publikum bestehen können. Nicht nur in einer einmaligen Prüfung, nach dem man das Gelernte getrost vergessen darf.

Tricks als Krückentechniken

Es geht deshalb niemals um „Tricks“ in meinen Kommunikationsseminaren. Solche „Krückentechniken“ versagen immer dann, wenn es ernst wird. Sie versagen auch, wenn etwas ein klein wenig anders läuft als geplant. Ausserdem ist das Laufen mit einer Krücke nur selten elegant. Krückentechniken behindern Sie in Ihrem Wachstum. Sie lassen Sie auf Dauer nicht gut aussehen. Höchstleistungen sind so nicht möglich.

Tricks, die einem helfen sollen, wenn man das eigentlich erforderliche nicht tun mag, nenne ich Krückentechniken. Leider behindern Krückentechniken mehr als sie helfen.

Wir pfuschen nicht in meinen Seminaren. Sie beherrschen im Anschluss Methoden und Kniffe, die tatsächlich funktionieren, die wirken, die Sie sicher machen. Diese Methoden können auf  jede Situation – auch auf die ungeübte – übertragen werden. Schlussendlich trägt so gerüstet jeder „Auftritt“ zu Ihrem Erfolg bei! Hier einige Beispiele für Kniffe:

Sie brauchen eine Lösung für ein spezielles rhetorisches Problem? Sie finden hier im Blog und auch sonst keine Lösung? Dann melden Sie sich einfach bei mir zum Rhetorikchoaching. Auch Stundenweise bin ich gern für Sie da. Eigentlich ist Rhetorik ganz leicht.

PS: Ich träume schon ewig davon irgendwann einmal einen Begriff oder eine Redewendung zu erfinden. Bislang ohne Erfolg. Selbst „Krückentechnik“ gibt es schon.

Die Begrüßungsrede

Begrüßungsreden werden oft unterschätzt. Vor allem darin, wie quälend eine schlechte Begrüßungsrede sein kann. Wie oft haben Sie z.B. schon einmal folgendes gehört? „Guten Tag meine Damen und Herren. Schön, dass sie so zahlreich erschienen sind. Bevor wir gleich zum Thema kommen, möchte ich unsere Gäste begrüßen.“  Es folgend zwei Minuten Namensliste.
L  a  n  g  w  e  i  l  i  g

Viele Zuhörer schalten bei solchen Worten zu Recht sofort ab. Warum um Himmels willen sollte man sich solch lieblose Dummheiten anhören? Fast niemand kann zahlreich zu einer Veranstaltung kommen.* Wer weder weiss wo er ist, noch warum er dort ist, braucht wahrscheinlich dringend professionelle Hilfe.

Eine Begrüßungsrede kann aber auch eine bedeutsame Geste sein. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung für Ihre Gäste. Dann wird die Begrüßungsrede zum Aushängeschild Ihrer Veranstaltung. Ob Lehrlingsversammlung, Ausstellungseröffnung oder Kundenveranstaltung – auch mit einer Begrüßungsrede kann man sein Publikum begeistern.

So gelingt die moderne Begrüßungsrede

Moderne Begrüßungsreden sind individuell und persönlich. Dann beeindrucken sie nachhaltig: inhaltlich und menschlich. Versuchen Sie es einmal so:

  1. Einstieg in die an Punkt drei weiterzuführende Geschichte / Ankedote / Rahmenerzählung
  2. Anrede („Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte X (=Hauptperson des Tages)
  3. Vorstellung der eigenen Person (kurz!)
  4. Weiterführung des unter eins begonnenen mit Einbettung der Begrüßung der anwesenden Honoratioren („Ehren“gäste). Dabei bilden Sie wo immer passend Gruppen, um Zeit bei der Vorstellung und beim Applaus zu sparen.
  5. Einstimmung auf die Veranstaltung
  6. Ausstieg / Anmoderation des nächsten Redners

Zu Beginn einer Veranstaltung ist das Publikum extrem aufmerkam. Diese kostbaren Momente sollte man nicht ungenutzt verstreichen lassen. Das Verlesen von Namenslisten zeugt von Lieblosigkeit und führt zu Langeweile. Das hier beschriebene abweichende Vorgehen überrascht und unterhält und bietet so die besten Chancen, Sie als guten Redner*in bekannt zu machen.

Wie lange dauert eine Begrüßungsrede?

Eine Begrüßungsrede sollte nicht länger als fünf Minuten dauern. Versuchen Sie gern kürzer zu bleiben, aber hetzen Sie sich nicht. Es braucht Zeit, die Dinge richtig zu machen.

Warum hält man eine Begrüßungsrede?

Mit einer Begrüßungsrede bringen Sie Ihren Gästen Wertschätzung entgegen. Ausserdem können Sie so die Wertigkeit Ihrer Veranstaltung betonen. Autorität speist sich unter anderem aus der Nähe zu wichtigen Personen. Zeigen Sie, was Sie zu bieten haben

Wann sollten Sie die Teilnehmer*innen und Gäste begrüßen?

Die Begrüßungsrede gehört an den Anfang der Veranstaltung. Sie ist immer die erste Rede des Tages. Wenn Sie zu einer fixen Uhrzeit eingeladen haben, ist nicht mehr als 15 Minuten später oder wenn alle Ihren Platz gefunden haben, der richtige Zeitpunkt gekommen. Wenn Sie in Ihrer Einladung davon gesprochen haben, dass Sie sich „ab X Uhr“ auf Ihre Göste freuen, warten Sie etwas länger. Oft lässt sich dann die Begrüßungsrede mit der Eröffnung des Buffets verbinden.

Wie beginnt man eine Begrüßungsrede?

Wie jede andere Rede auch beginnt eine Begrüßungsrede mit einer gelungenen Einleitung. Beginnen Sie nicht gleich mit der Nennung einzelner Gästenamen. Der Redeeinstieg ist auch bei der Begrüßungsrede wichtig. Erst, wenn der Einstieg geglückt ist, ist der richtige Zeitpunkt für die Begrüßung gekommen. Machen Sie uns erst den Mund wässrig und handeln Sie dann die Pflichtpunkte ab.

Wen sollten Sie begrüßen?

Jede Veranstaltung und Feier kennt Teilnehmer*innen, Gäste, Beteiligte und Ehrengäste.

  • Teilnehmer werden ganz allgemein mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder einer Entsprechung begrüßt.
  • Gäste können ebenso begrüßt werden, wenn es sich nicht um wichtige Personen oder offizielle Abgesandte handelt. Diese – wie auch besonders weit angereiste Gäste – werden wie Ehrengäste behandelt.
  • Redner und andere Personen, die einen Beitrag bei der Veranstaltung leisten, werden mit der Anmoderation Ihres Beitrages begrüßt. Sie müssen nicht zusätzlich schon bei der Begrüßung angesprochen werden – es sei denn, Sie möchten das Interesse der Zuhörer bereits vorab wecken.
  • Ehrengäste sollten mit Namen und gegebenenfalls Funktion begrüßt werden. Wenn Sie der Nennung des Namens eine kleine Vorstellung oder ein persönliches Wort hinzufügen, ist es für den Gast und die anderen Zuhörer*innen viel lohnender. Sorgen Sie dafür, dass die Begrüßung nicht langweilig wird. Nutzen Sie die Begrüßung aktiv, um sich selbst und Ihr Anliegen ins richtige Licht zu rücken

Der Ehrengast

Der Ehrengast ist ein Ehrengast, weil seine Anwesenheit eine Ehre für Sie ist bzw. er mit der Veranstaltung geehrt werden soll. Für ihn ist es eine (vielleicht sogar lästige) Pflicht. Machen Sie ihm oder Ihr die Sache mit einer ausgefeilten Begrüßung angenehm. Ehrengäste wären keine Ehrengäste, wenn sie es nicht verdient hätten oder es sich noch verdienen könnten. Begrüßen Sie typischerweise lieber einen Gast mehr als einen weniger.

Für machen Ehrengast lohnt sich sein Kommen nur, wenn er begrüßt wird. Ausserdem bringt ein Ehrengast Glanz in Ihre Veranstaltung. Nicht zuletzt könnte es sich in der Zukunft auszahlen, sich den Ehrengast gewogen zu machen.

Beispiele für gelungene Begrüßungen

„Ich begrüße ausserdem die Inhaberin von Spiele-Maier, Frau Maier, die uns mit Ihrer großzügigen Spende den Ausflug nach Potsdam ermöglicht hat.“ – Wird so nicht die nächste Spende gleich viel wahrscheinlicher? „Herzlich willkommen heiße ich Direktor Maier: Er hat bereits vor fünf Jahren vohergesagt, was heute endlich zum Abschluß kommt.“ – Wetten, dass er sich an diese Begrüßung gern erinnern wird?

Meine Geschichte

Als Abgeordnete war ich natürlich oft bei Terminen im Wahlkreis. Oft genug wurde dann ich nicht offiziell begrüßt. Deshalb wusste kaum jemand, dass ich da war. Würden Sie Ihre Abgeordnete auf der Straße erkennen? Nicht begrüßt zu werden, war eine sehr frustrierende Erfahrung für mich. Nicht, weil ich so besonders eitel bin, sondern weil es mir meinen Job so schwer gemacht hat.

