Adressatenorientiert durch LAP-DANCE

Wirklich adressatenorientiert zu präsentieren macht sympathisch. Es verstärkt die Verbindung des Publikums zu uns. Und es vervielfältigt dessen Bereitschaft, sich von uns überzeugen zu lassen.

Bitte stellen Sie darum immer (wieder) das Publikum in den Mittelpunkt Ihrer Präsentation. Hörbar. Adressatenorientiert zu sprechen heißt nicht nur, die richtigen Argumente wirkungsvoll zu präsentieren. Zuhörern muss auffallen, dass ein Vortrag für sie ganz persönlich gehalten wird. Darum sollte jeder Vortrag erkennbar individualisiert werden.

Eine simple aber nicht vorherplanbare Methode ist es, in der Präsentation auf Dinge einzugehen, die kurz zuvor passiert sind. Weisen Sie auf etwas hin, dass das Publikum und Sie gemeinsam erlebt haben. Sie können z.B. auf die Vorreden Bezug nehmen.

Standardreden zu einer adressatenorientierten Rede zu machen kann aber vorbereitet werden. Kommen Sie Ihrem Publikum aufreizend nahe mit einem LAP-DANCE.

Die Zauberformel LAP-DANCE übersetzt sich in: Lokalisierung, Aktualisierung und Personalisierung.

Adressatenorientierung durch Lokalisierung

Unter Lokalisierung versteht man das Herstellen eines regionalen Bezugs. Erwähnen Sie den Ort, an dem Sie sprechen.  „In diesem Saal…“, „In hunderten Räumen, die genauso aussehen wie dieser hier, jede Woche…“. Sagen Sie nicht „in Bogenhausen“, sondern „nur 3 km von hier, in Bogenhausen“. Oder sagen Sie „Herzlich willkommen in Bayreuth. Wer Bayreuth denkt, denkt Wagner. So wie Wagner die Musik revolutionierte, so wird KI …“. Es geht dabei nicht um Nähe, sondern um den Bezug zum Ort, an dem Sie sich befinden.

Unter Lokalisierung fällt übrigens auch, dass Sie die richtigen Metaphern nutzen. Am Meer sprechen Sie vielleicht über Schiffe, die in den Hafen einlaufen. In den Bergen würden Sie über Wanderer sprechen, die die schützende Hütte erreichen. Machen Sie es den Gehirnen Ihrer Zuhörer leicht, bei Ihnen zu bleiben. Adressatenorientierung betrifft jeden Punkt Ihrer Rede. Ich habe deshalb eine Checkliste zur Adressatenorientierung geschrieben.

„Wir in Deutschland…“ ist keine Lokalisierung sondern ein Appell an das Gemeinschaftsgefühl, die Gruppenzugehörigkeit vielleicht auch eine Versuch das Prinzip der sozialen Bewährtheit zu nutzen. Um durch Lokalisierung adressatenorientiert zu sprechen, müssen Sie näher ran.

Aktualisierung

Auch die Aktualisierung stellt einen Bezug zwischen Ihrem Thema und dem Publikum her. Die Aktualisierung bezieht den Zeitpunkt der Rede auf ein anderes, zum Redethema passendes Ereignis. „Jetzt, um zwölf Uhr wird in Brüssel entschieden…“ „Erst gestern…“ „Heute beim Frühstück…“ „Wenn morgen…“ „In der Türkei passiert gerade das Gleiche…“ So sagen Sie: „wir sitzen alle in einem Boot“. „Dieses Thema ist jetzt aktuell.“ Sie machen so außerdem klar, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind. So wird aus einer Standardrede eine aktuelle, adressatenorientierte. Zusätzlich können Sie so leicht den Zusammenhang zwischen Ihrer Präsentation und einem anderen, für Ihr Ziel günstigen Ereignis herstellen

Personalisierung

Werden Sie persönlich! Bei der adressatenorientierten Personalisierung geht es darum, die Zuhörer bei der Begrüßung und gern auch mitten in der Präsentation direkt anzusprechen. Dabei nennen Sie entweder einzelne, beliebte und bekannte Gruppenmitglieder oder Gruppierungen oder die Gruppe als Ganzes: „Sie selbst, Frau…“, „Ihr, als Gewerkschaftsführer und Gewerkschaftsführerinnen…“, „Echte Aficionados wie Sie…“.

Wenn Sie keine eigenen Erlebnisse erzählen, erzählen Sie die Geschichten Ihrer Zuhörer. Solange Sie sich nicht zur Anonymität verpflichtet fühlen, sagen Sie wer die Geschichte erlebt hat und zeigen Sie wo diese Person im Publikum sitzt.

Nicht jede Begrüßung ist gleich eine Personalisierung. Lieblos vorgetragene Namen und Gruppenbezeichnungen reichen nicht aus! Werden Sie statt dessen kreativ! Ihre IT hat sicher nichts dagegen, „Heimliche Herrscher über die Arbeitplätze“ genannt zu werden.

Dieser kleine kleine Kniff hebt Ihre Präsentation von allen anderen ab.

Standardpräsentationen adressatenorientiert aufpeppen

Nutzen Sie diese drei Methoden um Ihre Reden und Präsentationen aufzupeppen. Wahlkampfreden z.B. wären anders gar nicht zu bewältigen.

In der Geschäftswelt sind diese Techniken noch viel zu wenig bekannt. Sie sollten sie ruhig auch bei Präsentationen nutzen, die nur einmal gehalten werden. Denn Salz gehört schließlich auch an jedes Gericht inklusive Margaritas.

Im der Rhetorik-Masterclass vermittle ich noch weitere solcher arbeitserleichternden und wirksamen Techniken.

