So werden Sie besser reden

Gut zu reden, besser zu reden als andere kann man lernen. Es braucht dazu kein Rhetorik Seminar. Sie können jederzeit viel dafür tun besser zu reden.

Vorbereitung

Jede Rede gewinnt mit mehr Vorbereitung. Gerade so bekannte und begnadete Redner wie Barack Obama bereiten ihre Reden akribisch vor. Sie überarbeiten sie immer wieder. Häufig genug sind professionelle Redenschreiber daran beteiligt. Eine wirklich gute Rede entsteht nicht spontan.

Wenn Sie eine gute „spontane“ Rede hören, fragen Sie sich unbedingt, wie oft die Redner wohl schon vorher über das Thema gesprochen haben. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass man spontan sein muss, um gute Reden zu halten.

Die Grundpfeiler Ihrer Rede

Gute Reden wenden sich an ein ganz bestimmtes Publikum. Sie werden automatisch besser reden, wenn die Rede ein konkretes Ziel hat. Diesem Ziel sollte sich alles unterordnen. Der folgende Ablauf stellt sicher, dass Sie Ihr Ziel erreichen.

  1. Fragen Sie sich als erstes, was Sie mit Ihrer Präsentation erreichen möchten. Sie sollten Ihre Redeabsicht so zusammenfassen können, dass sie als Text auf ein T-Shirt passt.
  2. Klären Sie im Anschluss, wer genau Ihnen zuhören wird. Was für ein Interesse hat das Publikum an Ihrem Thema? Was für Erfahrungen haben Ihre Zuhörer*innen gemacht? Je präziser Ihre Rede zu Ihrem Publikum passt, um so besser. Nur adressatenorierte Reden werden gehört.
  3. Als nächstes kommt der Redeschluss. Wie genau lautet Ihr Appell, Ihre Forderung, Ihr call to action? 18 bis 20 Worte, mehr sollten es im ersten Schritt nicht sein.
  4. Sammeln Sie Argumente und Geschichten, die dies spezielle Publikum bewegen könnten, Ihrem Appell zu folgen. Wählen Sie im Anschluss die passenden aus. Dabei sollte sich eine Struktur ergeben.
  5. Schreiben Sie einen Satz für jeden Punkt, den Sie in der Rede ansprechen möchten.
  6. Die Einleitung legen Sie als letztes fest.

Die Rede formulieren

Wenn Ihre Rede soweit vorbereitet ist, können Sie sie entweder schriftlich ausformulieren oder einfach immer wieder einzelne Punkte mündlich formulieren. Wenn Sie später frei sprechen wollen, formulieren Sie mündlich und machen Sie sich dabei Stichpunkte. Schreiben Sie keine! Sätze aus.

Struktur

Beim Ausformulieren merken Sie, was gut funktioniert und was nicht. Bleiben Sie dran. Feilen Sie immer wieder auch an der Struktur. Es muss eine Einleitung und einen Schluss geben. Die Punkte dazwischen müssen logisch aufeinander folgen. Je besser Sie sie anordnen, desto einfacher wird es später sein, die Rede zu halten. Eine gute Struktur / Storyline wird Sie durch die Rede tragen.

Wenn die einzelnen Punkte komplett klar sind, „schreiben“ Sie die Überleitungen.

Nicht nur besser sondern richtig gut reden

Jetzt gibt es noch drei Dinge zu tun:

  1. Welche Punkte wollen Sie betonen oder herausheben? Wo fehlt es an Verständlichkeit? Wenn Sie bisher noch keine rhetorischen Stilmittel in Ihrer Rede verwenden, dann wird es Zeit.
  2. Bauen Sie Humor ein.
  3. Sie wollen Ihre Rede mit einer Präsentation unterstützen? Dann ist dies der richtige Moment, um Ihre Folien zu entwickeln.

Besser reden durch das richtige Üben

Übung ist wichtig. Aber man muss es richtig machen. Schauen Sie beim Üben nicht in einen Spiegel. Ausstrahlung entsteht nicht durch Selbstbezogenheit. Versuchen Sie lieber ein imaginiertes Publikum anzusprechen. Wenn Ihnen das schwerfällt, stellen Sie einfach Bilder der Stakeholder oder die Stofftiere Ihres Haushalts auf. Zur Kontrolle Ihrer Wirkung nutzen Sie im Anschluss eine Video- oder Tonaufnahme.

Auf der Bühne

Es gibt drei einfache Tipps dafür, damit Sie beim Vortrag sofort viel besser wirken. Wenn Sie diesen drei Schritten folgen, wirken Sie präsenter. Ich nenne das gern Instant-Rhetorik.

  1. Beginnen Sie erst zu sprechen, wenn die volle Aufmerksamkeit bei Ihnen ist.
  2. Sprechen Sie immer nur mit Blickkontakt.
  3. Laufen Sie nach der Rede nicht weg. Setzen Sie sich nicht gleich wieder. Warten Sie den Schluss ab. Nehmen Sie den Applaus entgegen. Erst dann gehen Sie gelassen an Ihren Platz.

Nach der Rede

Übung allein macht keinen Meister. Sie müssen herausfinden, was gelungen ist. Sie müssen aber auch herausfinden, was Sie verändern möchten. Dann werden Sie immer besser reden. Die Nachbereitung ist ein wichtiger Teil des bewussten Lernens. Tatsächlich ist ihre Nachbereitung immer schon die Vorbereitung auf die nächste Präsentation.

Selbstverständlich können Sie andere um Feedback bitten. Abschließend sollten Sie immer sich selbst Feedback geben.

Geben Sie sich selbst Feedback

Um besser reden zu lernen, halten Sie sich nach jeder Rede den Spiegel vor. Stellen Sie sich dabei drei Fragen:

  1. Was hat funktioniert?
  2. Was hat mir gefallen?
  3. Wie und wo kann ich noch besser werden?

Was hat funktioniert?

Um besser zu reden, ist es wichtig zu wissen, was funktioniert hat: An welchen Stellen hat sich das Publikum so verhalten, wie ich es mir gewünscht habe. Wie gut ist es mir gelungen, meine Ziele zu erreichen? An welchen Punkten hatte ich die volle Aufmerksamkeit des Publikums? Wann ruhten alle Blicke auf mir?

Was hat mir gefallen?

Um besser zu reden ist es gut, sich zu fragen, was Ihnen selbst gut gefallen hat. Wann habe ich mich besonders gut gefühlt? Was hat mir gutgetan? Was war leicht? Worüber habe ich mich gefreut? Was will ich wieder ganz genau so haben?

Was kann ich verändern, um beim nächsten Mal noch besser zu reden

Legen Sie fest, welche konkreten Veränderungen Sie beim nächsten Mal vornehmen wollen. Formulieren Sie, was Sie tun möchten, nicht, was Sie nicht mehr tun möchten.

Gern helfe ich Ihnen im Rahmen eines Einzelcoachings bei der Vorbreitng oder mit Feedback für Ihre Rede. Nehmen Sie dazu Ihre Präsentation einfach mit dem Handy auf.

Nur das beste Zitat betört: Christine Lagarde

Grate you teeth and smile. – Lächle, während Du mit den Zähnen knirscht.

Christine Lagarde, 2013

Zitate sind ein anerkanntes rhetorisches Stilmittel. Es gibt darum viele Zitatesammlungen. Dazu, wie man das beste Zitat für seine Rede auswählt, gibt es kaum Hinweise. Das will ich mit diesem Artikel ändern. Denn erst die richtige Autor*in macht ein Zitat zum besten Zitat, das dann auch betört.

Christine Lagarde hält sehr regelmäßig wichtige Reden. Vor immer wieder anderem Publikum. Als Chefin des IWF muss Sie diplomatisch sein. Christine Lagarde wählt deshalb die Autoren ihrer Zitate immer besonders sorgfältig aus. Sie zeigt damit dem Publikum, dass sie es versteht. Mit der Auswahl ihrer Autoren kann sie außerdem unterschwellig Botschaften plazieren ohne das Protokoll zu verletzen.

Zitate könnten Ihren Reden viel Autorität und Glaubwürdigkeit verleihen. Leider werden sie oft nicht optimal genutzt. Christine Lagarde macht vor, wie man mit Zitaten zaubert. Aus Ihren Reden lassen sich drei Hauptregeln ableiten.

1. Das beste Zitat ist ein frisches Zitat

Versuchen Sie Zitate zu finden, die sich nicht wie ihre eigene Persiflage anhören. Abgegriffene Zitate, die jeder schon zu oft gehört hat, hinterlassen einen schalen Nachgeschmack. Die besten Zitate sind Neuentdeckungen bei alten Freunden. So ein Zitat ist ein Geschenk für die Zuhörer.

Niemand möchte Zitate hören, die eindeutig von einem der vielen Online-Zitate-Friedhöfe kommen. (Und oft genug auch falsch attributiert sind.)

2. Bekannte Persönlichkeiten und Autoritäten zitieren

Im Mai 2015 hält Christine Lagarde die Rede auf der Abschlussfeier des Illinois Institute of Technology in Chicago. Sie zitiert Thomas Jefferson: “I am a great believer in luck, and I find the harder I work, the more I have of it.” (Ich glaube an das Glück. Und ich weiß, je härter ich arbeite, desto mehr Glück habe ich.)

Jefferson kennt in Amerika jedes Kind. Sie wissen, dass er nicht nur der Autor der Unabhängigkeitserklärung ist. Er war der dritte Präsident der USA, Architekt, Erfinder, Diplomat. Das macht ihn zu einem sehr glaubwürdigen Zeugen.

Der ideale Autor ist eine Autorität auf dem Gebiet, zu dem Sie ihn zitieren.

Zitieren Sie Menschen, die von Ihren Zuhörern bewundert werden

In Mexiko Stadt zitiert Christine Lagarde Frieda Kahlo, die populäre mexikanische Starmalerin. Frieda Kahlo ist für Ihren Nationalstolz bekannt. Sie ist bis heute die erfolgreichste Malerin ganz Latainamerikas. Indem sie Frieda Kahlo im Original zitiert, macht Frau Lagarde den mexikanischen Zuhörern ein Kompliment. Ein Zitat von Käthe Kollwitz wäre sicher nicht das beste Zitat gewesen.

Redner*innen machen viel richtig, wenn Sie Menschen zitieren, mit denen sich die Zuhörer verbunden fühlen. Auf die die Zuhörer stolz sind. Es macht aktuell in Mexiko sicher keinen Sinn, Trump als Vorbild zu zitieren.

Die Einstellung der Zitierten muss passen

In Tbilisi, Georgien, zitiert Frau Lagarde den georgischen Dichter und Staatsmann Ilia Tschawtschawadse. „A man creates his own destiny, but destiny does not create a man.“ (Der Mensch bestimmt sein eigenes Schickal, aber das Schicksal bestimmt den Menschen nicht.) Fürst Tschawtschawadse war einer der Führer der georgischen Nationalbewegung. Er wurde im Alter von 70 Jahren entweder von georgischen Kommunisten oder der zaristischen Geheimpolizei ermordet.