Mit Mitte Dreissig ging ich nicht nicht zum Altenkaffee, um mich zu amüsieren. Ich ging ausschließlich dorthin, damit mich meine WählerInnen treffen konnten. Und damit meine Parteikollegen mich sahen. Wenn ich dann nicht begrüßt wurde, dann hatte sich der Termin eher nicht gelohnt. Also: Wichtige Gäste, Menschen, von denen man etwas erwartet, Menschen, die kommen, um Ihnen einen Gefallen zu tun, müssen begrüßt werden.

Extra-Tipp

Wenn es ein Journalist*in zu Ihrer Veranstaltung geschafft hat, sollten Sie darüber nachdenken, ihn zu begrüßen. Das passiert viel zu selten und wird darum als echte Geste begriffen.

In welcher Reihenfolge werden die Gäste begrüßt?

Bitte begrüßen Sie den ranghöchsten Gast als ersten. Alle anderen folgen entsprechend geordnet. Nur: Wer ist der/die Ranghöchste?

Das Bundesministerium des Inneren stellt keine protokollarische Rangordnung mehr zur Verfügung. Die offizielle Begründung lautet, dass Ranglisten von Anlass zu Anlass variiert werden müssen. Das war immer schon so. Es scheint, dass man den Diskussionen um die Einstufungen entgehen möchte. Was sicher auch nicht ganz falsch ist.

Ich bin mir trotzdem sicher, dass es verschiedene Ranglisten gibt, weil man nicht jede Entscheidung immer wieder neu treffen wollen wird. Man möchte aber vielleicht nicht erklären müssen, ob und wann der Chef von Amnesty International vor dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages geführt wird.

Sie müssen also Ihre eigene protokollarische Rangliste erstellen. Eine Aufgabe, die Kopfschmerzen bereiten kann. Um zu testen, ob Sie es richtig gemacht haben, fragen Sie sich immer, ob ein Gast beleidigt sein könnte. Legen Sie Ihre Rangliste abschließend einigen Vertrauten, die schon länger dabei sind, vor. So kommt man meist zu guten Ergebnissen.

Wie man eine Rangliste aufstellt

Ranglisten ergeben sich aus der Rangordnung zwischen den Anwesenden. Hier die grundlegenden Regeln, die dabei helfen können Ranglisten aufzustellen

  1. Schutzbedürfnis
  2. Hirarchie – darum kommt der Chef vor dem Untergebenen.
  3. Verfassungsgemäßer Rang
  4. Direkt gewählt oder „nur“ ein Amtsinhaber. (Wenn alle Macht vom Volk ausgeht, dann müssen dessen Repräsentanten vorn stehen.)

Das Schutzbedürfnis kann man anhand der folgenden Kriterien einschätzen.

  1. alt vor jung
  2. Fremde und Neuankömmlinge vor Einheimischen und Etablierten
  3. Damen vor Herren (Dieser Grundsatz tritt heute mehr und mehr zurück. Im Job geht die Hirarchie immer vor!)

Begleiter*innen teilen den Rang Ihrer Männer, werden aber an zweiter Stelle nach ihnen begrüßt. „Frau Dr. Maier und Gatte“.

Bei ansonsten gleichem Rang entscheidet das Amtsalter. Kann das nicht genutzt werden, wählen Sie „einfach“ aus, ob das Alphabet oder das Geschlecht (dann bitte Frauen (=Damen) vor Männern (=Herren)), vielleicht aber auch die weiteste Anreise entscheiden soll. Wichtig ist, dass Sie eine einmal getroffene Entscheidung grundsätzlich, d.h. für die gesamte Rangliste beibehalten

Ein paar Praxisbeispiele finden sich hier.

Von Anlass zu Anlass unterschiedlich

Tatsächlich musste die Rangordnung immer schon von Anlass zu Anlass angepasst werden. Je nachdem ist mal der Eine und mal die Andere „schutzbedürftiger“, wichtiger, „wertvoller“.

Wenn Sie sich gar nicht entscheiden können, ob der Kardinal vor oder nach der Oberbürgermeisterin genannt werden muss, dann können Sie sich ja trotzdem einmal an das Protokoll des Bundesministeriums des Inneren oder des Bundestagspräsidenten wenden. Wahrscheinlich hilft man Ihnen bei so ungewöhnlichen Fragen gern

Zeit sparen

Wenn Sie extrem viele Gäste begrüßen müssen, bilden Sie bitte Gruppen. „Ich freue mich, dass so viele Abgesandte unserer Partnergemeinden mit uns feiern: IHK Vorsitzender A aus Berlin, Stadtkämmerin X aus Wesel und Bibliotheksleiterin A aus Xanten.“

Achten Sie darauf, inerhalb jede Gruppe die immer gleiche Reihenfolge (im obigen Beispiel alphabetisch nach Ortsnamen) zu nutzen, dann machen Sie sich mit diesem Vorgehen niemandem zum Feind und alle sind froh, dass es schneller geht.

Wer hält die Begrüßungsrede?

Die Begrüßungsrede hält immer der Gastgeber. Diese Pflicht können Sie nicht delegieren. Aber Sie können sich dabei helfen lassen.

Wie kann man Ihnen zuarbeiten?

Nach dem Verschicken der Einladungen

  • Eingeladungsliste in eine Rangordnung umwandeln.
  • Absagen aus der Liste streichen – oder den Ersatz einfügen.
  • Markieren der zu begrüßenden Personen auf der Rangliste.
  • Rangordnung und Begrüßungsbedarf nachprüfen lassen.
  • Markieren Sie alle Personen, die begrüßt werden sollen und zu denen Sie mehr Informationen brauchen. Lassen Sie sich die Leerstellen auffüllen.

Am Tag der Veranstaltung

Platzieren Sie am Tag der Veranstaltung an allen Eingängen Kontrollpunkte, an denen abgehakt wird, wer gekommen ist. Es ist recht peinlich, jemanden zu begrüßen, der nicht da ist. Noch peinlicher ist es, wenn jemand wirklich wichtiges überraschend kommt und dann nicht begrüßt wird.

Die Kontrollpunkte werden darum am besten immer mit zwei Personen besetzt. Mindestens eine dieser Personen sollte mit dem Kreis der Eingeladenen vertraut sein. An den Kontrollpunkten werden alle Ankommenden im Namen des Veranstalters begrüßt.

Bevor es losgeht, erhält der Gastgeber den aktuellen Stand und kann so seine Rede gegebenenfalls anpassen.

Wann ist eine Begrüßungsrede nicht angemessen?

Bitte planen Sie keine Begrüßungsrede für Trauerfeiern, Beerdigungen oder Gedenkfeiern ein. Zu einem traurigen Anlass kann man niemanden voller Schwung willkommen heissen.

Falls Sie es für angemessen halten, können Sie eventuell anwesende Ehrengäste in der Hauptrede ansprechen. Auch das gibt Ihnen die Möglicheit sich für das Kommen und die gezeigte Anteilnahme zu bedanken.

Vielleicht wollen Sie z.B. auch die Trauernden trösten. Dann dürfen Sie sie dazu natürlich direkt ansprechen.

Und wenn Sie einen Fehler gemacht haben?

Falls vergessen wurde, einen wichtigen Gast zu begrüßen, holen Sie es einfach nach. Dazu findet sich immer  eine Gelegenheit. Sagen Sie nicht, dass Sie den Gast vergessen haben. Warten Sie nicht bis zum Abschluss der Veranstaltung.

Ist jemand über seine Einstufung auf der Rangliste verärgert, tut eine Entschuldigung nicht weh und kostet nichts. Wem die Rangordnung so wichtig ist, dass er sich selbst beschwert, der hat eine Entschuldigung verdient. In jedem Fall. (Auch wenn wir selbst denken, dass die Beschwerde unberechtigt ist. In diesen Dingen hat jeder seine eigene Wahrheit.)

*Die einzigen, die zahlreich erscheinen können, sind Schwangere und Menschen mit multiplen oder gespaltenen Persönlichkeiten …

Der Vergleich

Kaum etwas ist so mächtig wie ein gut gewählter Vergleich. Vergleiche arbeiten direkt im Kopf der Zuhörer und brennen Bilder ins Hirn. Bitte nutzen Sie darum Vergleiche nur, wenn Sie wollen, dass Ihr Gegenüber die Dinge so sieht, wie Sie. Wichtig ist, den „Angriffspunkt“ genau zu treffen. Welchen Aspekt wollen Sie definieren? Was sollen die Zuhörer darüber denken? Welche weiteren Einschätzungen wollen Sie transportieren.

Hier ein Beispiel für gegenteilige Eindrücke je nach gewähltem Vergleich.

  • Gabriel den Haushalt steuern zu lassen, ist so erfolgversprechend wie sein T-Bone-Steak von einem Berner Sennhund bewachen zu lassen.
  • Gabriel den Haushalt steuern zu lassen, ist so erfolgversprechend wie sein T-Bone-Steak von einer Hyäne bewachen zu lassen.

Was ist ein Vergleich?

Der Vergleich setzt Dinge in Beziehung zueinander. Die Dimension bezüglich derer die Gleichheit oder Ungleichheit der zu vergleichenden Objekte gemessen wird, ist das „Tertium comperationis“. Es ist damit die Maßeinheit der Ähnlichkeit der beiden verglichenen Objekte. (In den folgenden Beispielen sind das Größe, Gewicht und XXX.)

