So gelingt die Einleitung Ihrer Rede

Moderne Rhetorik muss präzise, anschaulich und aufregend sein. Alles Langweilige wird nämlich von einer geballten Lawine aus Informationen und Unterhaltung verschlungen. Dies gilt in ganz besonderem Maß für die Einleitung. Die Einleitung Ihrer Rede gelingt nicht, wenn Sie ganz langsam Anlauf nehmen. Dafür ist keine Zeit.

Einleitungen müssen sehr schnell zum Punkt kommen

Noch niemals konnten sich Menschen so leicht ablenken wie heute. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt können wir auf sehr hochwertige Unterhaltung und Information zugreifen. Wir sind sehr ungeduldig geworden. Wenn ein YouTube-Video nicht innerhalb von nur fünf Sekunden gefällt, wird weitergeklickt. Mit den Newsfeeds von Twitter, Instagram und Facebook haben wir noch weniger Geduld.

Darum ist die Einleitung der kritischste Punkt der Rede. Die Einleitung gelingt, wenn wir unsere Zuhörer in den ersten Sekunden gewinnen. Es gibt keine meist keine zweite Chance. Wir müssen gleich mit den ersten Sätzen nicht nur die Aufmerksamkeit unserer Zuhörer, sondern auch ihr Wohlwollen zu gewinnen.

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.

Aristoteles

Gelungene Redeeinleitungen: Bauchklatscher, Arschbombe und Auerbachsalto

Erinnern Sie sich noch? Sommer im Freibad und die coolen Jungs springen vom drei Meter-Brett? Eine fette Arschbombe ist cool, aber Kreischen, Aufmerksamkeit und Nachfragen bekommen der gestreckte Auerbachsalto und der Bauchklatscher. Eben die Dinge, die ganz anders sind als alle anderen.

Genau so soll Ihre Einleitung sein. Sie wollen schließlich die ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit Ihres Publikums. Gestatten Sie es Ihren Zuhörern nicht, abzuschweifen. Machen Sie neugierig, rütteln Sie auf, erschrecken Sie sie von mir aus. Was auch immer Sie tun: Seien Sie um Himmelswillen interessant! Langeweile und das Übliche sind bei Todesstrafe verboten.

Aufgaben der Einleitung

Die Einleitung hat zwei wichtige Funktionen: Sie stellt den Kontakt zwischen Redner*in und den Zuhörern her und sie zeigt die Zielrichtung der Rede an. Eine gelungene Einleitung ist wie ein Wegweiser, ein nicht zu übersehender Hinweis: klar verständlich, eindeutig. Der Redeeinstieg sagt, worum es im Folgenden gehen wird. Er setzt den Rahmen, der es Ihren Zuhörern leichter machen wird, Ihre Rede zu verstehen. Er lädt die Zuhörer ein, Ihnen zu folgen.

Nehmen Sie nicht zu viel vorweg. Wer das Ergebnis vorweg nimmt und keinen weiteren Nutzen ankündigt, tötes jedes Interesse.

Die Einleitung hat also die folgenden Aufgaben

  • Das Thema vorstellen
  • Interesse wecken
  • die genaue Formulierung des Präsentationszieles
  • ggf Gäste oder besondere Teilnehmer begrüßen

1001 Nacht Möglichkeiten für gelungene Redeeinstiege

Natürlich können Sie immer mit derselben Form der Einleitung beginnen. Dann sind Sie sicher langweilig. Lassen Sie so etwas gar nicht zu. Es gibt schließlich 1001 Möglichkeiten für gelungene Einleitungen. Hier kommen die ersten elf:

Aktuelles Ereignis der letzten Tage

„Andrea Nahles Rücktritt vom Sonntag ist entweder ein Weckruf oder der Schwanengesang der SPD.“

Spektakuläre Fakten nennen

„Im letzten Jahr haben 20% der neugegründeten Unternehmen einen Gewinn von über einer Million DM erzielt. Erfahren Sie jetzt, wie es zu einer so erstaunlich hohen Leistung kommen konnte. Und was Sie von diesen Gründern lernen können.“

Zitat

„Mark Twain hat einmal gesagt: „Männer, die behaupten, sie seien die uneingeschränkten Herren im Haus, lügen auch bei anderen Gelegenheiten.“ Genauso verhält es sich mit Führungskräften, die heute noch so führen, wie man es vor 20 Jahren tat. In den nächsten zwanzig Minuten werden Sie jedoch erfahren, wie Sie in einem agilen Umfeld führen können, ohne die Kontrolle zu verlieren oder zu lügen.“

Definition

„Emanzipation bedeutet die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Mann. Die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit. Emanzipation bedeutet aber nicht, dass ….“

Eine Geschichte erzählen

Wenn es eine Geschichte gibt, die verdeutlicht, warum es sich lohnt Ihnen zuzuhören, her damit.

Persönliches Erlebnis

Als ich das erste Mal 30 Kilogram verloren habe, hätte ich niemals gedacht…

Unbekannte Zahlen

Jeder Dritte sucht seine Liebe im Internet.