In Riga, Lettland, spicht Lagarde über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der baltischen Staaten. Sie zitiert dazu den lettischen (National-) Dichter Rainis: “The one who will endure is the one who is willing to change.” (Es wird der überleben, der bereit ist sich zu verändern.)

Rainis war immer auf die Unabhängigkeit Lettlands bedacht. Sein Leben war von stetem Wandel geprägt. Rainis wechselte mehrfach seinen Beruf. Er musste wegen seiner Gesinnung erst in die Verbannung und später ins Exil in die Schweiz gehen. Rainis ist so bedeutend in Lettland, dass heute das nationale Dichterfest an seinem Geburtstag stattfindet. Seine Liebe zur Heimat und deren Kultur war die eine Konstante in seinem Leben.

In der gegenwärtigen Lage zwischen Georgien und Russland, wäre es ungeschickt gewesen, einen Russen oder einen Russlandfreund zu zitieren. Das beste Zitat kam von einem Nationalhelden.

Setzen Sie auf Ähnlichkeiten zwischen Publikum und Zitierten

Bei der Banque de France zitierte Frau Lagarde Moliere: „The trees that are slow to grow bear the best fuit.“ In Frankreich eine sehr typische Wahl. Und um sooo vieles wirkungsvoller, als dort Shakespeare zu bemühen. Auch die Geschichte, die sie in derselben Rede John F. Kennedy erzählen lässt, handelt von einem französischen Marshall.

Ein anderes Mal hat sie sich bei der Banque de France auf Milton Friedmann berufen. Ein hochrangiger Manager verließ damals die Bank. Die Zitierten sollten einen regionalen oder inhaltlichen Bezug zum Publikum haben.

Kann man unbekannte Autoren zitieren?

Selbstverständlich können Sie grundsätzlich jederman zitieren. Doch dann müssen Sie erklären, wer die Autor*in des Zitats ist. Warum er oder sie eine Autorität ist. Das kostet viel Zeit. Es unterbricht den Fluss der Rede. Nicht zuletzt ist es unendlich beeindruckender, wenn das Publikum bereits eine starke Beziehung zur zitierten Person hat. Darum kommen die besten Zitate von Autoritäten, die dem Publikum vertraut sind.

3. Zitieren Sie nur, was zu Ihnen passt

Man traut Christine Lagarde eine klassische Bildung zu. Zitate aus Texten von Heavy Metall Bands würden wohl nicht so gut wirken. Es sei denn, sie erklärt, woher sie das Zitat kennt. Das beste Zitat ist das Zitat, dass zu dem, was man von Ihnen weiß oder wissen soll, passt.

Wie plaziert man Zitate für größtmögliche Wirkung?

Christine Lagarde verwendet Zitate in einem konsistenten Muster. Fast immer findet man zwei Zitate in Ihren Reden. Kurz vor dem Ende ihrer Reden benutzt sie quasi immer ein Zitat. Das andere Zitat nutzt sie typischerweise relativ früh in der Rede.

Ein Zitat leitet bei Chistine Lagarde niemals den betreffenden Punkt ein, sondern steht am Ende der Überlegungen Lagardes. Damit wird das Zitat zum Gütesiegel Ihrer Worte.

Wenn Christine Lagarde kein Zitat sondern ein Spichwort benutzt, macht Sie es genau umgekehrt. Dies ist sehr vernünftig. Denn im Gegensatz zu Zitaten geht von Sprichworten keine zusätzliche Autorität auf Ihre Rede über. Damit wäre es ein Antiklimax, sie am Ende Ihrer Ausführungen zu plazieren.

Zitate lockern Ihre Rede auf

Zitate sind eine besondere Form der wörtlichen Rede. Wie diese lockern sie Reden auf. Denn Zitate weichen in Ton und Form vom Rest der Rede ab. Sie könnten deshalb öfter Zitate verwenden.

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Weiterführende Artikel

Sechs gute Gründe, warum Sie ohne Rednerpult reden sollten

Rednerpulte meide ich sie, wo immer ich kann. Meinen Klienten empfehle ich, ebenfalls darauf zu verzichten. Sie wirken ohne Rednerpult besser und dafür gibt es mindestens sechs Gründe.

Die Ahnen der Rednerpulte waren Kanzeln. Von dort wurde früher Gottes Wort verkündigt. Hinter einem Pult und sozusagen ex cathedra zu sprechen, gab Rednern früher eine besondere Autorität. Das gilt heute nicht mehr. Im Gegenteil.

Darum Hände weg vom Rednerpult

Redepulte sind häufig zu groß. Redner*innen verschwinden dann dahinter. Sich nicht ganz zu zeigen, kann Ihrer Glaubwürdigkeit schaden. Aber selbst wenn das Rednerpult nicht zu groß ist, sollte Sie ohne auskommen. Es gibt mindestens sechs gute Günde, kein Rednerpult zu verwenden.

1. Die Erwartung Ihrer Zuhörer wird gedämpft

Hinter einem Rednerpult wirken Sie schnell wie von gestern, steif und reaktionär. Deshalb erwarten Ihre Zuhörer auch einen langweiligen, altbackenen Vortrag. Man geht nicht davon aus, dass Sie richtig gut sein werden. Machen Sie es sich leicht. Zeigen Sie vom ersten Augenblick an, wie gut Sie sind. Und das Pult lassen Sie links liegen.

2. Ihre Ausstrahlung wird schwächer

Das Rednerpult trennt Sie vom Publikum. Es dämpft Ihre Ausstrahlung. Denn es steht wie eine Mauer zwischen Ihnen und Ihren Zuhörern. Sie wirken darum schnell schwach oder distanziert und unnahbar.

3. Sie werden zur Nebensache

Am Redepult stehen Sie im Abseits. Denn Rednerpulte stehen gern am Rand der Bühne. Redner*innen gehören aber auf die Mitte der Bühne. Denn Sie sind die Hauptattraktion.

4. Weniger ausdrucksstarke Gestik

Am Rednerpult zu gestikulieren, ist schwierig. Denn die Hände müssen viel höher genommen werden als ohne das Pult.

5. Schlechte Haltung

Ihre Ausstrahlung hängt zum großen Teil von Ihrer Haltung ab. Leider leidet diese typischerweise unter der Nutzung des Pults. Denn das Pult verführt dazu, sich gehen zu lassen. Viele Redner*innen klammern sich ans Pult oder legen sich mit Ihrem Gewicht darauf. Nur wenige schaffen es, ihre Hände vom Pult zu lösen.

Gern werden dichtgeschriebene Blätter mit dem Redetext darauf abgelegt. Dann löst sich nicht einmal mehr der Blick vom Pult. Manche glauben auch, dass man sich hinter dem Pult ungestraft „gehen lassen“ dürften. Sie stehen nicht stabil und wackeln herum. Doch eine nachlässige Haltung schwächt Ihre Ausstrahlung. Gut mit Pult zu sprechen, ist schwerer als ohne.

6. Redepulte machen unfrei

Rednerpulte schränken Sie ein. Sie kommen nicht vom Rednerpult weg. Festeingebaute Mikrophone erlauben es Ihnen oft nicht einmal, den Kopf besonders weit zu drehen. Sie sind mit Pult nicht flexibel. Ihre Lebendigkeit leidet darunter.

Was einem bekannten Politiker am Rednerpult passierte

Ich begleite den für seine exzellente Rhetorik bekannten Politiker Herrn P. zu einem Auftritt. Wir fahren danach durch die dunkle Herbstnacht gemeinsam zurück nach Berlin. Er stellt die Frage aller Fragen: „Wie war ich?“

Ich antwortete sehr diplomatisch und klar. Herr P. trug an diesem Abend Hemd und Wollblazer zu ungepflegten Jeans und ausgetretenen Schuhen. Genauso verhielt es sich auch mit seiner Körpersprache. Oberhalb des Pults durchaus ok. Sein Stand aber war sehr wackelig und „unterhaltsam“. Seine Füße sprachen die ganze Rede über ihren eigenen Begleitkommentar.

Herr P. war nur halb so eindrucksvoll, wie er hätte sein können. Er hatte uns den ganzen Abend über mit seiner Fußarbeit abgelenkt. Wie hatte es dazu kommen können?

Das Rednerpult, das an diesem Abend benutzt wurde, stand auf einem Tisch. Das Pult verdeckte Bauch und Unterbauch des Vortragenden. Seine Beine und Füße aber waren gut zu sehen.

Dem Redner war diese Besonderheit seines Pults gar nicht aufgefallen. Er hatte sich dahinter sicher gefühlt und seinen Stand nicht kontrolliert…

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Weiterführende Artikel

Was nun? Das Redepult ist zu groß

Manches Redepult ist einfach viel zu groß. In Universitäten findet man oft geradezu riesige Katheder. Man könnte ein Schulkind darin verstecken. Viele Frauen und manche Männer sind sogar zu klein, um hinter normalgroßen Redepulten gut zu wirken. Dann stellt sich die Frage: „Was nun?“ Für diese Fälle gebe ich immer zwei Empfehlungen.

1. Benutzen Sie das Redepult einfach nicht.

Manchmal ist es möglich, sich einfach nicht hinter das Rednerpult zu stellen. Es gar nicht zu benutzen. Das empfehle ich grundsätzlich jedem und immer. Vielleicht gibt man Ihnen statt dessen ein Standmikrophon oder ein Headset. Sie könnten sich auch neben das Pult stellen, wenn man Ihnen kein Extramikrophon zubilligt. Dann biegen Sie das Mikrphon einfach zu sich hin.

Der Vorteil dieser Lösung: Sich nicht hinter das Redepult zu stellen, sieht extrem mutig aus. Außerdem können Sie mehr von sich zeigen, sich bewegen und von der Mitte der Bühne aus sprechen.* Als Redner*in wirken Sie so nahbarer und moderner.

Sie können dann allerdings weder Notizen noch Teleprompter verwenden. Sie müssten auf Stichwortkarten ausweichen, wenn Sie die Rede nicht frei halten können.

Die Erfahrungen der Klient*innen, die diesem Vorschlag gefolgt sind, waren durchweg sehr positiv.

2. Sorgen Sie für einen Tritt hinter dem Rednerpult

Die zweite Lösung: Sorgen Sie für einen Tritt hinter dem Redepult. Bei diesem Videoclip scheint der Tritt sogar zum Redepult zu gehören. Etwa bei 40 Sekunden können Sie das Höckerchen sehen.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=f4keFcDfzZQ&list=UUMkYd9teJEBlCOwDan6qPpg&index=28
Bill Clinton bei der Wall Street Project Conference, 1997

Auch diesen Tipp haben Klient*innen schon sehr erfolgreich umgesetzt. Manche sind sogar mit dem eigenen Tritt in der Hand nach vorn gegangen.** Es gab prominente Politiker*innen, die immer eine Holzkiste im Kofferraum des Dienstwagens liegen hatten. Nur für den Fall….