  • A ist so groß wie B.
  • B ist 5 kg schwerer als C.
  • C hat genauso eine XXX wie A.

Wobei hilft ein Vergleich?

Man nutzt Vergleiche, damit das zuerst genannte Objekt in Bezug auf eine bestimmte Dimension besser eingeschätzt werden kann. Dies geschieht entweder in Bezug auf die Änlichkeit der beiden oder den Kontrast zwischen den beiden Objekten. Die verglichene Eigenschaft wird eindringlich veranschaulicht.  Bsp.: Haare (erstes Objekt) so schwarz (verglichene Eigenschaft) wie Ebenholz (Veranschaulichung).

Vor jeder Entscheidung steht die Beurteilung der Optionen. In der Mehrzahl der Fälle stellt das Publikum dazu ganz automatisch und oft unbewusst Vergleiche an. Wenn Sie Ihren Zuhörern den Vergleich und damit das Vergleichsobjekt selbst an die Hand geben, haben Sie großen Einfluss darauf, wie das Urteil ausfällt.

Durch die Wahl des Objekts der Veranschaulichung können Sie Humor, Bildung und Sachkunde beweisen. Darum sein Sie bitte kreativ und innovativ. Dann wird aus dem oft langweiligen Vergleich eine richtig tolle Sache.

Sie können aber auch implizit sehr viel aussagen. (s.o. Berner Sennhund gegen Hyäne.) Die Flüchtlingslawine ist eben nicht nur riesig, wir sind ihr ausserdem hilflos ausgeliefert.

Meine Lieblingsvergleiche

  • Das ist so sinnvoll wie eine Landkarte im Maßstab 1:1.
  • Er bewegt sich so schnell wie eine gelähmte Schnecke.

Verfälschende Vergleiche

Um zu manipulieren, muss man lediglich das Objekt, mit dem verglichen wird, geschickt auswählen. Hier ein weiteres Beispiel:
Sie hatte Lippen so rot wie Erdbeeren. – Ihre Lippen waren so rot wie Schweineblut.
Die weiteren Eigenschaften des verdeutlichenden Objekts übertragen sich auch dann, wenn sie nichts zum eigentlichen Vergleich beitragen.

Verunglückte Vergleiche

Bestimmte Vergleiche sind tabu. In Deutschland sind das z.B. alle Vergleiche, die irgendeinen Aspekt der nationalsozialistischen Herrschaft zur Verdeutlichung von Leistung nutzen. Der Blitzkrieg mag in Japan bewundert werden, hier nicht.

Ähnliche Stilmittel

Metapher, Synkedoche, Meonymie, Parallelismus und Gleichnis

Ausdrucksstarke Gesten

Gesten und Sprache sind eins

Um ausdrucksstarke Gesten zeigen zu können, müssen Sie etwas gundlegendes begreifen: Gesten sind in Struktur gegossene Gedanken; Gedanken, die Bilder erzeugen; Gedanken aus der Tiefe des Bewusstseins und der Gefühle.

Gesten sind zielgerichtete Bewegungen einzelner Körperteile. Wir nutzen Sie, um Bedeutsames hervorzuheben, Gefühle zu vermitteln oder Abstraktes nachvollziehbar zu machen. Gesten sind Gedanken, die in Bewegung übertragen wurden. Wer Gesten „einfach“ einstudieren will, wird kaum oder nur kärglich kleine Erfolge erzielen. Bitte versuchen Sie es nicht.

Gesten, die gefallen, entstehen, weil unsere innerliche Beteiligung nach aussen drängt. Je leidenschaftlicher Sie sprechen desto leichter wird es sein, ausdruckstarke und große Gesten zu zeigen.

Regel Nummer eins für ausdrucksstarke Gesten: Bilden Sie sich eine Meinung über Ihr Thema! Finden Sie Ihren Standpunkt!

Gesten muss man zulassen

Die (Ober-)Arme liegen immer eng am Körper an? Die Bewegungen gehen nicht über die Handgelenke hinaus? Sie haben vielleicht zu gut gelernt, sich im Zaum zu halten. Das macht es für Gesten schwer nach aussen zu drängen. Die Gesten fühlen sich unnatürlich an, auch wenn Sie zu Ihrer Rede passen. Wenn Sie Ihren Körper daran gewöhnen möchten, ausdrucksstärkere und größere, insgesamt selbstbewusstere Gesten zuzulassen, dann bietet sich die Opernsängerübung an:

Opernsängerübung

Stellen Sie sich gedanklich auf die größte Ihnen bekannte Bühne. Sie feiern einen triumphalen Erfolg. Breiten Sie die Arme weit aus und bedanken Sie sich überschwenglich – aber stumm! – für die stehenden Ovationen, die Sie erhalten haben. Sie dürfen auch gerne stumm eine leidenschaftliche Dankesrede halten und Sie Ihre Arme und Hände dazu fliegen lassen.

Wenn Sie sich z.B. auf die Bühne der Wiener Staatsoper stellen möchten, dann können Sie das hier tun. (oben 2x nach rechts klicken). Ihre Gesten müssen so deutlich sein, dass Sie auch von der Galerie und aus der kaiserlichen Mittelloge zu sehen sind.

Achten Sie bitte besonders darauf, die Oberarme und Ellenbogen extra weit vom Körper zu entfernen. Strahlen Sie, werfen Sie Kusshänden ins Publikum, geben Sie Ihrer überschwänglichen Freude Ausdruck. Je mehr Sie die Freude über den Erfolg spüren, desto leichter werden Ihnen die großen Gesten fallen. Bitte beobachten Sie sich nicht dabei im Spiegel.

Wieso gestikulieren wir?

Die Forschung geht heute davon aus, dass wir zuerst mit dem Körper gesprochen haben. Zeitgleich mit der Entwicklung des aufrechten Gangs führten körperliche Veränderungen dazu, dass wir auch mehrere Laute hintereinader erzeugen konnten. Als wir dann noch lernten, Werkzeuge zu benutzen, wurde die Gestensprache sogar gefährlich. (Mit einer Axt in der Hand…) An diesem Punkt waren wir quasi gezwungen, unsere Stimme für die zielgerichtete Kommunikation zu nutzen.

Gesten gehen den Worten voraus, weil wir mit unseren Händen denken. Handbewegungen und andere Gesten werden vom Gehirn schneller angestoßen als Sprache. Darum gehen Gesten den Worten voraus. Weil das so ist können wir nur schwer ohne Gestik sprechen und weil das so ist, kann man Gestik nicht planen.

Gestik-Test

Versuchen Sie etwas kompliziertes zu erklären und gleichzeitig die Hände bewusst vollkommen still zu halten. Legen Sie die Hände flach auf den Tisch oder setzen Sie sich drauf.

Es wird nicht funktionieren.

Ausdrucksstarke Gesten machen glaubwürdig

Weil unsere Gestik so tief in uns wohnt, ist Sie eins der wichtigsten Signale unserer Körpersprache. Gestik macht Sie als Person erkennbar. Ausdrucksstarke Gesten verifizieren was Sie sagen und machen deshalb glaubwürdig. Gestik zeigt, dass wir persönlich involviert sind.

Tipp

Verstecken Sie niemals jemals, wirklich nie, niemals Ihre Hände! Zeigen Sie Ihre Hände immer. Hände gehören weder in Hosen-, noch in Jackentaschen, nicht hinter den Rücken oder hinter das Pult und schon gar nicht unter den Tisch. Das liegt doch auf der Hand, oder?

Was für Gesten gibt es?

Ihre Gestik wurde Ihnen teilweise vererbt. Es gibt familien- und kulturtypische Gesten. Achten Sie einmal darauf.

Man unterscheidet sprachbegleitende und sprachersetzende Gesten. Oft erfüllen Gesten die Kriterien mehrer Kategorien. Es lohnt sich trotzdem mehr darüber zu wissen, weil man ein paar bewusst verändern und verbessern kann.

Sprachersetzende Gesten

Die sprachersetzende Gestik oder symbolische / emblematische  Gestik kann man relativ leicht erlernen und ganz bewusst einsetzen. Dazu gehören z.b. Kopfschütteln, Schulternzucken oder Nicken sowie das Stoppsignal der aufgestellten Handfläche am Ende des ausgestreckten Arms, das ok-Zeichen oder auch der erhobene Daumen. Aber ACHTUNG! Diese Gestik ist kulturell kodiert. Je nach Kulturkreis haben sie eine andere, vielleicht ungünstige, häufig auch sexuelle abwertende Konnotation. „ok“ ist in vielen Gebieten der Welt ganz und gar nicht ok.

Siemens erlebte vor vielen Jahren ein sehr teures Missverständnis mit der sprachersetzenden Geste des Kopfnickens. Sie gingen mit dem Preis immer und immer weiter runter, je intensiver Ihre indischen Partner den Kopf schüttelten. Hätten die Siemensvertreter gewusst, dass eine Form des Kopfchüttelns in Indien Zeichen des Respekts ist und eine andere sehr wohl „Zustimmung“ bedeutet, dann wäre es besser für sie ausgegangen. Die indischen Vertragspartner waren nicht etwa entrüstet über imer noch zu hohe Preise, sondern konnte ihr Glück über die immer besser werdenden Angebote nicht fassen. In Bulgarien, Nord-Griechenland und Sri-Lanka könnte übrigens dassselbe passieren.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/Uj56IPJOqWE

Darum seien Sie bitte in fremden Kulturkreisen vorsichtig mit Ihrer Deutung und der Verwendung sprachersetzender Gestik.

