Adressatenorientierung

Unter Adressatenorientierung verstehen die meisten lediglich die Fragen: „Wer sind meine Adressaten?“ „An wen richtet sich meine Rede*?“ Schon die nächsten, wichtigen Fragen werden oft nicht mehr gestellt.

  • Was interessiert meine Zuhörer*innen?
  • Was weiß mein Publikum schon?
  • Welche Informationen muss ich ihm geben, damit es mein Anliegen versteht?
  • Welche Sprache gefällt meinen Zuhörern. Welche Sprache verstehen meine Zuhörer*innen?

Wirklich adressatenorientiertes Reden aber geht viel weiter. Haben Sie schon daran gedacht, dass eine Präsentation um 10 Uhr eventuell ganz anders sein muss als eine um 20 Uhr? (…wenn alle gerade gegessen haben?)

Eine adressatenorientierte Rede berücksichtigt was das Publikum mag, wie das Publikum tickt und wonach das Publikum sich sehnt. Nur wirklich adressatenorientierte Reden erreichen ihr Ziel. Je genauer Sie Ihr Publikum ergründen, desto besser wird das Gesagte ankommen. Denn dann finden Sie z.B. Metaphern und Vergleiche, die wirken. Emotionale Trigger funktionieren nur, wenn sie sich wie Messer ins Zentrum des Erlebens bohren.

Adressatenorientierung unterwirft

Adressatenorientierung unterwirft jeden Aspekt der Präsentation einer Prüfung. Jede Gruppe hat ihre eigenen (Denk-) Gewohnheiten, Eigenheiten und Einstellungen. Für eine wirklich adressatenorientierte Präsentation sollte der Fokus sehr weit gewählt werden. Nur so entgeht Ihnen nichts. Wenn z.B. das Datum Ihrer Präsentation für Ihre Zuhörer ein besonderes ist, sollten Sie das wissen. Hier noch ein paar Beispiele für Klippen bei der Adressatenorientierung:

  • Wer Campingurlaub macht, hat beim Thema Service ganz andere Assoziationen als ein Besucher der Robinson Clubs.
  • Deutschland ist weltberühmt für seine Autos. Trotzdem ist Neuwagengeruch bei Deutschen unter 40 kein emotionaler Trigger mehr. (Fun Fact: Viele Kinder wissen nicht mehr, was ein „Telefonhörer“ ist.)
  • Derselbe Sachverhalt bekommt beim Vorstand vielleicht nur drei, in der Fachabteilungsrunde aber 15 oder sogar 45 Minuten. Der Vorstand möchte nur die Essenz präsentiert bekommen, die Fachabteilung muss grundlegend informiert werden.
  • Fußballmetaphern sind in Deutschland für (fast) jeden verständlich. Sie werden hochgeschätzt. Das kann in einem Schachclub aber trotzdem ganz anders sein.

Ihr Publikum hat eine Archillesferse. Aber wo?

Ihre Präsentation kommt an, wenn Sie Ihr Pulikum an seinen empfindlichen Stellen treffen. Hagen konnte Siegfried nur töten, weil er wusste, wo das Lindenblatt die Benetzung mit Drachenblut verhindert hatte.

Nehmen Sie Ihr Publikum mit all seinen Eigenschaften richtig unter die Lupe. Richten Sie ein Brennglas auf seine Eigenheiten. Wenn Sie den richtigen Hebelpunkt finden, sind wirkliche Veränderungen erreichbar.

Ist Ihnen z.B. bewusst, dass jede Alterskohorte durch ganz bestimmte Probleme geprägt wird? Die Babyboomer hatten immer damit zu kämpfen, dass es zu viele von ihnen gab. Die Generation Einzelkind lernt so etwas jetzt erst kennen. Denn sie findet für ihre Kinder keine Kindergartenplätze. Entdecken Sie solche Lindenblätter in den Lebensumständen Ihres Publikums. Es wird diese Adressatenorientierung als selbstverständlich empfinden, sie vielleicht gar nicht bemerken. Ihr Dank ist seine Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen.

Entdecken Sie Haltungen und Einstellungen Ihres Publikums. mithilfe der Checkliste Adressatenorientierung

Selbst Standardreden können adressatenorientiert gehalten werden. Recht schnell geht das mit einem LAP-DANCE mit Lokalisierung, Aktualisierung, Personalisierung.

*Das Gesagte gilt ebenso für Texte und Gespräche. Je genauer Sie Ihre Leser, Gesprächspartner und Zuhöre kennen, desto leicher wird es Ihnen fallen, Sie zu überzeugen.
Für Reden, die ein Publikum zweiten Grades erreichen, kann (zusätzlich) etwas ganz anderes gelten.

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