Achten Sie darauf, dass Sie den Tritt sicher benutzen können. Er darf nicht so hoch wie eine normale Treppenstufe sein. Er muss eine größere Tiefe haben als normale Tritte und Stufen. Sie sollten elegant hinauf- und rückwärts hinuntersteigen können. Darum muss die Auftrittsfläche umso tiefer werden, je niedriger er ist. Ist der Tritt höher, kann er etwas weniger tief sein. Oben müssen Sie sicher stehen können. Der Tritt darf nicht kippeln oder verrutschen. Üben Sie die Benutzung. Dann steht einem gelungenen Auftritt nichts im Weg.

Bitte entscheiden Sie selbst, welche Lösung Sie bevorzugen. Nur, finden Sie eine! Denn, je weniger man von Ihnen sehen kann, um so schwerer wird es für Sie werden, Ihre Zuhörer zu überzeugen. Wir Menschen sind Augentiere. Darum müssen Redner*innen immer gut zu sehen sein. Darum dürfen Sie nicht hinter Redepulten verschwinden.

Gern unterstütze ich Sie bei der Vorbereitung einer miteißenden Präsentation

Weiterführende Artikel

* Rednerpulte stehen meist am linken Rand der Bühne. Das ist für keinen Redner der richtige Platz. Interessanterweise standen die Rednerpulte dort schon immer, auch als es noch keine Präsentationen gab. Eigentlich gehören wir in die Mitte der Bühne. Präsentationen sollten übrigens immer rechts von uns, zu unseren beiden Seiten oder über uns gezeigt werden. Niemals links von uns.
Seitenangaben werden immer aus der Sicht des Publikums gemacht.
** Für eine Kandidatur zur Europawahl mit einem blauen Höckerchen mit gelben Sternen…

Warum Jürgen Klopps Rhetorik überzeugt

Jürgen Klopp Mural Liverpool

Die besondere Kraft von Jürgen Klopps Rhetorik zeigt sich immer wieder. 2019 geht eine kurze Videobotschaft an einen todkranken Fan viral. Sie ist nur eine Minute und 18 Sekunden lang. Mehr als eine Million Menschen sieht sie sich allein auf einem Kanal an. Viele britische und internationale Zeitungen berichten darüber. Warum? Weil Jürgen Klopp überzeugt. Er spricht sehr persönlich, benutzt keine Klischees und hat eine echte tiefe Botschaft.

Jürgen Klopp ist ein hervorragender Rhetoriker. Oft trift er genau den Nerv. Er ist ein Meister des Pathos ohne je pathetisch zu werden. Leidenschaftlichkeit ist sein Markenzeichen. Er kann aber noch viel mehr. Ich möchte seine rhetorischen Qualitäten anhand des kurzen Videogrußes analysieren, den er im Vorfeld des Champions League Finales an Dave Evans sandte.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=WKnsCbf2OFQ
Jürgen Klopps Videobotschaft an Dave Evans, den todkranken Liverpool Fan.

Warum mir diese Videobotschaft so gefällt

Jürgen Klopp findet einen tief beeindruckenden Schluss

  • Am beeindruckensten ist der Schluss des Videos. Hier zeigt Jürge Klopp sein ganzes rhetorisches Können. Er wird emotional (aus der Tiefe meines Herzens – „from the bottom of my heart“). Dadurch werden seine Worte umso wertvoller. Sie sind etwas ganz persönliches.
  • Er bricht ein (Beinahe-) Tabu, indem er sich zu seinem Glauben bekennt. (Ich bin Christ – „I’m a Christian“) Damit sorgt er für Aufsehen. Man hört noch einmal ganz genau zu.
  • Dabei richtet er sich auf und schaut er besonders deutlich in die Kamera – dem Betrachter tief in die Augen. Damit wird dieses Bekenntnis gleichzeitig glaubwürdig und intim.
  • Im Zusammenhang mit seinen letzten Worten (man sieht sich -„see you“) thematisiert er damit indirekt den bevorstehenden Tod von Dave Evans. Die Möglichkeit, dass er sterben wird, spricht sonst niemand an. In keiner der Videobotschaften an Dave Sweeney gibt es auch nur eine Andeutung, dass er sterben könnte. Klopp bricht so ein weiteres Tabu.
  • Der eigentliche Clou aber ist die tiefe Bedeutung, die Jürgen Klopp damit dem eigentlich abgeschmacken „see you“ gibt: Wir sehen uns im nächsten Leben. Du stirbst nicht, Du wirst auferstehen. Was für eine überraschende Wendung.
  • Eine echte Botschaft. Ein Geschenk. Vollkommenes Pathos. Absolute Glaubwürdigkeit.
  • Das alles in unter 20 Worten.

Er ist sehr nahbar

  • Jürgen Klopp gelingt es immer wieder Nähe und Intimität herzustellen. Er tritt schnell in Resonanz zu seinem Publikum. Das setting (in einem der Räume des Liverpooler Clubs) ist sehr gut gewählt. Denn durch die Kombination von Kameraposition und seitlich gedrehter Sitzposition befinden wir uns als Zuhörer direkt mit Jürgen Klopp in der Sofaecke.
  • Zum Gesamteindruck trägt auch die starke Anlehnung an die Rückenlehne bei. Eine solche Haltung findet man sonst nur in privaten, eher intimen Gesprächen. Niemals in offiziellen.
  • Seine überzeugende Körpersprache ist im Bild sichtbar. Gestik und Körperbewegungen sieht man selten in solchen Botschaften. So wird deutlich, dass Jürgen Klopp wirklich beteiligt ist. Sein Blickkontakt in die Kamera ist perfekt. Nicht starr aber stetig. Beides zusammen macht seine Botschaft extrem glaubwürdig und persönlich.

Adressatenorientierung

Jürgen Klopp konzentriert sich ganz auf den Empfänger seiner Botschaft. Das wird an sehr vielen Stellen deutlich.

  • Der sterbenskanke Dave Evans hatte selbst zum Finale fliegen wollen. Und hatte dafür mehr als 11.000 Euro gespart. Durch den Hinweis auf den baldigen Abflug wird er mit auf die Reise genommen. Jürgen Klopp weiß offensichtlich wirklich, wer sein Adressat ist.
  • Durch eine Wendung des (Beinahe-) Klisches „we are with you“ (wir sind bei Dir) zu „you are with us“ (Du bist bei uns) entsteht etwas ganz Neues. Jürgen Klopp ist bewusst, dass der Schmerz darin liegt, nicht selbst dabei sein zu können. Damit geht er sehr präzise auf seinen Adressaten ein. Ob ihm als Nichtmuttersprachler überhaupt bewusst ist, was er da tut, ist vollkommen egal.
  • Jürgen Klopp macht sehr deutlich, dass es nicht um ihn geht. Er merkt, dass „it is something really difficult to take it in even for me“ aussagt, wie schwer ihn die Kenntnis von Dave Evans Kankheit trifft. Dass das so klingen könnte, als sei er der wirklich Betroffene. Darum schiebt er sofort ein „but of course you…“ nach. Hier zeigt sich, dass er sich selbst beim Sprechen zuhört und kontrolliert. Er macht so klar, dass er keine Sprüche klopft.
  • Jürgen Klopp zeigt, dass er Dave Evans Situation wirklich begreift. „It’s not about football, it’s about life“. (Es geht nicht um Fußball. Es geht um das Leben.)
  • Zweimal bittet Jürgen Klopp Dave Evans ihm zuzustimmen. Dazu streut er ein kurzes, fragendes „yeah?“ ein. Damit spricht Jügen Klopp nicht zu Dave Evans sondern mit ihm.
  • Innerhalb von nur 78 Sekunden oder 183 Worten spricht Jürgen Klopp Dave Evans 14-mal mit Namen, Du, Deinem oder einem inklusiven wir an. Das ist sehr viel und zeigt den hohen Hörebezug, mit dem er spricht. Das zeichnet Jürgen Klopps Rhetorik aus. Er führt Zwiegespräche.
  • Diese große Nähe findet sich schon in seiner berühmten Abschiedsrede von Mainz. Damals war er mehr als 15 Sekunden stumm, bevor er weinend weitersprechen konnte. Beeindruckend war schon damals die Qualtiät und Innigkeit seiner Dankesworte (0:50 – 3:21) an „jeden persönlich“ (3:15).

Was mir außerdem an der Videobotschaft gefällt

  • Jügen Klopps Rhetorik bleibt klischeefrei. Er verzichtete schon immer auf Flokeln und Durchhalteparolen. Er vergleicht das Finale eben nicht mit Dave Evans Kampf gegen seine Krankheit. Er sagt auch nicht, dass Liverpool für Dave kämpfen würde. Denn er findet wirklich ganz eigene Worte und eine ganz eigene Botschaft.
  • Vorab erklärt Jürgen Klopp, wann er das Vido aufnimmt. „one hour before we leave for Madrid“ (eine Stunde vor dem Abflug nach Madrid) Daraus wird deutlich, dass er sich Zeit nimmt, obwohl sie knapp ist. Das macht die Videobotschaft wertvoller.
  • Jügen Klopp schließt seine Erklärung, warum Fußball gespielt wird, mit einer Triade ab. „Hope, joy, good moments to remember“ (Hoffnung, Freude, gute Erinnerungen) Damit wird seine Erklärung zu einem Bekenntnis. Sie ist nicht nur so dahin gesprochen.
  • Jürgen Klopp ist sehr genau und korrigiert sich auch. Aus „last season“ (letzte Saison) wird, dass er seit dreieinhalb Jahren in Liverpool sei. Diese Präzision macht das darauf folgende „That makes us friends“ (Das macht uns zu Freunden) so wertvoll. Dadurch klingt er sehr ehrlich. Gleichzeitig ist das auch eine Wiederholung und macht damit den ersten Teil seines Arguments, dass sie Freunde sein, stärker.
  • Jürgen Klopps Rhetorik lässt uns seine Betroffenheit spüren. Totzdem bleibt während der gesamten Aufnahme voll konzentiert. Dabei wirkt er, trotz seiner lässigen Sitzposition, nicht nachlässig. Genau diese Kobination macht das Besondere der Rhetorik von Jürgen Klopp aus.

Was würde er seine Rhetorik verbessern?