Sprachbegleitende Gesten

Es gibt vier verschiedene Formen der sprachbegleitenden Gestik: deiktische, ikonische, metaphorische Gesten und die so genannten „Beats.“** Die Unterscheidung ist nicht immer leicht und nicht immer ist eine Geste nur eins. Ich stelle sie trotzem vor, weil der Prozess des Erlernes neuer entsprechender Gesten ein jeweils unterschiedlicher ist.

Deiktische Gesten

Deiktische Gesten sind die Zeigegesten: Das will ich haben. Dahin müssen wir gehen. Sie müssen aufpassen. Kleinkinder zeigen diese Art der Gesten bereits ab dem 10. Lebensmonat. Typischerweise werden sie mit dem Zeigefinger ausgeführt.

Zeigefingertipp

Versuchen Sie den ausgestreckten „pädagogischen Zeigefinger“ (Samy Molchow) durch die offene, ausgestreckte Hand zu ersetzten. Sie wirkt um so vieles einladender und großzügiger.

Sie könnte den Zeigefinger auch leicht krümmen wie es z.B. Obama tut.

Dies zu erlernen kostet Mühe, ist den Einsatz aber wert.

Deiktische Gesten mit dem Zeigefinger sind unvorteilhaft eng mit Zwang und Schule verbunden. Wenn Sie von „müssen“ sprechen und dabei den ausgestreckten Zeigefinger und womöglich noch am am ausgestreckten Arm benutzen, dürfen Sie sich darum über Widerstand nicht wundern.

Ikonische Gesten

Die Silhouette einer Frau wird mit kurvigen Bewegungen in die Luft gezeichnet – eine ikonische Geste. Ikonische Gesten stellen Gegenstände, Ereignisse, räumlichen Bezüge dar, auf die sprachlich bezug genommen wird.

Typisch sind die Gesten: Hand aufs Herz, Hand vor den Mund, das alles gehört mir,

Metaphorische Gesten

Metaphorische Gesten sind – genauso wie ikonische Gesten – abbildend. Nur beziehen Sie sich abstrakte Konzepte, so z.B. die geöffneten Hande bei Redebeginn.

Ikonische und metaphorische Gesten einstudieren

Ikonische und metaphorische Gesten sind wie die sprachersetzenden Gesten bildhafte Gesten. Je intensiver Sie sich mit Ihren Texten auseinandersetzen, desto eher wird sich die passende Gestik einstellen. Führen Sie sich selbst vor Augen, was die Zuhörer sehen sollen. Nehmen Sie sich andere zum Vorbild, üben Sie die Gesten beim Üben der Rede mit ein und vergessen Sie auf der Bühne alles darüber! Wenn Gesten nämlich nicht natürlich, sondern zu spät kommen, zerstören sie unsere Glaubwürdigkeit. Wenn Sie genügend üben und der Text es zulässt, werden die ausdrucksstarken Gesten kommen.

Beats

Sie alle haben es schon gesehen. Jemand ringt und Worte und bewegt dabei lebhaft seine Hände.

Beats sind rythmisierende Gesten. Sie sind quasi der Taktstock des Sprechens. Sie dienen der Betonung des Gesagten. Es wird z.B. immer wieder mit der Faust auf das Pult oder mit der Handkante nach unten geschlagen. Beats dienen zur Akzentuierung wichtiger Redeanteile. Auch das trotzige Stampfen mit dem Fuß kann ein Beat sein.

Beats kann man recht leicht einstudieren. Üben Sie sie einfach bereits mit der Rede. Wichtige, entscheidende Passagen mit Beats zu unterlegen, ist eine gute Idee. Beats geben Ihren Worten eine hohe Wichtigkeit. Um ausdrucksstarke Gesten zu sein, müssen Ihre Beats nicht besonders groß werden. Hier gilt eher die Devise: klein aber fein. Es geht weniger um die Amplitude als um den Rythmus der Bewegung.

Wie entstehen ausdrucksstarke Gesten?

Ausdrucksstarke Gesten müssen eine Mindestgröße haben (sichtbar sein). Sie finden typischerweise über dem Bauchnabel statt und sie kommen immer vor den Worten. Kommen Gesten nach den Worten, dann wird das als Zeichen für Unglabuwürdigkeit gesehen. Ausdrucksstarke Gesten wirken nicht, wenn Ihre Haltung nicht stimmt.

Es ist immer günstiger die Handflächen als die Handrücken zu zeigen. Handflächen sind ein verletzlicher Körperteil. Sie zu zeigen zeugt von Stärke, Vertrauen und Selbstsicherheit.

Ausdrucksstarke Gesten müssen keinesfalls immer groß sein. Sie variieren in Größe, Präzision, Richtung und Intensität. Mal sind die Handgelenke gebeugt und mal gestreckt. Mal zeigen wir schnellere und mal langsamere Bewegungen. Ausdrucksstarke Gesten passen sich dem Inhalt und der Intention des Gesagten an. Je genauer die Passung und je präziser die Abstimmung um so stärker wirken unsere Gesten für uns.

Genauso, wie wir mit unserer Stimme spielen, können Sie auch lernen mit Ihrer Gestik spielen. Die Größe Ihrer Gesten verändert sich – wenn Sie durchlässig genug sind – z.B. analog dazu, wie laut Sie in den entsprechenden Situationen sprechen. Wenn Sie langsam und bedächtig sprechen, werden die Gesten nicht groß sein und auch keine schnellen Bewegungen beinhalten.

Ausdrucksstarke Gesten entstehen am leichtesten, wenn Sie zu 100 Prozent hinter dem stehen, was Sie sagen. Sorgen Sie also dafür, dass das so ist. Sprechen Sie vorher mit anderen über das, was beim Vortrag Thema sein wird. Legen Sie sich schon vorher fest. Fangen Sie vielleicht schon an, das zu tun, worüber Sie nachher sprechen. Wenn Sie sich mit Ihrer Botschaft eins sind, dann haben Sie alle Chancen sehr überzeugend zu sein.

Übung

Lesen Sie das Gedicht „John Maynard“ laut und mit starker Betonung. Versuchen Sie den Inhalt zu spüren und Ihre Hände „fliegen“ zu lassen. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie zu einem großen Publikum sprechen und immer wieder andere Personen direkt ansprechen.

Was ist auf der Bühne anders?

Ihre Gesten sollten auf der Bühne größer sein als im Gespräch. Sie richten sich nicht an eine einzelne Person sondern an viele. Je größer Ihr Publikum und je weiter entfernt es sitzt, desto ausladender muss auch Ihre Gestik werden. (Ausnahme: Sie werden parallel gefilmt und das Publikum nimmt Sie vor allem über die Leinwände wahr.)

Tipp

Ihre Gesten werden automatisch größer, wenn Sie sich nicht an die erste sondern an die letzte Reihe wenden.

Bitte lassen Sie Ihre Gesten am Endpunkt etwas „stehen“. Nehmen Sie die Hände nicht gleich herunter. Lassen Sie sie schon gar nicht einfach kraftlos fallen und noch baumeln und auspendeln. Energie bestimmt ganz maßgeblich mit darüber, wie gern uns das Publikum zuhört und ob es uns glaubt. Idealerweise geht quasi eine Geste in die andere über.

Wenn Sie über Details oder etwas sehr privates sprechen oder präzise sind, werden Ihre Gesten automatisch kleiner (exakter) werden. Stören Sie sich nicht daran, es ist richtig so. Wenn Sie stattdessen leidenschaftlich zu umfassender Erneuerung aufrufen, werden Ihre Gesten automatisch größer werden. Sie müsses es nur wirklich ernst meinen.

Um eine bessere Verbindung zu Publikum zu erhalten, könnten Sie versuchen eher Ihre Handinnen- statt -außenflächen zu zeigen.

Exakt-Alle-Übung

1. Breiten Sie die Arme in Schulterhöhe weit aus und sagen Sie voller Überzeugung: „Wir müssen genauer agieren…“. 2. Nehmen Sie die Arme herunter, heben Sie eine Hand etwas hoch und bilden Sie dabei mit dem Zeigefingernagel auf dem obersten Fingerglied des Daumens einen Kreis und sagen genauso sicher: „Die ganze Welt ist begeistert“. 3. Tauschen Sie die Sätze.

Merken Sie sich, wie es sich anfühlt, ausdrucksstarke Gesten zu verwenden. Man kann und sollte sich daran gewöhnen.

Sie wollen lebendig und glaubwürdig wirken? Dann nutzen Sie mehr Gesten. Wenn Sie es live probieren möchten, dann kommen Sie ins Rhetorik Bootcamp.


** David McNeill „Why We Gesture: The Surprising Role of Hand Gestures in Communication.

Links oder Rechts!?

„Heben Sie jetzt bitte die rechte Hand…“ und dann hebt das Publikum die Linke. So kann es gehen. Der Redner macht es nämlich falsch – mit seiner eigenen rechten Hand  -vor.

Da kann man sich dann schon mal wundern. Rechts? Links?







Links? l i n k s ?

