Feedback geben – grundlegende Regeln

Um hilfreiches und wirksames Feedback geben zu können, sollte der Feedbackgeber vor allem drei Kriterien beachten.

Gutes Feedback erfolgt zeitnah

Warten Sie nicht ab. Geben Sie Feedback so früh wie möglich. Der Feedbackgeber und der Betroffene sollten sich noch genau an alles erinnern können. Nur dann wird das Feedback hilfreich sein.

Gute Feedbackgeber*innen sind genau

Werden Sie so konkret wie möglich. Der Empfänger des Feedbacks muss genau verstehen, worum es geht. Sprechen Sie darüber was Ihnen gefallen hat und was verbessert werden könnte. Wenn Feedbackgeber*innen genau angeben, worauf sie sich beziehen, wird es leichter das Feedback nachzuvollziehen.

Werden Sie persönlich, wenn Sie Feedback geben

Reden Sie nicht darüber wie „man“ etwas tut. Sprechen Sie statt dessen darüber, wie Sie persönlich das einzuschätzende Verhalten bewerten. Es geht um Ihr Urteil. Was hat Ihnen gefallen? Was hat Sie gestört?

Gutes Feedback enthält Verbesserungsvorschläge, wenn…

Oft genug wird gesagt, dass gute Feedbackgeber*innen auch immer Verbesserungsvorschläge machen sollten. Ich halte das für keine gute Idee. Um eine Sache zu beurteilen, muss man nicht vom Fach sein. Ob Sie etwas verstehen, ob es Ihnen schmeckt oder ob etwas in Ihren Augen gut aussieht, dafür sind Sie Expert*in. Was es aber braucht, um die Sache besser zu machen, wenn sie nicht gefällt, können Feedbackgeber oft gar nicht einschätzen.

Machen Sie darum nur konkrete Verbesserungsvorschläge, wenn Sie es wirklich besser wissen. Verbesserungsvorschläge von Expert*innen sind hilfreich. Wenn Sie die Wirkung Ihres Vorschlags nicht einschätzen können, dann machen Sie besser keinen Vorschlag.

Sagen Sie statt dessen, was Sie brauchen, um zu einem anderen, vorteilhafteren Urteil zu kommen.

Wenn Sie z.B. Probleme haben, einem Vortrag zu folgen, wünschen Sie sich nicht konkrete Veränderungen wie: kürzere Sätze, mehr Geschichten, weniger Details. Statt dessen fokussieren Sie sich auf Ihre eigenen Bedürfnisse. Die könnten sein: mehr Anregung, um bei der Sache bleiben zu können, Einfachheit, um wirklich zu verstehen, mehr Struktur, um das Gesagte nachvollziehen zu können…

Die WWW-Formel für gutes Feedback

Versuchen Sie doch einmal Ihr Feedback mit der folgenden WWW-Formel zu formulieren:

Das erste W steht für Wirkung. Wie hat es auf Sie gewirkt. („Ich wurde müde.“, „Ich war plätzlich ganz wach“, „Ich habe mich gelangweilt.“, „Ich wurde neugierig.“)

Das zweite W steht für Wahrnehmung. Hier reden Sie darüber, was die zuerst beschriebene Wirkung ausgelöst hat. Es geht eben nicht darum, alles aufzuzählen, was Sie beobachten konnten, sondern nur die Dinge zu erwähnen, die auf Sie gewirkt haben.*

Im dritten und letzten Schritt äussern Sie Ihre Wünsche wie oben beschrieben. Versuchen Sie dabei mehr darüber zu spechen, was Sie brauchen. Sprechen Sie – wenn Sie keine Expert*in sind – weniger darüber, wie das erreicht werden könnte.

Ihre Feedbackskills werden in allen meinen Seminaren trainiert – besonders aber in „Ich glaube an Dich!“ – Durch Feedback zur Fehlerkultur .*Mit der Abfolge Wirkung, Wahrnehmung und Wunsch weiche ich klar von der üblichen Abfolge (nach Manfred Gührs und Claus Novak), bei der die Wahrnehmung als erstes kommt, ab. Dafür habe ich vor allem zwei Gründe. Wenn wir Feedback geben, sollten wir erstens nicht über alles sprechen. Wie sollten statt dessen nur die Dinge erwähnen, die eine Wirkung hatten. Das ist leichter herauszuarbeiten, wenn man direkt mit der Wirkung anfängt. Zweitens sind Wirkung/Wirksamkeit das zentrale Kriterium für die Güte einer Leistung. Der Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung und der Wirkung dagegen kann, muss aber nicht bestehen.