Sprechpausen zünden einen Turbo für Ihre Wirkung. Wenn sie gut gesetzt werden, entfalten sie mehr Wirkung als alle Worte, die Sie in viel längerer Zeit sagen könnten. Machen Sie darum mehr Pausen, längere Pausen, bessere Pausen.

Sprechpausen sorgen dafür, dass sich Ihr Publikum emotional und intellektuell an Sie bindet.

Zur Übung könnten Sie ab sofort immer drei Sprechpausen in Ihren Präsentationen und Reden einplanen.

„Das richtige Wort kann wirkungsvoll sein, aber kein Wort war je so wirkungsvoll wie eine gut gesetzte Pause.“

Alan Alda (Mash)

Was genau bewirken die unterschiedlichen Sprechpausen?

Autorität und Status erhöhen sich

Die eine Pause, bevor Sie zu sprechen beginnen, schenkt Ihnen Autorität. Statt sich vom Publikum treiben zu lassen, verzögern Sie ganz bewusst und üben so „Macht“ aus. Sie bestimmen ab jetzt das Tempo. Dieses Signal – auch wenn es ganz klein ist – wird wohl verstanden.

Sie können auch während der Rede einzelne Zuhörer ansehen und in dieser Zeit nichts sagen. Das verstärkt entweder den Kontakt oder vermittelt Autorität.

„Die Musik steckt nicht in den Noten. Sondern in der Stille dazwischen.“

Wolfgang Amadeus Mozart

Statushohe Menschen sprechen und bewegen sich langsamer als andere. Wenn Sie mehr Pausen machen, werden Sie darum als statushöher wahrgenommen werden. Unsichere Menschen sprechen schnell und trauen sich nicht innezuhalten. Trauen Sie sich?!

Die Spannung vergrößert sich

Lassen Sie das Publikum warten. Verlangsamen Sie bewusst. So bauen Sie Spannung auf. Die Pause ist das dramaturgische Mittel der Wahl.

Reden ohne Pausen wirken nicht.

Die Aufmerksamkeit wird größer und das Gesagte wirkt besser

Ihr Publikum kann sich die Dinge, die Sie sagen, nur merken, wenn Sie ihm Zeit gönnen, sie sich zu eigen zu machen. Zumindest nach den wichtigsten Aussagen sollten Sie darum innehalten. Nachhaltig zu reden, erinnerungswürdig zu sein, hängt sehr eng mit Ihrer Pausenkunst zusammen.

Ihr Humor kann richtig wirken

Pointen müssen gesetzt werden. Das heisst, dass man vor der Pointe den Redefluss unterbricht.

Dieses Innehalten vor der Pointe verbessert das Zuhören. Es sorgt dafür, dass der set-up ankommt und sich die Pointe im resultierenden Kontrast besser entfalten kann.

Meine Geschichte

Es ist ein heißer Julitag. Nachmittags. Ich referiere zum Thema Psychologie des Überzeugens und mir fällt Punkt sechs, der noch auf das Flipchart muss, einfach nicht ein. Gefühlt minutenlang schwitze ich Blut und Wasser, während die 14 Seminarteilnehmer in meinem Rücken still abwarten. Nur das Klicken eines Kugelschreibers ist zu hören.

In der Feedbackrunde wird mir gesagt: „Und dass Sie Rhetoriktrainerin sind, das habe ich bei dieser unfassbar langen Pause vor Punkt sechs gemerkt, die Sie gemacht haben. Ich war so neugierig. Ich werde niemals vergessen, wie einfach es sein kann, Autorität auszustrahlen.“

Ich erzähle diese Geschichte immer noch sehr ungern, weil ich mich noch so gut an das unangenehme Gefühl erinnern kann.

Was haben Sie selbst, unmittelbar davon?

Nutzen Sie Pausen um

  • Atem zu schöpfen
  • Ihre Stimme loszulassen
  • Fülllaute zu vermeiden
  • das Publikum wahrzunehmen
  • herauszufinden, was als nächstes passieren/gesagt werden soll
  • wieder Spaß an häufig referierten Themen zu gewinnen

“ Es ist der Raum zwischen den Zeilen, der eine Aufführung großartig macht.“

Alan Alda (Mash)

Wie lang sollten Sie schweigen?