Alles, wozu Ihr Publikum eine Seitenangabe braucht, müssen Sie spiegelverkehrt ansagen. Das kann sehr anstrengend werden. Nutzen Sie doch einfach folgenden Kniff:

Bitte vertauschen Sie Ihr eigenes „Rechts“ und „Links“ bevor Sie auf die Bühne gehen. Stellen Sie sich dazu ein tätowiertes „L“ und „R“ auf Ihren Handrücken vor.

Wenn Sie das ein paar Mal geübt haben – es geht auch in privaten Gesprächen – wird Ihnen das Umschalten leicht fallen. Ich bin auf diese Art einige Wochen lang sehr sicher durch den englischen Linksverkehr gekommen. Nur linksherum durch den Kreisverkehr zu fahren blieb aufregend. Ich musste aber in Deutschland auch noch nie einen Kreisverkehr mehrfach umrunden…

Sie wenden doch jetzt nicht etwa ein: „Aber das passt doch nicht, wenn ich über meine Folien spreche!“? Dann würde ich Ihre Äusserung ignorieren. Ich würde zu Ihren Gunsten hoffen, dass Sie Ihrem Publikum niemals den Rücken zuwenden. Ausserdem würde ich hoffen, dass Ihre Folien immer so eindeutig sind, dass sie solcher Erklärungen nicht bedürfen.

Wenn Sie einmal etwas nicht mit dem „Bühnen-Links“ / 
„Bühnen-Rechts“ ansagen müssen, dann machen Sie etwas falsch!

Spiegelverkehrt denken zu müssen ist leider sehr anstrengend. Darum nochmals: Benennen Sie Ihre Hände einfach um, wenn Sie auf die Bühne treten. Die Tatoos dürfen auch leuchten, wenn Sie das möchten.

Fun Fact

Was wir abseits der Bühne – aus inhaltlichen Gründen – für rechts oder links halten, folgt bestimmten Konventionen. Warum ein deutscher und ein französischer Gleiswärter denselben toten Hund gleichzeitig rechts und links der Bahn entdecken können, lesen Sie hier. (Artikel folgt.)

Testimonials – Friederike Galland

Es war eine bewusstseinserweiternde Erfahrung. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich getraut habe aktiv teilzunehmen.
Lieblingsfeedback
anonym
TeilnehmerIn Rhetorik-Bootcamp
Im Rahmen eines ausgezeichneten und äußerst kurzweiligen Wochenendseminars habe ich bei Friederike Galland das Führen guter Vertriebsgespräche auch praktisch geübt. Nicht grade meine Kernkompetenz – umso wichtiger war dieses Seminar.
Friederike Galland stellt sich genau auf die jeweilige Gruppe ein und schafft es dadurch, jeden mit Ihrem Coaching oder mit Ihren Vorträgen zu erreichen. Diese sind außerdem abwechslungsreich gestaltet, was Ihr die Aufmerksamkeit des Publikums sichert und diesem im Umkehrschluss einen Zugewinn an Wissen bringt. Sehr zu empfehlen sind Frau Gallands Rhetorikschulungen.
Sie machte alle Teilnehmer ein Stück reicher! Hebt das Selbstwertgefühl der Teilnehmer trotz kritischer Worte.
Lieblingsfeedback
anonym
TeilnehmerIn Rhetorik-Bootcamp
Das Seminar mit ihr gibt immer wieder neue Eindrücke, Motivation an sich selbst zu arbeiten und aus sich selbst herauszuhören. Das macht sie mit einer solchen Energie und Freude, dass ich mich schon jetzt auf das nächste Seminar freue, wo ich meine Fortschritte demonstrieren kann.
Céline, Studentin
(Rhetorik-Bootcamp u.a.)
Fachlich hat sie ihren Workshop perfekt auf unsere Bedürfnisse angepasst und uns so ideal wie nur möglich durch Tipps und Anmerkungen optimiert. Trotz ihres unglaublichen Know-hows hat sie die wichtigsten Informationen für uns Einsteiger herausgegriffen und leicht verständlich und vor allem einprägsam erläutert. Danke für die grandiosen 1,5 Tage 🙂 Sie war sehr sympathisch und authentisch mit einem so lebensfrohen Lachen. Note 1
Note 1 Diese Frau ist einfach der pure WAHNSINN!
Leo-Akademie 2017
Leo Akademie 2017
Teilnehmer
Friederike ist eine "geile Sau". Das Rhetorik-Seminar war großartig und ich kann es nur jedem wärmstens ans Herz legen. Jede Minute lohnt sich. Die Übungen stimmten mit dem Motto "Raus aus der Komfortzone" überein und ließen jeden einzelnen über den eigenen Schatten springen. Friederike selbst gestaltet das Seminar unglaublich motivierend und strahlt eine Energie aus, die mitreißt.
Das Rhetorik Seminar von Friederike Galland kann ich nur jedem empfehlen, egal ob erfahrenden Politiker oder einfach nur für Personen, die Ihre Präsentationsfähigkeiten stärken wollen. Das Seminar hat, dank der individuellen Ausrichtung auf alle Gruppenteilnehmenden, einen nachhaltigen Erfolg für mich persönlich gehabt. Dies gelang Frau Galland, obwohl es in der Gruppe große alters- und Erfahrungs- Unterschiede gab. In dem Seminar wurden nicht nur Techniken für eine gute Rede vermittelt, sondern auch direkt umgesetzt. Unter realistischen und teilweise auch spielerischen Bedingungen trainierten wir zu gestikulieren, Artikulation und spontane sowie geplante Reden zu halten. Dieses wurden anschließend mit Hilfe einer Videoanalyse ausgewertet. Frau Galland konnte mit Ihrem großen Wissensschatz und Erfahrung aus ihrer eigenen politischen Kariere immer wieder passende Beispiele und Hilfestellungen leisten. Das Seminar bestand aus einer perfekten Mischung, die individuell mit der Gruppe abgestimmt worden ist, zwischen kleinen Theorieblöcken und viel praktischen Übungen. Ich freue mich schon auf das Aufbauseminar.
Sie hat uns so viel beigebracht und das auf so einzigartige Art und Weise. Ich würde es jederzeit wiederholen. Note 1 Top Referentin.
Leo-Akademie 2017
Leo Akademie 2017
Teilnehmer
Bei einem Frauenseminar war Frau Galland unsere Rhetorik-Referentin. Sehr kompetent, mit Witz und Charme brachte uns Frau Galland Tricks und Kniffe für den gelungenen Auftritt bei. Nicht nur die rhetorischen Fähigkeiten wurden verbessert, wir lernten auch auf unsere Körperhaltung, Mimik und Gestik zu achten und dabei authentisch zu bleiben. In vielen Übungen wurde das Wissen vertieft. Sehr schön war der respektvolle Umgang von Frau Galland mit uns Telnehmerinnen, sowie den liebevollen Korrekturen und Aufmunterungen wenn es mal nicht ganz so gut geklappt hat. Das dort Erlernte half mir sehr bei meinen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Mittlerweile ist es für mich Routine vor Menschen zu sprechen. Ich kann Frau Galland nur sehr empfehlen.
Note 1 Einfach nur klasse, mehr kann ich dazu nicht sagen!
Leo-Akademie 2017
Leo Akademie 2017
Teilnehmer
Note 1 Danke an Friederike für 2 tolle Tage Viele Übungen haben für Abwechslung gesorgt und man war selber ständig aktiv und darum geht es bei solchen Workshops. Besonders gut hat mir das persönliche Feedback gefallen, sodass jeder weiß, an welchen Punkten er ansetzen muss.
Leo-Akademie 2017
Leo Akademie 2017
Teilnehmer
Trotzdessen, dass ich meine persönlichen Grenzen überschreiten musste, kann ich im Nachhinein sagen, dass es mich total weiter entwickelt hat und Türen für anderes öffnet. Note 1
Leo-Akademie 2017
Leo Akademie 2017
Teilnehmer
Es gibt viel zu wenig gute Redner und Rednerinnen – Friederike Galland Das Seminar war sehr gut! Auch die Körperübungen waren super!
Leo-Akademie 2017
Leo Akademie 2017
Teilnehmer
Ihr Seminar "Frauen in der Kommunalpolitik" hat mir sehr gut gefallen. Ich habe vieles mitnehmen können und werde diese Woche einiges bei meiner Bürgerrunde, Sitzungen und Vorstandsbesprechung ausprobieren. Danke und würde mich über weitere Seminare von Ihnen freuen.
"Frau Galland hat ein grandioses Seminar gehalten, das zu keiner Zeit trocken oder in einer sonstigen Form langweilig war. Dazu außerdem sehr lehrreich und gut vermittelt, gerade über die ständigen praktischen Übungen."
"Ich würde bei Frau Galland jederzeit wieder solch ein Seminar belegen und sie auch weiterempfehlen!! Bestes Seminar, das ich jemals besuchen durfte!!!"
Erdbeeren
Leo-Akademie 2016
Rhetorik-Bootcamp
"Es war ein angenehmes Zusammenspiel aus persönlich gefordert sein, das eigene Entwicklungspotential zu entdecken und viel Lachen über Geschichten die das Leben schreibt ... neben den Inhalten hat Friederike Galland aus jeder von uns wertvolle Seiten herausgezaubert"
Dozen­tin Frie­de­ri­ke Gal­land, Rhe­to­rik­trai­ne­rin und ehe­ma­li­ges Mit­glied des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses, schuf ein Pro­gramm, das alle Teil­neh­mer an ihre Gren­zen brach­te, ihnen aber auch einen Quan­ten­sprung in ihrer Aus­spra­che, Prä­sen­ta­ti­on und per­sön­li­cher Ent­wick­lung ermög­lich­te.
"Eine klasse Frau, die das Seminar sehr gut geleitet hat und die Inhalte zur vollsten Zufriedenheit vermitteln konnte.."
Erdbeeren
Leo-Akademie 2016
Rhetorik-Bootcamp
Tolles Seminar. Sehr gute Motivation. Man geht mit Elan und vielen neuen Ideen aus dem Seminar und brennt darauf, die Dinge umzusetzen. Durch die praktischen Übungen bleibt so viel hängen.
unsichtbare Frösche
Hildegard Schiffers
Seminar Mitgliederwerbung
Gut, dass so viele Frauen mit Unternehmergeist die Unterstützung der Käte Ahlman Stiftung nutzen. Das Seminar mit Friederike Galland in Bad Honnef hat mich einen Schritt weiter gebracht.