Mit Veränderungen bei den folgenden Punkten, könnte Jürgen Klopps Rhetorik noch mehr Menschen erreichen:

  • Jürgen Klopp sagt relativ häufig (12 mal) „ähm“. Er verwendet „but“ und „and“ viel zu oft. Damit verbindet er Sätze, die nicht zusammen gehören. Dadurch ist er schwerer zu verstehen. Gleichzeitig wird so aber deutlich, dass er den Inhalt seiner Botschaft spontan entwickel. Er spricht nicht etwa einen abgestimmten, geglätteten Text (nach). Ich würde mir eine deutliche Reduzierung wünschen. Klinisch rein sollte es nicht werden.
  • Er nuschelt. Eine etwas deutlichere Artikulation würde es leichter machen, ihm zu folgen.
  • Da sein Bart seine Lippen verdeckt, ist sein Lächeln nur schwer auszumachen. Vielleicht wäre etwas weniger Bart an dieser Stelle besser.

Was wir von Jürgen Klopps Rhetorik lernen können

  1. Hab wirklich etwas zu sagen. Eine richtige Botschaft.
  2. Sei mutig. Zeige Dich. Sei Du selbst.
  3. Geh auf Dein Publikum ein.
  4. Suche Dir das richtige Setting aus, das Deinen Auftritt kongenial unterstützt.

Text der Videobotschaft

„Hi Dave, Jürgen Klopp here from Liverpool in a moment like an hour before we leave to Madrid. I heard about your story and of course it is something really difficult to take even for me but of course you. But I heard you are an unbelievable fighter and the only thing I can tell you is we think of you. (Yeah?) You are really with us.“

„That is the only message I want to give to you and that you fought so hard I could not make comparisons to what the team did over the year but it is more than football, (yeah?) it is about life and the only thing what we would try to do the whole year is to give people some hope. Some joy. Some good moments to remember. „

„And we share these moments. This season or let’s say for the three and a half years since I’m in. We share these experiences. That makes us actually friends. I wish you from the bottom of my heart all the best and (yeah.) I’m Christian so see you.“*

Ich helfe Ihnen gern, den Mut zu fassen, Ihre Anliegen so souverän wie Jürgen Klopp zu vertreten. Am schnellsten ginge das im Rhetorik-Bootcamp.

*Ich habe den Text wegen der besseren Lesbarkeit etwas geglättet.

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Weiterführende Artikel:

So werden Sie wortgewandt. Wie Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern – elf Methoden

Wortschatz erweiten: Beckenrand ist nicht Margin

Sie wollen wortgewandt werden? Dann müssen Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern. Je öfter man nach dem passenden Wort sucht, desto schneller wird man es bei nächsten Mal direkt finden. Darum stellen Sie die eigene Wortwahl – wann immer es geht – in Frage. Suchen Sie nach dem noch treffenderen Ausdruck. Dann liegt er Ihnen beim nächsten Mal auf der Zunge.

Um den Prozess zu beschleunigen, können Sie eine oder mehrere der unten genannten elf Methoden verwenden. Sie können damit gezielt Ihren Wortschatz erweitern oder generell. Je mehr Sie üben, desto schneller werden Sie wortgewandt werden.*

Test Ihres aktiven Wortschatzes

Sie brauchen nur 5 Minuten. Finden Sie so viele Synonyme wie möglich für ein geläufiges Wort. Ich schlage entweder „gut“ ( positive Leistungsbeschreibung) oder „gehen“ (Fortbewegung zu Fuß) vor. Stellen Sie die Uhr und schreiben Sie los.

Bei so grundlegegenden Begriffen sollten Ihnen schnell mindestens 15 Synonyme einfallen. Sie möchten sehen, was Ihnen vielleicht entgangen ist? Hier finden Sie die entsprechenden Listen: 60 Synonyme für „gut“, 50 Synonyme für „gehen“.**

Mit diesen Listen könnten Sie dann auch gleich Ihren aktiven Wortschatz erweitern. Lesen Sie sich die Worte laut vor. Danach erklären Sie sich selbst (laut) jedes Wort, das Ihnen gefällt. Was genau drückt dieses Wort aus?

Wie können Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern?

Lesen allein reicht nicht, um wortgewandt zu werden

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass Lesen den aktiven Wortschatz erweitert. Das ist falsch. Um wortgewandt zu werden, dürfen Sie Worte nicht nur lesen oder hören. Nicht nur passiv aufnehmen. Sie müssen sie sich wirklich aneignen. Dazu ist es ausreichend, sie sich selbst laut vorzulesen.

Für diese Methode empfehle ich Ihnen die FAZ oder die Süddeutsche Zeitung. Denn beide verwenden einen sehr großen Wortschatz. Außerdem decken beide einen breiten Wissensbereich ab. Lesen Sie sich immer wieder Artikel (teilweise) laut vor.

Der Königsweg zur Wortgewandtheit

Fachartikel und -zeitschriften laut zu lesen ist eine großartige Strategie um wortgewandt zu werden. Dies ist der Königsweg, wenn man seinen aktiven Wortschatz erweitern möchte. Warum? Weil Sie mit den Worten auch die üblichen Formulierungen und den Duktus der Experten des Felds aufnehmen. Wer sich neu in einem Bereich einarbeitet (Studenten, Jobeinsteiger, Jobwechsler), sollte das unbedingt tun.

Sie möchen gern eindringlicher reden? Worte benutzen, die Stimmungen transportieren? Emotionaler sprechen? Dann lesen Sie sich Belletristik, Kurzgeschichten, Krimis vor. (Damit es nicht zu quälend wird, lese ich dabei eine Seite laut, eine Seite leise. Das geht schneller.) Wechseln Sie hin und wieder das Genre. Damit erweitert sich Ihr aktiver Wortschatz dann quasi automatisch.

Diese Methode eignet sich ebenfalls ganz hervorragend, um Ihre Fremdspachenkenntnisse auszubauen.

Radiosendungen oder Podcasts simultan mitsprechen

Sprechen Sie Berichte oder Kommentare (quasi) simultan mit. Ganz unmerklich wird dabei Ihr aktiver Wortschatz gößer. Sie lernen auch bestimmte Formulierungen. Nutzen Sie dabei im Zweifel nicht das Fernsehen. Denn dort wird ein goßer Teil der Kommunikation von den Bildern übernommen. Radiosendungen, Podcasts oder sachorientierte Diskussionsrunden eignen sich perfekt.

Ihnen gefällt eine Sprecher*in besonders? Großartig! Sie schauen sich nämlich gleichzeitig auch deren Sprechduktus ab.

Übersetzen Sie

Das Übersetzen ins Deutsche ist ebenfalls extrem nützlich. Denn genau den Ton und die Intention des Autors zu treffen, ist eine Kunst. Suchen Sie sich darum einen wortmächtigen fremdsprachlichen Text aus. Zur Übersetzung werden Sie Wörterbücher wälzen müssen. Dabei lernen Sie neue Worte kennen. Sie werden sich intensiv mit den gefundenen Begriffen auseinandersetzen. Ringen Sie mit den Worten. So erweitern Sie Ihren aktiven Wortschatz.

Dichten Sie

Egal, ob Sie ein Haiku, das Sonnett oder die Freiform wählen. Dichten aktiviert Ihr Sprachgefühl wie kaum etwas anderes. Sie werden dabei oft genug nach treffenden Worten forschen. Gehen Sie auf Entdeckungsreise. Dichtung ist präzise und emotional. Vielleicht erobern Sie ein neues Hobby. Und ganz nebenbei können Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern.

Spielen Sie

Lösen Sie Kreuzworträtsel. Spielen Sie Scrabble oder Tabu. Denn Ihren aktiven Wortschatz erweiten Sie jedes Mal, wenn Sie sich mit Worten beschäftigen. Man wird wortgewandt, indem man Worte wendet.

Fremdwörterspiel

Weil es nicht so viele kennen, erkläre ich das Fremdwörterspiel. Sie lernen dabei, sich sehr abstrakt auf hohem Sprachniveau auszudrücken.

Die Spielführer*in sucht ein Wort aus einem Lexikon für Fremdwörter heraus. Niemand der anderen Spieler*innen darf dieses Wort kennen. Nun schreibt jeder eine Definition auf. Der Spielführer schreibt die korrekte Erklärung des Wörterbuchs auf. Im Anschluss werden alle Definitionen vorgelesen. Jeder muss sich für eine Erklärung entscheiden. Es gibt Punkte, wenn andere die eigene Definition auswählen und wenn man die richtige Definition erkennt. Die Spielführer*in wird nach jeder Runde gewechselt.

Was Sie außerdem noch tun können, um wortgewandt zu werden

Sie meinen es ernst? Sie wollen Ihren Wortschatz gezielt erweitern? Wortgewandt werden? Dann bieten sich noch weitere Methoden an.

Synonyme finden

Treten Sie mit sich selbst in Wettbewerb. Versuchen Sie möglichst viele Synonyme (bedeutungsgleiche Worte) zu finden. Machen Sie sich eine Liste mit möglichen Alternativen. Sie können sich dabei online oder von Wörterbüchern helfen lassen.

Benutzen Sie das Alphabet oder ein beliebiges langes Wort und versuchen Sie zu jedem Buchstaben mindestens ein Wort zu finden.

Wenn Sie dabei auf Worte stoßen, die Ihnen gefallen, dann lernen Sie diese wie Vokabeln. Am besten nehmen Sie sich vor, sie an einem Tag dreimal zu benutzen. Um wortgewandt zu werden braucht Ihr Wortschatz dasselbe Training wie Ihre Muskeln.

Das Gegenteil suchen

Suchen Sie das exakte Gegenteil zu Worten, um Ihren Wortschatz zu erweitern. Seien Sie sehr kritisch dabei. Prüfen Sie mögliche Alternativen. Es muss genau passen. Nicht nur irgendwie.

Spielen wir es am Beispiel von „genau“ durch. Das Gegenteil könnten ungenau, vage, diffus, ungefähr, fast, teilweise sein. Welches trifft es ganz genau und warum die anderen nicht? Oder trifft jeweils eins eine ganz bestimmte Situation? Redegewandte Menschen sind in solchen Unterscheidungen sicher. Damit hören Sie mehr, wenn andere sprechen, und verwenden treffendere Worte.

Konnotationen erkennen

Wortgewandte Menschen verwenden immer den exakt richtigen Begriff. Das richtige Wort trifft nicht nur den Begiffskern. Es sagt nicht nur funktional das Richtige aus. Der wirklich treffende Begriff transportiert noch viel mehr. Es zeigt auch Ihre Einstellung, wie genau Sie es mit Regeln nehmen. Das passgenaue Wort hat nicht zuletzt das richtige Sprachniveau.

Versuchen Sie doch einmal sich dafür zu sensibilisieren. Geizig und sparsam, großzügig und verschwenderisch sind jeweils zwei Seiten einer Medaille. Gibt es neutrale Begriffe? Finden Sie Synonyme mit gegensätzlichen Konnotationen. Ergänzen Sie sie mit dem neutralen Wort. Oft gibt es keins. Dann arbeiten Sie mit einer Beschreibung. Oben könnten das z.B. wenig und viel ausgeben sein, oder?