Das ist schwer zu sagen. Sicher ist, sind Sprechpausen zu kurz, werden sie nicht als solche wahrgenommen. Einfach nur einzuatmen ist KEINE Pause.

Wie lange eine Pause typischerweise sein muss, liegt am Zweck für den sie verwendet wird. Hier einige Anhaltspunkte, bei denen ich mich an Ron Ardens Klassifizierung von Pausen halte:

Pausen, um das Verständnis zu vergrößern

Nach Sinnabschnitten: eine halbe bis eine Sekunde. Unsere Hörer können nicht wie Leser nochmal ein paar Seiten zurückblättern oder Sätze erneut lesen. Darum brauchen Sie dieses Innehalten, um den Inhalt zu verstehen.

Pausen zur Überleitung

Am Ende eines Gedankens, speziell wenn Sie schnell sprechen: ein bis zwei Sekunden Sprechpause. Besonders wichtig wenn Sie über etwas erstaunliches, emotional bewegendes, poetisches oder dramatisches oder neues sprechen.

Dramatische Pausen

Zwischen drei und sieben Sekunden. Zum Beispiel „Sie werden nicht glauben, was passierte…“ Spannung und Aufmerksamkeit werden gesteigert. Bitte beachten Sie – es muss sich für Ihre Zuhörer lohnen.

Pause um das Gehörte zu bedenken

Wenn Ihr Publikum Zeit braucht, um das Gehörte zu verdauen. Ebenfalls zwischen drei und sieben Sekunden.

Effektvolle Sprechpause

Zwischen einer und zwei Sekunden. Das Gesagte dringt tiefer. Sie können sicher sein, dass sie gehört wurden. Dieses Innehalten findet sich typischerweise vor der Pointe Ihres Witzes.

Kunstpause

Kunstpausen – typischerweise ein bis drei Sekunden – nutzen Sie, wenn Sie spontan wirken möchten (es aber nicht sind).

Besonders zu empfehlen sind Sie bei Reden und Präsentationen, die Sie schon sehr oft gehalten haben. Denn interessanterweise wird Ihr Thema dadurch auch für Sie selbst wieder spannender. Nicht nur für das Publikum.

Sie könnten statt dessen auch bewusst Fülllaute einsetzen, so wie man es aktuell für Bots programmiert, damit sie natürlicher wirken. Ein bis zwei Ähms pro anderthalb Minuten sind ein guter Wert. Daran können Sie sich orientieren.

Pausen, um sinnliche Eindrücke wirken zu lassen

Sobald Sie sagen „stellen Sie sich vor“ muss es diese Pause geben. Fantasie braucht Raum, um sich zu entfalten.

Sprechpausen, um zu betonen

Gleichförmigkeit gilt es zu vermeiden. Schaffen Sie Abhilfe und Abwechslung: Pausen sind Paukenschläge.

Spezielle Gesprächspausen

Pausen, um zu zeigen, dass Sie zugehört haben

Zu schnelle Nachfragen, Antworten oder Weiterführungen des Themas führen bei Fragestellern / Gesprächspartnern gern zu dem Gefühl, man habe ihnen nicht zugehört. Dem können Sie mit einer kurzen oder gern auch längeren Sprechpause begegnen. Mindestens zwei Sekunden. Gern auch länger.

Pausen, um die Kontrolle zu behalten

Wenn Sie in Fragerunden und Q & A nicht direkt antworten, ist das zu Ihrem Vorteil. Im Eifer des Gefechts neigen wir dazu, schwach, unstrukturiert, wiederholend zu antworten. Sammeln Sie sich zuerst und antworten Sie dann. Das darf auch mehr als drei Sekunden dauern. Es wirkt souveräner innezuhalten statt

Was Sprechpausen verändern

Ihre Rede ist solange ein Dialog und kein Monolog, solange Ihr Publikum weder tot ist noch schläft. Der Dialog findet zwischen Ihren Worten und den Gedanken der Zuhörer:innen statt. Aber nur in Ihren Sprechpausen kann das Publikum gedanklich mit dem Gesagten interagieren. Je engagierter Ihr Publikum ist, desto wirkungsvoller wird Ihre Rede sein. Die Zuhörer machen sich dann nämlich Ihre Gedanken zu eigen. Gute Redner:innen können mit Ihrem Schweigen mehr bewirken als andere mit Ihrem gesamten Sprechen.

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