Körpersprache und Wirkung

Körpersprache bildet unsere innersten Gedanken und Haltungen ab.
Deshalb ist es so schwer, sie zu steuern. Besser funktioniert es
indirekt. Der einfachste Weg zu ausdrucksstarker Körpersprache:
Sprechen Sie nur, wenn Sie vom Inhalt der Rede überzeugt sind.

Wir kommunizieren immer mit dem ganzen Körper. Jeder und immer. Bei Langeweile z.B. zeigen wir keine großen Gesten. Im schlimmsten Fall sehen wir aus wie ein leerer Sack Mehl und bohren in der Nase. Wie es Paul Watzlawick schon sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Körpersprache ist in weiten Teilen universal gültig. Selbst von Geburt an blinde Sportler reissen beim Jubeln die Arme hoch. Glückliche Kinder hüpfen weltweit auf und ab.

Kongruente Körpersprache

Vor allem Ihre Körpersprache entscheidet darüber, ob man Ihnen glaubt und folgt. Denn das Publikum prüft ständig, ob Sie die Wahrheit sagen. Es tut das, indem der Inhalt der Rede damit „Wie es gesagt wurde“ verglichen wird. Ist beides nicht deckungsgleich (kongruent), dann wird die Botschaft verworfen. Deshalb ist es so wichtig, natürlich, echt und ungekünstelt zu wirken.

Aufregung als Problem

Sind wir sehr aufgeregt, durchdringt die Aufregung alles. Sie zeigt sich in Mimik Gestik, Haltung und Bewegung. Folglich stimmen Körpersprache und die Botschaft unserer Rede nicht überein. Versuchen Sie nicht, die Aufregung zu verdrängen. Sonst entstehen Übersprungshandlungen. Die Abweichung zwischen Inhalt und Körpersprache wird noch größer.

Übersprungshandlungen sind z.B. Kleidung bzw. Haare zu richten, sich zu kratzen, das Klicken mit dem Kugelschreiber, das Reiben der Nase. Das schlimmste, was ich je gesehen habe, war ein Redner, der auf dem Weg zum Pult noch seinen Slip richtete.

Es ist folglich sehr wichtig, die eigene Aufregung in den Griff zu bekommen. Wenn Sie sich wohlfühlen, wird Ihre Körpersprache zum Beweis Ihrer Redlichkeit.

Eine erregende Einstellung finden

Gute Körpersprache ist ausdrucksstark. Sie verstärkt Ihre Botschaft. Wenn Ihre Körpersprache wirken soll, brauchen Sie vor allem drei Dinge.

Sie brauchen:
1. gespannte Aufmerksamkeit (der Tiger vor dem Sprung)
2. eine klare Struktur und
3. eine Botschaft, die Sie mit Leidenschaft vertreten.

Auch Zahlen können sehr wohl Leidenschaft wecken. Es muss nicht immer die Begeisterung über die Werte an sich sein. Zahlen oder deren Ursprung müssen nur gut analysiert werden. Die Ergebnisse dieser Analyse sprechen immer eine klare Botschaft. Diese Botschaft können Sie dann voller Überzeugung vortragen.

Wenn Sie andere begeistern wollen, dann seien Sie einfach selbst begeistert. Sie wünschen sich größere Gesten? Sie möchten ausdrucksvoller sein? Ihre Körpersprache soll stärker wirken? Dann finden Sie bitte eine erregende Einstellung zur eigenen Botschaft. Der Rest kommt dann fast von allein.

Sich eine Ansicht zu eigen machen

Wenn Ihnen ein Thema eigentlich nicht liegt, müssen Sie daran arbeiten Sie müssen es zu Ihrem Thema machen. Sonst können Sie nicht überzeugend dazu sprechen.

Als Politikerin kenne ich diese Situation gut. Seltenst ist die Meinung der Partei identisch mit meiner. Also fragte ich mich, wo ich zustimme und worauf ich stolz bin. Es hilft auch, mich zu fragen, warum es zu dieser Entscheidung genommen ist. Vielleicht ist der kleine Schritt das maximal Erreichbare.

Mit aussreichend Arbeit kann man sich sehr viele Ansichten zu eigen machen. Es geht nicht darum zu lügen, sondern darum, tiefes Verständnis für die zu vertretende Position zu entwickeln. Wenn ich mit nichts übereinstimme, dann sollte ich die Rede nicht halten.***

Eindrucksvolle Körpersprache

Was lässt Sie glaubwürdig und eindrucksvoll wirken? Sprechen Sie über eigene Erlebnisse. Bringen Sie Beispiele. Werden Sie emotional. Viele denken dabei sofort an Schauspiel. Sie liegen damit nicht ganz falsch.

Method Acting

Redner können viel von Schauspielern lernen.

Schauspieler erwecken Worte zum Leben. Wir sollen in Filme eintauchen. Glauben, dass die Geschichte vor unseren Augen spielt. Wir sollen die Kunst vergessen. Das Spiel soll real wirken.*

Viele Schauspieler bauen auf das Stanislawski-System oder Method Acting. Sie nutzen persönliche Erlebnisse. Der Abruf dieser Erlebnisse gewährt Zugang zu den damit verbundenen Gefühlen. Die Gefühle werden gespeichert. Später können sie auf der Bühne benutzt werden, um die Rolle besser zu „spielen“.

Über Liebe sprechen ist leichter, wenn wir uns noch gut daran erinnern wie es war. An diesen Tagen am Meer. Mit ihm. Mit ihr.
Über Liebe zu sprechen ist leichter, wenn wir uns noch gut daran erinnern wie es war. An diesem Tag. Am Meer. Mit ihm. Mit ihr.

Die Methoden sind sehr wirksam. Das beweist eine lange Liste sehr erfolgreicher Schauspieler, die sich ihnen verschrieben haben: James Dean, Paul Newman, Al Pacino, Jane Fonda, Jack Nicholson. Daniel Day-Lewis gewann damit schon drei Mal den Oscar für die beste männliche Hauptrolle.

Wollen Sie Ihre Körpersprache direkt beeinflussen? Ohne Umweg
über das Method Acting? Dann üben Sie bitte hundertfach. Danach
sind die Bewegungen abrufbar. (Wenn Sie nicht von etwas überrascht
werden.)

Blickkontakt

Sie wollen sympathisch wirken? Sie möchten glaubwürdig sein? Sie wollen zeigen, dass Sie kompetent sind? Dann ist der Blickkontakt Ihr Hebel. Ihr Blickkontakt soll ruhig, stet und direkt sein. Schauen Sie dazu entweder in das rechte oder das linke Auge. Nicht auf die Stirn oder auf die hintere Wand. Je intensiver Ihr Blickkontakt ist, um so mehr Autorität, Souveränität und Kompetenz schreibt man Ihnen zu.

Blickkontakt ist ein Autoritätssignal. „Ich sehe, was du tust.“ Demütig gesenkte Blicke haben statt dessen keine Autorität.

Aber warum macht Sie der Blickkontakt sympathisch?
Es ist recht einfach. Das Publikum möchte gesehen werden. Es will den Kontakt mit uns: intim und unmittelbar. Denn das unterscheidet Live von der Konserve. Kein Aspekt der Körpersprache, ausser der Nennung eines Namens, sagt klarer „Du bist gemeint!“. Diese Zuwendung macht sympathisch.

Tipp: Sie wollen den Eindruck „Ich rede nur für Dich“ verstärken? Dann Personalisieren Sie Ihren Vortrag doch.

Im Gespräch halten nur die Zuhörer stets Blickkontakt. Der Sprecher muss das nicht. Denn es ist  schwer Blickkontakt zu halten, während man spricht. Beim Denken z.B. schauen wir meist weg. Aus diesen Gründen würde ständiger Blickkontakt im Gespräch als „Anstarren“ gewertet.

Doch auch wenn Sie vor großen Gruppen reden, möchte jeder Zuhörer angeschaut werden. Darum gelten für Redner zwei Gesetze:

  1. Nie mehr reden ohne Blickkontakt.
  2. Jeden Blickkontakt so lange halten, bis Sie eine Rückmeldung bekommen.

Blickkontakt-Kniff: Cheerleader

Damit es leichter klappt, hier noch ein Kniff. Sprechen Sie, wenn Sie sich nicht wirklich gut fühlen nur zu Ihren Cheerleadern. Cheerleader sind die Zuhörer, die Ihnen zu verstehen geben, dass sie „ganz Ohr“ sind. Sie tun das durch Lächeln, intensiven Blickkontakt und ggf. Nicken. Die beschriebenen Signale sagen Ihnen deutlich: „Sprich weiter. Ich will mehr hören. Du machst das gut“ – Cheerleader halt.