Synonyme ordnen, in eine Reihenfolge bringen

Ein Beispiel: Ordnen Sie herausragend, großartig, überragend und hervorragend ihrer Bedeutung nach.

Bringen Sie Ihre Synonyme zu „gehen“ in eine Reihenfolge. Was ist schneller? Was ist zielgerichteter? Promenieren oder stolzieren? Versuchen Sie mit verschiedenen Ordnungskriterien zu spielen.

Sie könnten sich auch einfach Fragen beantworten. Z.B. was ist schneller als „rasend schnell“? Was ist langsamer als „betulich“? Dabei wird automatisch Ihr aktiver Wortschatz vergrößert. Sie werden plastischer, präziser und prägnanter in Ihrer Ausdrucksweise.

Was ist noch kleiner als klein und was ist nicht ganz so klein wie klein? Was ist besser als gut? Was ist besser als schlecht und noch nicht gut? Führen Sie laute Selbstgespräche, in denen Sie diese Fragen diskutieren. Es ist wichtig, zumindest die Ergebnisse dieser Abwägungen schriftlich oder mündlich in die Welt zu bringen. Sonst bleibt Ihr aktiver Wortschatz unverändert.

Definitionen bilden

Bei Definitionen geht es darum, abstrakt genau zu erklären, was ein Wort bedeutet. Das ist anstrengend. Ein Wort, mit dem Sie sich derart intensiv beschäftigt haben, wird automatisch Ihren aktiven Wortschatz erweitern.

„Ein Kreisverkehr ist ein Instrument der Verkehrsregelung. Statt auf eine Kreuzung zu führen, münden alle Straßen in eine kreisförmige Einbahnstraße. Es können beinahe beliebig viele Straßen in den Kreisverkehr münden.“

Varieren von Sprachniveau und Abstraktheit

Sie können Ihren aktiven Wortschatz erweitern, indem Sie etwas nacherzählen oder zusammenfassen. Dabei sollten Sie dann bewusst das Sprachniveau variieren. Erhöhen bzw. verringern Sie die Abstraktheit. Sprechen Sie z.B. einmal so, wie Sie es in einer Universitätsvorlesung tun würden. Beim nächsen Mal sprechen Sie so, wie Sie es beim feuchtfröhlichen Umtrunk täten.

Wortherkunft

Ich schmökere gern in etymologischen Wörterbüchern. Denn diese erklären mir die Abstammung der Begriffe. Oft ist das so interessant, dass ich mir Wort und Geschichte merke. Vielleicht wäre das auch etwas für Sie?

Suchen Sie sich eine der genannten Methoden aus. Damit sollten Sie regelmäßig Ihren aktiven Wortschatz erweitern.

* Der durchschnittliche aktive Wortschatz umfasst etwa 12.000 bis 16.000 Worte. Wir verstehen im Schnitt viermal so viele. Je nach Zählweise hat die deutsche Sprache bis zu 500.000 Ausdrücke. Shakespeare benutzte etwa 29.000 Worte, Luther 23.000 und Goethe 60.000 Worte. Es ist also – für die meisten von uns – noch ausreichend Luft nach oben.
** Ich freue mich, wenn Sie mir weitere Synonyme in die Kommentare schreiben.

Sie brauchen Unterstützung bei der Vorbereitung besonders wichtiger Präsentationen?

Weiterführende Artikel


Rhetorik – Buchempfehlungen

Ich werde immer wieder nach Tipps für das Selbststudium gefragt. Hier nun nach Inhalten gegliedert (Buch-)empfehlungen zur Rhetorik. Sachbücher und online-Angebote. Ich bin kein Hörbuchfan. Darum kann ich dazu nichts sagen.

Um sich rhetorisch zu verbessern braucht es stete Übung und Inspiration. Ich hoffe, Sie finden hier etwas davon.

Buchempfehlungen Rhetorik

Buchempfehlungen zu Angstbewältigung – Entspannung

Klopftechnik

Digital – Audio-Downloads

Buchempfehlungen zu Körpersprache

Birkenbihl, Vera: Signale des Körpers: Körpersprache verstehen, 25. Auflage, München, 2014. ( Das beste Buch, um einen Überblick und das Umgehen mit dem Wissen über Korpersprache zu erlangen. Leider schon lange nicht mehr aktualisiert. Dafür aber mit Hinweisen auf die entsprechenden Untersuchungen.)

Gern auch alles von Sammy Molchow.

Buchempfehlungen zu Präsenz + Charisma

Buchempfehlungen zu Psychologie / Überzeugung / (Ideen-)Verkauf

Buchempfehlungen für Stil, Wortschatz, Eloquenz

Perfekte Beispiele für die wichtigsten Stilmittel: Forsyth, Mark: The Elements of Eloquence. How to Turn the Perfect English Phrase, ICON, 2014

Buchempfehlungen Schlagfertigkeit

Saxer, Umberto: Einwandfrei verkaufen. – Derzeit nur gebraucht.

Buchempfehlungen zu den Themen Stimme und Sprechen

  • Amon, Ingrid: Die Macht der Stimme: Mehr Persönlichkeit durch Klang, Volumen und Dynamik, 8. Auflage, München, 2017.
  • Hein, Monika: Sprechen wie der Profi: Das interaktive Training für eine gewinnende Stimme, Frankfurt am Main, 2014.
  • Rossié, Michael: Sprechertraining: Texte präsentieren in Radio, Fernsehen und vor Publikum, 8. Auflage, Wiesbaden, 2017. Großartiges Buch, das sich der hörbezogenen Aussprache und Betonung verschrieben hat.
  • Leider nur noch antiquarisch: Coblenzer, Horst: Erfolgreich sprechen: Fehler und wie man sie vermeidet , 3. Auflage, Wien, 2008.

Buchempfehlung Humor

Helitzer, Mel und Shatz, Mark: Comedy Writing Secrets: The Best Selling Book on How to Think Funny, Write Funny, Act Funny, and Get Paid for It, 3. Auflage, Cincinati, Ohio 2016.

Miscellaneous

Litt, David: Thanks, Obama: My Hopey, Changey White House Years, Manhattan, New York, 2017

Wo kauft man Bücher richtig?

Amazon behält aufgrund seiner Marktmacht 60% des Buchpreises für sich. Das ist das Doppelte von dem, was Ihre Buchhändler*in bekommt. So bleibt weniger für Autor*innen und Verlage übrig. Kaufen Sie darum lokal, wann immer Sie können!

Wie kommen Sie am schnellsten zu Ihrem Buch?

Die telefonische Bestellung bei Ihrer lokalen Buchhändler*in liegt meist schon am nächsten Werktag ab Öffnung für Sie zur Abholung bereit.

Ich bestelle meine Bücher gern bei den jeweils zu meiner Reise passenden Bahnhofsbuchhandlungen wie z.B. Ludwig. Dann habe ich sie pünktlich zur Bahnfahrt vor Ort. Mit Öffnungszeiten zwischen 4:30 und 22:00 Uhr schlagen diese Filialen übrigens jedes Postamt.*

Nachhaltiger Bücherkauf

Ein Weg zu (noch) mehr Nachhaltigkeit ist der Kauf gebrauchter Bücher z.B. über Medimops oder Rebuy. Letzteres ist eine gute Adresse für manchen englischsprachigen Titel.

Werbung?

Bei sämtlichen Buchempfehlungen finden sich Affiliate-Links** zu Amazon. So können Sie die Meinung anderer Leser*innen kennenlernen, bevor Sie ein Buch kaufen. Wenn Sie direkt an Ihre Lieblingsorganisation spenden möchten, aktivieren Sie Amazon-Smile.

*Ich bekomme für diese Empfehlung kein Honorar. Ich schätze den Service von Ludwig einfach seit Jahrzehnten. Sie haben mir so manche Bahnfahrt versüßt und waren beinahe bei jeder Harry Potter Premiere an meiner Seite.

**Sollten Sie doch über Amazon kaufen, bekäme ich eine kleine Provision dafür. Was immer daraus entsteht, spende ich an das Patenprogramm BIFFY.

Die Begrüßungsrede

Begrüßungsreden werden oft unterschätzt. Vor allem darin, wie quälend eine schlechte Begrüßungsrede sein kann. Wie oft haben Sie z.B. schon einmal folgendes gehört?

Ein schlechtes Beispiel

„Guten Tag meine Damen und Herren. Schön, dass sie so zahlreich erschienen sind. Wir sind heute wieder hier in dieser xxxx um XXX. Bevor wir aber gleich zu XXX kommen, möchte ich unsere Gäste begrüßen.“  Es folgend zwei Minuten Namensliste.

So etwas ist L A N G W E I L I G – L I E B L O S – R U F S C H Ä D I G E N D **.

Eine Begrüßungsrede kann statt dessen eine bedeutsame Geste sein. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung. Dann wird die Begrüßungsrede zum Aushängeschild Ihrer Veranstaltung. Ob Lehrlingsversammlung, Ausstellungseröffnung oder Kundenveranstaltung – auch mit einer Begrüßungsrede kann man sein Publikum begeistern.*

So gelingt die moderne Begrüßungsrede

Moderne Begrüßungsreden sind individuell und persönlich. Dann beeindrucken sie nachhaltig: inhaltlich und menschlich. Versuchen Sie es einmal so:

  1. Einstieg mit einer Geschichte, die an Punkt drei weitergeführt wird. Ebenfalls möglich: Ankedote, Rahmenerzählung.
  2. Bgrüßung der Hauptperson = Ehrengast Nummer 1.
  3. ggf. Vorstellung der eigenen Person (kurz!)
  4. Weiterführung des unter eins begonnenen mit Einbettung der Begrüßung der anwesenden Honoratioren („Ehren“gäste). Dabei bilden Sie – wo immer passend – Gruppen, um Zeit bei der Vorstellung und beim Applaus zu sparen.
  5. Einstimmung auf die Veranstaltung
  6. Ausstieg / Anmoderation des nächsten Redners

Zu Beginn einer Veranstaltung ist das Publikum extrem aufmerkam. Diese kostbaren Momente sollte man nicht ungenutzt verstreichen lassen. Das Verlesen von Namenslisten zeugt von Lieblosigkeit und führt zu Langeweile. Das hier beschriebene, abweichende Vorgehen überrascht und unterhält. Es bietet so die besten Chancen, Sie als gute Redner*in bekannt zu machen.

Wie lange dauert eine Begrüßungsrede?

Eine Begrüßungsrede sollte nicht länger als fünf Minuten dauern. Versuchen Sie gern kürzer zu bleiben, aber hetzen Sie sich nicht. Es braucht Zeit, die Dinge richtig zu machen.

Warum hält man eine Begrüßungsrede?

