So werden Sie wortgewandt. Wie Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern – elf Methoden

Sie wollen wortgewandt werden? Dann müssen Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern. Je öfter man nach dem passenden Wort sucht, desto schneller wird man es bei nächsten Mal direkt finden. Darum stellen Sie die eigene Wortwahl – wann immer es geht – in Frage. Suchen Sie nach dem noch treffenderen Ausdruck. Dann liegt er Ihnen beim nächsten Mal auf der Zunge.

Um den Prozess zu beschleunigen, können Sie eine oder mehrere der unten genannten elf Methoden verwenden. Sie können damit gezielt Ihren Wortschatz erweitern oder generell. Je mehr Sie üben, desto schneller werden Sie wortgewandt werden.*

Test Ihres aktiven Wortschatzes

Sie brauchen nur 5 Minuten. Finden Sie so viele Synonyme wie möglich für ein geläufiges Wort. Ich schlage entweder „gut“ ( positive Leistungsbeschreibung) oder „gehen“ (Fortbewegung zu Fuß) vor. Stellen Sie die Uhr und schreiben Sie los.

Bei so grundlegegenden Begriffen sollten Ihnen schnell mindestens 15 Synonyme einfallen. Sie möchten sehen, was Ihnen vielleicht entgangen ist? Hier finden Sie die entsprechenden Listen: 60 Synonyme für „gut“, 50 Synonyme für „gehen“.**

Mit diesen Listen könnten Sie dann auch gleich Ihren aktiven Wortschatz erweitern. Lesen Sie sich die Worte laut vor. Danach erklären Sie sich selbst (laut) jedes Wort, das Ihnen gefällt. Was genau drückt dieses Wort aus?

Wie können Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern?

Lesen allein reicht nicht, um wortgewandt zu werden

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass Lesen den aktiven Wortschatz erweitert. Das ist falsch. Um wortgewandt zu werden, dürfen Sie Worte nicht nur lesen oder hören. Nicht nur passiv aufnehmen. Sie müssen sie sich wirklich aneignen. Dazu ist es ausreichend, sie sich selbst laut vorzulesen.

Für diese Methode empfehle ich Ihnen die FAZ oder die Süddeutsche Zeitung. Denn beide verwenden einen sehr großen Wortschatz. Außerdem decken beide einen breiten Wissensbereich ab. Lesen Sie sich immer wieder Artikel (teilweise) laut vor.

Der Königsweg zur Wortgewandtheit

Fachartikel und -zeitschriften laut zu lesen ist eine großartige Strategie um wortgewandt zu werden. Dies ist der Königsweg, wenn man seinen aktiven Wortschatz erweitern möchte. Warum? Weil Sie mit den Worten auch die üblichen Formulierungen und den Duktus der Experten des Felds aufnehmen. Wer sich neu in einem Bereich einarbeitet (Studenten, Jobeinsteiger, Jobwechsler), sollte das unbedingt tun.

Sie möchen gern eindringlicher reden? Worte benutzen, die Stimmungen transportieren? Emotionaler sprechen? Dann lesen Sie sich Belletristik, Kurzgeschichten, Krimis vor. (Damit es nicht zu quälend wird, lese ich dabei eine Seite laut, eine Seite leise. Das geht schneller.) Wechseln Sie hin und wieder das Genre. Damit erweitert sich Ihr aktiver Wortschatz dann quasi automatisch.

Diese Methode eignet sich ebenfalls ganz hervorragend, um Ihre Fremdspachenkenntnisse auszubauen.

Radiosendungen oder Podcasts simultan mitsprechen

Sprechen Sie Berichte oder Kommentare (quasi) simultan mit. Ganz unmerklich wird dabei Ihr aktiver Wortschatz gößer. Sie lernen auch bestimmte Formulierungen. Nutzen Sie dabei im Zweifel nicht das Fernsehen. Denn dort wird ein goßer Teil der Kommunikation von den Bildern übernommen. Radiosendungen, Podcasts oder sachorientierte Diskussionsrunden eignen sich perfekt.