Kniff: Blickkontakt für Fortgeschrittene

Sprechen Sie genau eine Phrase, einen kurzen Abschnitt zu jedem Zuhörer, mit dem Sie Blickkontakt halten. Wenn Sie durch sind, nicken Sie kurz. Warten Sie die Reaktion ab und gehen erst dann zum nächsten Zuhörer über. Dadurch wird Ihr Blickkontakt zu einem virtuellen Handschlag.

Dieser Kniff hilft Ihnen auch dabei, mehr und gute Pausen zu machen.

Einen Artikel zu ausdrucksstarker Gestik finden Sie hier.

Haltung

Stehen und sitzen Sie aufrecht! Lassen Sie Ihr Brustbein strahlen!

Sich aufzurichten zahlt sich aus. Jeder einzelne Zentimeter Körpergröße ist bares Geld wert. Für Männer 0,65% Brutto monatlich.

Es ist darum nicht verwunderlich, dass bedeutende Könige schon sehr früh (Kyros II. – bereits in der Antike) „Groß“ genannt wurden. Auch eine unterdurchschnittliche Körpergröße (Alexander – um 1,50m, Katharina II. – keine 1,52m, Friedrich II. – 1,62m) war kein Hinderungsgrund. Einzig Karl der Große war mit – auf heute umgerechneten – 1,95m tatsächlich weit überdurchschnittlich groß.

Wir betrachten beeindruckende und hervorragende Leistungen nicht nur sprachlich als GROßartig.

Blasen Sie sich unbedingt „zu voller Ochsenfroschgröße“ auf, wenn Sie auf der Bühne sind. Versuchen sie nicht, sich zu verstecken. Zeigen Sie sich. Ich bin ja der Ansicht, dass mir mein Gewicht auf der Bühne hilft. (Helmut Kohl, 1,93m konnte Menschen erschrecken, einfach indem er einatmete.) Trotzdem empfehle ich Ihnen eine Gewichtszunahme nicht als Strategie. Weniger schlanke Menschen werden gern für dumm, faul und undiszipliniert gehalten.

Halten Sie sich lieber einfach besonders aufrecht. Gestikulieren Sie weit ausladend und expansiv. Das lässt Sie größer wirken. Besonders groß wirken Sie mit Gesten, bei denen die Hände bis auf die Höhe der Schultern kommen.

Freude und Triumph sind Gefühle, die sich nach oben orientieren. Sie richten uns auf. Deshalb wirken Gesten die nach oben führen auch so gut. Hängende Schultern machen unglücklich.

Marionetten-Übung

Sie wollen lernen sich gerade zu halten? Bitte stellen Sie sich vor, dass oben auf Ihrem Kopf ein Faden befestigt ist. An diesem Faden werden Sie marionettengleich nach oben gezogen, bis sich ganz aufrecht stehen. Bitte ziehen Sie die Schultern nicht gleichzeitig zu den Ohren hoch. Die Schultern bleiben unten.

Engels-Übung

Sie kennen Abbildungen des Erzengels Gabriel? Nein? Vielleicht ja doch. Er ist der mit den riesigen Flügeln. Flügeln, für die mindestens fünfzehn Gänse Ihr Leben lassen mussten.

Bitte stellen Sie sich vor, solche Flügel auf dem Rücken zu tragen. Gehen Sie danach durch ein Einkaufszentrum oder zur Kantine. Das Gewicht der Flügel zieht Ihre Schultern nach hinten. Sie müssen sich bewusst gerade halten und etwas langsamer gehen, um trotz des Luftwiderstands vorwärts zu kommen. Beim Gehen hören Sie ein leises „Wusch, Wusch, Wusch“.

Sie dürfen gern dabei lächeln und den Entgegenkommenden in die Augen schauen. Auch wenn man Ihnen sonst keinen Platz macht. Auch wenn Sie sonst oft ausweichen müssen. Während dieser Übung ist das anders, wenn Sie alles richtig machen.

Nougatkrokant-Übung

Sie sehen einen Türrahmen. Das ist ab sofort Ihr Signal. Denn oben im Türrahmen hängt etwas, das Sie unbedingt mit Ihrem Mund schnappen sollten. Ganz so wie Sie es am liebsten haben, handelt es sich dabei um ein Sück Nougatkrokant, ein Mettbrötchen mit Zwiebeln, ein Stück dunkle Schokolade. Von mir aus gern ein Bissen saftige, aromatische Melone. Schnappen Sie zu. Es wird Sie innerlich wie äußerlich aufrichten.

Nase-Nabel-Kontakt

Sie wollen Ihren Blickkontakt nun noch weiter intensivieren? Dann machen Sie ihn zum Nase-Nabel-Kontakt.

Die volle Zuwendung zum Publikum wird durch den N-N-Kontakt perfekt beschrieben. Wenden Sie dazu Ihre Nase der Nase eines Zuhörers zu. Richten Sie auch Ihren Nabel auf seinen hin aus. Die Verbindungslinien von Nase zu Nase und von Nabel zu Nabel verlaufen nun parallel. Ihre Hüfte steht senkrecht dazu. Zeigen Sie möglichst vielen diese intensive Form der Hinwendung. Der N-N-Kontakt ist absolut das Gegenteil des über-die-kalte-Schulter-blickens.

Gerade, wenn Sie nicht so groß sein sollten, ist der N-N-Kontakt wichtig für Sie.

Kniff

Setzen Sie den N-N-Kontakt bewusst ein. Immer. Bei allen Gesprächen und Auftritten. Ergänzen Sie Ihren Blickkontakt mit dem N-N-Kontakt. Es wird Ihnen schnell in Fleisch und Blut übergehen.

Intensiver Kontakt ist einer der stärksten Treiber für Ihre Ausstrahlung. Verzichten Sie deshalb niemals wieder darauf. In keiner Situation außer dem Konfliktgespräch.

Achten Sie darauf, wer in einer Gruppe den meisten N-N-Kontakt bekommt. Er oder sie ist der Führer der Gruppe. Wenn Sie eine Entscheidung erreichen wollen, müssen Sie ihn überzeugen.

Stand

Bitte wenden Sie sich Ihrem Publikum immer frontal zu. Ihr Brustbein zeigt in die Mitte des Publikums. Sie sollen gut zu sehen sein. Wenden Sie sich nicht ab. Stehen Sie nicht im Halbprofil. Es sei denn, es gibt einen guten Grund dafür.

Sie sollten nicht nur sehr aufrecht, sondern auch sicher stehen. Idealtypisch beschreibt man das so:

  1. Gewicht auf beiden Füßen
  2. Gewicht tendenziell mehr auf den Ballen als auf den Fersen
  3. Füße etwa hüftbreit auseinander
  4. einen Fuß zwei Finger breit vor dem anderen.

Männer dürfen etwas breiter stehen, aber dafür nicht viel schmaler
werden. Frauen dagegen dürfen nicht viel breiter stehen. Verhalten sie
sich anders, könnte es sein, dass das Publikum mehr über Ihre
Geschlechtsidentität nachdenkt als über Ihr Thema.

Wimbledon-Übung

Wimbledon ist berühmt für seine Rasenplätze.
Jedes Jahr beim großen Tennisturnier leidet der Rasen, weil er das
intensive Spiel nicht gut verträgt.

Um zu spüren, wie sich ein richtig guter Stand anfühlt, machen
Sie bitte die Wimbledon-Übung. Testen Sie ein Stück Rasen: Stehen
Sie gerade und aufrecht. Unter Ihren Füßen liegt der Test-Rasen für
Wimbledon. Trampeln Sie, treten Sie den Rasen mit aller Kraft. Lassen
Sie auf einem etwa Din A3 großen Flecken (Zeichenblock) möglichst
keinen Grashalm stehen. Benutzen Sie dabei erst den einen und dann
auch den anderen Fuß. Verausgaben Sie sich.

Nun treten Sie locker einen Schritt zurück und verharren. Stehen
Sie aufrecht. Spüren Sie Ihre Füße. Nehmen Sie die Verbindung zum
Boden wahr. Wenn Sie intensiv genug „Getestet“ haben, wird
Ihr Stand nun fast perfekt sein. Diesen Stand sollten Sie ab heute
immer einnehmen, wenn Sie beginnen zu sprechen. Über den Sinn von
Routinen schreibe ich hier. (folgt)

Haselnuss-Kniff

Ausstrahlung besteht aus Kontakt und Haltung. Nichts verbessert Ihre Präsenz mehr als eine gute Körperspannung. Daran können Sie ganz leicht und ganz bewusst arbeiten. Stellen Sie sich einfach vor, eine Haselnuss zwischen den Pobacken festzuhalten.

Sie kennen eine ähnliche Anweisung schon vom Sport. „Becken nach vorn. Bauch fest.“ Den zweiten Teil der Anweisung ignorieren Sie bitte. Ihre Bauchdecke soll nicht angespannt sein. Sie brauchen sie, um mit dem Zwerchfell zu atmen und für die Stimmresonanz.