Mit einer Begrüßungsrede bringen Sie Ihren Gästen Wertschätzung entgegen. Außerdem können Sie so die Wertigkeit Ihrer Veranstaltung betonen. Autorität speist sich unter anderem aus der Nähe zu wichtigen Personen. Zeigen Sie, was Sie zu bieten haben.

Wann sollten Sie die Teilnehmer*innen und Gäste begrüßen?

Die Begrüßungsrede gehört an den Anfang der Veranstaltung. Sie ist immer die erste Rede des Tages. Wenn Sie zu einer fixen Uhrzeit eingeladen haben, ist nicht mehr als 15 Minuten später oder wenn alle Ihren Platz gefunden haben, der richtige Zeitpunkt gekommen. Falls Sie in Ihrer Einladung davon gesprochen haben, dass Sie sich „ab X Uhr“ auf Ihre Gäste freuen, warten Sie etwas länger. Oft lässt sich dann die Begrüßungsrede mit der Eröffnung des Buffets verbinden.

Wie beginnt man eine Begrüßungsrede?

Wie jede andere Rede auch beginnt eine Begrüßungsrede mit einer gelungenen Einleitung. Beginnen Sie nicht gleich mit der Nennung einzelner Gästenamen. Der Redeeinstieg ist auch bei der Begrüßungsrede wichtig. Erst, wenn der Einstieg geglückt ist, ist der richtige Zeitpunkt für die Begrüßung gekommen. Machen Sie uns erst den Mund wässrig und handeln Sie dann die Pflichtpunkte ab.

Wen sollten Sie begrüßen?

Jede Veranstaltung und Feier hat Teilnehmer*innen, Gäste, Beteiligte und Ehrengäste.

  • Teilnehmer werden ganz allgemein mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder einer Entsprechung begrüßt.
  • Gäste können ebenso begrüßt werden, wenn es sich nicht um wichtige Personen oder offizielle Abgesandte handelt. Diese – wie auch besonders weit angereiste Gäste – werden wie Ehrengäste behandelt.
  • Redner und andere Personen, die einen Beitrag bei der Veranstaltung leisten, werden bei der Anmoderation Ihres Beitrages begrüßt. Sie müssen nicht zusätzlich schon bei der Begrüßung angesprochen werden. Es sei denn, Sie möchten das Interesse der Zuhörer bereits vorab wecken.
  • Ehrengäste sollten mit Namen und gegebenenfalls Funktion begrüßt werden. Wenn Sie der Nennung des Namens eine kleine Vorstellung oder ein persönliches Wort hinzufügen, ist es für den Gast und die anderen Zuhörer*innen viel lohnender. Sorgen Sie dafür, dass die Begrüßung nicht langweilig wird. Nutzen Sie die Begrüßung aktiv, um sich selbst und Ihr Anliegen ins richtige Licht zu rücken

Der Ehrengast

Der Ehrengast ist ein Ehrengast, weil seine Anwesenheit eine Ehre für Sie ist bzw. er mit der Veranstaltung geehrt werden soll. Für ihn ist es eine (vielleicht sogar lästige) Pflicht. Machen Sie ihm oder Ihr die Sache mit einer ausgefeilten Begrüßung angenehm. Ehrengäste wären keine Ehrengäste, wenn sie es nicht verdient hätten oder es sich noch verdienen könnten. Begrüßen Sie typischerweise lieber einen Gast mehr als einen weniger.

Für machen Ehrengast lohnt sich sein Kommen nur, wenn er begrüßt wird. Außerdem bringt ein Ehrengast Glanz in Ihre Veranstaltung. Nicht zuletzt könnte es sich in der Zukunft auszahlen, sich den Ehrengast gewogen zu machen.

Beispiele für gelungene Begrüßungen

„Ich begrüße die Inhaberin von Spiele-Maier, Frau Maier, die uns mit Ihrer großzügigen Spende den Ausflug nach Potsdam ermöglicht hat.“ – Wird so nicht die nächste Spende gleich viel wahrscheinlicher?

„Herzlich willkommen heiße ich Direktor Maier: Er hat bereits vor fünf Jahren vohergesagt, was heute endlich zum Abschluß kommt.“ – Wetten, dass er sich an diese Begrüßung gern erinnern wird?

Denken Sie sich gern etwas anderes aus, um die normalen Gäste zu begrüßen. „Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde“, „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ sind genauso langeweilig wie „verehrte Kolleginnen und Kollegen“. Wie wäre einmal mit „Liebe Heldinnen und Helden der Buchhaltung“?

Meine Geschichte

Als Abgeordnete war ich natürlich oft im Wahlkreis untewegs. Oft genug wurde ich damals bei Veranstaltungen nicht offiziell begrüßt. Deshalb wusste dann kaum jemand, dass ich da war. Denn seien wir ehrlich: Würden Sie Ihre Abgeordnete auf der Straße erkennen? Nicht begrüßt zu werden, war eine sehr frustrierende Erfahrung für mich. Nicht, weil ich so besonders eitel bin, sondern weil es mir meinen Job so schwer gemacht hat.

Mit Mitte Dreißig ging ich nicht nicht zum Altenkaffee, um mich zu amüsieren. Ich ging nur dorthin, damit mich meine Wähler*innen treffen konnten. Und damit meine Parteikolleg*innen mich sahen. Wenn ich nicht begrüßt wurde, dann hatte sich der Termin eher nicht gelohnt. Also: Wichtige Gäste, Menschen, von denen man etwas erwartet, Menschen, die kommen, um Ihnen einen Gefallen zu tun, müssen begrüßt werden.

Extra-Tipp

Wenn es ein Journalist*in zu Ihrer Veranstaltung geschafft hat, sollten Sie darüber nachdenken, ihn zu begrüßen. Das passiert viel zu selten. Es wird darum als echte Geste begriffen.

Wie sieht die richtige Reihenfolge bei der Begrüßung aus?

Eigentlich ist es ganz einfach. Bitte begrüßen Sie den für Ihre Veranstaltung wichtigsten Gast als ersten. Danach die anderen (Ehren-)Gäste in absteigender Reihenfolge. Die Reihenfolge wird durch die Rangordnung unter den Beteiligten bestimmt.

Zeit sparen

Wenn Sie – wie z. B. beim Neujahresempfang – extrem viele Gäste begrüßen müssen, bilden Sie bitte Gruppen. „Ich freue mich, dass so viele Abgesandte unserer Partnergemeinden mit uns feiern: Herr X, Leiter des Kunstamts aus Berlin-Neukölln, Frau Y, die Stadtkämmerin X aus Wesel und Frau Z, Bibliotheksleiterin aus Xanten.“

Achten Sie darauf, innerhalb jeder Gruppe die immer gleiche Reihenfolge (im obigen Beispiel alphabetisch nach Ortsnamen) zu nutzen. Dann machen Sie sich mit diesem Vorgehen niemandem zum Feind und alle sind froh, dass es schneller geht.

Offizielle Rangordnungen

Das Bundesministerium des Inneren stellt keine protokollarische Rangordnung mehr zur Verfügung. Ganz früher konnte man dort lange Listen einsehen. Die offizielle Begründung lautet, dass Ranglisten von Anlass zu Anlass variiert werden müssten. Das ist grundätzlich richtig. Je nach Anlass ist die eine oder die andere Gruppe wichtiger. Das war allerdings schon immer so. Es scheint, dass man den Diskussionen um die Einstufungen entgehen möchte. Man möchte wahrscheinlich nicht erklären müssen, ob und wann der Chef von Amnesty International vor dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages geführt wird.

Von Anlass zu Anlass unterschiedlich

Sie müssen also Ihre eigene protokollarische Rangliste erstellen. Eine Aufgabe, die Kopfschmerzen bereiten kann. Je nachdem ist mal der Eine und mal die Andere „schutzbedürftiger“, „wichtiger, „wertvoller“.

Ich bin mir trotzdem sicher, dass es verschiedene Ranglisten gibt, weil man nicht jede Entscheidung immer wieder neu wird treffen wollen. Die jüngste „offizielle“ und veröffentlichte Liste, die ich finden konnte, ist die

Rangfolgeliste der Thüringer Staatskanzlei von 1992***:

  • „Ministerpräsident
  • Landtagspräsident
  • Präsident des Landesverfassungsgerichts
  • die Erzbischöfe, Landesbischöfe, Bischöfe, Landessuperintendenten, Landesrabbiner
  • der Stellvertretende Ministerpräsident
  • die Landesminister in der bei ihrer Ernennung festgelegten Reihenfolge
  • die Vorsitzenden der Fraktionen des Landtags nach der Fraktionsstärke
  • die Vorsitzenden der im Landtag vertretenen Parteien nach der Fraktionsstärke der Parteien
  • die Vorsitzenden der Ausschüsse des Landtags
  • die Abgeordneten des Landtags
  • die Staatssekretäre
  • Repräsentanten der kommunalen Spitzenverbände.
  • Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlamentes sind an geeigneter Stelle, im gleichen Rang wie die Abgeordneten des Landtags, einzuordnen.
  • Persönlichkeiten aus anderen Bereichen (Künstler, Wissenschaftler, Sportler, etc.) sind gegebenenfalls als Ehrengäste zu platzieren.

Die Landesregierung empfiehlt auch anderen Veranstaltern diese Reihenfolge. Sie legt ihnen dabei stets ein hohes Maß an Flexibilität und die Anpassung an den jeweiligen Anlaß nahe.“ ***

Wo man außerdem Informationen findet

Die Bundesregierung klärt ein paar Fragen So z. B die Rangfolge der Vertreter der Verfassungsorgane. Die Dienstaltersliste der Bundesminister und Länderparlamentspräsidenten und weitere Zusammenstellungen finden Sie hier. Es ist übrigens keinesfalls so, dass kommunalen Organe immer den Bundesorganen den Vorrang lassen müssen. Jede Ebene muss berücksichtigt werden. Der Bund vertritt nicht automatisch alle anderen Ebenen.

Für die Leiter der diplomatischen Vertretungen in Deutschland legt das Auswärtige Amt eine (verbindliche) Rangfolgeliste vor. Die Vertreter*in des heiligen Stuhls steht immer auf Platz 1. Die weiteren Diplomaten werden auf der sogenannten Anciennitätenliste nach dem Datum der Akkreditierung gereiht.

Wenn Sie sich gar nicht entscheiden können, ob der Kardinal vor oder nach der Oberbürgermeisterin der Nachbarstadt genannt werden muss, dann fragen Sie doch mal nach. Wenden Sie sich z.B. an das Protokoll des Bundesministeriums des Inneren oder des Bundestagspräsidenten. Auch jedes Bundesland, die meisten Städte über 500.000 Einwohner und viele große, mulinationale Unternehmen besitzen eigene Protokolabteilungen. Wahrscheinlich hilft man Ihnen gern. Scheuen Sie sich also nicht, um Hilfe zu bitten.