*Alterozentriert: Das Gegenüber in den Mittelpunkt stellen

Soundbites vergrößern Ihr Publikum

Die Welt wird mit Soundbites erreicht

Soundbites tragen Ihre Reden weiter als jedes Mikrophon. Früher erkannte man sein Publikum daran, dass es vor einem saß. Heute ist das anders. Es gibt ein Publikum zweiten Grades  und – wenn es richtig gut oder richtig schlecht läuft – dritten Grades.

Mit Twitter, Livestreams, Videoaufzeichnungen, Facebook, Instagram etc. ist es heute viel leichter als früher. Wir können auch die Daheimgebliebenen erreichen. Unser Publikum vervielfachen. Die Welt draußen kann genauso intensiv Anteil nehmen, wie Ihr Publikum vor Ort. Sie sollten darum Ihre Rede nicht nur für die Anwesenden halten.

Die Lösung: Soundbites

Ihre Botschaft soll richtig verstanden und außerdem noch weitergetragen werden? Dann sorgen Sie dafür, dass das möglich ist.

Achten Sie darauf, leicht zitierbare und einprägsame Botschaften, sogenannte Soundbites, zu kreieren.

Worauf Sie bei Soundbites achten müssen

In Zeiten von Twitter und Facebook ist es viel wichtiger geworden, auf seine Worte zu achten. Benutzen Sie nur Witze und Worte, die auch außerhalb des Kontextes keinesfalls rassistisch oder sexistisch oder sonst abstoßend wirken könnten.* Trotz dieser Anforderung noch einprägsam und erinnerungswürdig zu formulieren, ist eine hohe Kunst. Darum sollten Sie Ihre Soundbites vorab festlegen.

Früher war es nicht grundsätzlich anders

In abgeschwächter Form kennt man das Phänomen schon immer. Allein die Anwesenheit von Journalisten garantierte noch keinen Bericht in der Presse. Die Botschaften mussten klar, präzise und einprägsam sein. Sie mussten Neuigkeitswert haben. Nur dann kamen sie in die Auswahl für eine Veröffentlichung. Genauso sollte ein Soundbite sein.

Der Soundbite als Test

Die Forumlierung der Soundbites ist auch ein Test. Sind Sie in der Lage Ihre Botschaften präzise und unmissverständlich zu formulieren? Können Sie die Dinge knapp zusammenfassen? Gibt es einen Call-back, der die gesamte Rede über funktioniert?

Für jede gute Rede gilt, dass Ihre Botschaft kurz sein muss. So kurz, dass Sie sich auch auf ein T-shirt drucken lässt. (und ich meine nicht Vorder- und Rückseite in 12-punkt) Wenn Sie also keine Soundbites finden, dann ist Ihre Rede noch nicht fertig.

Was Sie für Social Media neben den Soundbites noch vorbereiten sollten

Bereiten Sie Hashtags z.b. für Twitter und Instagram vor. Diese können Ihre Inhalte weiter tragen als es Ihre Stimme vermag. Weisen Sie optisch gut sichtbar auf diese Hashtags hin. Immer wieder.

*Einzig die Aschermittwochs- und die Büttenrede sind davon teilweise ausgenommen. Sie leben in weiten Teilen davon bestimmte Gruppen lächerlich zu machen.

Die Referentenvorstellung

Sie stellen sich doch hoffentlich nicht selbst vor?

Es ist eine Unsitte und leider sehr verbreitet. „Die Referentin stellt sich selbst vor.“ Witzige Zeigenossen fügen noch hinzu: „Keiner kennt sie so gut, wie sie sich selbst.“ Die Referentenvorstellung ängstigt viele Veranstalter und Moderatoren. (speziell, wenn es sich um Rhetoriktrainer*innen handelt.)

Bitte stellen Sie Ihre Referenten immer vor. Kaum jemand ist mutig genug zu sagen: „Ich bin der weltgrößte Experte zu diesem Thema“. Selbst wenn es stimmt. Es würde auch kaum etwas nutzen. Spricht aber jemand anders derart gut über uns, besteht zumindest die Möglichkeit, dass es geglaubt wird.

Lassen Sie sich selbst bitte immer vorstellen. Auch wenn das eigentlich von der VeranstalterIn nicht geplant war. Sprechen Sie darüber. Der Veranstalter profitiert davon, dass sein Publikum weiß, was für eine Koryphäe verpflichtet wurde.

Kämpfen Sie darum, vorgestellt zu werden, auch wenn es sonst nicht üblich ist.

Wer schreibt die Referentenvorstellung?

Natürlich überlassen Sie nichts dem Zufall und schreiben die Referentenvorstellung komplett in ganzen Sätzen selbst. Übermitteln Sie den „Entwurf“ frühzeitig und stimmen Sie sich dann direkt mit der Moderatorin oder dem Moderator, d.h. dem, der Sie vorstellt, ab.

Sprechen Sie unbedingt selbst mit dem Moderator. Bringen Sie ihn dazu, sich genau an Ihr Konzept zu halten. Sonst kann es furchtbar schief gehen. Nichts wäre schlimmer als: „Ich soll sagen, dass XXX Experte für Y ist. Ich weiß ja nicht.“. Auch das habe ich schon erlebt.

Moderatoren sind berufsbedingt oft eitel. Schließlich werden sie auch wegen Ihres Äußeren gebucht. Achten Sie also unbedingt darauf, die Eitelkeit des Moderators zu benutzen, statt sie zu verletzen.

Wenn Sie entsprechend Ihren Fähigkeiten und Erfahrungen vorgestellt werden, wird es viel leichter sein, mit dem Publikum zu arbeiten. Nicht alle sind wegen der RednerIn gekommen und nicht alle können sich noch erinnern, was genau Sie befähigt zu referieren. Aber alle werden genauer zuhören, wenn Sie glauben, etwas einmalig gutes zu erleben.