Ihnen gefällt eine Sprecher*in besonders? Großartig! Sie schauen sich nämlich gleichzeitig auch deren Sprechduktus ab.

Übersetzen Sie

Das Übersetzen ins Deutsche ist ebenfalls extrem nützlich. Denn genau den Ton und die Intention des Autors zu treffen, ist eine Kunst. Suchen Sie sich darum einen wortmächtigen fremdsprachlichen Text aus. Zur Übersetzung werden Sie Wörterbücher wälzen müssen. Dabei lernen Sie neue Worte kennen. Sie werden sich intensiv mit den gefundenen Begriffen auseinandersetzen. Ringen Sie mit den Worten. So erweitern Sie Ihren aktiven Wortschatz.

Dichten Sie

Egal, ob Sie ein Haiku, das Sonnett oder die Freiform wählen. Dichten aktiviert Ihr Sprachgefühl wie kaum etwas anderes. Sie werden dabei oft genug nach treffenden Worten forschen. Gehen Sie auf Entdeckungsreise. Dichtung ist präzise und emotional. Vielleicht erobern Sie ein neues Hobby. Und ganz nebenbei können Sie Ihren aktiven Wortschatz erweitern.

Spielen Sie

Lösen Sie Kreuzworträtsel. Spielen Sie Scrabble oder Tabu. Denn Ihren aktiven Wortschatz erweiten Sie jedes Mal, wenn Sie sich mit Worten beschäftigen. Man wird wortgewandt, indem man Worte wendet.

Fremdwörterspiel

Weil es nicht so viele kennen, erkläre ich das Fremdwörterspiel. Sie lernen dabei, sich sehr abstrakt auf hohem Sprachniveau auszudrücken.

Die Spielführer*in sucht ein Wort aus einem Lexikon für Fremdwörter heraus. Niemand der anderen Spieler*innen darf dieses Wort kennen. Nun schreibt jeder eine Definition auf. Der Spielführer schreibt die korrekte Erklärung des Wörterbuchs auf. Im Anschluss werden alle Definitionen vorgelesen. Jeder muss sich für eine Erklärung entscheiden. Es gibt Punkte, wenn andere die eigene Definition auswählen und wenn man die richtige Definition erkennt. Die Spielführer*in wird nach jeder Runde gewechselt.

Was Sie außerdem noch tun können, um wortgewandt zu werden

Sie meinen es ernst? Sie wollen Ihren Wortschatz gezielt erweitern? Wortgewandt werden? Dann bieten sich noch weitere Methoden an.

Synonyme finden

Treten Sie mit sich selbst in Wettbewerb. Versuchen Sie möglichst viele Synonyme (bedeutungsgleiche Worte) zu finden. Machen Sie sich eine Liste mit möglichen Alternativen. Sie können sich dabei online oder von Wörterbüchern helfen lassen.

Benutzen Sie das Alphabet oder ein beliebiges langes Wort und versuchen Sie zu jedem Buchstaben mindestens ein Wort zu finden.

Wenn Sie dabei auf Worte stoßen, die Ihnen gefallen, dann lernen Sie diese wie Vokabeln. Am besten nehmen Sie sich vor, sie an einem Tag dreimal zu benutzen. Um wortgewandt zu werden braucht Ihr Wortschatz dasselbe Training wie Ihre Muskeln.

Das Gegenteil suchen

Suchen Sie das exakte Gegenteil zu Worten, um Ihren Wortschatz zu erweitern. Seien Sie sehr kritisch dabei. Prüfen Sie mögliche Alternativen. Es muss genau passen. Nicht nur irgendwie.

Spielen wir es am Beispiel von „genau“ durch. Das Gegenteil könnten ungenau, vage, diffus, ungefähr, fast, teilweise sein. Welches trifft es ganz genau und warum die anderen nicht? Oder trifft jeweils eins eine ganz bestimmte Situation? Redegewandte Menschen sind in solchen Unterscheidungen sicher. Damit hören Sie mehr, wenn andere sprechen, und verwenden treffendere Worte.