Wie man eine eigene Rangliste aufstellt

Ranglisten ergeben sich aus der Rangordnung zwischen den Anwesenden.

Zuerst kommen immer die Ehrengäste und dann gestaffelt alle anderen, die begrüßt werden sollen. Ehrengast sind die, die gefeiert werden / die, deren Werke ausgestellt werden / die Hausherr*innen / vielleicht auch die, die bezahlen. (Wenn Sie nicht der Gastgeber sind.) Überlegens Sie sich gut, wen Sie begrüßen möchten Zuviel ist zuviel. Hier nun die vier grundlegenden Regeln, die dabei helfen können Ranglisten aufzustellen.

  1. Schutzbedürfnis
  2. Verfassungsgemäßer Rang
  3. Direkt gewählt oder „nur“ ein Amtsinhaber. (Wenn alle Macht vom Volk ausgeht, dann müssen dessen Repräsentanten vorn stehen.)
  4. Hirarchie – Chef vor dem Untergebenen.

Schutzbedürfnis

Das Schutzbedürfnis kann man anhand der folgenden drei Kriterien einschätzen.

  1. Fremde, (weitgereiste) Gäste und Neuankömmlinge vor Einheimischen und Etablierten
  2. alt vor jung
  3. Damen vor Herren (Dieser Grundsatz tritt heute mehr und mehr zurück. Im Job geht die Hirarchie immer vor!)

Hirachie

Hier gilt: Bei ansonsten gleichem Rang entscheidet das Amts- (Dienst-) alter. Kann das nicht genutzt werden, wählen Sie „einfach“ aus, ob das Alphabet oder das Geschlecht entschieden soll. Dann bitte Frauen (=Damen) vor Männern (=Herren). Sie könnten aber auch die weiteste Anreise als Kriterium festlegen. Wichtig ist, dass Sie eine einmal getroffene Entscheidung grundsätzlich, d.h. für alle Teile Rangliste geichmäßig beibehalten.

Begleiter*innen

Begleiter*innen teilen den Rang Ihrer Partner*innen. Sie werden an zweiter Stelle nach ihnen begrüßt. „Frau Dr. Maier und Gatte“. Oft lässt man die Begrüßung auch entfallen. Entscheiden Sie sich für eine Methode und bleiben sie konsequent.

Weitere Regeln und Sonderfälle

Der wichtigste Ehrengast: Die Hauptperson des Abend wie z.B. Künstler*inen, deren Bilder ausgestellt werden. Wenn der Abend einen bestimmten Menschen ehren soll – dann gehen dieser allen anderen vor. Vorrang hätte dann nur noch die Bundespräsident*in, die Vertreter*in aller Bürger oder eine ausländischer Botschafter oder König*in.

Enge vor entfernter Verbindung zum Anlass: Die nahen Weggefährten des Jubilars z. B. sind höher einzuschätzen als die „normalen“ Ehrengäste.

Wenn die erste Bürger*in Ihrer Stadt – die Oberbürgermeister*in (Bürgermeister*in, Landrät*in) – anwesend ist, wird sie als erstes (nach dem wichtigsten Ehrengast) begrüßt. Sie vertritt alle Bürger. Ihr gehen nur höhste ausländische Würdentäger vor.

Wie können Sie wissen, ob Sie die die richtige Rangfolge aufgestellt haben?

Ob Sie es richtig gemacht haben, ist nicht immer ganz einfach zu beantworten. Die entscheidende Testfrage ist: Könnte ein Gast beleidigt sein? Legen Sie Ihre Rangliste abschließend Anderen, deren Urteil Sie vertrauen, vor. So kommt man meist zu guten Ergebnissen.

Ein paar Praxisbeispiele finden sich hier.

Wer hält die Begrüßungsrede?

Die Begrüßungsrede hält immer die Gastgeber*in. Diese Pflicht können Sie nicht delegieren. Aber Sie können sich dabei helfen lassen.

Wie kann man Ihnen zuarbeiten?

Nach dem Verschicken der Einladungen

  • Einladungsliste in eine Rangordnung umwandeln.
  • Absagen aus der Liste streichen – oder den Ersatz einfügen.
  • Markieren der zu begrüßenden Personen auf der Rangliste.
  • Rangordnung und Begrüßungsbedarf nachprüfen lassen.
  • Markieren Sie alle Personen, die begrüßt werden sollen und zu denen Sie mehr Informationen brauchen. Lassen Sie sich die Leerstellen auffüllen.

Am Tag der Veranstaltung – Wenn Sie es perfekt machen wollen

Platzieren Sie am Tag der Veranstaltung an allen Eingängen Kontrollpunkte Hier wird vermerkt, wer gekommen ist. Es ist recht peinlich, jemanden zu begrüßen, der nicht da ist. Noch peinlicher ist es, wenn jemand wirklich wichtiges überraschend kommt und dann nicht begrüßt wird.

Die Kontrollpunkte werden darum am besten immer mit zwei Personen besetzt. Mindestens eine dieser Personen sollte mit dem Kreis der Eingeladenen vertraut sein. An den Kontrollpunkten werden alle Ankommenden im Namen des Veranstalters begrüßt.

Bevor es losgeht, erhält die Gastgeber*in den aktuellen Stand und kann so die Begrüßungsrede gegebenenfalls anpassen.

Wann ist eine Begrüßungsrede nicht angemessen?

Bitte planen Sie keine Begrüßungsrede für Trauerfeiern, Beerdigungen oder Gedenkfeiern ein. Zu einem traurigen Anlass kann man niemanden voller Schwung willkommen heissen.

Falls Sie es für angemessen halten, können Sie eventuell anwesende Ehrengäste in der Hauptrede ansprechen. Auch das gibt Ihnen die Möglicheit sich für das Kommen und die gezeigte Anteilnahme zu bedanken.

Vielleicht wollen Sie z.B. die Trauernden trösten. Dann dürfen Sie sie dazu natürlich direkt ansprechen.

Und wenn ein Fehler gemacht wurde?

Es wurde vergessen einen wichtigen Gast zu begrüßen? Holen Sie es einfach nach. Dazu findet sich immer eine Gelegenheit. Sagen Sie nicht, dass Sie den Gast vergessen haben. Warten Sie nicht bis zum Abschluss der Veranstaltung.

Jemand ärgert über seine Einstufung auf der Rangliste? Eine Entschuldigung tut nicht weh und kostet nichts. Wem die Rangordnung so wichtig ist, dass er sich selbst beschwert, der hat eine Entschuldigung verdient. In jedem Fall. (Auch wenn wir selbst denken, dass die Beschwerde unberechtigt ist. In diesen Dingen hat jeder seine eigene Wahrheit.)

* Gern helfe ich Ihnen dabei, mit Ihrer Begrüßungsrede wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung beizutragen.

** Die einzigen, die zahlreich erscheinen können, sind Schwangere und Menschen mit multiplen oder gespaltenen Persönlichkeiten … Wer zu einem Ort oder einer Veranstaltung gegangen ist und dann nicht weiß, wo er ist, braucht wahrscheinlich Hilfe.

*** Antwort des Chefs der Thüringer Staatskanzlei auf eine Kleine Anfrage mit Schreiben vom 7. September 1992. Zitiert nach Jura Magazin: JuraMagazin Verein, Schabergstr. 6, 58095 Hagen – Email:post(at)juramagazin(.)de Webseite: www.juramagazin.de mit Status am 28.5.2019: http://www.juramagazin.de/184871.html

So gelingt die Einleitung Ihrer Rede

Moderne Rhetorik muss präzise, anschaulich und aufregend sein. Alles Langweilige wird nämlich von einer geballten Lawine aus Informationen und Unterhaltung verschlungen. Dies gilt in ganz besonderem Maß für die Einleitung. Die Einleitung Ihrer Rede gelingt nicht, wenn Sie ganz langsam Anlauf nehmen. Dafür ist keine Zeit.

Einleitungen müssen sehr schnell zum Punkt kommen

Noch niemals konnten sich Menschen so leicht ablenken wie heute. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt können wir auf sehr hochwertige Unterhaltung und Information zugreifen. Wir sind sehr ungeduldig geworden. Wenn ein YouTube-Video nicht innerhalb von nur fünf Sekunden gefällt, wird weitergeklickt. Mit den Newsfeeds von Twitter, Instagram und Facebook haben wir noch weniger Geduld.

Darum ist die Einleitung der kritischste Punkt der Rede. Die Einleitung gelingt, wenn wir unsere Zuhörer in den ersten Sekunden gewinnen. Es gibt keine meist keine zweite Chance. Wir müssen gleich mit den ersten Sätzen nicht nur die Aufmerksamkeit unserer Zuhörer, sondern auch ihr Wohlwollen zu gewinnen.

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.

Aristoteles

Gelungene Redeeinleitungen: Bauchklatscher, Arschbombe und Auerbachsalto

Erinnern Sie sich noch? Sommer im Freibad und die coolen Jungs springen vom drei Meter-Brett? Eine fette Arschbombe ist cool, aber Kreischen, Aufmerksamkeit und Nachfragen bekommen der gestreckte Auerbachsalto und der Bauchklatscher. Eben die Dinge, die ganz anders sind als alle anderen.

Genau so soll Ihre Einleitung sein. Sie wollen schließlich die ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit Ihres Publikums. Gestatten Sie es Ihren Zuhörern nicht, abzuschweifen. Machen Sie neugierig, rütteln Sie auf, erschrecken Sie sie von mir aus. Was auch immer Sie tun: Seien Sie um Himmelswillen interessant! Langeweile und das Übliche sind bei Todesstrafe verboten.

Aufgaben der Einleitung

Die Einleitung hat zwei wichtige Funktionen: Sie stellt den Kontakt zwischen Redner*in und den Zuhörern her und sie zeigt die Zielrichtung der Rede an. Eine gelungene Einleitung ist wie ein Wegweiser, ein nicht zu übersehender Hinweis: klar verständlich, eindeutig. Der Redeeinstieg sagt, worum es im Folgenden gehen wird. Er setzt den Rahmen, der es Ihren Zuhörern leichter machen wird, Ihre Rede zu verstehen. Er lädt die Zuhörer ein, Ihnen zu folgen.

Nehmen Sie nicht zu viel vorweg. Wer das Ergebnis vorweg nimmt und keinen weiteren Nutzen ankündigt, tötes jedes Interesse.