Neues vorstellen

„Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, verehrtes Publikum, was die weißen Fahrräder bedeuten, die in Berlin an so vielen Kreuzungen stehen. An allen diesen Kreuzungen sind Radfahrer*innen tödlich verunglückt. In diesem Jahr waren es schon 9. Der Abbiegeassistent für schwere Lkw könnte pro Jahr 28 Radfahrern in Deutschland das Leben retten und in etwa 100 Fällen schwerste Verletzungen verhindern. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam überlegen, wie wir die Einführung des Abbiegeassistenten beschleunigen können.“

Provokante These

„Nach statistischen Schätzungen des deutschen Nachrichtendienstes ist etwa jeder zehnte Bundesbürger selbstmordgefährdet. Demnach sitzen auch hier unter uns mindestens 20 Selbstmordkandidaten.“

Rhetorische Frage

Tipp: Wenn Sie eine rhetorische Frage stellen, dann sollten Sie die Pause danach nicht zu lange machen und die Frage selbst beantworten, sonst bekommen Sie vielleicht eine schlagfertige Antwort aus dem Publikum, mit der Sie nicht gerechnet haben.

Frage stellen oder Problem aufwerfen

„Wenn Sie in den Bergen mit einem Auto unterwegs sind, können Sie dann hundertprozentig ausschließen, dass Ihnen ein anderes Auto entgegenkommt, mit Ihnen zusammenprallt und Sie den Abhang hinabstürzen? Nein – können Sie nicht, aber trotzdem fahren Sie ganz ruhig und vertrauen darauf, dass es nicht passiert. Wenn Sie eine Partnerschaft eingehen, können Sie dann hundertprozentig ausschließen, dass Ihr Partner Sie eines Tages einmal betrügt? Nein – können Sie nicht, und das führt dazu, dass Sie Ihrem Partner nicht vertrauen können, Zweifel und Ängste entwickeln und dadurch schließlich die Partnerschaft selbst zerstören.“

Humor oder lustige Geschichte

„Meine Damen und Herren, lassen Sie mich mit einer kurzen Geschichte beginnen: Ein betrunkener Mann sucht unter einer Laterne seinen Schlüssel. Da tritt ein vorbeikommender Passant hinzu und fragt den Mann: Was suchen Sie? Meinen Schlüssel, antwortet der Betrunkene. Daraufhin suchen beiden nach dem Schlüssel. Sie können ihn aber nicht finden. Da fragt der Passant: „Sind Sie denn sicher, dass Sie Ihren Schlüssel hier verloren haben? – Nein, da hinten, aber dort ist es zu dunkel.“ [Pause]
Vielleicht suchen wir aktuell auch an den falschen Stellen nach Einsparungsmöglichkeiten.“

Wann schreibt man die Einleitung?

Einleitungen dürfen in jedem Fall erst festgelegt und formuliert werden, wenn der Rest der Rede fertig ist. Der Redeeinstieg wird als letztes geplant. Sie schießen doch Ihre Pfeile auch nicht ab, bevor Sie Ihr Ziel im Visier haben. Je genauer man zielt, desto besser trifft man.

Wenn ich Reden überarbeite, bemerke ich die Verletzung dieses Gesetzes immer. Denn wenn die Einleitung geschrieben wird, bevor die ganze Rede steht, dann passt es nicht. Die Übereinstimmung zwischen beiden ist nicht groß genug.

Zuhörer wollen geführt werden. Wenn Sie feststellen dürfen, dass dies geschieht, sind sie begeistert. Sie vertrauen sich uns ganz an. Führt man sie dagegen in die Irre, schalten sie ab oder werden ungemütlich.

Heben Sie sich das tolle Zitat, das Sie unbedingt nutzen wollten, doch einfach für einen anderen Anlass auf – oder benutzen sie es im Hauptteil oder im Schluss. Wenn es da nicht hinpasst, dann wäre es auch in der Einleitung falsch gewesen.

Was gar nicht geht

  • Die Standardfloskeleinleitung: „Guten Tag meine Damen und Herren. Herzlich willkommen in der Y-Halle. Ich begrüße Sie zu unserem Fortbildungstag und zur Präsentation mit dem Thema …“
  • Auflegen einer Motivationsfolie
  • Umangreiche Selbstdarstellung ohne Nutzen für die Zuhörer*innen.
  • Im Folgenden werde ich. (NEIN – tun Sie es einfach!)

Weitere Tipps

Zum Auftritt

Ihre Rede beginnt in dem Moment, in dem man Sie als die Redner*in erkennt. Schon dann beginnt Ihr Publikum sich ein Urteil zu bilden. Der Weg zur Bühne oder das Einstellen des Beamers wird bereits beobachtet. Bitte zupfen Sie nicht an Ihrer Kleidung, Ihren Haaren oder im Gesicht herum.

Auswendig lernen

Oftmals ist es sehr sinnvoll, die ersten Sätze einer Präsentation auswendig zu lernen und wörtlich auf dem Stichwortmanuskript zu notieren. Letzteres gilt auch für den Schluss.

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