Konnotationen erkennen

Wortgewandte Menschen verwenden immer den exakt richtigen Begriff. Das richtige Wort trifft nicht nur den Begiffskern. Es sagt nicht nur funktional das Richtige aus. Der wirklich treffende Begriff transportiert noch viel mehr. Es zeigt auch Ihre Einstellung, wie genau Sie es mit Regeln nehmen. Das passgenaue Wort hat nicht zuletzt das richtige Sprachniveau.

Versuchen Sie doch einmal sich dafür zu sensibilisieren. Geizig und sparsam, großzügig und verschwenderisch sind jeweils zwei Seiten einer Medaille. Gibt es neutrale Begriffe? Finden Sie Synonyme mit gegensätzlichen Konnotationen. Ergänzen Sie sie mit dem neutralen Wort. Oft gibt es keins. Dann arbeiten Sie mit einer Beschreibung. Oben könnten das z.B. wenig und viel ausgeben sein, oder?

Synonyme ordnen, in eine Reihenfolge bringen

Ein Beispiel: Ordnen Sie herausragend, großartig, überragend und hervorragend ihrer Bedeutung nach.

Bringen Sie Ihre Synonyme zu „gehen“ in eine Reihenfolge. Was ist schneller? Was ist zielgerichteter? Promenieren oder stolzieren? Versuchen Sie mit verschiedenen Ordnungskriterien zu spielen.

Sie könnten sich auch einfach Fragen beantworten. Z.B. was ist schneller als „rasend schnell“? Was ist langsamer als „betulich“? Dabei wird automatisch Ihr aktiver Wortschatz vergrößert. Sie werden plastischer, präziser und prägnanter in Ihrer Ausdrucksweise.

Was ist noch kleiner als klein und was ist nicht ganz so klein wie klein? Was ist besser als gut? Was ist besser als schlecht und noch nicht gut? Führen Sie laute Selbstgespräche, in denen Sie diese Fragen diskutieren. Es ist wichtig, zumindest die Ergebnisse dieser Abwägungen schriftlich oder mündlich in die Welt zu bringen. Sonst bleibt Ihr aktiver Wortschatz unverändert.

Definitionen bilden

Bei Definitionen geht es darum, abstrakt genau zu erklären, was ein Wort bedeutet. Das ist anstrengend. Ein Wort, mit dem Sie sich derart intensiv beschäftigt haben, wird automatisch Ihren aktiven Wortschatz erweitern.

„Ein Kreisverkehr ist ein Instrument der Verkehrsregelung. Statt auf eine Kreuzung zu führen, münden alle Straßen in eine kreisförmige Einbahnstraße. Es können beinahe beliebig viele Straßen in den Kreisverkehr münden.“

Varieren von Sprachniveau und Abstraktheit

Sie können Ihren aktiven Wortschatz erweitern, indem Sie etwas nacherzählen oder zusammenfassen. Dabei sollten Sie dann bewusst das Sprachniveau variieren. Erhöhen bzw. verringern Sie die Abstraktheit. Sprechen Sie z.B. einmal so, wie Sie es in einer Universitätsvorlesung tun würden. Beim nächsen Mal sprechen Sie so, wie Sie es beim feuchtfröhlichen Umtrunk täten.

Wortherkunft

Ich schmökere gern in etymologischen Wörterbüchern. Denn diese erklären mir die Abstammung der Begriffe. Oft ist das so interessant, dass ich mir Wort und Geschichte merke. Vielleicht wäre das auch etwas für Sie?

Suchen Sie sich eine der genannten Methoden aus. Damit sollten Sie regelmäßig Ihren aktiven Wortschatz erweitern.

* Der durchschnittliche aktive Wortschatz umfasst etwa 12.000 bis 16.000 Worte. Wir verstehen im Schnitt viermal so viele. Je nach Zählweise hat die deutsche Sprache bis zu 500.000 Ausdrücke. Shakespeare benutzte etwa 29.000 Worte, Luther 23.000 und Goethe 60.000 Worte. Es ist also – für die meisten von uns – noch ausreichend Luft nach oben.
** Ich freue mich, wenn Sie mir weitere Synonyme in die Kommentare schreiben.

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