Die Einleitung hat also die folgenden Aufgaben

  • Das Thema vorstellen
  • Interesse wecken
  • die genaue Formulierung des Präsentationszieles
  • ggf Gäste oder besondere Teilnehmer begrüßen

1001 Nacht Möglichkeiten für gelungene Redeeinstiege

Natürlich können Sie immer mit derselben Form der Einleitung beginnen. Dann sind Sie sicher langweilig. Lassen Sie so etwas gar nicht zu. Es gibt schließlich 1001 Möglichkeiten für gelungene Einleitungen. Hier kommen die ersten elf:

Aktuelles Ereignis der letzten Tage

„Andrea Nahles Rücktritt vom Sonntag ist entweder ein Weckruf oder der Schwanengesang der SPD.“

Spektakuläre Fakten nennen

„Im letzten Jahr haben 20% der neugegründeten Unternehmen einen Gewinn von über einer Million DM erzielt. Erfahren Sie jetzt, wie es zu einer so erstaunlich hohen Leistung kommen konnte. Und was Sie von diesen Gründern lernen können.“

Zitat

„Mark Twain hat einmal gesagt: „Männer, die behaupten, sie seien die uneingeschränkten Herren im Haus, lügen auch bei anderen Gelegenheiten.“ Genauso verhält es sich mit Führungskräften, die heute noch so führen, wie man es vor 20 Jahren tat. In den nächsten zwanzig Minuten werden Sie jedoch erfahren, wie Sie in einem agilen Umfeld führen können, ohne die Kontrolle zu verlieren oder zu lügen.“

Definition

„Emanzipation bedeutet die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Mann. Die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit. Emanzipation bedeutet aber nicht, dass ….“

Eine Geschichte erzählen

Wenn es eine Geschichte gibt, die verdeutlicht, warum es sich lohnt Ihnen zuzuhören, her damit.

Persönliches Erlebnis

Als ich das erste Mal 30 Kilogram verloren habe, hätte ich niemals gedacht…

Unbekannte Zahlen

Jeder Dritte sucht seine Liebe im Internet.

Neues vorstellen

„Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, verehrtes Publikum, was die weißen Fahrräder bedeuten, die in Berlin an so vielen Kreuzungen stehen. An allen diesen Kreuzungen sind Radfahrer*innen tödlich verunglückt. In diesem Jahr waren es schon 9. Der Abbiegeassistent für schwere Lkw könnte pro Jahr 28 Radfahrern in Deutschland das Leben retten und in etwa 100 Fällen schwerste Verletzungen verhindern. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam überlegen, wie wir die Einführung des Abbiegeassistenten beschleunigen können.“

Provokante These

„Nach statistischen Schätzungen des deutschen Nachrichtendienstes ist etwa jeder zehnte Bundesbürger selbstmordgefährdet. Demnach sitzen auch hier unter uns mindestens 20 Selbstmordkandidaten.“

Rhetorische Frage

Tipp: Wenn Sie eine rhetorische Frage stellen, dann sollten Sie die Pause danach nicht zu lange machen und die Frage selbst beantworten, sonst bekommen Sie vielleicht eine schlagfertige Antwort aus dem Publikum, mit der Sie nicht gerechnet haben.

Frage stellen oder Problem aufwerfen

„Wenn Sie in den Bergen mit einem Auto unterwegs sind, können Sie dann hundertprozentig ausschließen, dass Ihnen ein anderes Auto entgegenkommt, mit Ihnen zusammenprallt und Sie den Abhang hinabstürzen? Nein – können Sie nicht, aber trotzdem fahren Sie ganz ruhig und vertrauen darauf, dass es nicht passiert. Wenn Sie eine Partnerschaft eingehen, können Sie dann hundertprozentig ausschließen, dass Ihr Partner Sie eines Tages einmal betrügt? Nein – können Sie nicht, und das führt dazu, dass Sie Ihrem Partner nicht vertrauen können, Zweifel und Ängste entwickeln und dadurch schließlich die Partnerschaft selbst zerstören.“

Humor oder lustige Geschichte

„Meine Damen und Herren, lassen Sie mich mit einer kurzen Geschichte beginnen: Ein betrunkener Mann sucht unter einer Laterne seinen Schlüssel. Da tritt ein vorbeikommender Passant hinzu und fragt den Mann: Was suchen Sie? Meinen Schlüssel, antwortet der Betrunkene. Daraufhin suchen beiden nach dem Schlüssel. Sie können ihn aber nicht finden. Da fragt der Passant: „Sind Sie denn sicher, dass Sie Ihren Schlüssel hier verloren haben? – Nein, da hinten, aber dort ist es zu dunkel.“ [Pause]
Vielleicht suchen wir aktuell auch an den falschen Stellen nach Einsparungsmöglichkeiten.“

Wann schreibt man die Einleitung?

Einleitungen dürfen in jedem Fall erst festgelegt und formuliert werden, wenn der Rest der Rede fertig ist. Der Redeeinstieg wird als letztes geplant. Sie schießen doch Ihre Pfeile auch nicht ab, bevor Sie Ihr Ziel im Visier haben. Je genauer man zielt, desto besser trifft man.

Wenn ich Reden überarbeite, bemerke ich die Verletzung dieses Gesetzes immer. Denn wenn die Einleitung geschrieben wird, bevor die ganze Rede steht, dann passt es nicht. Die Übereinstimmung zwischen beiden ist nicht groß genug.

Zuhörer wollen geführt werden. Wenn Sie feststellen dürfen, dass dies geschieht, sind sie begeistert. Sie vertrauen sich uns ganz an. Führt man sie dagegen in die Irre, schalten sie ab oder werden ungemütlich.

Heben Sie sich das tolle Zitat, das Sie unbedingt nutzen wollten, doch einfach für einen anderen Anlass auf – oder benutzen sie es im Hauptteil oder im Schluss. Wenn es da nicht hinpasst, dann wäre es auch in der Einleitung falsch gewesen.

Was gar nicht geht

  • Die Standardfloskeleinleitung: „Guten Tag meine Damen und Herren. Herzlich willkommen in der Y-Halle. Ich begrüße Sie zu unserem Fortbildungstag und zur Präsentation mit dem Thema …“
  • Auflegen einer Motivationsfolie
  • Umangreiche Selbstdarstellung ohne Nutzen für die Zuhörer*innen.
  • Im Folgenden werde ich. (NEIN – tun Sie es einfach!)

Weitere Tipps

Zum Auftritt

Ihre Rede beginnt in dem Moment, in dem man Sie als die Redner*in erkennt. Schon dann beginnt Ihr Publikum sich ein Urteil zu bilden. Der Weg zur Bühne oder das Einstellen des Beamers wird bereits beobachtet. Bitte zupfen Sie nicht an Ihrer Kleidung, Ihren Haaren oder im Gesicht herum.

Auswendig lernen

Oftmals ist es sehr sinnvoll, die ersten Sätze einer Präsentation auswendig zu lernen und wörtlich auf dem Stichwortmanuskript zu notieren. Letzteres gilt auch für den Schluss.

Weiterführende Artikel

Der Vergleich

Kaum etwas ist so mächtig wie ein gut gewählter Vergleich. Vergleiche arbeiten direkt im Kopf der Zuhörer und brennen Bilder ins Hirn. Bitte nutzen Sie darum Vergleiche nur, wenn Sie wollen, dass Ihr Gegenüber die Dinge so sieht wie Sie. Wichtig ist, den „Angriffspunkt“ genau zu treffen. Welchen Aspekt wollen Sie definieren? Was sollen die Zuhörer darüber denken? Welche weiteren Einschätzungen wollen Sie transportieren.

Hier Beispiele für gegenteilige Eindrücke je nach gewähltem Vergleich.

  • Das ist so erfolgversprechend wie sein T-Bone-Steak von einem Berner Sennhund bewachen zu lassen.
  • Das ist so erfolgversprechend wie sein T-Bone-Steak von einer Hyäne bewachen zu lassen.
  • Das ist so erfolgversprechend wie ein Fässchen Rum von einem Berner Sennhund bewachen zu lassen.
  • Sie war ungestüm wie ein Wirbelwind.
  • Sie war so wild wie ein Tsunami.

Was ist ein Vergleich?

Vergleiche setzen Dinge in Beziehung zueinander. Die Dimension bezüglich derer die Gleichheit oder Ungleichheit der zu vergleichenden Objekte (A und B) gemessen wird, ist das „Tertium comperationis“. Es ist die Maßeinheit der Ähnlichkeit der beiden verglichenen Objekte. (In den folgenden Beispielen sind das Größe, Gewicht und XXX.)

  • A ist so groß wie B.
  • A ist fünf kg schwerer als B.
  • A hat genauso eine XXX wie B.

Wobei hilft ein Vergleich?

Man nutzt Vergleiche, damit das zuerst genannte Objekt in Bezug auf eine bestimmte Dimension besser eingeschätzt werden kann. Dies geschieht entweder in Bezug auf die Änlichkeit der beiden oder den Kontrast zwischen den beiden Objekten. Die verglichene Eigenschaft wird eindringlich veranschaulicht.  Bsp.: Haare (erstes Objekt) so schwarz (verglichene Eigenschaft) wie Ebenholz (Veranschaulichung).

Vor jeder Entscheidung steht die Beurteilung der Optionen. In der Mehrzahl der Fälle stellt das Publikum dazu ganz automatisch und oft unbewusst Vergleiche an. Wenn Sie Ihren Zuhörern den Vergleich und damit das Vergleichsobjekt selbst an die Hand geben, haben Sie großen Einfluss darauf, wie das Urteil ausfällt.

Durch die Wahl des Objekts der Veranschaulichung können Sie Humor, Bildung und Sachkunde beweisen. Darum sein Sie bitte kreativ und innovativ. Dann wird aus dem oft langweiligen Vergleich eine richtig tolle Sache.

Sie können implizit sehr viel aussagen. (s.o. Berner Sennhund gegen Hyäne.) Die Flüchtlingslawine ist eben nicht nur riesig, wir sind ihr außerdem hilflos ausgeliefert.

Meine Lieblingsvergleiche

  • so sinnvoll wie eine Landkarte im Maßstab 1:1
  • so schnell wie eine gelähmte Schnecke am Stock
  • so schlau wie ein Meter Feldweg

Verfälschende Vergleiche

Sie wollen manipulieren? Dann müssen Sie nur das Objekt, mit dem verglichen wird, geschickt auswählen.

Hier ein weiteres Beispiel: Sie hatte Lippen so rot wie Erdbeeren. / Ihre Lippen waren so rot wie Schweineblut. / Ihre Lippen waren so rot wie das Coca-Cola Logo. Wir sind uns einig, dass es sich hier um drei ganz verschiedene Frauen handelt? Und dass der Autor nicht alle gleich schätzt?

Die weiteren Eigenschaften des verdeutlichenden Objekts übertragen sich auch dann, wenn sie nichts zum eigentlichen Vergleich beitragen.

Verunglückte Vergleiche

Bestimmte Vergleiche sind tabu. In Deutschland sind das z.B. alle Vergleiche, die irgendeinen Aspekt der nationalsozialistischen Herrschaft zur Verdeutlichung von Leistung nutzen. Der Blitzkrieg mag in Japan bewundert werden, hier nicht.

Ähnliche Stilmittel

Metapher, Synkedoche, Meonymie, Analogie, Parallelismus und Gleichnis

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