Bewegung

Stand und Bewegung sind eng verknüpft. Mischen Sie beides trotzem nicht. Wenn Sie stehen, stehen Sie ruhig. Einen Standpunkt mus man vertreten. Wenn Sie sich bewegen, tun Sie es absichtsvoll.

Es gibt noch einen ganz anderen Aspekt. Wir sind Nachfahren von Jägern. Darum suchen wir den Horizont fortwährend nach Beute und Raubtieren ab. Wer das nicht tat, verschwand aus dem Genpool.Darum es uns zur zweiten Natur geworden. Und darum hält uns Bewegung auf der Bühne wach. Bewegungslosigkeit wirkt dagegen beruhigend und einschläfernd.

Bewegung ist gut. Zuschauer belohnen Energie und Abwechslung.

Wie bringt man beide Aspekte zusammen? Bewegung ist immer dann
gut, wenn sie das Gesagte unterstreicht. Sie bringen ein neues
Argument, dann wechseln Sie dazu den Platz. Sie sagen: „Es muss
so bleiben“, dann bewegen Sie sich bitte nicht. Schwanken,
Tänzeln oder Wippen am Platz ist nicht gut.

Ein Zuviel an Bewegung ist schlecht. Denn es lenkt ab.

Außerdem verlieren Sie so an Status. Warum das so ist, fragen Sie? Wichtige Menschen bewegen sich nur wenig. Statt dessen bewegen sich die anderen Gruppenmitglieder um das alpha-Tier herum oder darauf zu oder davon weg.

* Ja, Brecht sieht das anders.
*** Wenn Sie so gar keinen Weg finden können, sprechen Sie mich an. Es dauert meist nicht lang, Sie zu einem guten Botschafter zu machen. Ein Wechsel der Perspektive und die Wahl des richtigen Rahmens helfen erfahrungsgemäß sehr.

Es stört Sie doch nicht, wenn ich weiter ruhig bleibe?!

Schlagfertig mit Standardantworten

Gerade, wenn man gestresst ist und den Anderen einfach nur stoppen möchte, sind Standardsätze und Standardantworten die Kronjuwelen der Schlagfertigkeit. Mit Standardsätzen sind Sie schlagfertig ohne sich anzustrengen. Mit Standardsätzen weisen Sie den Anderen in die Schranken, ohne viel darüber nachdenken zu müssen. Bleiben Sie dabei ruhig und gelassen. So können Sie die Situation deeskalieren, ohne inhaltlich nachzugeben oder das Gesicht zu verlieren.

Ängstlich zu sinnen und zu denken, was man hätte tun können, ist das Übelste, was man tun kann.

Georg Christoph Lichtenberg

Lassen Sie sich nicht ablenken. Machen Sie Ihrem Gegenüber klar, dass er Abstand halten soll, dass sein Verhalten nicht ok ist. Sparen Sie Ihre Energie und bleiben Sie beim Thema. Nutzen Sie Standardsätze.

Beispielsätze

  1. Es macht ihnen sicher nichts aus, wenn ich weiter ruhig bleibe.
  2. Sie sollten nicht von sich auf andere schließen.
  3. Sie gestatten sicher, dass ich weiter höflich bleibe.
  4. Ich bin bereit, trotz allem weiter konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten. Können sie sich das auch vorstellen?
  5. Für Sie ist es sicher in Ordnung, wenn wir uns weiter (konstruktiv) um eine Lösung bemühen?

Nehmen Sie sich einen der Beispielsätze und lernen Sie ihn auswendig. Versuchen Sie ihn eine Woche lang immer wieder anzuwenden. Dazu müssen Sie ihn nicht einmal laut aussprechen. Denken reicht. Danach steht er Ihnen auch im Ernstfall – schlagfertig – zur Verfügung.

Standardsätze sind nicht immer die allerbeste Lösung, aber immer ein guter Anfang. Schlagfertige Menschen suchen nicht nach 150-prozentig passenden Antworten . Es geht oft darum, überhaupt eine Antwort zu haben, die zu Ihnen passt. (Jemand mit meiner Größe und Ausstrahlung darf z.B. nicht „Das ist Ihr Horizont sagen„. Mit 1,52m ginge es vielleicht schon.) Darum erarbeiten wir im Seminar individuelle Standardantworten. Je besser Sie sich damit fühlen, desto eher werden Sie sie benutzen.

Buchen Sie mein Schlagfertigkeitstraining, um noch schlagfertiger zu werden und sich dabei wohl zu fühlen.

Metapher

Was ist eine Metapher?

Metaphern setzen zwei Objekte symbolisch miteinander gleich. Eigentlich sind die Dinge die zueinander in Beziehung gesetzt werden, nicht wirklich ähnlich. Metaphern erklären etwas Unbekanntes oder weisen auf bestimmte Merkmale, Verhaltensweisen oder Ähnlichkeiten hin.

Kalte Füße, schwarze Schafe, Feuerwerk der Gedanken – im Zweifel ist bei diesen Beispielen nicht das tatsächliche Phänomen gemeint. Sie stehen statt dessen für etwas anderes, z.B. einen Sachverhalt/ abstraktes Konzept / Szenario.

„Du bist ein Sonnenschein“. Natürlich produziert die hier gemeinte Person weder Wärme noch Licht im pysikalischen Sinn. Trotzdem wissen wir alle, was gemeint ist.

Beispiele für Metaphern

  1. Zuhause ist Zirkus, seit meine Mutter auf Kur ist.
  2. Sie ist eine Augenweide.
  3. Sein Lebensabend.

Wann sind Metaphern nützlich?

Metaphern sind besonders gut geeignet, um komplizierte und komplexe Sachverhalte anschaulich zu machen. Metaphern tragen zur Verständlickeit bei, weil sie Bilder nutzen, die die Zuhörer aus Ihrem Alltag kennen. Durch den Verweis auf Bekanntes wird der Zuhörer verführt, sich auf den Sachverhalt an sich einzulassen.

Besonders interessant wird es, wenn Metaphern zu Geschichten wachsen:

Dachmetapher

Wenn Sie z.b. die letzten Jahre im Leben eines Menschen als seinen Lebensabend beschreiben und dann in Ihren Ausführungen konkret darauf eingehen, was einen Abend ausmacht, dann wird der Lebensabend zur Dachmetapher für den gesamten Text. So etwas macht Reden sehr interessant, wenn die Dachmetapher gut gewählt wird.

Ob die Entwicklungsabteilung allerdings glücklich damit werden würde, wenn Sie den Kindergarten als Dachmetapher wählen (weil dort auch mit Lego gearbeitet wird), sei dahingestellt. Bevor Sie selbstverliebt mit einer Dachmetapher arbeiten, fragen Sie sich bitte, ob es einen Vorteil birgt. Betrachten Sie die Angelegenheit unbedingt auch vom Ende her.

Wer dem Startup sagt, dass es gerade laufen lernt, kommt damit durch. Wer die Dachmetapher „Leben“ benutzt, müsste folgerichtig auch den Tod betrachten.

Metaphern sind gefährlich

Metaphern sind sehr mächtige Stilmitte. Sie bieten Systematisierung fürs Unvorstellbare und machen Sachverhalte (scheinbar) greifbar, über die wir bis dahin keine Vorstellung hatten.

Metaphern sprechen durch ihre Bildhaftigkeit unser Unbewusstes an und sind darum besonders überzeugend.

„Geschickt“ gewählte Metaphern können verzerren und unzulässig vereinfachen. Kein rethorisches Stilmittel ist unschuldig. So ist die Flüchtlingskrise schon bedrohlich, als Flüchtlingslawine wird sie zur unbeherrschabaren Naturgewalt.

Die Metapher ist darum ein bevorzugetes Instrument des Framing.

Ähnliche Stilmittel

Parallelismus, Gleichnis, Synkedoche, Meonymie, und Vergleich

Wenn es schief geht

Protektionismus heißt, sich in einer dunklen Kammer einzuschließen… dann bleiben zwar Wind und Regen draußen, aber auch Licht und Luft.

Xi Jinping, Chinesischer Präsident seit 2013  (Weltwirtschaftsforum in Davos 2018)

Dazu schreibt der Spiegel: „Die Metapher der „dunklen Kammer“, die bislang meistzitierte aus Xis Davos-Rede, ist auch eine der fragwürdigsten: Man sollte anderen keine Ratschläge erteilen, sich nicht „einzuschließen“, wenn man wie Xis Internetzensoren selbst 1,3 Milliarden Menschen hinter einer „Großen Brandmauer“ einsperrt und Hunderte von Websites blockt. Die Chinesen, zumal die jungen und kreativen, die das Internet bevölkern, erkennen diesen Widerspruch genau.“

Wäre XI Jinping Präsident eines demokratischen Staates, dann würde ihm auch die Umweltbewegung seines Landes die Metapher wahrscheinlich ewig vorhalten. Schließlich wird es in China oft gar nicht hell vor lauter Staub und Ruß.

Wolfgang Schäuble vergriff sich 2015 in einer Rede, in der er sich am Rande zum massiven Anstieg der Flüchtlingszuwanderung äusserte. Er hatte gesagt: „Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt“ und wurde prompt überall gefragt, wer die denn „losgetreten habe“.